NFL-Power Ranking 2013, Week 14

Woche 14 war eine der aufregendsten dieses Jahr, und wir haben das schon recht ausführlich im Sofa-QB Podcast und bei SPORT1 FM am Montagabend besprochen. Es bleibt noch einmal festzuhalten, wie eng es in den meisten Matchups zuging, mit teilweise krassen Finishes in Baltimore, Pittsburgh oder New England.

Mittendrin waren wie so oft auch die Referees, von denen einige Crews immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, aber es ist wie so oft: Refs sind Teil des Spiels. Ob man will oder nicht, sie werden immer Spiele mit entscheiden. Dass in einem Sport mit so kompliziertem Regelwerk wie American Football die eine oder andere haarige Entscheidung zu treffen ist (Regelauslegungen! Pass Interference! Roughing the Passer! Kopfschutz!) und nicht jede davon korrekt oder nachvollziehbar ist, kann ich gut verstehen.

Das einzige, was auffällt, und möglicherweise einen berechtigten Angriffspunkt bietet: Mehrere Head-Refs haben die 60 überschritten. Zwar gehören Jungs wie Mike Carey oder Ed Hochuli zu den besseren, aber eine Verjüngung könnte bald fällig sein.

Zum Power-Ranking, das die Effizienz der Teams misst, und sich von der Schiedsrichterei weniger beeinflussen lässt als die Siegbilanz.

NFL-Power Ranking 2013, Week 14

NFL-Power Ranking 2013, Week 14

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 14.

Statistik-Sektion

Wichtige Statistik-Inputs nach Week 14

Wichtige Statistik-Inputs nach Week 14


Offense vs Defense

Split Offense vs Defense, Week 14

Split Offense vs Defense, Week 14

Kommentarsektion

Thema Carolina Panthers: Es ist nicht lange her, da echauffierte ich mich ob der landesweiten Missachtung der Stärke der Carolina Panthers. Dann legte Carolina los und fuhr eine 6-7 Wochen währende Siegesserie ein, und alle Welt schätzte die Panthers plötzlich höher als ein ich es je getan hatte.

Das Power-Ranking sieht Carolina seit vielen Wochen stabil: Die ersten 3-4 Spiele war man reichlich banal, dann arbeitete sich die Mannschaft nach oben, Region Platz 6 bis Platz 10. Als Gesamtpaket ist man in etwa so stark wie letztes Jahr: Heuer ist die Offense um QB Newton und WR Smith etwas ineffizienter, dafür geigt die Defense mit der verstärkten Front-7 ordentlich auf. Carolina ist ein Team, das von der Potenz her in die Playoffs gehört, aber man ist kein „logischer“ Superbowl-Favorit.


Ich möchte im Folgenden auf ein paar Ausreißer-Statistiken eingehen, die vielleicht in der Wahrnehmung etwas zu kurz kommen und für Teams einigermaßen schwierig kontrollierbar sind:

  • Die New Orleans Saints sind gewiss „for real“, aber man sollte ihr “Glück” im Offense-Passspiel nicht vergessen: So gut Brees ist, die aktuelle 1.5% INT-Quote ist schwer zu halten für einen Angriff, der so stark auf das Passspiel setzt. Brees hatte auch in der Vergangenheit nie sensationelle INT-Quoten, da er einfach ein risikoreicher Spieler ist. Man sollte nicht erwarten, dass Brees also auch weiterhin nur quasi 1 INT pro zwei Spiele fabriziert.
  • Detroit stellt nach diesem Ranking die zweitbeste Run-Defense (64%) der Liga nach den Jets. Das sah am Sonntag im dichten Schneetreiben zwar alles andere als danach aus, aber keep in mind: Es war im Schnee. Detroit wird die nächsten drei (evtl. bei Playoffs sogar vier) Spiele in einer Halle bestreiten, und somit wird man wieder näher an einer der besseren Run-Defenses sein.
  • Ein Faktor beim Turnaround in Tampa Bay: Eine plötzlich hohe INT-Quote: Man fängt 4.5% der Pässe an, Spitzenwert der Liga.
  • Solche Dinge fehlen bei Atlanta (1.7%, #29), Green Bay (1.6%, #31) und Houston (1.3%, #32): Alles Teams, die in den letzten 2-3 Jahren bekannt dafür waren, dass sie extrem viele Interceptions produzieren. Dieses Jahr sind sie unter den Teams, die die wenigsten Pässe abfangen – und das wirkt sich dann in den enttäuschenden Records aus.
  • Chicago schleppt eine in allen Belangen schwache Defense (#26 Pass, #30 Lauf) durch, aber bleibt im Playoffrennen, weil die Defense mit 4% INT-Quote die zweitbeste Rate der Liga hält.
  • Ein Lieblingsthema: Enge Spiele. Indianapolis hält sich auch diese Saison mit einer leicht freakigen Bilanz in engen Spielen oben (6-1, overall 8-5). Die Jets sind statistisch in allen Belangen außer Lauf-Defense eine Katastrophe, aber dank 5-1 Bilanz in engen Spielen (u.a. die „geschenkten“ gegen TB und NE) ist man irgendwie noch im Rennen, obwohl selbst die Turnover-Stats schlecht sind. Ähnlich die Patriots: Sie sind ein deutlich besseres Team, aber die 10-3 Bilanz ist geschönt von 7-3 Bilanz in engen Spielen. Jacksonville ist zwar mit der 4-9 Bilanz mittlerweile kein Mauerblümchen mehr, aber in allen Metriken dahinter sind die Jags weiterhin Liga-Bodensatz. Die Jags haben 9x hoch verloren, und 4 von 4 knappen Spielen gewonnen.
  • Die schlechten Teams in engen Spielen? Atlanta (3-6), nachdem die Falcons nun jahrelang die besten „Clutch“-Teams stellten. Houston (2-8), letztes Jahr noch super-clutchig mit 5 engen Siegen in 5 engen Spielen. Minnesota (3-4-1), letztes Jahr 5-1. Pittsburgh ist 1-5 in engen Spielen, Tampa Bay 2-5 (man erinnere sich nochmal zurück an die Pleiten zu Saisonbeginn gegen Jets und Saints), San Diego 2-6.
  • Carolina und Detroit, diese so unchlutchigen Teams 2012, haben beide positive Close-Game Bilanzen 2013: Carolina ist 3-2, Detroit 4-3.

Es sei ein Punkt diskutiert, den ich gestern beim Nachtskifahren im Ohr hatte: Barnwell/Mays vom Grantland-Podcast von letzter Woche diskutierten die Option eines RG3-Trades von Washington nach St Louis:

  • Würde St Louis am Saisonende seine 1st-Rounder nach Washington traden wollen um Quarterback Robert Griffin III zu bekommen?

Hintergrund für Neulinge: Im Frühjahr 2012 verkaufte Washington gleich mehrere hohe Draftpicks, um sich von den Rams die Rechte an RG3 sichern zu können. Es war einer der massivsten Trade der letzten Jahre. Der neue Rams-Trainerstab zeigte damals großes Vertrauen in QB Sam Bradford und nahm die vielen Erstrundenpicks dankend an (dadurch hatte man 2013 und 2014 je zwei).

Ein „Reverse-Trade“? Es wäre schlicht sensationell, wenn der stattfinden würde, und die Krux ist: Für beide würde es Sinn machen. Die Redskins brauchen alle erdenkliche Hilfe für ihre Defense. Die Rams haben mittlerweile ziemlich vieles, brauchen aber dringend einen neuen QB. Aber ich glaube nicht, dass sowas über den Punkt „interessantes Gedankenexperiment“ hinaus gehen würde.

Was auf alle Fälle spektakulär ist: Die Rams müssen nicht „tanken“, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit sowieso einen Top-3 Pick bekommen, nämlich jenen der Redskins, die aktuell auf bestem Wege sind, den Rams jenen Pick (#2) zukommen zu lassen, mit dem sie einst RG3 holten. Wenn’s exzellent läuft, kriegen die Rams sogar den Top-Pick, mit dem sich ein Reverse-Trade eh erledigen würde.

Award-Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Brees, Calvin Johnson
  • Offensiv-MVP: Manning, LeSean McCoy, Calvin Johnson, Jimmy Graham, Philip Rivers
  • Defensiv-MVP: J.J. Watt, Poe, Justin Houston, Luke Kuechly, Richard Sherman, Ndamukong Suh
  • Rookie-Watch: Sheldon Richardson, Star Lotulelei, Kiko Alonso, Andre Ellington, Eddie Lacy, Keenan Allen, Larry Warford
  • Coaches: Ron Rivera, Sean Payton, Andy Reid, Belichick, Chip Kelly

Neu, und von mir leider zu lange übersehen (kann ich ihn wirklich übersehen haben?): Chip Kelly bei den Coaches. Und auch neu: Rivers bei den Offensivspielern des Jahres. Rivers ist wieder fast so gut drauf wie Anno 2010, als er neben vielleicht noch Rodgers letztmals das Maß aller Dinge war.

Es gibt in den Staaten derzeit eine Diskussion, ob Russell Wilson in die MVP-Diskussion gehört. Ein strittiger Punkt, denn wer ist der Mann, der die Seahawks zusammenhält? Es gibt nicht den einen herausragenden Superstar wie in Denver, New Orleans oder New England. Die Hawks sind auf beiden Seiten gut besetzt, und keine Unit lebt primär vom einen Star. Aber Wilson hat schon gute Argumente, sportlicher Natur (hast du ihn spielen sehen?), aber auch – und da bin ich mir nicht sicher, wie man das bewerten darf – finanzieller Natur: Er ist extrem billig, und schafft somit im Vergleich zu Manning, Brees oder Johnson locker 15-20 Millionen Dollar „Cap-Space“ für den Einkauf von Kadertiefe. Das ist ein Wert und man könnte das in das „V“ von „MVP“ hineininterpretieren (V = valuable). In Sachen Kaderplanung ist Wilson auf alle Fälle ein MVP, aber er ist es eher zufällig, oder gegen seinen Willen. Ich bin mir nicht sicher, ob man sowas in eine MVP-Diskussion für die Footballsaison 2013/14 ziehen sollte, aber ich könnte verstehen, wenn es jemand machen möchte.

In der Defense gibt es mittlerweile unendlich viele Kandidaten auf den Award „der beste“: Gerald McCoy von Tampa, Calais Campbell von Arizona, Hali in Kansas City, Earl Thomas in Seattle, Willis in San Francisco… die Liste könnteste fortsetzen. Es sind die üblichen Verdächtigen, und sie haben alle gute PFF-Noten, gute Effizienz-Stats und sie alle fallen auch einem gewöhnlichen Fan relativ schnell auf.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 15

Letzte Woche war wieder eine gute Woche für das Power-Ranking: 13-3 korrekte Tipps, womit wir bei 92-51 (64.3% Genauigkeit) angelangt sind. Die letzten beiden Wochen fielen recht präzise aus, mit 25 richtigen vs 7 falschen Tipps. Troy Aikman würde sagen, das Power-Ranking hat Momentum. Es ist in Topform. Nach dieser Logik müsste es in der kommenden Woche quasi unschlagbar sein.

HOME                 %   AWAY                  %
Denver              75   St Louis             25
Atlanta             64   Washington           36
Cleveland           54   Chicago              46
Indianapolis        61   Houston              39
Jacksonville        29   Buffalo              71
Miami               49   New England          51
Minnesota           27   Philadelphia         73
New York Giants     31   Seattle              69
Tampa Bay           31   San Francisco        69
Oakland             39   Kansas City          61
Carolina            79   New York Jets        21
Dallas              41   Green Bay            59
Tennessee           39   Arizona              61
St Louis            18   New Orleans          82
Pittsburgh          39   Cincinnati           61
Detroit             79   Baltimore            21

Heftige Woche: Elfmal ist der Auswärtstrupp favorisiert. Denver-San Diego mit seinen 75% hatten wir schon gestern. Ich kenne noch kein Ergebnis, aber die Broncos waren klarer Favorit.

Viel knapper ist New England mit 50.13% Favoritenstatus in Miami. Das ist mit das erst- oder zweitknappste Spiel dieses Jahr. Die klarsten Favoriten machen mir Angst: New Orleans in St Louis. Carolina gegen die Jets. Und Detroit gegen Baltimore: 82% und 79%! Ich fühle dreimal leichtes Upset-Potenzial, aber ich bin auch paranoid.

Weil unter der Woche die Nachfrage kam: Heute mal ein Vergleich zwischen den Vegas-Lines (Referenzbüro 5Dimes.eu) und den Werten, die das Power-Ranking ausspuckt (Umrechnungsformel SPREAD = -8*ln(1/WAHRSCHEINLICHKEIT-1):

HOME             AWAY              Vegas        Power-Ranking   Pick ATS
------------------------------------------------------------------------
Denver           St Louis          DEN -10      DEN -8.5        SD
Atlanta          Washington        ATL -7       ATL -4.5        WAS
Cleveland        Chicago           CLE -1       CLE -1          push
Indianapolis     Houston           IND -5.5     IND -4          HOU
Jacksonville     Buffalo           BUF -1       BUF -7          BUF
Miami            New England       NE  -1       NE  -0.5        MIA
Minnesota        Philadelphia      PHI -5       PHI -8          PHI
New York Giants  Seattle           SEA -7.5     SEA -6.5        NYG
Tampa Bay        San Francisco     SF  -5       SF  -6.5        SF
Oakland          Kansas City       KC  -4.5     KC  -3.5        OAK
Carolina         New York Jets     CAR -12.5    CAR -10.5       NYJ
Dallas           Green Bay         OFF          GB  -3          ---
Tennessee        Arizona           ARI -2.5     ARI -3.5        ARI
St Louis         New Orleans       NO  -5.5     NO  -12         NO
Pittsburgh       Cincinnati        CIN -2.5     CIN -3.5        CIN
Detroit          Baltimore         DET -7       DET -10.5       DET

Die meisten Spreads sind halbwegs knapp. Gefühlt unterschätzt mein Power-Ranking im Vergleich zu den Wettbüros Teams wie Atlanta, Baltimore, Minnesota und St Louis, die teilweise deutlich klarer Außenseiter bei mir sind. Die Wettbüros gehören zu den effizientesten Märkten, insofern kann ich auch schwerlich annehmen, dass Las Vegas bei den zuletzt besseren Rams oder Ravens sentimental geworden ist. Überraschend nahe sind wie dagegen bei den Patriots beeinander.

5 Kommentare zu “NFL-Power Ranking 2013, Week 14

  1. Da dem Momentum der Broncos ja nun das Rückgrat gebrochen wurde (Du hast bei den Wahrscheinlichkeiten übrigens zweimal zweimal St. Louis drinne), würde ein Aikman nun komplett auf die Außenseiter setzen? Wobei ich das doch lieber gar nicht so genau wissen möchte…

    Ansonsten, danke für diesen hervorragenden Blog 🙂

  2. Die Schlussfolgerung nach Aikman war genial. Generell kann ich immer mal hier was lesen, selbst wenns nur darum geht die Langeweile zu überbrücken. Aber natürlich bist du inhaltlich auch (bei mir) über alle zweifel erhaben 🙂

  3. Das Gedankenspiel mit RG3 ist interessant und birgt einen gewissen Humor. Ich würde es an Stelle der Rams trotzdem nicht ernsthaft in Erwägung ziehen. Meiner Meinung nach weiß man im Grunde nicht was man RG3 hat.

    2012: Klar es war spektakulär. Mit ein bisschen Pessimismus schreibt man das NFL Teams zu, die sich von der Read Option haben verarschen lassen + ein bisschen Glück. Aber gab es mehr als eine Hand voll exquisiter Würfe von RG3?

    2013: RG3 sieht bei weitem nicht mehr so gut aus. Eine Ursache davon kennen wir alle, das Knie. Nur wer weiß ob er je wieder so wird wie früher? War ja auch nicht seine erste ernsthafte Knieverletzung soweit ich weiß. Die Read Option ist nicht mehr der heiße Scheiß, wäre also an der Zeit die Wurfqualitäten unter Beweis zu stellen. Dies ist wieder nicht geschehen.

    Natürlich ist RG3 nicht alleinverantwortlich für die Leistungen der Redskins aber viele Probleme des Kaders gab es schon letztes Jahr.

    Wenn ich das alles gegeneinander aufwiege bin ich mir, Stand jetzt, nicht schlüssig ob RG3 den Aufwand wirklich Wert war den die Redskins um diesen Pick betrieben haben. Ich bin gespannt wie wir ihn die nächsten zwei, drei Jahre erleben werden.

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