NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 13

Die Sonntags-Vorschau wird zum Tummelplatz für Gast-Schreiber. Heute dran: Der Autor von Football is Sex, Baby!, Andy Goldschmidt, dessen Blogeinträge ich stets schätze, auch wenn sie seltener geworden sind. Eine College-Nacht, die – es liegt in meinem Gefühl – minimum ein denkwürdiges Ereignis fabriziert hat, und ein NFL-Spieltag: Dieses Wochenende ist ein gutes.


Tampa Bay Buccaneers @ Carolina Panthers

Hätte mir jemand nach Woche 5 gesagt, die Panthers gewinnen ihre nächsten sieben Spiele, hätte ich ihn wohl entgeistert angeschaut und seine Football-Expertise infrage gestellt. Zu groß waren die Verletzungssorgen und die haarsträubenden Entscheidungen von Head Coach Ron Rivera, dessen überkonservatives Playcalling und Entscheidungsmanagement zu mehr als einer Niederlage geführt haben.

Doch dann ging ein Ruck durch das Team: alle Mannschaftsteile klickten und Rivera wurde plötzlich mutiger. Von Woche zu Woche wurde offensichtlicher, wie viel Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Jetzt sind sie plötzlich ein ganz heißer Anwärter auf eine Wildcard-Platzierung und selbst der Division-Sieg ist durchaus noch möglich.

So gute Voraussetzungen haben die Tampa Bay Buccaneers nicht, jedoch sind auch sie gerade auf einem winning streak. Doch 3 Siege in Folge sind nach 8 Niederlagen zu Beginn zu wenig, um damit die Saison zu retten. Zumal die Panthers ein anderes Kaliber sind als Dolphins, Falcons oder Lions, die letzten drei Gegner der Bucs.

Carolina weiß, dass es mit New Orleans gleichziehen kann, sollten die Saints Montag Nacht gegen die Seahawks verlieren. Daher bin ich mir sicher, dass sie hochmotiviert in dieses Spiel gehen werden und am Ende mit ihrer neuentfalteteten Qualität die Bucs auch in der Höhe deutlich besiegen werden.

Tennessee Titans @ Indianapolis Colts

Noch vor ein paar Wochen hätte ich gesagt, dass dieses Spiel eine recht deutliche Angelegenheit ist: die Colts haben zwar nicht überragend gespielt, aber sie schienen sich im Vergleich zum Vorjahr weiterentwickelt und verbessert zu haben; Siege gegen die Seahawks und die Broncos schienen diesen Eindruck zu verstärken. Doch dann ein knapper 27-24 Sieg gegen die Texans und zwei krachende Niederlagen gegen die Rams und die Cardinals. QB Andrew Luck scheint seinen verletzten Top-WR Reggie Wayne schmerzlich zu vermissen und Wide Receiver-Kollege T. Y. Hilton schafft es bisher nicht, ihn zu ersetzen. Dazu kommt ein blutarmes Laufspiel, dass unter Trent Richardson sogar eher gelitten als profitiert hat.

In Topbesetzung sind die Colts ein erstzunehmendes Team, jedoch sind die vielen Verletzungen von Leistungsträger zu viel für einen Kader, dem es eindeutig an Tiefe fehlt.

Das Hinspiel gegen die Titans konnte Indy noch knapp mit 30-27 für sich entscheiden. Auch für das Rückspiel sollte man sich auf ein enges Match einstellen. Die Colts müssen gewinnen, wenn sie das Division-Rennen nicht unnötig spannend machen wollen und die Titans wissen, dass ein Sieg sie bis auf ein Spiel an die Divisionführung bringen würde.

Wenn es die Titans – und vor allem Backup-QB Ryan Fitzpatrick – schaffen, an die zuletzt guten Leistungen anzuknüpfen, kann es in der AFC South plötzlich wieder spannend werden. Die Titans-Defense ist allemal in der Lage, es mit der Colts-Offense aufzunehmen. Es liegt an Tennessee’s Offense, das Spiel zu entscheiden.

Denver Broncos @ Kansas City Chiefs

Das Spitzenspiel dieses Spieltags. Zwar ist die Erwartung an das Spiel nicht mehr so hoch, wie beim ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams vor zwei Wochen, doch minder wichtig ist das Spiel keineswegs. Beide Teams haben eine Bilanz von 9-2 und beide haben letzte Woche eine mehr und weniger überraschende Niederlage hinnehmen müssen. Wobei die Niederlage den Chiefs schwerer im Magen liegen dürfte, da sich die beiden OLB Tamba Hali und Justin Houston verletzt haben. Hali sollte wieder einsatzbereit sein, auf Houston müssen die Chiefs eine Weile verzichten.

Gegen die starke Broncos-Offense ist das ein herber Verlust. Das beste Mittel gegen einen Top-QB wie Peyton Manning ist es, ihn konstant unter Druck zu setzen. Ein Duo Hali/Houston wäre wohl um ein Vielfaches effektiver als nur Hali.

Doch die Verletzungen sind nicht die einzige Sorge der Chiefs. Bei der Niederlage gegen die San Diego Chargers zeigte die sonst bärenstarke Defense ungewohnte Schwächen, allen voran zeigten die Safeties eine erschreckende Leistung.

Gegen ein Broncos-Team, das sich mit einem Sieg die Divisionführung holen kann, dürfen solche Fehler nicht passieren. Es wird interessant sein zu sehen, wie beide Teams mit ihren jeweiligen Niederlagen umgehen. Verliert Kansas City dieses Spiel, wäre das die dritte Niederlage in Folge; ein Szenario das gegen Ende der Saison alles andere als wünschenswert für Chiefs-Fans wäre und den Broncos einen nicht zu nehmenden Vorteil im Endspurt verschaffen könnte.

Arizona Cardinals @ Philadelphia Eagles

Groß war die Aufregung als bekannt wurde, dass Chip Kelly neuer Head Coach der Philadelphia Eagles wird. Doch nach einigen Spielen war auch klar, dass es eine Evolution und keine Revolution ist, die Kelly in die NFL bringt. Das mag auch daran liegen, dass QB Michael Vick nicht der optimale Quarterback für sein System ist beziehungsweise war. Mittlerweile führt Nick Foles die Offense-Regie und was er letztes Jahr nur andeuten könnte, wird immer klarer: Foles hat absolut das Zeug zum NFL-Quarterback.

Doch Foles musste es bisher mit noch keiner Spitzendefense aufnehmen. Doch genau so eine wartet am Samstag mit den Arizona Cardinals. DL Calais Campbell ist derzeit einer der besten D-Liner der Liga und die beiden Cornerbacks Patrick Peterson und Tyrann Mathieu werden

harte Brocken für die Eagles-WR. Ein Wide Receiver wie Riley Cooper sollte große Probleme gegen die Cards-Secondary haben und auch DeSean Jackson hat es wohl schwerer als sonst seine Gegenspieler mit purem Speed zu überrennen.

Wichtig für die Cardinals ist es, dass sie mit QB Carson Palmer nun zumindest Stabilität auf der wichtigsten Offense-Position haben. Es wäre übertrieben zu sagen, dass Palmer seinen zweiten Frühling hätte, aber er spielt besser als in den letzten Jahren und ist ein deutliches Upgrade über alle Quarterbacks, die die Cards seit Kurt Warner hatten.

Jedoch braucht der Rest der Offense dringender denn je eine Rundumerneuerung: die O-Line ist eine Katastrophe und auch Larry Fitzgerald ist kein Spieler mehr, dem man einen Megavertrag anbieten würde.

Zumindest wenn die Offense der Eagles auf dem Feld steht, sollte es ein attraktives Spiel werden. Arizona darf sich keine Fehler erlauben, sonst wird es schwer, dass sie mit ihrer eigenen Offense das Spiel retten.

Dieses Spiel könnte maßgeblich das Playoff-Rennen beeinflussen, da beide Teams derzeit eine Chance auf die Wildcard-Plätze (theoretisch sogar den Divisionsieg) haben.

St. Louis Rams @ San Francisco 49ers

Die 49ers konnten das erste Aufeinandertreffen in St. Louis in Woche 4 klar mit 35-11 für sich entscheiden.

Doch so klar der Sieg auch war, die Saison der 49ers ist es absolut nicht. Die Dominanz der letzten Saison ist verschwunden und man kann getrost sagen, dass es einige Teams gibt, die gegen die 49ers regelmäßig gewinnen würden.

QB Colin Kaepernick hat in seiner ersten vollen Saison als Starter große Probleme, die sich nicht allein auf ein teils fragwürdiges Offense-Konzept zurückführen lassen. Positiv für Kaep sollte sein, dass er endlich wieder WR Michael Crabtree an seiner Seite hat. In der letzten Saison waren beide ein gefährliches Duo mit viel Zug zur Endzone. Wenn man sich dann noch auf das Laufspiel um RB Frank Gore besinnt, kann das eine dominante Offense gegen die Rams sein.

Die Rams haben derzeit wohl nicht die Möglichkeiten in der eigenen Offense, um die starke 49ers-Defense zu knacken. Es gelingt St. Louis auch nach zwei Dritteln der Saison nicht, WR Tavon Austin sinnvoll und effektiv einzusetzen. Solange sie keinen zentralen Platz für ihn in ihrer Offense haben, wird es schwer für sie, gegen gute Teams zu punkten.

Es ist ein sehr wichtiges Spiel in der starken NFC West. Die Seahawks haben mit 3 Siegen Vorsprung den Divisiontitel schon fast sicher, dahinter liefern sich die 49ers mit den Cardinals

ein Rennen um die Wildcard-Plätze. Nicht ausgeschlossen, dass die NFC West am Ende sogar 3 Playoff-Teilnehmer stellt, aber damit das geschieht, ist ein Sieg San Franciscos Pflicht. Sie sind vielleicht nicht mehr das Team, dass ständig im Fokus steht, aber unterschätzen sollte man diese 49ers dennoch niemals.

New York Giants @ Washington Redskins

Hartgesottene Optimisten haben vielleicht bis zum Spiel der Giants gegen die Cowboys gedacht, dass Big Blue nach einem 0-6 Start tatsächlich noch einen Run auf die Playoffs starten kann. Doch nach der letzten Niederlage dürfte endgültig klar sein, dass die Playoff-Aussichten stockduster sind. Die Offense um QB Eli Manning ist nur noch ein Schatten ihrer früheren selbst, vor allem WR Hakeem Nicks wirkt mit einem Schlag um 10 Jahre gealtert. Einzig die Defense ist ein Lichtblick: die Secondary wirkt deutlich stabiler als im Vorjahr und die Laufverteidigung durch die Defensive Tackles gehört zu den besten der Liga. Aber da hört das Positive auch schon wieder auf.

Ähnlich deprimiert wie die Giants-Fans sind die Anhänger der Washington Redskins. Letztes Jahr beflügelt von den Rookies QB Robert Griffin III und RB Alfred Morris, waren die Hoffnung für diese Saison enorm, zumal OLB Brian Orakpo von einer langwierigen Verletzung zurückgekehrt ist und der Defense Stabilität versprach. Doch schnell war klar, dass diese Saison anders wird als erhofft: Die Defense ist schlecht (laut PFF die drittschlechteste der Liga) und RGIII scheint noch nicht gänzlich von seinem Kreuzbandriss genesen.

Anfangs der Saison hat er seinem Knie eindeutig nicht vertraut, was sich im Laufe der Saison zwar besserte, aber dafür hat er plötzlich Probleme mit dem Passpiel: viele Pässe segeln viel zu weit und wären wohl auch für die schnellsten Receiver der Liga kaum zu erreichen. Von einem Sophomore mit so einer Rookie-Saison muss man einfach mehr erwarten, wenn es um klassische Quarterback-Fähigkeiten geht.

Angesichts der schwachen Leistungen beider Teams war es daher schon etwas überraschend, dass dieses Sunday Night Game nicht “geflext” wurde, also zugunsten eines attraktiveren Spiels nach vorn verschoben wird.

In den letzten Partien war es jedoch zwischen den Giants und den Redskins immer recht kurzweilig, was vor allem an den schwachen Defenses und den dadurch guten Offense-Aktionen lag. Im Sinne eines attraktiven Sunday Night Games hoffe ich, dass das auch diesmal der Fall ist.

Sendeplan

SPORT1 US heute mit folgenden Sendeplänen:

19h00  New York Jets - Miami Dolphins
19h00  Philadelphia Eagles - Arizona Cardinals (*)
22h25 Kansas City Chiefs - Denver Broncos
22h25 San Diego Chargers - Cincinnati Bengals (*)
02h25  Washington Redskins - New York Giants

PULS 4 hat pünktlich ab 22h25 Kansas City – Denver im Programm. Überraschend, da ich in Erinnerung habe, dass Walter Reiterer durchaus mit Cincinnati und/oder San Diego sympathisiert. Aber wurscht: Danke auf alle Fälle an Andy Goldschmidt für diese Vorschau.

3 Kommentare zu “NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 13

  1. Chiefs vs. Broncos ist das „Spitzenspiel des Spieltags“ …? Also ich sehe das Spiel der Saints @ Seattle zumindest ebenbürtig. Oder war gemeint „das Spitzenspiel des Sonntags“ ??

  2. Pingback: NFL-Spieltag #13, der Sonntag live: Schwerpunkt Philadelphia Eagles – Arizona Cardinals | Sideline Reporter

  3. mMn haben die Eagles nicht nur theoretisch Chancen auf den Divisionssieg. wenn sie so weiterspielen wie die letzten Wochen sind sie mit Abstand die stärkste Mannschaft der NFC East

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