Taking the Wind

24. November 2002: Marty Mornhinweg, Lions-Headcoach, bevorzugt nach gewonnenem Münzwurf in der Overtime gegen die Chicago Bears mit Star-QB Jim Miller den Wind anstelle des Ballrechts. Detroit verliert. Der Call ist regelmäßiger Gast in den Top-10 Momenten der schlimmsten Fehlentscheidungen von NFL-Coaches.

24. November 2013: Bill Belichick, Patriots-Headcoach, bevorzugt nach gewonnenem Münzwurf in der Overtime in der Overtime gegen die Denver Broncos mit Backup-Journeyman Peyton Manning „under center“ den Wind anstelle des Ballrechts. New England gewinnt. Der Call…

…ach, lasst den Medienleuten doch ihre Freude am Geschichten spinnen.

Monday Night Preview, #12: Washington Redskins – San Francisco 49ers

Den Abschluss von NFL-Woche 12 macht heute Nacht das Monday Night Game (ach was?) zwischen Washington Redskins (3-7) und den San Francisco 49ers (6-4). Die Ansetzung ist reizvoll, nicht nur wegen zwei der spektakulärsten Quarterbacks in der NFL, sondern auch wegen der Umstände: Für Washington ist es das Spiel der letzten Chance. Für San Francisco noch nicht, aber die 49ers brauchen dennoch dringend die Big-Points, um im hochklassigen Wildcard-Rennen der NFC nicht ins Hintertreffen zu geraten. Und schließlich auf Match-Up Ebene: Der strauchelnde Pass-Angriff der Niners gegen die schlechteste Secondary der Liga (WAS mit 7.5 NY/A die #32) – wenn nicht heute, wann dann gibt es die Chance zur Renaissance für Colin Kaepernick und seine Jungs?

Offen gestanden: Mit einer Einschätzung, ob diese Renaissance heute gelingen wird, schieße ich ins Dunkle. Ich habe keine Ahnung. Ich habe im Power-Ranking von letzter Woche beschrieben, weswegen mich die Offense der Niners perplex hinterlässt: Kaepernick ist Kaepernick. Granaten-Wurfarm, Super-Scrambler, schlampig „pre-snap“ (viele verbrannte Timeouts) und ungestüm nach dem Snap. Hatten wir alles 2012. Haben wir alles 2013.

Zwei Dinge, die allerdings diesmal anders sind: Das downfield-Element. Das geht den Niners komplett ab. Boldin ist per Definition eine Mitteldistanzwaffe. Vernon Davis ist offensichtlich nicht fit genug für die markanten tiefen Routen durch die Spielfeldmitte, die 2012/13 so großartig funktionierten. Heute soll WR Crabtree sein Comeback feiern. Ich würde nicht drauf wetten, dass ein von Achillessehnenriss kurierter Crabtree sofort massiven Impact hat, aber es gibt zumindest die Hoffnung.

Das zweite Element: Kaepernick kassiert viel mehr Sacks als letztes Jahr (fast um 50% höhere Sack-Rate). Ich würde rein den optischen Eindrücken nach vieles davon auf beschriebenes mangelndes downfield-Element schieben; Kaep muss einfach zu oft den Ball halten. Aber Kaep dürfte nicht komplett freizusprechen sein: Ein mobiler QB sollte hinter einer so guten Offense Line nicht so viele Sacks einstecken.

Der Gegenüber Robert Griffin III erlebt aktuell, wie das NFL-Leben ohne reibungsloses Laufspiel aussieht. RG3 ist nicht horrend, aber es geht alles einen Zapfen unrunder als letztes Jahr. Die Scrambles sind zögerlicher, die Würfe eine Spur unpräziser, und weil Washington mit seiner katastrophalen Defense häufig Rückständen hinterher läuft, ist RG3 noch öfter gefragt, per den Gegner per Wurfarm zu attackieren. RG3 hat alle Tools, aber die nutzt er dieses Jahr zu ineffizient. Er hat auch nicht die optimale Unterstützung durch die Skill-Players, und er ist noch blutjung, insofern würde ich nicht zu viele Abgesänge anstimmen. Wäre RG3 letztes Jahr nicht so sensationell gewesen, würden wir ihm keinen Strick aus einem okayen, aber nicht großartigen zweiten Profijahr (zumal nach schwerer Verletzung) drehen.

Personell ist San Francisco vor allem in der Defense den Redskins haushoch überlegen besetzt. Es bräuchte schon einen unvorhergesehenen kompletten Zusammenbruch der Niners-Defense, damit ich Washington eine reelle Siegchance gebe. Tipp: 49ers gewinnen und Mike Shanahan kann beginnen, sich gedanklich auf einen neuen Arbeitgeber für 2014 einzustellen.