NFL-Power Ranking 2013, Week 11: Den Geschmacksnerv getroffen

Das Monday Night Game Carolina PanthersNew England Patriots traf meine Geschmacksnerven am süßlichen Ort. Es gehörte zu den Spielen dieser Regular Season, die mich am meisten begeisterten: Knappes Spiel, gute Ausführung, knisternde Atmosphäre. Carolina, dieser heimliche Riese, der seit über einem Jahr massiv unterschätzt wird, weil er keine knappen Spiele gewinnen kann, holte sich die zweite hautenge Partie en suite: 24-20 gegen einen AFC-Favoriten New England, der nicht schlechter war, aber ein bissl unglücklicher.

Man kann sich an der Referee-Entscheidung aufhängen oder nicht. Ich kann die Aufregung nachvollziehen, aber ich kann ebenso nachvollziehen, weswegen die geworfene Flagge am Ende wieder eingesteckt wurde: Der Kontakt kam reichlich spät, als der Ball bereits deutlich unterworfen war; Gronkowski bewegte sich bereits vom Ball weg und „uncatchable“ fand ich beim zweiten Hinschauen für ein adäquates Bewertungsmaß. Um über weitere Penalty-Möglichkeiten wie Defense-Holding urteilen zu können, fehlt mir die Detail-Regelkenntnis. Festzuhalten bleibt allerdings eins: #59 Luke Kuechly, dieser famose Abwehrchef der Panthers, riskierte mit dem unnötigen Körperkontakt die Partie.

Fakt ist: Das Spiel war geil. Wenige Drives, aber lange Drives. Fast immer endeten sie in Punkten. Nur drei Punts. Beide Offenses mussten sich gehörig in die Waagschale legen, um die Yards zu erkämpfen, da beide Defenses hielten. Es gab nur vier Spielzüge, die weiter als 20yds gingen – und es störte kein Jota. Dafür hohe Verwertungsraten in dritten Downs. Ein QB Cameron Newton mit einem der spektakulärsten broken play-Rettungen des Jahres. Überhaupt waren beide Quarterbacks gut drauf und hatten hohe Completion-Rate auf ihren kurzen Routen.

Es gab 12 Strafen? Sie fielen nichtmal so ins Gewicht; vielleicht sind wir in der heutigen NFL mit ihren restriktiven Regeln für besseren Gesundheitsschutz einfach mehr gewohnt. Talib gegen Steve Smith war erwartet unterhaltsam, u.a. mit einer zünftigen Schlägerei. Die Panthers sprangen nicht nur im letzten Play von der Schippe, sondern schon in der ersten Halbzeit: Im ersten oder zweiten Pats-Drive verlängerten sie zweimal in 3rd-Downs mit Penaltys den Drive, eroberten aber in der RedZone einen Fumble und blieben unbeschadet.

New England muss sich nicht wegen der Leistung grämen, aber hätte im vierten Viertel von der CAR 8yds Line bei 17-17 Zwischenstand mit 6:35 auf der Uhr ein 4th-und-1 ausspielen können; Belichick ließ zur Führung kicken. Der 4th-Down Calculator ist nicht so eindeutig wie es mein Gefühl vermuten ließ (61% Break-Even, allgemeine Verwertungsrate 68%), aber ausspielen wäre definitiv die wünschenswerte Alternative gewesen, vor allem mit dem besten Sneak-QB der NFL-Geschichte in Brady.

Du kickst von der gegnerischen 8yds-Line und endest mit einem Verzweiflungs-Play von der gegnerischen 18yds Line – so geht es oft in der NFL. Ich hätte ausgespielt. Immer mehr Coaches folgen derzeit dem Mathletics-Beispiel, aber noch nicht alle. Belichick, dieser Guru und auch in Sachen Advanced-Stats einer der Vorreiter, zog es diesmal vor zu kicken.

Das Power-Ranking nach Woche 11.

NFL-Power Ranking 2013, Week 11

NFL-Power Ranking 2013, Week 11

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 11.

Statistik-Tabelle

Wichtigste Statistik-Inputs für Power-Ranking #11, 2013

Wichtigste Statistik-Inputs für Power-Ranking #11, 2013

Kommentarsektion

Führungswechsel ganz oben: Die Saints gewannen zwar nur knapp gegen die 49ers, aber hinter dem Endergebnis von 23-20 steckt eine dominante Performance, die sich die Saints mit einer Latte an überflüssigen Turnovers zwischenzeitlich selbst kaputt zu machen drohten.

Die 49ers auf der anderen Seite fallen nach einer weiteren pathetischen Offense-Vorstellung auf #9 zurück. Die Offense ist nach kurzem Strohfeuer im Oktober nun wieder auf 6.1 NY/A und Liga-Mittelmaß im Passspiel zurückgefallen. QB Colin Kaepernick hat weiterhin in Boldin und Davis nur zwei Anspielstationen, brachte am Sonntag gegen die stark verbesserte, aber noch nicht wirklich hochklassige Saints-Defense katastrophale 3.7 NY/A an den Mann.

Auffällig: San Francisco hat kein vertikales Element mehr im Spiel. Der Bolzen Boldin ist per Definition eine Mitteldistanzwaffe, und Davis wohl nicht fit genug um öfters downfield zu gehen, und dahinter gibt es nix. Manningham und Baldwin waren auch am Sonntag Ausfälle. Kaepernick muss Teil des Problems sein, denn die Coaches scheinen ihm nicht mehr so viel vom Spiel in die Hände legen zu wollen, aber ich tue mir schwer, Unterschiede zwischen Kaepernick 2012 und Kaepernick 2013 herauszuarbeiten: Der Mann wirft weiterhin relative Raketen, und gelegentlich überzogen hat er letztes Jahr auch. Ich bin momentan geneigt, viele der Niners-Probleme an den Skill-Positionen festzumachen. WR Crabtree kann nicht schnell genug zurückkommen, aber nach Achillessehnenriss wird er kaum sofort bei 100% sein. Und genau diese 100% bräuchte San Francisco händeringend.

Philadelphia ist offiziell das alljährliche Ausreißerteam, Ausgabe 2013. Die Eagles machten die Washington Redskins dreieinhalb Viertel lang komplett nieder, gewannen am Ende aufgrund eines aufgelackerten Comebacks viel zu knapp 24-16. Ich finde genug Dinge, die mich bei den Iggles skeptisch machen, aber Fakt ist auch: Sie halten sich quasi von Beginn des Power-Rankings vor sechs Wochen dort oben fest. Und die Defense schaute gegen RG3 lange Zeit total dominant aus. Philly mit 7.5 NY/A die viertbeste Pass-Offense plus eine mittelmäßige Defense, und das gegen einen Schedule, der schwerer ist als jener der anderen Topteams dort oben.

Cincinnati bleibt weiterhin in den Top-5, aber ich zweifle nach der katastrophalen Offensiv-Vorstellung gegen Cleveland (dass Cincinnati 41 Punkte machte, ist Wahnwitz) deutlicher als je zuvor an der Qualität des QBs Dalton. Verrückter Gedanke: Sollte ein Team wie Atlanta (also eines ohne echten QB-Need) den Top-Pick erhalten, würde ich an Bengals-Stelle darüber nachdenken, „all in“ zu gehen und mir mit Nachdruck einen Freischuss auf ein Top-QB Prospect erkaufen… ok, ich denk noch mal drüber nach, aber die Idee schleppe ich seit 2-3 Wochen mit mir herum und wollte ich mal dokumentiert haben.

Cleveland rutscht übrigens auf #14 hoch! Die Browns verloren zwar besagt 20-41 in Cincinnati, aber: TD-Drives der Bengals waren 22, 38 und 52yds, also alle aus exzellenter Feldposition. Die Browns-Defense ist kein Problem, sie ist vielmehr nach den Metriken dieser Power-Rankings die drittbeste der NFL (u.a. #3 Passdefense mit 5.1 NY/A und #4 Laufspiel). Die beste? Cincinnati: 5.0 NY/A Passspiel als #2, und neuntbeste Lauf-Defense.

Muss ich über das Sunday Night Game schreiben? Ja, kurz. Beide Teams haben ziemlich genau das Erwartete gezeigt: Broncos mit 8.1 NY/A Passspiel fast genau im Saison-Soll, die Chiefs waren mit dem erwartet schnellen Rückstand erwartet überfordet. QB Smith mit unter 50% Completion-Rate und nur 4/13 Rate bei 3rd-Downs, und vor allem: War schnell zum Scrambeln gezwungen. So mobil Smith ist: Das ist nicht seine gewohnte Methode. Ausgangs des dritten Viertels schlug sich die Dominanz der Broncos auch in Punkten nieder. Kansas City ist womöglich besser einzustufen als #17 im Power-Ranking, aber ich tue mir trotzdem hart, diese Mannschaft als, sagen wir, 12-4 Kaliber einzustufen.

Zum Bodensatz: Tampa arbeitet sich hoch. Die Buccs grooven! Ich sitze mit heller Begeisterung vorm PC und staune über die mutigen PlayCalls des Head Coaches Schiano. Schiano ist dead man walking und wird der Rasur im Jänner kaum enfliehen, aber diese letzten Wochen waren trotzdem fantastisch. Am Sonntag muss man Detroit, und völlig chancenlos ordne ich die Buccs nicht ein. Das direkte Duell CB Revis gegen WR Calvin Johnson dürfte eine Augenweide werden.

Ein Wort noch zu Detroit: Ich schrieb schon im Liveblog, dass die Schwartz’sche Entscheidung zum Fieldgoal-Fake keine ökonomische Entscheidung im rationalen Sinne war, aber ich war trotzdem angenehm angetan von der Entscheidung: Zu oft habe ich einen zu ängstlichen Schwartz in den letzten Jahren gesehen. Da hab ich ehrlich lieber mal ein schlecht kalkuliertes Risiko als noch dreimal den eingezogenen Schwanz… und ganz nebenher: Solche FG-Fakes sind häufig weniger mathematisches Produkt, sondern die Tatsache, dass man im Videostudio eine Schwachstelle beim Gegner entlarvt hat. Der Spielstand war 27-23 pro Lions, ein TD hätte die Partie quasi entschieden. Ich kann mit der Entscheidung gut leben, trotz allem.

Der Conference-Vergleich sieht die AFC (.464) diese Woche eine Spur auf die NFC (.536) aufholen. Bei den Divisionen sieht das Power-Ranking weiterhin alle vier NFC-Divisionen auf den ersten vier Plätzen; der Spitzenreiter bleibt die West-Division mit durchschnittlicher Qualität von .568; das Schlusslicht ist noch immer die South-Division mit .402.

Award Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offensiv-MVP: Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson, LeSean McCoy
  • Defensiv-MVP: J.J. Watt, Poe, Justin Houston, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Luke Kuechly
  • Rookie-Watch: Sheldon Richardson, Star Lotulelei, Kiko Alonso, Andre Ellington, Eddie Lacy, Keenan Allen, Larry Warford
  • Coach-Watch: Sean Payton, Andy Reid, Ron Rivera

Ich entschließe mich nach PFF-Lektüre, den Lions-OG #75 Larry Warford in die Watchlist für den Rookie-Preis aufzunehmen. Zugegeben, qualitativ kann ich nicht viel in der Diskussion beitragen, aber die verfügbaren Metriken lassen auf eine bockstarke Lions-Line „interior“ schließen – und das fällt auch auf Warford zurück. Sehr guter Mann.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 12

Woche 11 glückte mir im persönlichen Bauchgefühl-Tippen so gut (12-3 korrekt), dass ich bei NFL-Crush die zwischenzeitlich verlorene Führung zurückerobern konnte. Ich weiß: Sie hält nicht lange an, deswegen mach ich mal ein Bier drauf auf. Das Power-Ranking war eine Spur weniger präzise, krankt vor sich hin: 9-6 gewonnene Tipps (62-36, 63.2%). Die Tipps für Woche 12 schauen so aus:

HOME                 %   AWAY                  %
Atlanta             20   New Orleans          80
Cleveland           62   Pittsburgh           38
Detroit             79   Tampa Bay            21
Green Bay           83   Minnesota            17
Kansas City         55   San Diego            45
St Louis            38   Chicago              62
Miami               39   Carolina             61
Baltimore           47   NY Jets              53
Houston             87   Jacksonville         13
Oakland             34   Tennessee            66
Arizona             65   Indianapolis         35
NY Giants           63   Dallas               37
New England         40   Denver               60
Washington          39   San Francisco        61

New England ist nach diesem Modell +/- 4pts-Außenseiter zuhause gegen Denver. Das mag erstaunen oder nicht. Aber Denver ist mit seiner Pass-Offense weiterhin eines der NFL-Spitzenteams. Im zweiten großen Primetime-Spiel ist San Francisco ähnlich klarer Favorit in Washington; wenn die 49ers gegen die inexistente Secondary der Redskins nicht punkten, wann dann?

Klarster Favorit des Tages ist Houston, das gegen Jacksonville ran darf. Das Modell gibt den Texans dabei einen zusätzlichen Boost durch den Heimspielvorteil, aber wer das letzte Spiel der Texans im Reliant Stadium sah, fragt sich ob des gellenden Pfeifkonzerts, ob das ein Vorteil ist. Wen Head Coach Kubiak diesmal benchen wird?

Das 9-1 Team Kansas City ist nur dank Heimspiel leichter Favorit gegen San Diego. Auf der anderen Seite werden die Ravens mittlerweile so negativ angesehen, dass sie schon nichtmal mehr gegen die Jets als Favorit im eigenen Stadion gelten. Wie auch? Die Jets sind Week-to-Week W-L-W-L-W-L-W-L-W-L… was wohl diesmal folgen wird?

10 Kommentare zu “NFL-Power Ranking 2013, Week 11: Den Geschmacksnerv getroffen

  1. Wie kann der Ball eigentlich „uncatchable“ sein wenn der Spielzug in einer Interception endet?

    Article 3:

    Permissible Acts:

    (c) Contact that would normally be considered pass interference, but the pass is clearly uncatchable by the involved players.

  2. In der Regel steht aber nichts von „player of the offense“, sondern „durch die beteiligten Spieler“.

  3. Wie schätzt Ihr eigentlich die Chancen von Terrance Williams auf den ROY ein? Seine reinen Stats sind durchaus auf Augenhöhe mit Keenan Allen.

    Wobei mein Bauchgefühl ebenfalls eher zu Ellington, Lacy oder Richardson tendiert…

  4. Ich bin ja für Eddie Lacy aber die letzten beiden Spiele ohne Aaron Rodgers hat auch er nicht mehr so gut ausgesehen… 😦 Ich hoff er rennt die Vikings dann nieder… 🙂

  5. @Red_7: Gering. Der Knackpunkt ist IMHO, dass Allen sich zum Top-Receiver seiner Offense zu entwickeln scheint, während Williams in Dallas nur die #4 hinter Bryant, Austin und Witten (bzw. #3 wenn man Austin rausrechnet) ist. Wenn du hinter einem Bryant zurückstehst, werfen dir außerdem schnell alle vor, dass du nur von der mächtigen Nummer 1 profitierst, ob fair oder nicht.

  6. Naja, Austin hat vier Spiele gemacht bisher. Ich sehe Williams schon als unsere #2 bei den Wideouts. Mal schauen wie es ab dieser Woche weitergeht.

    Eure Einschätzung deckt sich mit meinem Bauchgefühl, auch wen ich finde das Williams sehr große Schritte gemacht hat im 2.Saisonviertel. Aber ich wollte einmal eine Einschätzung von Leuten die nicht jedes Dallasspiel sehen…

  7. Pingback: Monday Night Preview, #12: Washington Redskins – San Francisco 49ers | Sideline Reporter

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