Iron Bowl 2013: Kick, Bama, Kick!

In den Vereinigten Staaten wird darüber diskutiert, ob das Finish in der Iron Bowl 2013, #4 Auburn Tigers#1 Alabama Crimson Tide das beste aller Zeiten gewesen ist. Ich habe nicht genug College-Football in meiner Vita gesehen um in dieser Diskussion ernsthaft mitreden zu können, aber: Mein Fresse. Das Ding gehört nahe heran an die Top-5. Es ist der würdige Nachfolger von Punt Bama Punt. Es ist vielleicht sogar besser.

Der Reihe nach.

Die Ausgangslage vor dem Spiel war klar gewesen: Alabama als Topfavorit auf die BCS-Kristalltrophäe, musste aber gegen Auburn zwingend gewinnen um überhaupt das SEC-Finale zu erreichen. Auburn war nach einer starken, aber einigermaßen glücklich verlaufenen Saison als klarer Außenseiter ins Spiel gegangen. Aber Auburn hielt mit seinem Laufspiel die Partie lange offen und ließ sich selbst von einer dominanten Phase Alabamas im zweiten Viertel (3 TD en suite) nicht aus dem Konzept bringen.

Auburn biss, kratzte, und profitierte vom Fehlschussfestival auf Bama-Seite: Wie schon vor zwei Jahren im „Spiel des Jahrhunderts“ gegen Louisiana State versagte ein Bama-Kicker nach dem anderen, bizarrerweise hatte auch dieser die #43, Cade Foster: Zwei relativ machbare Kicks daneben, ein dritter geblockt. Auburn nutzte die Schwäche, um immerhin im Spiel zu bleiben, glich Ende drittes Viertel zum 21-21 aus.

Was fantastisch funktionierte bei den Tigers: Das Punting. Gleich zwei Punts landeten an der 1yds-Line und nagelten die Tide immer wieder hinten rein. QB #10 A.J. McCarron hatte 10:28 vor Schluss die Schnauze davon voll und feuerte einen 99yds-TD downfield für WR #9 Amari Cooper, der einen miserablen Tackling-Versuch des Safetys aussteigen lässt und durchläuft. Zwischenstand 28-21, und der Spielverlauf verlagerte sich immer weiter gen Alabama.

Nick Saban 5:38 vor Schluss mit der mutigen Entscheidung, einen vierten Fehlschuss zu umgehen, spielt ein 4th down und 1yds in der RedZone der Tigers aus – nach zwei bereits gestoppten Versuchen. Handoff für RB #3 T.J. Yeldon, aber der DE #55 Carl Lawson mit einem Stand, würgt den Versuch im Ansatz ab. Turnover on Downs.

Nach einem schnellen gestoppten Drive gegen Auburn marschiert Alabama erneut in Scoring-Reichweite, und diesmal lässt Saban von der 27yds-Line das Field Goal schießen: Geblockt. Erst lässt du von der 13 ausspielen, okay. Diese Logik leuchtet mir soweit ein, aber Minuten später von sehr viel weiter hinten erneut einem Kick zu vertrauen, ist aus Saban-Sicht zumindest inkonsequent. 2:32 verbleiben.

Auburns letzter Drive beginnt somit 152 Sekunden vor Schluss, aber von besonders viel Not ist nix zu spüren: Head Coach Gus Malzahn lässt einen Handoff nach dem anderen über RB Tre Mason ausführen, und Mason macht auch nicht die großen Yards, sondern die 4yds, 5yds-Runs, die dich im dritten Viertel weiterbringen, aber im Drive der letzten Chance?

Und während ich vor mich hinfluche, entfleucht der famose QB #14 Nick Marshall, ein recht banaler Werfer, aber ein famoser Option-QB für Malzahns Offense, dem Druck der Pocket und bringt aus abseitsverdächtiger Position (sprich: grenzwertig nahe an der Line of Scrimmage) einen quicken Kurzpass für WR Sammie Coates an, der alleingelassen der linken Seitenlinie entlang zum TD durchspazieren kann. Ausgleich 28-28. 32 Sekunden verbleiben, die Videobilder entkräften den Abseitsverdacht, Marshalls Fuß schlägt erst nach dem Wurf auf der Anspiellinie auf.

So oder so, Bama mit einer letzten Chance in einem mittlerweile Tollhaus von Stadion. 32 Sekunden zur Ewigkeit. Erster Pass: Incomplete. Danach eine Ballübergabe an RB Yeldon, um die Uhr herunterzulaufen, aber Yeldon bringt überraschenderweise 9yds aus einem Draw zustande, Ball an der ALA 38, und Saban zieht 7sek vor Ende die letzte Auszeit. Alabama kommt mit einem weiteren Run aus der Auszeitbesprechung, wieder Yeldon, der dem mittlerweile Sieb von Defense Line durch die Finger flutscht und links das Spielfeld runtertanzt, 24yds, und dann aus dem Spielfeld springt.

Uhr auf null, Spielende. Nicht ganz. Die Schiri-Crew berät sich und setzt zum Entsetzen der 85.000 im Jordan Hare Stadium die Uhr auf 1 Rest-Sekunde zurück. Auburns Seitenlinie tobt vor Wut, aber an der Entscheidung ist nicht zu rütteln.

Was macht Saban? Schickt seinen „long range kicker“ aufs Spielfeld, nicht Foster, der schon dreimal versemmelt hatte. Der Neue ist Freshman, #99 Adam Griffith, ein Nobody. Kein Hail-Mary Versuch Sabans, sondern ein Versuch, die Geister der Vergangenheit zu vertreiben und endlich den entscheidenden Kick zu versenken.

Malzahn beordert den Backup-WR #11 Chris Davis in die EndZone, um einen eventuell zu kurz geratenen Versuch zu returnieren.

Letzter Snap, Kick, der Ball gerät um ca. 3yds zu kurz und wäre ohnehin rechts vorbei gesegelt, aber Davis nimmt das Ei in der EndZone auf, und… ach, seht selbst:

Jeeeeeeeeeeeeeeeez. Endstand 34-28, und die Bilder unmittelbar nach dem Ende gehen mir so schnell nicht aus dem Kopf. Die Traube, unter der Chris Davis vergraben wird. Das gestürmte Spielfeld. Saban, der das Headset wütend zu Boden schmeißt. McCarron, der von seiner Freundin – einem Model und ehemaliger Studentin an der Auburn University (!) – getröstet wird. An answered prayer: CBS’ Verne Lundqvist und Gary Danielson sind ob ihres Stil umstritten und berüchtigt, aber diese schmalzige Formulierung trifft’s. Eine Woche nach dem eh schon fassungslosen Finish gegen Georgia zaubert Auburn den nächsten Thriller aus dem Hut – wieder mit gutem Ende. Haben wir da unser „Team of Destiny“ 2013?

Die Chance für Auburn auf das BCS-Finale lebt. Wer hätte das gedacht. College Football is so geil.

20 Kommentare zu “Iron Bowl 2013: Kick, Bama, Kick!

  1. kleine Vorschau auf die Bowls, die ich mir vorstellen könnte:
    NCG-Game: Auburn-FSU
    Rose Bowl: Michigan State-Stanford
    Fiesta Bowl: Oklahoma State-Northern Illinois
    Sugar Bowl: Alabama-Baylor
    Orange Bowl: Ohio State-UCF

  2. Wenn Auburn gewinnt, sollten sie auch an OSU vorbei ziehen. Im Orange Bowl würde ich gerne Alabama – Oregon sehen.

  3. Wenn Auburn gewinnt, sollten sie auch an OSU vorbei ziehen.

    Äußerst unwahrscheinlich, solange nicht noch Ohio State sein Big Ten Finale verliert. Ein SEC-Champ ohne blütenreine Weste wird keinen ungeschlagenen Champion einer anderen BCS-Conference vorgezogen.

  4. @Alex: Wenn Ohio State und FSU ihre Finals gewinnen, hat Auburn praktisch keine Chance.

    Oregon wird es auch schwer haben, in die BCS zu kommen, weil die BCS mit UCF (oder wer auch immer die AAC gewinnt) und wohl auch NIU (muss aber noch sein Finalspiel gewinnen und entweder #12 werden oder vor UCF bleiben) zwei kleinere Colleges AQ sind.
    Und dass ein Orange Bowl aus Südflorida eine Uni aus dem Nordwesten nimmt, wenn mit Baylor oder Clemson andere Teams „eligible“ sind, ist nicht leicht vorstellbar.

    @tony
    Die Picking-Order ist dieses Jahr Orange-Sugar-Fiesta (Rose Bowl ist vertraglich an Big Ten und Pac-12 gebunden, wenn die Champs nicht ins BCS Finale kommen).

    Es ist noch schwer vorstellbar, dass der Orange Bowl das kleine UCF nimmt, trotz der geographischen Nähe. UCF wird eher in den Sugar Bowl wandern, damit der Orange Bowl einen Kracher wie Bama gegen Clemson o.ä. serviert bekommt.

  5. Leicht Off-Topic: Chris Petersen hat sich selbst aus dem USC-Coaching Rennen rausgenommen und scheint bei Boise State zu bleiben – obwohl Unis wie USC oder Texas ein Vielfaches zahlen würden (Petersen-Gehalt @Boise: ca. 2.2 Mio. Dollar/Jahr).

  6. schon klar mit der picking order, Seminole.
    vor dieser Picking order gibt es allerdings (in meinem Szenario) die eigentlich Plätze der #1 FSU (Orange Bowl) bzw. #2 Auburn (Sugar Bowl) neu zu verteilen.
    Orange wählt Ohio State wegen der traveling fans, Sugar wählt Bama.
    da Rose Bowl komplett ist und Okla State im Fiesta bleiben 3 Plätze übrig: Northern Illinois, UCF und Baylor.
    selbstverständlich sind noch einige Variablen da drin 🙂
    da fände ich meine genannte picking order gar nicht so unwahrscheinlich: zuerst UCF, dann Baylor, zuletzt N. Illinois.

  7. Ein absolut geiles Spiel!

    Was den womöglich illegalen Vorwärtspass von Marshall angeht: Man darf einen Vorwärtspass werfen, so lange sich noch ein Teil des Körpers hinter der Line of Scrimmage befindet. Oder gilt am College eine andere Regel? Insofern hatte er bei dem Play noch gut Luft.

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  9. Als Bama-Fan tut es zwar weh das zu sagen, aber ich sehe Auburn auch als one-loss team auf jeden Fall vor OSU. Mit der Schedule der Buckeyes kannste nicht mal ein Blumentopf gewinnen. Und letztes Jahr wurde OSU im letzten AP-Poll als ungeschlagenes Team hinter Alabama und Oregon gerankt (was aber glaube ich nur daran lag, dass sie nicht Bowl-Eligilbe waren). Schade dass sich die Voters dieses Jahr nicht trauen.

  10. Das Problem ist, dass die Kriterien nicht eindeutig sind. Gehen wir danach, die besten Teams ins Finale zu schicken? Dann war 2011 eine gute Saison, und trotzdem fühlte es sich schlecht an, weil Oklahoma State verarscht wurde (jeder sah schon vor dem Endspiel, dass Alabama das beste Team der Saison war).
    Dann hätte 2012 Oregon statt einem ungeschlagenen Notre Dame ins Finale gehört. 2010 ein one-loss Boise State über ungeschlagene Oregon Ducks und ungeschlagene TCU Horned Frogs usw.
    Dann müssen 2013 FSU und Alabama (ja…) das Finale bestreiten.

    Gehen wir danach, die verdientesten Teams einzuladen? Dann können wir zu diskutieren beginnen. Ohio State als ungeschlagene Mannschaft einer BCS-Conference? Yup, OSU war letztes Jahr hinter Bama und Oregon gerankt, aber OSU 2012 war eine Nummer kleiner als OSU 2013.
    OSU 2013 ist ungeschlagen in einer mittelmäßigen Conference. Aber Punkt ist: OSU ist eines der fünf besten Teams des Jahres. OSU hat in allen Metriken bessere Werte als Auburn und ist vergleichbar mit Mizzou. Warum sollte ein ungeschlagenes OSU hinter Auburn landen, nur weil Auburn alle Glücksgötter der Welt versammelte um ein ungeranktes Georgia zu schlagen und noch viel mehr Glücksgötter brauchte um Alabama zu schlagen?

    Ein ungeschlagenes Ohio State ist die logische Wahl über ein one-loss SEC-Champ dieses Jahr.

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