Jameis Winston, Heisman Trophy Gewinner

Wenn nicht noch die Pferde zum Kotzen beginnen, wird heute Jameis Winston, der Quarterback der Florida State Seminoles, als Gewinner der Heisman Trophy 2013 ausgezeichnet. Die Heisman-Trophy ist die wichtigste Individual-Auszeichnung im College-Football. Sie wird nicht immer an den besten Spieler vergeben, sondern in Wahrheit an den „Spieler der Saison“. Das ist ein kleiner Unterschied, da zur Heisman-Trophy neben großartigen sportlichen Leistungen auch ein entsprechender „Moment“ gehört, an dem sich die Geschichte dieses Spielers dieses Jahres festmachen lässt. Weil um diese Auszeichnung eben solche Geschichten gesponnen werden, gewann sie in der langen Geschichte meistens einer der „sichtbaren“ Spieler, ein Quarterback oder Running Back.

Jameis Winston erfüllt diese Kriterien. Er ist Quarterback, er führte sich mit unglaublichen Leistungen als Freshman in seine neue Mannschaft ein und war vielleicht der wichtigste Grund dafür, dass die Seminoles im abgelaufenen Herbst nicht nur eines der besten, sondern „das beste“ Team waren, und dass sie endlich einmal diese Dominanz in eine „Perfect Season“ umwandeln konnten.

Es ist eine Freude, Jameis Winston, dem Spieler zuzusehen. Er wirft die schnellsten und genauesten Pässe, er ist flott bei Fuß, und er zwirbelt sich auch aus schwierigen Situationen mit graziler Leichtigkeit heraus. Sein Spiel sorgt nicht nur für die besten Statistiken, sondern auch für unbeschwerte Eindrücke.

Jameis Winston ist als Schwarzer auch eine gute Geschichte für die Medien, ein unterhaltsamer Twitter-Benutzer und ein gefragter Interviewpartner. Das alles macht aus dem Quarterback Jameis Winston einen logischen Preisträger. Er wird der dritte FSU-Spieler, der mit der Heisman Trophy ausgezeichnet wird, nach Charlie Ward 1993 und Chris Weinke 2000.

So weit, so gut.

Es gibt in den Statuten der Heisman-Trophy aber noch einen Zusatz zum sportlichen Moment des Gewinners, das besagt, dass der „Student-Athlete“, der die bronzene Trophäe erhält, auch ein integerer Mensch sein sollte. Nun ist die Heisman-Trophy zwar zuletzt nicht mehr unbedingt dadurch aufgefallen, ihre Werte hochzuhalten, Stichworte Reggie Bush oder Cam Newton, aber bei Jameis Winston wird die Sache komplizierter. Denn bei Jameis Winston ist es nicht unter dem Tisch erhaltenes Schmiergeld, sondern etwas Schlimmeres: Verdacht auf sexuelle Nötigung einer Frau.

Die Geschichte ist zu kompliziert und zu undurchsichtig um sie auf einen Punkt zu bringen. Worin sich alle einig sind:

  • Jameis Winston hatte nach einer Party Sex mit der Klägerin, die getrunken hatte. Beide waren zu dem Zeitpunkt in einer anderweitigen Beziehung.
  • Jameis Winston fuhr die Klägerin in jener Nacht auf demn Scooter nach Hause.
  • Die Geschichte der Klägerin weist Lücken auf.
  • Die Geschichte von Jameis Winston weist Lücken auf.
  • Ist das ein Wunder, wenn Alkohol im Spiel war?

Es gibt gute Gründe, an die Schuld von Jameis Winston zu glauben. Die Geschichte wurde aber aus mehreren Gründen eingestellt. Der Report der Ermittler ist ein lesenswertes Dokument, und an einer entscheidenden Stelle bleibt er vage, da die Klägerin sich der Schlüsselfrage mit Gedächtnislücken entzieht.

Auch die Vorwürfe, dass die Footballer in Tallahassee bevorzugte Behandlung der Polizei genießen, stehen auf wackeligen Füßen, im Gegensatz zur Schwesteruni Florida in Gainesville, wo sich solche Tendenzen immer wieder gezeigt haben. Der SA Willie Megg gilt als harter Hund und griff schon mehrfach gnadenlos durch. Sein oft zitierter Leitsatz war schon immer „wer viel kriegt, von dem wird viel erwartet“.

Jameis Winston ist rechtlich gesehen unschuldig. Somit kann sich die Heisman-Jury darauf konzentrieren, die Trophäe und Scheinwerfer zu putzen für die Vergabe, ohne das Risiko zu fahren, einen möglicherweise bald Verurteilten auszuzeichnen.

Die andere Seite ist die mediale. Ist Vergewaltigung das einzige Verbrechen, in dem das potenzielle Opfer von Beginn an mit Skepsis negativ angehaucht ist? Wie soll man sich als Frau fühlen. Es ist keine Frage, dass die lokalen Medien in Tallahassee und Umgebung massiv von Relations Department der Florida State University beeinflusst wurden um die Story möglichst klein zu halten.

Ein bizarres Detail ist auch das Abraten des Polizei-Departments, den Fall aus Sicht der Kläger weiter zu verfolgen: Zu dominant wäre der Football und die Repressalien, die Familien aushalten müssen wenn gegen die bekanntesten Footballer ermittelt wird, wenn der Fall nicht wasserdicht ist. Das sind bemerkenswerte Aussagen. Der Fall ist übrigends nicht wasserdicht, also wurde er eingestellt.

Muss ich das gutheißen?

ESPNs Heather Cox fragte nach dem ACC Championship Game – überraschenderweise! – genau die Fragen, die man Jameis Winston stellen muss, denn jeder hat sie sich gestellt: Wie war der letzte Monat für Sie? Was haben Sie gelernt? Wie sehr hat es Ihnen geholfen, dass der Trainer immer hintern Ihnen gestanden hat? Wie schwierig war es, während dieses Monats zu schweigen? Die letzte Frage ließ Jameis Winston unbeantwortet, drehte sich ab und ging.

Der Fall ist geschlossen, aber nicht vergessen. Die Zweifel bleiben. Am Ermittlungsverfahren. An der Integrität der Klägerin. An Winstons Unschuld. Es ist meine Uni, also ist es meine Mannschaft. Also ist es mein Quarterback, dem ich zujuble. Es ist schlecht und ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll.

8 Kommentare zu “Jameis Winston, Heisman Trophy Gewinner

  1. Wusste gar nicht das es da so eine Story um den Winston gibt. Da sieht man mal wie gut das vertuscht wird. Ich muss zwar auch zugeben das ich nicht so tief im College-Football drin steck, aber umso mehr überrascht es mich, dass solch einer die Trophy gewinnt. Er ist ja dann irgendwie das Aushängeschild des College-Football.
    Man stelle sich mal vor was wäre, wenn er doch noch schuldig gesprochen wird!
    Die ganze Sache an der Penn ist ja auch irgendwie noch aktuell…

  2. ist doch nur ne billige Auszeichnung die kein Schwein interessiert außer den Spielern. wie viele Heisman Gewinner haben sich schon in der nfl durchgesetzt sehr wenige.

  3. Kein Schwein interessiert…

    Daher laufen auch seit dem Frühjahr die Kampagnen und schaltet ESPN Sondersendungen zu einer Jameis Winston Vorverhandlung. Die Heisman Trophy hat nach wie vor ungebrochene Strahlkraft, trotz der jüngeren Skandale und Skandälchen. Es ist die bekannteste Auszeichnung im US Sport, abgesehen vielleicht vom Super Bowl MVP.

  4. Naja, nur weil Tim Tebow und Carson Palmer auch gewonnen haben, kann man nicht alles verdammen… 😉 Immerhin waren auch Spieler wie Barry Sanders, Reggie Bush, Charles Woodson, Roger Staubach, Herschel Walker, Tony Dorsett, O.J. Simpson, Marcus Allen etc. dabei.

    Als football fanatic konnte man das ganze Trara um Winston doch gar nicht verpassen, stand doch überall…

  5. Tebow war 2007 eine Offenbarung. Der Angriff lebte von unendlichen Offense-Optionen, von denen Tebow allein drei Dutzend darstellte. Es gibt wenig logischere Heisman-Sieger als Tebow 2007.

  6. Ich weiß eh, war mehr mit Augenzinkern auf die jüngste Entwicklung bezogen… Aber natürlich hast du recht, er hat nicht umsonst gewonnen…

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