Geschichten zum Tag: NFL-Vorschau 2013, Woche 15

Drei Kerzen für den drittletzten Sonntag der Regular Season 2013. Die Ansetzungen sind heute so gewählt, dass es nur wenige direkte Duelle zwischen Playoff-Teams gibt. Die Aufregung bezieht sich deswegen vor allem auf die Spoilergefahren, die auf die Playoffteams warten. Es ist anders gesagt ein Spieltag, der förmlich danach schreit, dass das eine oder andere unerwartet Aufregende passiert. Aber nicht nur die Playoffteams sorgen für die guten Storys.

Abendspiele

Kickoff jeweils 19 Uhr MEZ.

  • Atlanta Falcons (3-10) – Washington Redskins (3-10)
  • Cleveland Browns (4-9) – Chicago Bears (7-6)
  • Indianapolis Colts (8-5) – Houston Texans (2-11)
  • Jacksonville Jaguars (4-9) – Buffalo Bills (4-9)
  • Miami Dolphins (7-6) – New England Patriots (10-3)
  • Minnesota Vikings (3-9-1) – Philadelphia Eagles (8-5)
  • New York Giants (4-8) – Seattle Seahawks (11-2)
  • Tampa Bay Buccaneers (4-9) – San Francisco 49ers (9-4)

Die Indianapolis Colts befinden sich in einem komischen Zwischenzustand zwischen der Zufriedenheit, schon wieder die Playoffs zu erreichen, und der Gewissheit, das nicht so richtig verdient zu haben. Vorbei sind die Zeiten des Oktobers, als man sich schon auf Augenhöhe mit den ganz Großen wähnte und schon über den Gegner im Super Bowl diskutierte. Nach einer Handvoll an wichtigen Ausfällen ist die bittere Realität eingekehrt und man ließ sich in den letzten Spielen willenlos abschlachten.

Die Leute klammern sich am großen Versprechen für die Zukunft, Andrew Luck, fest und hoffen, dass der große Andrew den Laden allein schmeißen kann, aber wenn man ehrlich ist, dann sieht auch das von ihm Produzierte nicht mehr gut aus. Alle, die geglaubt haben, dass Andrew weit über den anderen Jungstars stünde oder sogar über den Bradys und Mannings, sehen sich nun eines Besseren belehrt. Auch der große Luck braucht wenigstens ein paar Waffen zum Arbeiten.

Die hat er nicht, und deswegen bleiben die Spiele auch nicht mehr knapp genug für seine Wunder-Auferstehungen: Indy verliert seit Wochen seine Spiele mit mehreren Touchdowns. Den Ärger der Fans zieht zu allererst die Abwehr auf sich, die so harmlos geworden ist dass Cincinnatis QB Andy Dalton am letzten Spieltag jungfräulich blieb (kein Sack, kein Hit, keine Berührung).

In den Playoffs sitzt man höchstwahrscheinlich auf dem Seed #4 fest, den Cincinnati ist dank des Sieges am letzten Sonntag faktisch zwei Spiele vorn (tie-Breaker), und nach hinten gibt es keine Gefahr mehr, dass man die AFC South verlieren könnte.

Da ist die Gefahr groß, dass man Houston heute als Aufbaugegner wahrnimmt. Die Texans fallen gerade auseinander und werden heute ihr erstes Spiel ohne den gefeuerten Head Coach Gary Kubiak bestreiten. Vor ein paar Wochen spielten die Colts und Texans schon einmal gegeneinander, und schon damals zeichneten sich die Schwierigkeiten der Colts ab: Sie gewannen nur knapp gegen eine einbrechende Texans-Mannschaft.


Das einzige Spiel mit zwei möglichen Playoff-Teams kommt aus der AFC East: Miami Dolphins gegen New England Patriots. Die Wichtigkeit dieses Spiels hat mit dem Donnerstagsspiel (San Diego gewinnt in Denver) zugenommen, denn die Patriots können nun aus eigener Kraft den #1 Seed in der AFC holen, und Miami bekommt mit San Diego einen neuen Mitbewerber um den #6 Seed. Miami liegt zwar auch mit einer Niederlage noch vor San Diego, aber da sind ja auch noch Baltimore, Jersey/B und Pittsburgh…

Die Patriots spielen eine sogar für ihre Verhältnisse komische Saison: Die Re-Inkarnation der alten Championship Teams zum Beginn der Saison. Dann glich man mehr dem Offensive-Juggernaut der Playoff-Loserzeit. Und jetzt weiß man nicht mehr, was man ist.

  1. Rob Gronkowski: Was für ein Pechvogel. Nach dem Rücken wars der Arm wars die Hand wars das Kreuzband. Was kann noch alles schief gehen? Zu allem Überfluss zeigte die Verletzung von Rob ein Problem der neuen „Safety-Policy“ der NFL: Verbot der Hits gegen den Kopf, gehen sie eben auf die Knie. Der Hit, bei dem sich Rob so schwer verletzte, war regelkonform.
  2. Ist man nun ein Opfer oder ein Profiteur der Schiedsrichter? Die knappen Calls gegen Gang Green und Carolina (beide Niederlagen) schürten die Verschwörungstheorien im Bostoner Lager, das ganz gerne vergisst, welch glückliche Calls die Pats mit ihrem teuflischen Head Coach gegen New Orleans und Cleveland (beides Siege) zugesprochen bekamen. Das zu betonen, werden die Anti-Pats nicht müde.
  3. Ist man ein Zufallsprodukt oder ist man zu Recht mal wieder trotz aller Probleme mitten drin im Playoff-Rennen?

Es gibt bei den Pats keine richtigen Antworten, denn immer wenn man glaubt, sie liegen endgültig am Boden, zaubern sie zum Entsetzen aller ein Karnickel aus dem Zylinder und überleben die Regular Season. So bleibt für viele nur die Hoffnung, dass die Playoffs mal wieder zeigen, wo der Hammer hängt. In Miami geht es um etwas, nämlich das Eintüten des Division-Sieges und die Poleposition in der AFC, also sollte der rational Denkende nicht gegen den Antichristen wetten.


Bei Atlanta gegen Washington steht für Atlanta und St Louis (*) der Draftpick #2 auf dem Spiel. Bei den Falcons scheint man sich mit der Seuchensaison abgefunden zu haben, und man wartet nur noch darauf, die Scouting-Saison zu beginnen und Tony Gonzalez noch einen würdigen Abschied zu ermöglichen.

Bei Washington setzt Endzeitstimmung ein. Am letzten Sonntag ließ man sich von Kansas City 38 Punkte in der ersten Halbzeit einschenken und spielte anschließend nur noch einer Handvoll Fans im größten Stadion der NFL das Spiel zu Ende.

Drum herum entwickeln sich die Redskins einmal mehr zu einer Seifenoper, und es werden die alten Geschichten aus der Schublade gekramt: Owner Dan Snyder kann nicht mit Mike Shanahan, Shanahan kann nicht mit Robert Griffin III, RGIII kann sehr gut mit Snyder… ein leicht zu lösender Dreisatz, und man munkelt, dass Shanahan schon vor einem Jahr den Laden verlassen wollte, weil er die enge Beziehung zwischen Snyder und Griffin satt hatte. Erklärt das, warum er RGIII in den Playoffs verheizte?

Da kommen nur allzu schnell die Erinnerungen an die alten Zeiten auf, als Snyder Wohl und Wehe der Franchise in die Hände des RB Clinton Portis legte, der schalten und walten konnte wie ein Sportlicher Leiter und sich hernach in den Armen des Besitzers über seine unfaire Behandlung in der Mannschaft ausweinte. Salopp formuliert: Sauhaufen von Kopf bis Fuß.

Mike Shanahan weiß, dass er gefeuert wird. RGIII sieht sich mit Vorwürfen der Egomanie und Lernresistenz konfrontiert, und es kommen erste Zweifel auf, ob er es in der NFL überhaupt packen kann. Für die letzten Wochen wird er gebencht. Das sind die Mechanismen in der NFL. Als Zuckerl und Wohlfühlfaktor für RGIII scheint man zu überlegen, seinen College-Coach Arthur Briles aus den Südstaaten hoch ins demokratische Washington zu holen – ein Skript, dessen dramatisches Ende schon vor der Uraufführung zum Druck bereit steht.

Da kommt es nur gelegen, dass es den Skins egal sein kann, ob sie den zweiten Draftpick kriegen oder nicht: Sie haben ihn eh schon an die St Louis Rams (*) verkauft, um RGIII zu bekommen…

Nachtspiele

  • Oakland Raiders (4-9) – Kansas City Chiefs (10-3) um 22:05
  • Carolina Panthers (9-4) – New York Jets (6-7) um 22:05
  • Dallas Cowboys (7-6) – Green Bay Packers (6-6-1) um 22:25
  • Tennessee Titans (5-7) – Arizona Cardinals (8-5) um 22:25
  • St Louis Rams (5-7) – New Orleans Saints (10-3) um 22:25
  • Pittsburgh Steelers (5-8) – Cincinnati Bengals (9-4) ab 2:30

Es gibt keine Zweifel, dass das Aufeinandertreffen von Dallas und Green Bay die Schlagzeilen dominieren wird. Beide sind gerade unter dem Strich im Playoffrennen angesiedelt, aber noch mit allen Chancen, den Strich zu kreuzen. Dallas kann sich glücklich schätzen, dass Aaron Rodgers noch immer verletzt aussetzen muss, aber selbst das ist noch keine Lebensversicherung, denn wenn die Defense die Form vom Monday Night Game konserviert hat, gewinnt Eddie Lacy das Spiel für die Packers im Alleingang.

Das Sunday Night Game hat nicht mehr die Bedeutung, die es gehabt hätte, wenn Antonio Brown im „fast großartigsten Play in der NFL Geschichte“ nicht nen Plattfuß gehabt hätte. War es die Rache des Schicksals für Mike Tomlin und seine Mannschaft?

So eng wie Gut und Böse aneinander liegen, so reell sind die Steelers nun wohl aus dem Playoffrennen. NBC hat mit seiner Primetime-Ansetzung hoch gekopert und verloren. Oder? Können die Bengals tatsächlich noch an den Pats vorbeiziehen, diese Patriots die nur ein Spiel vorne sind und gegen die man schon das direkte Duell gewonnen hat?


korsakoff hat mir noch die Übertragungspläne für den deutschen Sprachraum zukommen lassen. Sport1 US hat diese Spiele im Programm, wobei (*) wieder die Spiele auf dem SKY-exklusiven Optionskanal kennzeichnet:

19h00  Miami Dolphins - New England Patriots 
19h00  Minnesota Vikings - Philadelphia Eagles (*) 
22h25  Green Bay Packers - Dallas Cowboys 
22h25  St Louis Rams - New Orleans Saints (*) 
02h25  Pittsburgh Steelers - Cincinnati Bengals

Der NFL-Gamepass ist für die Hardcore-Fans die erste Station und hat alles live. Gratis testen kann man ihn unter eben geposteten Link auch wieder mal, zu bekannten Konditionen: Man muss rechtzeitig kündigen, will man nicht den vollen Preis blechen. In Österreich kann man ab 22:35 das Spiel zwischen Matt Flynn und seinen Packers gegen Dallas bei PULS 4 ansehen.

8 Kommentare zu “Geschichten zum Tag: NFL-Vorschau 2013, Woche 15

  1. „…, denn wenn die Defense die Form vom Monday Night Game konserviert hat, gewinnt Eddie Lacy das Spiel für die Packers im Alleingang.“

    Darauf hoff ich schwer, denn sonst gibt es nicht mehr viel Hoffnung für die Packers. Ich hoffe Flynn sieht die offenen Spieler diesmal und lässt sich weniger sacken und ein schlechter Tag von Romo wär auch hilfreich… 🙂

  2. Wenn Dallas das verdöddelt, sind sie (zurecht) raus aus dem Playoffrennen. Aber ohne S.Lee gegen die Packers wird das ein langer Abend für die Defense…

  3. Na ja, die Iggles könnens ja auch immer noch gegen MIN und CHI verdödeln und dann hätten wir sogar, wenn wir selber auch beide verdödeln (gegen WSH bitte nicht!) immer noch ein Endspiel in Woche 17. Noch besser, wenn wir vor Week 17 einen Sieg vorne sind…

  4. Luck sah die letzten Wochen teilweise wirklich nicht gut aus, liegt zum einen an der Verletzung von Reggie Wayne und schwacher O-Line und zum anderen an ihm selbst – viel zu viele ungenaue Bälle waren da dabei. Zumindest gibt es Hoffnung für den durchwachsenen Recieving Corps – Da’rick Rogers & LaVon Brazill haben endlich mehr Snaps als DHB bekommen und prompt gezeigt was sie drauf haben.

    Wenn DHB nächstes Jahr um diese Zeit noch einen Job in der NFL hat, wäre ich überrascht.

  5. Pingback: NFL-Sonntag 2013/14, Week 15 live | Sideline Reporter

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