Akademische Viertelstunde vor dem Rivalry-Weekend

Das letzte College-Wochenende vor Thanksgiving hat nicht enttäuscht und standesgemäße Ergebnisse geliefert, die uns ein Thanksgiving-Wochenende bescheren werden, das sich komplett gewaschen hat. Zu den Details mehr im Laufe der Woche. Heute ein Blick zurück auf die Spielwoche 13, aufgeteilt diesmal nach Conferences.

Southeastern Conference (SEC)

#1 Alabama schlafwandelte sich durch ein 49-0 über Chattanooga aus der FCS und verbrauchte dabei in etwa so viel Energie wie Auburn, das am nächsten Wochenende der Gegner in Tuscaloosa sein wird, nämlich gar keine.  Die Iron Bowl wird zum Play-in für das SEC-Finale, und Auburn hat sogar noch Außenseiterchancen auf das BCS-Finale. Wenn mir das einer im Sommer gesagt hätte…

Aber es ist nicht nur Auburn in der SEC, es ist auch #5 Missouri. Mizzou hält sein Schicksal in der anderen SEC-Division (East) weiterhin selbst in der Hand, putzte Ole Miss in einem Spiel mit viel Spoiler-Potenzial souverän 24-10, und kann durch die Bank zufrieden sein: QB James Franklin kehrte wieder zurück, und der Sieg kam in erster Linie durch eine geschlossene Mannschaftsleistung zustande. Mizzou ist damit 6-1 in der SEC-East, South Carolina 6-2, wobei die Gamecocks das direkte Duell gewonnen haben. Mizzou braucht am Samstag immer noch einen Heimsieg gegen Texas A&M.

Dass der nicht ausgeschlossen ist, dafür steht die Leistung der Texas A&M Aggies dieses Wochenende: Ein 10-34 bei den LSU Tigers. LSU ist die einzige Mannschaft im College-Football, die Johnny Manziel zweimal wirklich entzaubern konnte; das schaffte nichtmal Alabama. Manziel mit einer gemessen an seinem Standard grottenschlechten Vorstellung, 16/41 und zwei INTs. Bärenstarke Defense-Leistung dagegen von LSU, das diese Saison bloß etwas zu wechselhaft war; LSU auf der Höhe ist eine Top-5 Mannschaft dank seiner Defense.

Ein krasses Ergebnis haben die Florida Gators anzubieten: Sie verloren zuhause gegen Georgia Southern, ein Mittelklasseteam aus der FCS (!) mit 20-26, und für den eh schon angeknockten Headcoach Muschamp muss die Art und Weise einem Kündigungsschreiben gleichkommen: Georgia Southern komplettierte nicht einen einzigen Pass mit seiner Offense, lief aber mit weit über 400yds über Florida drüber! Am Samstag kommt #2 FSU nach Gainesville; das wird dann entweder das größte Upset der Saison, oder der erste 70-Punkte-Sieg für FSU über den großen Staatsrivalen Florida.

Big 12 Conference

Ich weine um die Baylor Bears, die am Samstag von Oklahoma State komplett platt gemacht wurden und in Stillwater/OK mit 17-49 untergingen. Halb Amerika kriecht nun unter den Sitzen hervor und unterstellt Baylor „Gimmick“ und „not for real“, aber ich weiß nicht, ob das zu kurz greift: Ja, auch ich hatte am Samstag vor lauter Paranoia geschrieben, Baylor könne immer stolpern, aber das ist doch College-Football: Keine Mannschaft ist komplett genug, um per se ohne etwas Glück ungeschlagen durchzukommen. Am Samstag lief alles gegen Baylor: Verletzungsausfällen mehrerer Offense-Stars (u.a. RB Seastrunk) und daraus folglich kein Laufspiel; ein Turnover früh im Spiel an der OSU-1yds Line, ehe die Cowboys mit einem 99yds-TD Drive antworteten, und danach brachen alle Dämme: Drei Ballverluste für Baylor, fast 600yds in der Defense kassiert. Solche Dinge passieren.

Damit ist Oklahoma State in der Pole-Position in der Big 12 Conference: Die Cowboys sind 7-1 conference-intern und können in zwei Wochen mit einem Sieg im Bedlam-Derby gegen die Oklahoma Sooners (6-2) den Conference-Titel „clinchen“. Es wird allerdings wohl einen Sieg brauchen, denn Baylor ist mit 6-1 nicht weit dahinter; Baylor spielt noch gegen Texas und TCU, und wird beide Siege plus eine Pleite von Oklahoma State brauchen, um durch die Hintertür doch noch in die Fiesta Bowl einzuziehen.

Big Ten Conference

Nach den Ergebnissen von Samstag steht die Finalpaarung der Big Ten Conference fest: #3 Ohio State trifft auf #11 Michigan State; OSU fuhr über Indiana drüber, gewann nach 42-0 Führung mit 42-14. Michigan State gewann auch, hatte sogar erstmals seit langer Zeit sowas wie ein brauchbares Offense-Spiel beim 30-6 über Northwestern – jenes Northwestern, das nach seinem 4-0 Start vom September sieben Spiele en suite verloren hat und nun sogar aus der Bowl-Season gefallen ist.

Ohio State hat noch Außenseiterchancen auf die BCS, aber dazu müssten wohl entweder Alabama oder FSU beide verlieren… und das B1G-Finale gegen die Spartans ist auch kein Selbstgänger.

Atlantic Coast Conference

#2 FSU mit einem 80-14 über die Idaho Vandals ist durch und im ACC-Finale; die Noles am Samstag wie oben geschrieben mit einem trap game in Gainesville: Da kannste eigentlich nur verlieren nach dem totalen Abschuss der Gators. Der ACC-Finalgegner ist noch unklar: #24 Duke, das kleine versnobte Duke ist mit 5-2 Conference-Record (9-2 Bilanz overall) in der Front-Position, muss aber am Wochenende noch gegen den größten Rivalen UNC spielen. Ein Sieg reicht für Duke zum ACC-Finale. Verlieren die Blue Devils allerdings, droht blankes Chaos… aber wer will sich schon freiwillig den FSU Seminoles am ersten Dezemberwochenende stellen?

Pac-12 Conference

Oregon ließ sich abschießen wie sonst nur Oregon andere abschießt: 16-42 gegen die Arizona Wildcats, bei Leibe kein Weltklassegegner. Damit ist Oregon im Rennen um die Pac-12 Krone raus und ohne Chance auf die Rose Bowl. QB Mariota mit einer schwachen Vorstellung, eliminierte sich aus dem Heisman-Rennen.

Stanford und die Arizona State Sun Devils (Sieg über UCLA) bestreiten das Pac-12 Finale am Nikolaustag. Arizona State ist für Beobachter des SRS keine allzu große Überraschung: Die Sun Devils sind seit vielen Wochen in der unteren Hälfte der National-Polls gerankt, aber mit dem fünft- oder sechstbesten SRS-Wert landesweit. Diese Jungs sind brandgefährlich, aber zu unkonstant, um wirklich sauber durch die Saison zu kommen. Am Wochenende spielen sie gegen den innerstaatlichen Rivalen Arizona, und mit einem Sieg erspielen sich die Jungs von Todd Graham das Heimrecht im Pac-12 Finale, obwohl man zu Saisonbeginn das erste direkte Duell mit Stanford verloren hatte.

Die anderen Conferences

The AmericanUCF bleibt in der Pole-Position um den Conference-Sieg, der einen AQ für die BCS-Bowls garantiert. Louisville leistet sich zwar seit dem Lapsus gegen eben UCF keine größeren Blöße, aber man braucht Schützenhilfe, um noch irgendwie an UCF vorbei zu ziehen. Und mal ehrlich: Beide gehören qualitativ nicht in die BCS.

Mid-American Conference#14 Northern Illinois bleibt ungeschlagen und ist für das MAC-Finale qualifiziert. NIU ist kein richtig BCS-würdiges Team, ganz offen gesagt, aber die Huskies sind noch immer in der Pole-Position auf den BCS-Spoiler. Solange die Regelung es zulässt, ist das okay. Es ist bloß so, dass die Huskies im Vergleich zu anderen Mid-Major Giganten wie Utah, Boise, Nevada oder TCU zwei Nummern kleiner ist. Der MAC-Endspielgegner wird entweder Bowling Green oder Buffalo sein; beide sind keine unschlagbaren Gegner.

Mountain West Conference#16 Fresno State steht im Conference-Finale; der Gegner steht noch nicht fest, aber er wird dieses Wochenende zwischen Utah State (6-1 Conference) und Boise State (5-2 Conference) entschieden. Utah State hat dabei dank Heimspiel gegen Wyoming die deutlich bessere Position. Aber die Aggies wursteln sich in den letzten Wochen auch schön mit knappen Siegen durch die Saison. Boise verlor seine Spitzenreiter-Position durch eine Overtime-Pleite bei San Diego State. Kurios: Nach SRS sind sowohl Utah State als auch Boise State in einem Endspiel gegen Fresno leicht zu favorisieren.

Das BCS-Bowl Bild sieht damit in etwa so aus (Achtung, ich treffe viele Annahmen):

  • BCS-Title Game: Alabama – Florida State ist die wahrscheinlichste Paarung.
  • Orange Bowl: [at-large] – [at-large] ist am wahrscheinlichsten.
  • Sugar Bowl: Auburn/Mizzou/Alabama – [at-large]
  • Rose Bowl: Ohio State/Michigan State – Stanford/Arizona State
  • Fiesta Bowl: Oklahoma State/Baylor/Texas – [at-large]

Ein At-large Bid geht an den Sieger der The American: UCF wie geschrieben der Favorit, aber Louisville hat noch eine kleine Außenseiterchance. Ein zweiter At-large Bid könnte an einen Mid-Major gehen, wobei NIU favorisiert ist, wenn man ungeschlagen durchkommt; Fresno State könnte bei NIU-Niederlage bereit stehen, hat aber wohl den schwierigeren verbleibenden Schedule.

Weitere Kandidaten für At-large Bids: Wisconsin (2 Niederlagen, davon eine unberechtigte) aus der Big Ten Conference; sollte Ohio State das Conference-Finale verlieren, ist auch Ohio State ein Kandidat, per At-large durch die Hintertür in die BCS zu rutschen (wobei es für Ohio State sehr schnell auch bei entsprechenden Ergebnissen noch hoch ins BCS-Title Game gehen kann). Clemson (1 Niederlage) aus der ACC könnte für die Orange Bowl ein attraktiver, weil geographisch naher Kandidat sein. Oder wird es Duke? Die Blue Devils können sich ja noch per Sieg im Conference-Finale automatisch qualifizieren. Aber eins nach dem anderen: Erstmal muss Duke überhaupt dorthin kommen.

Sugar Bowl: Hier ist noch alles offen. Auburn-Mizzou-South Carolina sind alle noch potenzielle Conference-Champs und könnten Alabama stürzen. Sollte das passieren, könnte es für Auburn/Mizzou aber sogar noch hoch ins BCS-Title Game gehen.

Es ist also noch vieles drin, und genau so soll es vor den letzten beiden Spieltagen sein: Viel zu gewinnen, viel zu verlieren. Dann ist es aufregend. Abschließend wie immer die BCS-Rankings nebst SRS-Werten.

Die BCS-Rankings nach Woche 13

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama            11-0    25.9
#2   Florida State      11-0    31.2
#3   Ohio State         11-0    22.0
#4   Auburn             10-1    17.0
#5   Missouri           10-1    20.9
#6   Clemson            10-1    18.3
#7   Oklahoma State     10-1    22.0
#8   Stanford            9-2    20.5
#9   Baylor              9-1    26.8
#10  South Carolina      9-2    16.2
#11  Michigan State     10-1    13.3
#12  Arizona State       9-2    22.7
#13  Oregon              9-1    24.7
#14  Northern Illinois  11-0     9.5
#15  Wisconsin           9-2    21.0
#16  Fresno State       10-0     7.5
#17  Louisiana State     8-3    17.6
#18  Oklahoma            9-2    11.3
#19  Central Florida     9-1     9.3
#20  Louisville         10-1    10.6
#21  Texas A&M           8-3    14.2
#22  UCLA                8-3    16.2
#23  USC                 9-2    15.1
#24  Duke                9-2     9.7
#25  Notre Dame          8-3     7.1

Instant Classic: New England Patriots – Denver Broncos

Das Sunday Night Game New England Patriots vs Denver Broncos hatte viele Elemente von „Instant Classic“, inklusive großer Comebacks, interessanter Coaching-Entscheidungen und adäquatem Overtime-Verlauf. Es war nicht das beste Spiel der Saison, aber eines der spektakulärsten. Ein paar Dinge, die in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz kommen dürften:

  1. QB Peyton Manning hatte eine verheerende Nacht: 38 Dropbacks und dabei nur 3.7 NY/A, das ist – erraten – unter der Tebow-Zone. Das geht vielleicht unter, weil Denver schnell hoch führte und Manning einen großen Comeback-Drive orchestrierte, aber insgesamt sind das bemerkenswert schlechte Zahlen.
  2. Die eh schon dezimierte „innere“ Patriots-DL hat weiterhin große Probleme, das Laufspiel zu stoppen; die Defense, die als #31 der Lauf-Verteidigungen nach SR% ins Spiel gegangen war, ließ sich von Denvers nur mäßig furchteinflößendem RB-Duo Ball/Moreno für 280yds überlaufen.
  3. Fumbles waren eine wichtige Geschichte des Spiels: Ich meine, ich habe oft thematisiert, wie komplett zufällig sich die Fumble-Recovery verhält; sie ist ein Münzwurf-Spielzug, über die keine NFL-Mannschaft Kontrolle hat. Am Montag? New England hatte sechs Fumbles, Denver fünf. Das sind freakig hohe Zahlen für ein NFL-Spiel und ich bin mir nicht sicher, ob die Eiseskälte in Foxboro dafür mitverantwortlich war (eine frühere Studie von mir zeigte nur sehr begrenzte Korrelation zwischen kaltem Wetter und Fumbles). Denver eroberte gleich die ersten drei und ging 24-0 in Führung. Danach passierten noch acht Fumbles, und New England eroberte davon sechs.
  4. Ein bissl fühlte ich mich zwischendurch an das letztjährige Monday Night (oder Sunday Night?) Game der Patriots gegen San Francisco zurückversetzt: Auch dort lagen die Pats zwischenzeitlich mit vier Touchdowns zurück, obwohl sie eigentlich ebenbürtig gespielt hatten; auch damals waren die Turnovers für das tiefe Loch mitverantwortlich. Auch damals drehte New England das Spiel, als sich die ganz größten Zufälle nicht mehr allein gegen die Pats verschwört hatte.
  5. Keine Lust auf eine „momentum“-Diskussion. Nur so viel: Bei so vielen unkontrollierbaren Zufallsevents wie Fumbles und Windstärken von 20 mph dürfte emotionale Konzentration nicht der spielbestimmende Faktor gewesen sein, trotz der 24-0 und 31-0 Runs der beiden Teams. Der Spielverlauf bestätigt das; Denvers Pass-Offense war prinzipiell nie im Spiel, da die Broncos schon 17-0 führten, als Manning zum ersten Mal ernsthaft geprüft war.
  6. Ich fand Belichicks Entscheidung, den Wind zu nehmen, mutig. Und ich fand die Entscheidung richtig; vor ein paar Wochen prügelte ich auf Ravens-HC Harbaugh ein, der in ähnlichen Verhältnissen den Ball nahm. Ich akzeptiere in diesem Punkt gerne andere Meinungen und glaube nicht, dass es die absolute Wahrheit ist, aber in einem Dome fände ich die Overtime-Entscheidung haarig. In solchen Windverhältnissen wie Foxboro wäre es für mich ein no brainer, den Wind zu nehmen und zu hoffen, dass meine Defense selbst den besten gegnerischen QB Manning stoppen kann. Denn: Der zweite Ballbesitz ist „four down football“. Teams werden dort u.U. zu ihrem Glück gezwungen, den Drive auszuspielen. Das ist sehr viel erfolgsversprechender als three down football. Wie gesagt: In einem Dome ließe ich mit mir reden. Im windigen Foxboro nicht.

Am Ende ein krasser Spielverlauf in einem Spiel, das nur wenig Aufschluss über die wahre Stärke beider Teams gab. Es war bezeichnend, dass ein kurioser muffed punt mit dem eigentlich so verlässlichen Wes Welker im Mittelpunkt die Partie am Ende entschied. Schade für die vielen Zuschauer, die zur Pause nach Hause gefahren waren; auf der anderen Seite: Von New Englands wetterwendischem Publikum ist man nicht viel besseres gewohnt. Und wer nicht kapiert, wie zufällig Denvers hohe Führung überhaupt zustande gekommen war, ohne großes eigenes Zutun, der ist selbst schuld (außer natürlich, er war verkühlt und hatte am Montagmorgen einen lebenswichtigen Termin).