NFL-Power Ranking 2013, Week 15: …dann wird es sehr schwartz

Week 15 konnte in seiner Gesamtheit nicht mit den beiden Vorgängerwoche mithalten, aber da waren doch einige echte Schmankerl dabei. Mein persönliches Ranking der Top-Spiele am vergangenen Wochenende:

#1 Tennessee vs Arizona. Sensationelle Aufholjagd von Titans-Backup QB Fitzpatrick, der wenige Minuten vor Schluss einen „Pick-Six“ zum 17-34 warf, und danach in kürzester Zeit einen 17pts-Rückstand wettmachte, obwohl die Titans dabei sogar noch einen Onside-Kick verloren. Am Ende fand ich es extrem schade, dass Headcoach Munchak mit den letzten Playoff-Restchancen auf dem Tablett nicht zumindest versuchte, die 2pts-Conversion zu versenken.

#2 Miami vs New England. Extrem spannende Sache in Miami, die ich livebloggend begleitete. Es gab immer wieder Phasen, in denen die eine oder andere Offense unschlagbar aussah. Am Ende kam es auf auf eine strategische Fehlentscheidung des besten ever, Belichick, an, und natürlich darauf, dass Amendola den bereits gefangenen TD doch noch durch die Finger gleiten ließ. Du kannst über die Pats 2013 sagen was du willst, aber: Sie gewinnen oder verlieren mit Stil. Vierzehn Spiele, elfmal innerhalb eines Scores, gefühlt das vierte oder fünfte Mal mit einem Brady kurz vor der EndZone zur Entscheidung in die eine oder andere Richtung.

#3 Dallas vs Green Bay. Ich bin froh, dass ich mich schlafen legte, denn ich war am Sonntagabend so kaputt, dass ich dieses fantastische Comeback der Packers nur noch im Halbschlaf als Tantalus-Qual erlebt hätte (Bleib wach! Schlaf ein! Bleib wach!). Am Montagabend konnte ich es ausgeschlagen reinziehen. Fassungslos, dass die Cowboys das noch herschenkten, aber ebenso fassungslos wie Green Bay nach der Pause von seiner leblosen Offense auferstand. QB Flynn mit einer weiteren Top-Performance gegen eine Graupen-Defense. Hätte er das Spiel vor drei Wochen gemacht, er wäre zum dritten Mal Millionär geworden.

#4 Atlanta vs Washington. Bill Barnwell schrieb schon am Montag darüber. Ein unterhaltsamer Kick zwischen zwei abgeschmierten Teams, die das hatten, was man beim Football auch haben kann: Spaß. Shanahan hat mit seinem 2pts-Conversion Call bei mir nun einen Freischuss gut. Das war großer Sport, auch wenn’s schief lief.

#5 Detroit vs Baltimore. Als Lions-Fan löst so eine Partie natürlich unweigerlich tiefe, suizidöse Emotion in mir aus. Dass ich von Jim Schwartz nicht mehr überaus viel halte, habe ich schon protokolliert. Schwartz, mein einstiger Lieblingskandidat auf diesen Lions-Job, sparte am Montag erneut im entscheidenden Moment die Timeouts für… seinen nächsten Job? Keine Ahnung. Es war auf alle Fälle eine groteske Niederlage, und weil sie so grotesk war, hatte sie auch Stil.

Ich kann mich am Sport an vielen Dingen hochziehen: An spielerischer Glanzleistung, an wundersamen Akrobatencatches, aber auch an der kämpferischen Leistung eines unterlegenen Underdogs. Die Baltimore Ravens spielen einen Krampf von Football, nicht in der Lage, selbst ein Spiel zu bestimmen, und auch nicht in der Lage, allein mit ihrer Defense den Gegner zu zermürben, aber die Ravens hängen drin, sie ziehen den Gegner zu sich herunter und würgen sich zu einem komplett unverdienten Sieg in einem Spiel, das keinen Sieger verdient hat.

Justin Tucker wäre nicht der erste Kicker, der den NFL MVP Award gewinnt, und wahrscheinlich wird er ihn auch nicht gewinnen, aber Tucker (35/37 Kicks, davon 16 aus über 40yds, davon 6 aus über 50yds, davon der 61yder am Montag), aber Tucker ist Baltimores Offense.

Am Montag hatten die Ravens zwar auch drei lange Drives, aber der Rest war Murks. Die Ravens gingen so tief runter, dass sie in der letzten Minute in Mittelfeldnähe ein 3rd-Down und 8 per Laufspielzug bestritten. Dafür gehört der Coach (oder der OffCoord, oder QB) geprügelt. Aber Tucker riss Harbaugh/Flacco und Co. raus mit einem Kick, der einen Fußbreit innerhalb der Stangen reinging (ein zweiter war ebenso knapp). Es war der Kick, der die Ravens am Leben hält. Diese Ravens, die eigentlich nix können. Gegen diese Mannschaft sieht die letztjährige Superbowl-Mannschaft wie ein Zauber-Ensemble aus.

Aber noch haben sie die Zügel selbst in der Hand.

#6 Denver vs San Diego. Das Spiel zwischen den beiden besten Offenses der Liga, und es kam letztlich darauf an, dass Denver die Fehler in einer engen Partie machte. Die Chargers sind das sechstbeste Team der AFC, aber sie werden die Playoffs fast sicher verpassen, weil die Tie-Breaker ungünstig für sie stehen.

#7 Cleveland vs Chicago. Mehrere Return-TDs, ein QB Cutler, der reinkam und erstmal zwei unglückliche INTs fabrizierte, die bei seinem Backup McCown (1 INT in 220 Würfen!) in den letzten Wochen stets in die richtigen Hände gefallen waren. Dann erholte sich Cutler und Chicago drehte eine spannende Partie gegen eine zeckige Browns-Mannschaft.

#8 Minnesota vs Philadelphia. Der Eindruck, der blieb, war eine schlecht tackelnde Eagles-Secondary, deren Cornerbacks nicht den Speed haben, ein 1-vs-1 gegen überdurchschnittliche Receiver zu halten. Das wusste man bereits im Sommer; aber weil die Iggles-Offense an guten Tagen alles pulverisiert, fiel es in den letzten Wochen nimmer auf. Am Sonntag hatte die Eagle-Offense keinen guten Tag, Foles hatte ein schlampiges Spiel, und dann ging Chip Kelly schnell vom Laufspiel weg, um den Rückstand aufzuholen (nur 8 Läufe für McCoy).

Die Power-Rankings nach Woche 15. Weiterlesen