NFL-Power Ranking 2013, Woche 9: Der beste Spieler der Liga fällt aus

Da waren wieder einige hauchdünne Spiele in Woche 9 dabei. Das faszinierendste war für mich das Donnerstagnachtspiel MiamiCincinnati: Die Dolphins waren nicht die bessere Mannschaft, aber sie waren zeckig und nutzten die fehlerhaften Würfe bei QB Andy Dalton (wir diskutierten schon unter der Woche drüber). Auf der anderen Seite war es eine eindrucksvolle Bengals-Vorstellung, die allerdings ihren DT Atkins mit Kreuzbandriss verloren. Großartige Spielzüge wie Bernards TD-Lauf und ein wuchtiger Sack zum Safety in der Overtime rundeten das Bild einer sehr gut exekutierten, spannenden Partie mit vielen Führungswechseln ab.

Weniger spannend: Die Panthers beim 34-10 gegen Atlanta. QB Newton mit einer für einmal schlechten Vorstellung, brachte keinen Ball downfield an den Mann. Das war aber nicht entscheidend, denn Atlanta schlug sich selbst: Vier Turnovers, kann passieren. Aber zusätzlich fünf geschenkte 1st-Downs für die Panthers durch Falcons-Strafen. My ass. So kannst du deinen Gegner aufbauen. Ganz schwach von Atlanta, das in der Offense so eindimensional geworden ist, dass man die Saison getrost abschreiben kann.

Wer sich letzte Woche aufregte über meine Matt-Stafford-Huldigungen: Bitte. San Diego Chargers. 21-24 Spielstand, 4th-Down und 1yd an der Washington-Goalline mit nur noch ein paar Sekündchen auf der Uhr. Der Chargers-Staff scheißt sich einen in die Hose und lässt kicken. Redskins gewinnen prompt in der Overtime.

New England mit der besten Saisonleistung in einem offensivorientierten Spiel gegen die Pittsburgh Steelers. OK. Wer’s kommen sah. New England mit der mit Abstand besten Offensiv-Vorstellung. In der zweiten Halbzeit funktionierte erstmals seit längerer Zeit auch wieder die pfeilschnelle No-Huddle Offense. TE Gronkowski ist auch Gold wert und wenn WR Dobson nicht drei Drops pro Catch begeht… es mag sein, dass Pittsburghs Defense unter ihrem Alter ächzt, aber nichtdestotrotz: Saubere Vorstellung, Pats.

Ein Gedanke, der mir schon vor ein paar Wochen kam, und im Pats-Spiel wieder: 15yds-Strafe gegen die Defense nach Touchdown. Du darfst von der Mittellinie den Kickoff ausführen. Zahlt es sich aus, einen Onside-Kick zu probieren? Also, keinen offensichtlichen, sondern einen überraschenden? Studien zeigen, dass „surprise onside kicks“ in 60% der Fälle erfolgreich sind; und ein missglückter in diesem Fall wäre kein Weltuntergang. Wie lange dauert es, bis das der erste Coach probiert? Rivera, it’s your turn.

Die Onside-Kicks probiert haben andere Teams. Großartig, was die Tampa Bay Buccaneers in Seattle veranstalteten, mit Onside-Kick, einem kuriosen Trickspielzug zum TD und generell einer mutigen ersten Halbzeit. Die Buccs verloren am Ende trotz 21pts-Führung in Seattle, weil sie mit zunehmendem Spielverlauf mutloser wurden und nur noch hofften, irgendwie mit Turnovers und unendlich Laufspiel die Führung nach Hause zu bringen, aber: Kudos an Greg Schiano. Das hatte ich nicht mehr erwartet, dafür umso mehr begeistert. Und von der Körpersprache sah das auch nicht mehr nach Selbstaufgabe aus. Überlebt Schiano also möglicherweise tatsächlich noch die komplette Saison?

Auch Green Bay im Monday Night Game mit einem interessanten Spiel: QB Rodgers musste früh mit gebrochenem Schlüsselbein raus, und so teuer ein selten eingesetzter Backup-QB ist, so wertvoll wird er in solchen Momenten. Nach Rodgers’ Ausfall ging nicht mehr viel im Passspiel; die RBs um Lacy sorgten zwar für wirklich erstaunlich effizientes Packers-Laufspiel, aber trotzdem brauchte es Zusatzunterstützung, und großartig, dass sich Mike McCarthy an den überraschenden Onside-Kick wagte. McCarthy machte freilich hernach wieder alle guten Eindrücke kaputt, und verschiss zum wiederholten Male mit katastrophalem Auszeiten-Management die Partie.

Auch das Sunday Night Game war wie erwartet ein enges Spiel, in dem sich die Houston Texans am Ende ärgern mussten, 24-27 verloren zu haben. Das Spiel war überwiegend irr genug um damit mehrere Absätze zu füllen: Drei verschossene Field Goals für Houston, ein geblocktes Field Goal gegen Vinatieri, tiefe Bomben, erfolgreiches Comeback der Colts undundund. Es war unterhaltsam, und das auf sehr gutem Niveau. J.J. Watt war mal wieder eine Augenweide, und mittlerweile könnte ich die DefCoord-Wertung auf Watt und Poe herabstreichen, aber so genial Watt ist, so gut fand ich diesmal auch QB Luck in einer kollabierenden Pocket; ein paar Sacks waren nicht zu vermeiden, aber Luck lavierte sich immer wieder gut heraus.

Der heimliche Star des Spiels war aber einer, bei dem ich schon kurz davor bin, den Fanshop der Texans zu räubern: QB Case Keenum. Gemessen an seinem Draft-Status (undrafted) eine erstklassige Vorstellung – die zweite sehr gute Keenum-Vorstellung hintereinander. Alle Welt fusselt sich bestimmt gleich s’Maul voll, wie die NFL Keenums Talent so missachten konnte? Dazu nur drei Stichpunkte: Keenum warf am College nur halb so gute Pässe wie sie die letzten zwei Wochen kamen. Und Keenum musste schwere Verletzungen durchstehen, nach denen man an seinem körperlichen Zustand zweifeln durfte. Und Keenum ist schon 25.

Ist Houston damit 2-6? Ja. Aber im AFC-Wildcardrennen würde ich die Texans noch nicht ganz abschreiben.

Den Moment des Tages lieferte Wade Phillips, der den kollabierten Gary Kubiak (musste zur Pause ins Krankenhaus) vertrat, und in der zweiten Halbzeit während einer Challenge siegessicher einen netten Plausch mit dem Side-Judge hielt. Phillips grinste sich entspannt einen ab, während der Head-Ref das Ergebnis des Video-Reviews verkündete – zu Phillips’ Erstaunen zu ungunsten seiner Texans. Schlagartig versteinerte sich Phillips’ Miene und er würdigte seinem Gesprächspartner keines Blickes mehr.

Das Power-Ranking nach Woche 9.

NFL-Power Ranking 2013, Week 9

NFL-Power Ranking 2013, Week 9

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 9.

Statistiken

Wichtigste Statistik-Inputs

Wichtigste Statistik-Inputs

Kommentarsektion

In der NFL-Spitze sprechen wir momentan über ein Sextett, aus dem kein klares „bestes Team“ auszumachen ist: Seattle behält trotz der erneuten Wackelvorstellung gegen die Gurken-Buccs die Position des Spitzenreiters, aber es ist hauchdünn: Zwei Tausendstelpunkte trennen die Hawks von den Denver Broncos. Knapp dahinter reiht sich das Quartett bestehend aus Saints, 49ers, Bengals und Packers ein. Vor allem die 49ers haben sich mit einem bärenstarken zweiten Saisonviertel wieder zurück ins Rennen gegroovt, und sehen aktuell im Vergleich mit den Seahawks wie die bessere Mannschaft aus.

Ein Wort vielleicht zu Seattle: Ja, momentan ist das wirklich etwas mau, was von dieser Mannschaft als Gesamtes kommt, und die Offense Line ist richtig schwach. Aber: Kann diese leichte Enttäuschung über die Hawks auch damit zu begründen sein, dass wir so hohe Erwartungen an diese Jungs hatten? Ich meine: Letztes Jahr war Seattle zu diesem Zeitpunkt keine .710 wert, aber knapp drunter, und ich hypte die damals noch völlig unbekannte Truppe (Seattle stand damals bei 4-4 und war für viele zu hoch an #6 im Power-Ranking) in die Höhe.

Seattle ist auf alle Fälle das kompletteste Team in den Big-Six, mit dem Trumpf des #1-Passdefense (5.0 NY/A). Denver hat zwar die beste Pass-Offense, aber eine schwache Pass-Defense. Green Bay ist nur Durchschnitt in der Defense, hat aber die ligaweit beste Offense (OK, Modell weiß nix von Rodgers’ Ausfall). Erstaunlich bei den Packers: Sie haben dieses Jahr nur 1.1% INT-Quote – die Packers, die die letzten Jahre stets Zillionen an Pässen abgefangen haben!

Wir können durchaus mal das Gedankenexperiment durchführen: Rodgers. Mit gebrochenem Schlüsselbein „auf unbestimmte Zeit“ draußen. Setzen wir für Rodgers’ Effizienz-Stats eine Liga-Durchschnittswert von 6.3 NY/A im Passspiel ein, fällt Green Bay sofort durch auf #15 (.521). Gehen wir davon aus, dass Wallace (oder Matt Flynn? – in Buffalo entlassen!) schlechter als Durchschnitt sind, z.B. runter auf 5.0 NY/A, sind die Packers per sofort nur noch als 26t-bestes Team der Liga anzusehen (.313). Allein an solchen Zahlenspielereien kann man den Wert des Aaron Rodgers für die Green Bay Packers erahnen: Er ist unbezahlbar.

San Francisco ist mit Colin Kaepernick übrigens auch schon wieder auf 7.1 NY/A im Passspiel, der ligaweit siebtbeste Wert.

Dahinter hat sich ein breites Mittelfeld etabliert. Philadelphia ist ein bissl ein Ausreißer, kletterte mit dem Kantersieg in Oakland (7 TD für Foles!) wieder ein paar Plätze. Detroit und Carolina sind im Ranking fast identisch, und auch im gefühlten Ranking: Beide würde ich in keinem Spiel gegen keinen Gegner als Außenseiter sehen, aber bei beiden weißt du: Sie bauen genügend Böcke, dass sie sich nicht als echte Superbowl-Mitfavoriten anfühlen… und möglicherweise schafft einer von beiden nicht mal die Playoff-Qualifikation.

New England ist der größte Gewinner des Wochenendes: Die Pass-Offense kletterte nach der Monster-Vorstellung gegen Pittsburgh von 5.1 NY/A (vorletzter Platz der Liga) auf immerhin 5.7 NY/A (#23 der Liga), und man nimmt wirklich an, dass es weiter aufwärts gehen wird, wenn diese Herrschaften so weitermachen. Ist New England damit auf einmal wieder ein AFC-Favorit? Vielleicht, denn die Pats sind 7-2, und werden ihre Offense weiter verbessern.

Kansas City rutscht trotz 9-0 Bilanz weiter ab, ist nur noch #16. Gefühlt 3-5 Plätze zu niedrig, aber: Das Glück ist aufgebraucht. Ab sofort werden die Gegner nimmer third stringer sein, sondern Manning, Luck und Rivers.

Update zu den kaum zu bändigenden Jets: Sie sind nach dem Überraschungssieg über New Orleans plötzlich mit 5-4 Siegen wieder ein Player im AFC-Wildcardrennen. Aber: Die Jets haben ein Punkteverhältnis von -62, sind 5-1 in engen Spielen und sind die #27 nach Pythagoreischer Erwartung. Yup, sie haben die Defense, um zwischendurch ein paar Upsets zu landen, aber ansonsten fühlt sich diese Mannschaft meilenweit von den Playoffs entfernt an.

Unten drin zementierte Baltimore mit Flaccos erneut pathetischer Leistung seine Stellung als eher unterdurchschnittliches Team, und für manche Beobachter wird der Absturz der Oakland Raiders auf #31 durchaus überraschend kommen, nachdem man die Raiders bis zum Eagles-Spiel als eher positive Erscheinung wahrgenommen hatte. Oakland ist in allen Belangen weit unterdurchschnittlich: Pass-Offense #24, Pass-Defense #26, Lauf-Offense #26, Lauf-Defense #21, vierthöchste INT-Quote in der Offense usw. „Optisch“ spielt das Team über den Erwartungen, aber vielleicht waren diese Erwartungen ja auch so niedrig, dass dies immer noch nur zu #31 reicht?

Die Buccs sind zwar mit 0-8 Bilanz auch eine Katastrophe, aber bei allem, was schief lief: Es ist eine 0-5 Bilanz in engen Spielen mit Freak-Pleiten gegen Jets und Saints zum Saisonstart sowie einer sehr ordentlichen Vorstellung in Seattle. Und der Schedule ist der bisher schwerste der Liga gewesen.

Im Divisionsvergleich bleibt die NFC West vorne:

  1. NFC West 0.544
  2. NFC North 0.535
  3. NFC East 0.532
  4. AFC West 0.505
  5. NFC South 0.502
  6. AFC North 0.473
  7. AFC East 0.466
  8. AFC South 0.442

Bei den Conferences baute die NFC ihre Führung diese Woche aus:

  • NFC 0.528
  • AFC 0.472

Award-Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offense-MVP Watch: P. Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson
  • Defensive-MVP Watch: Poe, J.J. Watt, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Justin Houston
  • Rookie of the Year-Watch: Star Lotulelei, Kiko Alonso, DeAndre Hopkins, Sheldon Richardson, Andre Ellington
  • Coach of the Year Watch: Chuck Pagano, Andy Reid, Sean Payton, Ron Rivera

Ich löse mein Versprechen ein: Auch wenn Rivera am Sonntag ein machbares 4th-and-2 nicht mehr ausspielte, so hatte er doch schon deutlich vorher im Spielverlauf, bei viel engerem Spielstand erneut die Eier, ein 4th-und-1 auszuspielen: Statt Field Goal scorte Carolina dabei einen vorentscheidenden Touchdown. Damit steht Rivera auf der Liste. Der nächste klopft schon an: Doug Marrone, der für meinen Geschmack in Buffalo einen mittlerweile guten Job erledigt.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 10

Letzte Woche eine 9-4 Bilanz für das Ranking, das nun den Ausfall des besten Spielers der Liga verkraften muss: Aaron Rodgers. Die Zahlen in Green Bay wurden und werden natürlich nicht für das offizielle Ranking adjustiert. Insgesamt steht das Ranking somit bei momentan 47-22 richtigen Tipps (68.1% richtige Tipps).

HOME                 %   AWAY                  %
Minnesota           43   Washington           57
Atlanta             30   Seattle              70
Chicago             48   Detroit              52
Green Bay           62   Philadelphia         38
Tennessee           85   Jacksonville         15
Indianapolis        82   St Louis             18
NY Giants           80   Oakland              20
Pittsburgh          53   Buffalo              47
Baltimore           23   Cincinnati           77
San Francisco       65   Carolina             35
Arizona             49   Houston              51
San Diego           38   Denver               62
New Orleans         72   Dallas               38
Tampa Bay           35   Miami                65

Der Spread bei ColtsRams ist mir gefühlt zu hoch; die Rams sind keine unterirdische Truppe, und mit QB Clements höher einzustufen als vorher mit Bradford. Ich würde nicht soweit gehen wollen und ein Upset proklamieren, aber Indy in 8 von 10 Fällen zuhause gegen St Louis? Kommt mir zu hoch gegriffen vor.

Ansonsten: Drei Spiele, die quasi auf Münzwurf-Niveau bestritten werden (unter 55%), aber auch mehrere recht klare Angelegenheiten. Ich bin gespannt auf die Wettbüros: Wie wird Packers-Eagles dort bewertet?