CFL 2013, Conference Finals Preview

Wie schon die letzten Jahre konnte ich die Canadian Football League 2013 nur schwerlich verfolgen. Hatte ich als Schüler und Student noch die Zeit, mir gelegentlich die CFL reinzuziehen, gab es in den letzten 1-2 Jahren immerhin noch die Möglichkeit, CFL bei ESPN America zu verfolgen. Nicht so dieses Jahr. CFL beschränkte sich auf „on-demand“-Consum der TSN-Datenbank. Ein gutes on-demand (for free) Angebot zwar, aber CFL 2013 lief größtenteil an mir vorbei.

Diesen Sonntag finden die Conference-Finals statt, in denen die Teilnehmer am 101ten Grey Cup ausgespielt werden. Heut Vormittag hatte ich die Chance, mir die Tapes der Conference-„Semifinals“ (in Kanada eine Art Play-in) reinzuziehen, und wage mich mit wenigem Gesehenen und einigem Angelesenen an eine ausführlichere Vorschau auf die beiden Spiele.

Toronto Argonauts – Hamilton Tiger-Cats

Kickoff Sonntag 19h MEZ | Ab Montag on-demand bei TSN

Toronto gegen Hamilton ist quasi das „Regionalderby“ von Toronto, da die Tiger-Cats (oder, wer Eindruck schinden will: Die Ticats) im nahen Gülph ihre Heimspiele austragen und auch ihr derzeit im Umbau befindlichen Heimatstadion im 50km-Radius der größten kanadischen Metropole liegt. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern die Partie in Toronto die Massen bewegt, denn von meinem letzten Toronto-Besuch hatte ich den Eindruck, dass diese Stadt die Maple Leafs aus der NHL lebt und atmet, und dass sogar der Toronto FC aus der Major League Soccer mehr Resonanz im Großraum der Stadt erzeugt als die Argonauts, die immerhin eine der ältesten US-Franchises sind. Wie auch immer: Toronto ist der Titelverteidiger der CFL, und so lahm sie 2012 auch über weite Strecken spielten, so pathetisch ihr meist halbleeres Rogers Center auch oft wirkt, so feurig war das letztjährige Finale in einem rabaukenartigen Rogers Center.

2013 ist man wieder etwas langsam in die Saison gekommen, u.a. weil der QB #17 Zach Collaros, uns noch aus dem College Football bekannt, nicht in Schwung kam. In den letzten Wochen allerdings kehrte der etatmäßige QB #15 Ricky Ray zurück und seither glüht die Anzeigetafel! Ray fabrizierte in 10 Starts sensationelle 21 TD vs 2 INTs und 9.5 Y/A; Ray ist vielleicht noch einigen Madden-Spielern aus der NFL bekannt: In Madden-2005 scheint er im Depth-Chart der New York Jets auf. In der CFL ist er ein Star, der dieses Jahr viele Rekorde gesprengt hätte, wenn er die Saison heil durchgekommen wäre.

Toronto beendete die Regular Season mit 11-7 Siegen und dem besten Punktverhältnis im Osten. Allerdings müssen die Argos ab sofort auf den letztjährigen MVP RB Chad Kackert verzichten (Knöchel-OP). Ersetzt wird er durch den aus er NFL (Atlanta Falcons?) bekannten Jerious Norwood, ein Mann mit einer relativ tragischen persönlichen Geschichte.

Toronto gewann den Grunddurchgang der Eastern Conference und musste im Gegensatz zu Hamilton kein Play-In bestreiten. Die Ticats gewannen letzten Sonntag in der Overtime gegen Montreal nach einer dramatischen Schlussphase. Dabei wurde ein Altbekannter zum Helden: QB #13 Dan LeFevour, der bei Central Michigan am College vor wenigen Jahren mehrere Passrekorde sprengte und sich mit seiner beherzten Spielweise als weißer Scrambler in die Herzen der Fans spielte. LeFevour wird in Hamilton nicht als Starting-QB eingesetzt – diese Rolle besetzt der 38jährige Oldie #1 Henry Burris – sondern als eine Art freakiger „change of pace QB“ für spezielle Offensiv-Packages, in denen sein double threat von Vorteil ist. Am letzten Sonntag tauchte er im entscheidenden Spielzug in die Endzone nach einem Spiel, das so furchterregend schwach war, dass es schon wieder unterhaltsam war: Alles war dabei, von Sturmböen zu Regenschauern, matschigem Boden, verkickte Field Goals (solche Dinger gibt es in der NFL mit ihren Superstadien leider mittlerweile viel zu selten), ein Halbzeitstand von 2-0 pro Montreal durch zwei Singles, endlose Schiedsrichterdiskussionen, nur um am Ende zwei zum Leben erweckte Offences zu sehen, die sich die Kante gaben und plötzlich spielten als gäbe es kein morgen.

Das Wetter wird in der Rogers-Halle keine Rolle spielen, insofern ist qualitativ ein besseres Spiel zu erwarten. Ich traue den Ticats nicht. Ohne Windunterstützung sehe ich für diese Defence keine Chance, Ricky Ray und seine Armada zu stoppen, trotz der guten Ergebnisse in der Regular Season gegen Toronto (2 von 3 gewonnen). Toronto Argonauts for Grey Cup.

Calgary Stampeders – Saskatchewan Roughriders

Kickoff Sonntag 22h30 MEZ | Ab Montag on-demand bei TSN

Gehen wir rein nach Qualität der Ansetzung, ist das das vorweggenommene Endspiel: Calgary (14-4) als bestes Team des Grunddurchgangs, aber die Saskatchewan Roughriders (11-7) sind nur ein i-Tüpfelchen hinter den Stamps anzusiedeln. Es ist die ligaweit beste Offence (Calgary) gegen die ligaweit beste Defence (Saskatchewan) bzw. die ligaweit zweitbeste Offence (Saskatchewan) gegen die ligaweit zweitbeste Defence (Calgary) – jeweils nach Punkten. Den Unterschied in der Saisonbilanz kann man an knappen Spielen ablesen: Calgary war darin 4-3, Saskatchewan 4-6. In der Regular Season spielten beide viermal gegeneinander; dreimal gewann Calgary, aber zweimal davon denkbar knapp – und deswegen haben sie heute Heimvorteil.

Es dürfte auch von den Emotionen her das bessere Spiel sein als das erste Conference-Finale, denn Westkanada ist CFL-Territorium. Okay, die NHL dominiert Kanada, aber im Westen ist die CFL nur knapp dahinter. Würden wir sämtliche Ost-Franchises samt Toronto einstampfen, den Leuten im Westen wäre es egal, und sie würden einen flotten Dreier Calgary-Saskatchewan-Winnipeg veranstalten und die Liga hätte trotzdem bis in alle Ewigkeit Bestand.

Sportlich ist die Saison für den Head Coach John Hufnagel ein fettes Ausrufezeichen: 14-4 trotz einer unsäglichen Verletzungsmisere auf Quarterback: Erst wurde der unumstrittene Starter Drew Tate mit „Tennis-Arm“ rein- und rausrotiert, dann durch Backup Kevin Glenn ersetzt, der zeitweise von third stringer Bo Levi Mitchell vertreten wurde. Diese Misere machte aus Calgary ein Team, das für CFL-Verhältnisse erstaunlich lauffreudig ist, und entsprechend wenige Turnovers begeht. Nur 2 INTs pro 100 Passversuche sind quasi nix, und solange der brachiale FB Jon Cornish 7.0 Y/A erläuft, muss der Offence nicht bange sein. Glenn führt die Mannschaft dann auch mit relativ fehlerarmem Spiel an.

Was kann Saskatchewan da gegenhalten? Eine opportunistische Defence, die zwar durchaus viele Yards zulässt, aber die wenigsten Punkte der Liga. Man hält sich mit INTs und sehr guter Goal Line Defence über Wasser. Ist das haltbar? Nun, zumindest gibt es Superspieler wie den DE #99 Alex Hall, der im Lauf der Saison von Winnipeg per Trade geholt wurde. Hall ist eines dieser Monster, das möglicherweise tatsächlich nächstes Jahr einen NFL-Platz kriegen könnte.

Tja, und dann wäre da die Riders-Offence. Sie wird immer noch angeführt vom alten Recken QB #4 Darian Durant, einem schwarzen Krieger, der stets so spielt als sei ihm sein Körper kein Jota wert. Durant spielte seine beste Saison ever. 7.8 Y/A und nur 2.2% INT-Quote sind die Durant exzellente Werte. Man muss dazu sagen, dass Durants Qualitäten auch den Scramble zur rechten Zeit umfassen. Die Offence ist eh eine der konservativsten, was PlayCalling angeht: Man versucht noch ganz old-school, Laufspiel über den Brocken RB Kory Sheets zu implementieren, und dann, wenn der Gegner die Box zustellt, den Kurzpass zu werfen. Fraglich ist allerdings Sheets’ Gesundheitszustand nach schwerer Verletzung.

Zweifel gibt es auch ob der Fitness von Slotback #89 Chris Getzlaf, dem wichtigsten Skill-Player neben Durant (Knieverletzung), und von SB #81 Geroy Simon, dem 38jährigen ewigen Yards-Leader der CFL-Geschichte.

Hochziehen können sich die Riders aber auf alle Fälle an dem gigantischen Comeback-Sieg am letzten Sonntag gegen die BC Lions, die in unmenschlichen Konditionen bei -15 Grad Celsius und gefrorenem Boden per beherztem „4th Quarter-Comeback“ geschlagen wurden. Weniger berauschend waren die drei Viertel zuvor, als man an die Wand gespielt wurde und wohl selbst nicht wusste, weshalb man am Ende überhaupt die Chance zum Comeback bekam.

Ich bin Saskatchewan-Fan. In meinem Zimmer hängt noch immer eine grüne Riders-Fahne aus Regina. Aber ich tue mir schwer zu glauben, dass das heute in Calgary gut geht – obwohl: Diese intensive CFL-Rivalität bot in den letzten Jahren immer wieder knappe, spannende Spiele, in denen gefühlt fast immer der Außenseiter in den Playoffs gewann. Trotzdem: Calgary ist effizienter, Calgary sollte das Endspiel erreichen, das nächsten Sonntag ausgerechnet in Regina/Saskatchewan ausgetragen wird.

Nachklapp – NFL in Wembley 2013

Die Hymnen vor dem Spiel: NFL-Wembley 2013

Die Hymnen vor dem Spiel: NFL-Wembley 2013

Ich bin letzte Woche nicht dazu gekommen, deswegen heute ein kurzer Nachklapp zum zweiten Wembley-Wochenende der NFL 2013/14, dem Spiel Jacksonville JaguarsSan Francisco 49ers am 27. Oktober. Ich habe ein Fanberichte aus erster Hand von den Lesern Chris, Markus, Leon, Rice Up, Maurizio und Seven Destiny bekommen, und von Meiklson Bildmaterial.

Allgemeiner Tenor: Das Event als Ganzes war sehr gut geplant und gut durchgezogen, allein das Spiel war ein Langweiler und für die meisten auch für die maue Stimmung im Stadion verantwortlich. Generell scheinen die Jaguars viele Sympathien gesammelt zu haben.


Die Fan-Rally wurde dieses Mal wieder – im Gegensatz zum Septemberspiel – nicht mehr in der Regents Street abgehalten, sondern am Trafalgar Square. Von der in manchen Medien kolpotierten Besucherzahl von „bis zu 70.000“ soll die Fanmeile allerdings selbiges entfernt gewesen sein… nämlich meilenweit. Sehr positiv bewertet wurde der Fakt, dass sich die Jaguars mit der kompletten Mannschaft präsentierten, der unterirdischen Saisonbilanz trotzend. Fred Taylor war anscheinend auch dort, und soll einen sehr freundlichen Vertreter für „seine“ Franchise gegeben haben. Von der Anzahl der Fans wurde zwar geschätzt: Mehr 49ers-Fans, aber auch gleichzeitig mehr Fans im Jaguars-Trikot als angenommen.

Sehr positive Kritiken bekam die Tailgating-Szenerie: Wer mit Eintritts-Armband ausgestattet war, kam anscheinend blitzschnell durch. Der Ansturm muss wohl größer gewesen sein als erwartet; die Plätze in der Tailgating-Zone sollen jedenfalls bald etwas eng geworden sein. Es waren offensichtlich auch mehrere hundert Jags-Fans aus Übersee nach London geflogen, die sehr relaxte Gesprächspartner abgaben und die London-Atmosphäre lobten. Das Wetter war auch deutlich besser als befürchtet.

Das Spiel selbst ist schnell mit 49ers-Dominanz überschrieben. Die Jaguars hatten keine Chance. Das beste am Spiel soll der Einlauf des Jags-Maskottchens „Jackson de Ville“ (oder Devil?) gewesen sein. Im Stadion erlebt man aber offensichtlich einen besseren Chad Henne als am TV: Das Spiel wirkt schneller, die Aktionen selbst eines unterdurchschnittlichen NFL-QBs wie Henne wirken deutlich fluider und man beginnt zu begreifen, dass da wirklich Meister ihres Fachs in dieser Liga rumlaufen. Auf der anderen Seite soll die Stadion-Perspektive auch offen gelegt haben, dass ein Henne mittlerweile so verunsichert ist, dass er wie Gabbert nur noch den Checkdown sucht, um ja keine groben Fehler mehr zu machen.

Die Stimmung im Stadion wurde unterschiedlich bewertet: Überwiegend kann sie wohl mit „mau“ umschrieben werden, aber das ist bei einem Spiel, das schon ausgangs des ersten Viertels tot ist, kein Wunder. Rice Up saß im Unterrang auf der Seite, auf der die Jaguars einliefen, und beschrieb die Stimmung dagegen als „brillant“ trotz Spielverlauf. Von meiner persönlichen Warte kann ich hinzufügen, dass es im neuen Wembley-Stadion durch die schieren Dimensionen fast zwangsläufig unterschiedliche Zonen mit unterschiedlicher Atmosphäre gibt. Klar, wenne in einer „ruhigen“ Zone hockst, kann das schon mal etwas enttäuschend wirken. Auch beim Fußball fand ich die Arena nicht so besonders laut, zumindest gemessen an ihrer Größe.

Unisono kritisch gesehen wurde die Preisgestaltung rund um das NFL-Spiel, Eintrittspreise ins Stadion ausgeschlossen (diese sollen fair gewesen sein). Beim Rest muss man sich anscheinend fragen, für welche Menschen so ein NFL-Ausflug noch finanzierbar ist.

Nachfolgend: Die Bildergalerie, die mir Meiklson hat dankenswerter Weise zukommen lassen (Klick auf ein Bild zum Start der Galerie).