Sofa-QBs, Gameday 10: Was ist der Top-Draftpick wert?

Fast eine Stunde heiße Diskussionen diesmal bei den Sofa-QBs zum 10ten NFL-Spieltag 2013. Eingeladen waren Andreas Renner/SKY, Christoph Fetzer/laola1.tv und meine Wenigkeit, um unter der Anleitung von Nicolas Martin/GFL TV mehr als einer Handvoll Spiele ordentlich auf den Zahn zu fühlen. Unter anderem:

  • Donnerstagsspiel: Warum kicken die Redskins von der 2? Was wird aus Josh Freeman?
  • Bears-Lions: Warum darf der verletzte Cutler fast durchspielen? Warum gewinnen die Lions plötzlich?
  • Packers-Eagles: Matt Flynn – warum erst jetzt? Nick Foles – career backup oder Starter per Akklamation?
  • 49ers-Panthers: Was ist Kaepernick wert? Panthers und 49ers: Zwei Kopien, aber welche ist besser?
  • Saints-Cowboys: Wer ist besser – Monte Kiffin oder Rob Ryan?
  • Colts-Rams: Welches, meine Fresse, ist das wahre Gesicht der Colts? Welches ist das unberechenbarste Team der Liga?
  • Titans-Jags: Was wird aus Mike Munchak?
  • Cards-Texans: Case Keenum – der nächste NFL-Star? Und warum zum Henker kacken die Texans dieses Jahr so derbe ab?
  • Und schließlich die Frage der Fragen: Ist der Top-Draftpick einen Saisonsieg wert? Was ist der erste Draftpick wert? Ist der erste Draftpick überhaupt was wert?

War eine sehr nette Diskussion diesmal. Unbedingt reinhören: Sofa-QBs, Gameday 10.

Monday Night Football, #10: Vor Tampa Bay Buccaneers – Miami Dolphins

Tonight: Der NFL-Krisengipfel aus Florida, Tampa Bay Buccaneers (0-8) vs Miami Dolphins (4-4), ab 02h30 live bei SPORT1 US und im Gamepass. Die Buccs habe ich vor zwei Wochen diskutiert und versucht aufzuzeigen, weswegen sie meine hohen Erwartungen nicht erfüllen können. Greg Schiano ist ungeachtet meines Abgesangs noch immer Cheftrainer, und die jüngsten Entwicklungen in der NFLPA-Ermittlung deuten darauf hin, dass Schiano möglicherweise nun doch bis Saisonende bleiben darf.

Die NFLPA ermittelt sowieso mittlerweile an anderer Stelle, und zwar zufällig genau beim heutigen Gegner. Dort hat man aktuell – ich schrieb letzte Woche und im gestrigen Liveblog drüber – einen Mobbing-Skandal an der Backe. Mobbing ist immer eine ungute Sache, weil es erstens schwer zu erkennen ist und man zweitens oft nicht viel dagegen machen kann. Ich spreche aus Erfahrung: Jugendgruppen zu leiten ist nicht einfach. Bei Bauchwehgefühlen oder plötzlichen Kopfschmerzen werde ich mittlerweile schnell hellhörig. Ich habe das Glück, eine ausgebildete Pädagogin an der Seite zu haben, aber so einfach bekämpft auch sie subtiles Mobbing in der Gruppe nicht. Was die Sache erschwert: Es ist nicht leicht zu unterscheiden, ob es sich bei Sticheleien um freundschaftliches Blödeln oder Mobbing handelt. Die Grenze kennen vermutlich nicht mal die Beteiligten selbst. Meine Faustregel: Bei Bauchweh wird es allerhöchste Zeit zu handeln.

Jonathan Martin kommt aus der Oberschicht. Er wurde mit höherer Literatur und klassischer Musik aufgezogen. Er wurde an der Stanford University eingeschrieben. Ich glaube ohne mit der Wimper zu zucken dran, dass er in einer NFL-Umkleidekabine damit ein gutes Ziel zur Zerfleischung abgeben kann. Das mag ein fatalistisches Bild sein, aber es kommt nicht von ungefähr. Zehn Jahre Dunstkreis von Football, Kultur und Sportkultur haben sich zu einem gewissen Eindruck zementiert.

Die Geschichte hat in den US-Medien mittlerweile Kreise gezogen, die seltsame Blüten treiben. Wie der Sports-Guy Bill Simmons in seiner wöchentlichen Kolumne anmerkte, schwimmen in der Mobbing-Line gut ein Dutzend Nebenkriegsschauplätze mit. Immer mitten drin: Die Frage, wie tough ein Footballer sein muss. Man Up. Die Diskussion ist umso bizarrer, weil wir hier über ein Sportart sprechen, die ein ernsthaftes Problem mit schweren Kopfverletzungen (Gehirnerschütterungen, Traumata) und Selbstmorden zu lösen hat.

Das Thema wird heute Nacht mit ziemlicher Sicherheit bei ESPN noch einmal aufgegriffen, nachdem sich ein entrüsteter Jon Gruden schon letzte Woche mit anzweifelbaren Aussagen recht klar positioniert hat.


Sportlich ist es eine von noch acht Chancen für die als einzige Mannschaft 2013 noch sieglosen Buccs, eine peinliche zweite sieglose Saison der Vereinsgeschichte zu verhindern. Letzte Woche versuchte man es beim turmhohen Favoriten Seattle in der ersten Halbzeit mit einer sehr geilen Underdog-Strategie, die mich baff hinterließ. Die dort gesammelten Impressionen werden für mich Teil der Buccs-2013/14 bleiben, egal wohin der Weg noch führt: Das war ganz groß. Da ich es sowieso nicht fassen kann, dass so eine Mannschaft noch immer sieglos sein kann – wenn auch unglücklich mit verrückten Pleiten und 0-5 Bilanz in engen Spielen – gebe ich Tampa durchaus eine Chance.

Favorisieren würde ich trotzdem Miami. Die Dolphins sind wechselhaft drauf und momentan mit sich selbst beschäftigt, aber sie geben mit ihrer starken Lauf-Defense, sehr ordentlichem Passrush und der opportunistischen Offense ein relativ gutes Matchup ab. Sofern QB Ryan Tannehill hinter seiner Offense Line incognito bleibt, sehe ich Miami vorne.