Mobbing in Miami

Letzte Woche wurde der Offensive Tackle der Miami Dolphins, Jonathan Martin, vom Donnerstagsspiel aus „emotionalen Gründen“ aus dem Spielerkader genommen. Der Grund war wohl eine Art mehr oder weniger subtiles Mobbing seitens der Teamkollegen. Im Lauf des Wochenendes wurde die Sache klarer: Die erfahreneren Spieler im Dolphins-Kader sollen die üblichen Rookie-Verarschungen (Stichwort: Spendieren von fetten Sterne-Menüs) auf die Spitze getrieben haben und angeblich manche Rookies an den Rand des Ruins gebracht haben [1][2].

Martin ist kein Rookie mehr (sondern zweites Jahr), soll aber im Sommer angeblich von Line-„Kollege“ Rich Incognito um 15.000 Dollar erpresst worden sein – und gezahlt haben. Incognito (ein Weißer) soll Martin (Kind aus einer Mischehe) rassistisch beleidigt haben und via SMS sogar mit dem Tod gedroht haben. Das sind heftige Dimensionen, und man fragt sich, warum ein Trainerstab bzw. ein Owner so etwas zulassen kann. Oder ist es die NFL-Denke von wegen „nur die Härtesten überleben“, die Besitz von Incognito genommen hat?

Incognito wurde auf unbestimmte Zeit suspendiert. Martin traut sich aus Angst vor Repressalien nicht, die Sache offiziell bei der NFLPA anzuzeigen. Diese nimmt nun von allein Ermittlungen auf.

13 Kommentare zu “Mobbing in Miami

  1. Mir kommt die Empörung so gekünstelt vor. Gruden hat beim Packers Spiel auch dauernd gesagt „I have Never seen something…“! Könnte mir gut vorstellen, dass das doch öfter vorkommt, vielleicht nicht in dieser extremen Form aber so ein locker room ist schon ein Testosteron-Schuppen. Das mit dem Essen bezahlen wurde quasi mehrmals bestätigt bzw. gabs ja bei den Giants auch die Videos vom Prince. Ross Tucker erzählt in seinem Podcast auch, dass er in jedem Team woher war getestet wurde und das es überall einen bullying guy gab…

  2. Pingback: Linkschleuder #1 – Unbezahlbar | THE FAT LADY SINKS

  3. Naja, sehr schwieriges Thema. Ich glaube schon, dass einiges hier etwas übertriebene Aufregung ist von Typen, die selber halt im Nachhinein vielleicht nicht zugeben wollen, dass sie jemanden gebullied haben oder selbst gebullied wurden.

    Jedoch, und das ist die andere Seite, nehme ich Meinungen von Typen vom Kaliber eines Warren Sapp oder Michael Irvin schon Ernst und die zeichnen eigentlich unisono ein Bild, dass es auch so etwas wie eine „locker-room police“ gibt, wenn der Locker Room funktioniert. Und dazu braucht´s eben Typen, die Verantwortung übernehmen.

    Mal etwas abgehobener formuliert: der Mensch ist ein Herdentier, ein Mitläufer. Wenn einer mit dem Bullying beginnt und keiner was dagegen sagt, dann kann das schnell ausarten. Denn derjenige der das Opfer ist, ist wahrscheinlich sowieso schon einer, der in der Hierarchie nicht besonders weit oben steht und traut sich damit dann erst Recht nichts dagegen zu sagen.

    Und hier würde ich den Bogen zum Fall in Miami spannen. Incognito ist doch keineswegs ein Typ der ein Leader innerhalb der Mannschaft ist. So wie es sich anhört, ist der eher das Arschloch, gegen das sich keiner was sagen traut, weil es eben in dem Locker-Room keinen Leader gibt.

    Ich unterstelle mal, dass das was Polamalu über Pittsburgh sagt ansatzweise stimmt – in dem Locker-Room könnte vergleichbares wohl kaum passieren, weil Polamalu, Big Ben oder vielleicht Keisel sich solche Typen mal zur Seite nehmen würden und denen Umgangsformen beibringen.

    Kennt doch jeder aus der Schule: wenn einer der „Leader“ innerhalb einer Klasse was dagegen sagt, dass einer verarscht wird, dann findet sich schnell eine große Mehrheit mit „Zivilcourage“, die sich gegen den Fiesling stellen und ihn ausgrenzen – Problem solved (zu einem gewissen Grad).

    Nebenbei – und das finde ich interessant – sollte man sich in Miami auch ganz genau anschauen, wer da noch mit von der Partie ist, namentlich Mike Pouncey. Derselbe Mann, der sich gerne in der Öffentlichkeit mit „Free Hernandez“ (Aaron ist gemeint)-Kappen zeigt und mit relativ großer Sicherheit zu dessen mehr als suspektem Dunstkreis zu zählen ist. Da fällt es mir nicht besonders schwer zu glauben, dass der auch bei solchen kollegial wertvollen Aktivitäten einen guten Teil beiträgt.

  4. was ich in den Foren der amis gelesen habe ist auch unter aller sau,viele verteidigen Incognito weil für sie immer noch die NFL eine Liga ist wo nur die härtesten überleben.Dabei hat Incognito martin mit Mord gedroht und so was geht ja definitiv zu weit.Hoffe Martin wird sich durch so was nicht unterkriegen lassen.

  5. Die locker roomster police hab ich heut auch gehört im Jaguars Podcast. Da war die Rede davon das viel Blödsinn gemacht wurde und viele Dinge besprochen wurden, die niemals an die Öffentlichkeit sollten aber das ihn letzter Konsequenz immer für Ordnung gesorgt wurde bzw. Dummheiten verhindert wurden. Das „bullying“ an und für sich dürfte es aber oft geben…

  6. bin ich froh das mich „meine“ franchise mit so einem bullshit nicht belastet… bei den Colts wurde das ganze Rookie-„gebashe“ schon unter Dungy abgeschafft.
    Eine gesunde Lockerroom-Atmosphäre und guter Zusammenhalt im Team ist ein sehr wichtiger Aspekt um Erfolg zu haben.

  7. Pingback: Monday Night Football, #10: Vor Tampa Bay Buccaneers – Miami Dolphins | Sideline Reporter

  8. Der Report von Ted Wells ist raus, und er malt kein gutes Bild von den Zuständen in Miami:

    The Report concludes that three starters on the Dolphins offensive line, Richie Incognito, John Jerry and Mike Pouncey, engaged in a pattern of harassment directed at not only Jonathan Martin, but also another young Dolphins offensive lineman and an assistant trainer. The Report finds that the assistant trainer repeatedly was the object of racial slurs and other racially derogatory language; that the other offensive lineman was subjected to homophobic name-calling and improper physical touching; and that Martin was taunted on a persistent basis with sexually explicit remarks about his sister and his mother and at times ridiculed with racial insults and other offensive comments.

    Trainerentlassungen in der Offseason sind in der NFL unüblich, aber nicht ausgeschlossen, dass der Dolphins-Owner Stephen Ross nicht doch noch den Stecker zieht.

  9. Pingback: Miami Dolphins in der Sezierstunde | Sideline Reporter

  10. Pingback: Carolina Panthers in der Sezierstunde | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  11. Pingback: Ein Jahrzehnt auf dem Buckel: Der NFL Draft 2005 in der Analyse | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  12. Pingback: Oakland Raiders 2019 Draft Analyse: Risk = No Fun | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.