NFL-Power Ranking 2013, Week 12

Diese NFL-Saison 2013/14 ist nicht nur gefühlt sehr schwer zu prognostizieren, sondern auch auf dem Stat-Sheet: Das Power-Ranking hat nach 12 Wochen noch immer keine allzu gefestigte Form, und in Sachen Preview-Genaugkeit am abgelaufenen Wochenende erneut eine negative Bilanz eingefahren: 5-8 (bei einem Remis). und steht nun bei 67-44 richtigen Tipps über die Saison (60.3%).

Ich erwarte nicht, dass das Power-Ranking 100% richtig tippt. Besser: Ich will es nicht. Wenn mein Power-Ranking den Tampa Bay Buccaneers nur eine 21%ige Chance gibt, in Detroit zu gewinnen, dann heißt das nicht, dass Tampa immer verlieren wird. Nein: Auf Basis des Modells erwarte ich, dass Tampa ca. zweimal in zehn Versuchen auswärts gewinnen kann. Andernfalls wäre das Modell überkonfident.

Und mal ehrlich: Viel mehr kann dir nicht in den Schoß fallen als ein Dreipunktesieg mit fünf Turnovers (davon drei INTs an der GoalLine plus zweimal abgefälschte INT) beim Gegner plus geblocktem Punt in der RedZone. Ach ja, und: INT-Return zum TD und ein einzelner 85yds-Pass TD. Das war so ziemlich der einzige Weg, wie Tampa gewinnen konnte, daher würde ich die 79%ige Siegchance für Detroit auch nach dem negativen Ergebnis bestätigen. Was Detroit da veranstaltete, war Selbstzerstörung galore. Es war auch der einzige Weg, wie Tampa die Partie gewinnen konnte.

Im Ranking spiegelt sich die insgesamt maue Leistung auch in Form von sich verschlechternden Werten nieder; Detroit fällt auf #11 zurück. Dafür geistern sich nach den Ergebnissen am Wochenende andere Teams nach oben.

NFL-Power Ranking 2013, Week 12

NFL-Power Ranking 2013, Week 12

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 12.

Statistik-Tabelle

Statistik-Inputs für Power-Ranking 2013, Week 12

Statistik-Inputs für Power-Ranking 2013, Week 12

Kommentarsektion

Die Carolina Panthers sind das clutchigste Team der Liga. Sie gewannen schon wieder in den letzten Spielsekunden und brachten mit ihrer Clutchiness erneut die Refs dazu, eine enge Entscheidung pro Carolina zu fällen. Das ist Qualität! Carolina = neues Clutch-Team der Liga. Cam Newton = Eli Manning 2.0, nur besser!

Die San Diego Chargers sind das einbeinigste one trick pony der NFL, zumindest auf Makro-Ebene: Was die Pass-Offense um den wiedererstarkten QB Philip Rivers aufbaut, reißt die verheerende Secondary wieder ein. Auf Mikro-Ebene ist der Pass-Angriff der Chargers allerdings so breit, dass es breiter nicht geht: Es gibt keinen klaren Top-Wideout, auch wenn WR #13 Keenan Allen die Partie am Sonntag im Alleingang offen hielt und gefühlt 95% der Bolts-Yardage machte. Dahinter haste viele unbekannte Waffen, plus TE Gates plus den wendigen RB #39 Woodhead, der so gut drauf ist wie vielleicht nur noch 2010, als er sein Coming-Out in New England hatte. Der Mann mit dem Sieg-TD am Sonntag heißt übrigens Ajirotutu.

Einziger Konkurrent im one trick pony-Rennen: Denver, aber das wussten wir bereits.

Carolina ist clutch! Sie haben gelernt, die engen Spiele zu gewinnen!

Houston und Atlanta waren vor ziemlich genau einem Jahr in der Pole-Position auf den jeweiligen #1-Playoffseed in AFC und NFC. Heute sind sie Topfavoriten auf den Top-Draftpick 2014. So schnell kann’s gehen. Das Power-Ranking sieht allerdings beide Teams relativ entfernt vom Bodensatz, und das macht diese beiden Teams zu mächtigen Sleepern für 2014: Man stelle sich vor, Atlanta und Houston picken jeweils in den Top-3. Die Optionen wären gigantische: Passrusher wie Clowney oder Barr könnten warten, oder ein Franchise-QB für Houston. Sollte Atlanta tatsächlich die Wettbewerbsfähigkleit in der letzten Wochen einstellen (z.B. in Form von unglücklichen Schulterverletzungen bei QB Ryan) und ganz oben picken, könnten die Falcons auch massig Draftpicks per Trade einkaufen.

Trainerkarussell

Es gibt im Trainerkarussell fast immer eine Überraschung, aber rund einen Monat vor Saisonende können wir ja mal auf die offensichtlicheren Trainersituationen schauen. Ich hab das Thermometer mal an die Trainerstühle gehalten:

  • Heiß: Tampa Bay/Schiano, Minnesota/Frazier, Tennessee/Munchak, Washington/Shanahan, Houston/Kubiak
  • Warm: Detroit/Schwartz, Dallas/Garrett, Miami/Philbin
  • Am Abkühlen: Pittsburgh/Tomlin, NY Jets/Ryan

Schiano ist trotz Kampfgeist in der Mannschaft dead man walking. Favoriten auf die Nachfolge könnten Player’s Coach Lovie Smith (hat eine Buccs-Vergangenheit) oder der SF-OffCoord Greg Roman sein. Frazier ist für mich eigentlich ein guter in-Game Coach und nicht zwingend ein Entlassungskandidat, aber die Vikes werden im April (oder Mai? Wann ist Draft?) wohl einen neuen QB holen, und das geht oft mit einem neuen Coach einher (die Logik könnte man auch umdrehen). Munchak in Tennessee ist für mich ein no brainer: Munchak hat zwar eine ewige Historie in dieser Franchise, aber der Owner Bud Adams ist vor wenigen Wochen gestorben, und die neue Führung könnte sich veranlasst sehen, eine modernere Richtung einzuschlagen. Washington und Shanahan erhitzt sich rasant.

Kubiak? Es verdichten sich die Anzeichen, dass 2011 und 2012 die Ausreißer bei Kubiak waren, und nicht alle anderen sechs Saisons. Kann ein Coach deutlicher seine Situation beschreiben als der temporäre QB-Wechsel von Keenum zurück auf Schaub letzte Woche?

Vielleicht sollte man auch Philbin in die „Heiß“-Kategorie werfen; hier ist die Incognito-Untersuchung abzuwarten. Schwartz in Detroit ist aufgrund von Murmeltierschleifenproblemen unter mittlerweile strenger Beobachtung. Garrett in Dallas? Ich weiß, was Jerry Jones gesagt hat, aber Jerry Jones redet viel wenn der Tag lang ist. Und mal ehrlich: Garrett ist einer der schlechtesten in-Game Coaches. Du kannst einen Fan von der Tribüne an die Seitenlinie stellen und er coacht dir ein besseres Spiel.

Potenziell könnte sich in New York ein Trainerstuhl aufmachen, der nicht von Rex Ryan handelt: Es wird kolpotiert, dass der alternde Tom Coughlin seinen Rücktritt anbieten wird. Der Trainersessel bei den Giants dürfte einer der begehrtesten sein; könnte interessant werden…

Award-Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Brees, Calvin Johnson, Dontari Poe
  • Offensiv-MVP: Manning, LeSean McCoy, Calvin Johnson, Jimmy Graham
  • Defensiv-MVP: J.J. Watt, Poe, Justin Houston, Luke Kuechly, Richard Sherman
  • Rookie-Watch: Sheldon Richardson, Star Lotulelei, Kiko Alonso, Andre Ellington, Eddie Lacy, Keenan Allen, Larry Warford
  • Coaches: Ron Rivera, Sean Payton, Andy Reid, Belichick

Ich habe Romo und Andrew Luck aus der Watchlist gestrichen; beide sind Super-Spieler, aber die letzten Wochen waren insgesamt doch sehr blass. Ich überlege mittlerweile, zwei andere QBs in die Liste aufzunehmen: Chargers-QB Rivers, der gegen Kansas City eine weitere bärenstarke Leistung inklusive fantastischem TD-Pass zur Entscheidung beisteuerte. Und einen Langweiler: Brady. Bradys erste Saisonhälfte war teilweise schwach, aber Fakt ist auch, dass er mit einem Receiving-Corp ähnlich den Ravens zirka 300% das herausgeholt hat, was ein Flacco in Baltimore macht. New England ist ganz fett im Rennen und ich bezweifle, dass es einen wichtigeren Mann als Brady gab.

In der Defense beginne ich auch mal mit einer Aussortierung: Suh fliegt raus. Suh und Gerald McCoy sind beides Super-DTs, aber wir haben so viele Top-Kandidaten auf den Award, dass ich das Feld lieber mal beginne, einzuschränken. Man könnte überlegen, den Buccs-LB #54 David aufzunehmen: Großartiger Mann. Aber David ist wohl wie Hali in Kansas City: Es gibt in der eigenen Defense vmtl. 1-2 Leute, die noch wertvoller sind.

Bei meinem Lieblings-RB Jamaal Charles glaube ich weiterhin nicht, dass er in die Watchlist gehört: Charles‘ Laufspiel ist nicht effizient, und diese vielen Drops bei Kurzpässen werden schön langsam zu einem Problem für die Chiefs, zumal diese Checkdowns der Hauptbestandteil der Chiefs-Offense sind.

Bei den Coaches habe ich – ach wie langweilig – Belichick in die Watch-List aufgenommen. Es ist nicht nur die bemerkenswerte und in meinen Augen richtige Entscheidung, den Wind zu nehmen, nein: Belichick ist wie immer mehr: Belichick hat einen Kader in etwa auf Augenhöhe mit, sagen wir, den Rams, plus Brady. Er hat damit verdammt viel gemacht in der ersten Saisonhälfte, und ist, mit New England mittlerweile auf #8 im Power-Ranking (das mag die Pats sogar unterschätzen) mittlerweile wieder ein legitmer, ernst zu nehmender Superbowl-Favorit.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 13

Woche 12 war wie geschrieben enttäuschend für das Power-Ranking, aber wenn Jacksonville, Tampa und St Louis gewinnen, sind alle mathematischen Systeme chancenlos. Die Wahrscheinlichkeiten für den kommenden Spieltag:

HOME                 %   AWAY                  %
Detroit             52   Green Bay            48
Dallas              72   Oakland              28
Baltimore           44   Pittsburgh           56
Cleveland           86   Jacksonville         14
Indianapolis        59   Tennessee            41
Minnesota           43   Chicago              57
NY Jets             44   Miami                56
Philadelphia        64   Arizona              36
Carolina            76   Tampa Bay            24
Houston             42   New England          58
Buffalo             62   Atlanta              38
San Francisco       80   St Louis             20
Kansas City         30   Denver               70
San Diego           43   Cincinnati           57
Washington          41   NY Giants            59
Seattle             57   New Orleans          43

Viele knappe Matchups diesmal: Sechs Spiele sind innerhalb des 3pts-Spreads (57% Wahrscheinlichkeit), und drei weitere kratzen haarscharf daran. Der knappste Favorit ist Detroit, wobei das Modell weder weiß, noch sich drum scheißt, ob und in welchem Zustand Aaron Rodgers auflaufen wird.

SeattleNew Orleans ist das bislang hochwertigste Matchup der Saison: Seahawks wie Saints stehen im Ranking bei .754 auf #1 und #2, und werden erst durch die vierte Nachkommastelle getrennt. Durch den Heimvorteil schätzt das Modell folgerichtig die Siegchance der Hawks auf 57%.