Stagg Bowl 2013

Heute Nacht ab 1h im ESPN-Player: Das Endspiel der Division-III („Stagg Bowl“) im College Football, Mount Union Purple Raiders vs Wisconsin-Whitewater Warhawks. Austragungsort der Stagg Bowl ist traditionell das Salem Stadium in Virginia. Es ist das achte Mal in den letzten neun Jahren, dass diese beiden Teams das Endspiel gegeneinander bestreiten; die letzten drei (2009-2011) hat Whitewater gewonnen. Man kennt sich also. Weiterlesen

Sportmomente 2013 – Die Hitliste

Große Momente.

Sportmomente 2012.

2013 war ein Jahr, in dem ich erstmals gemerkt habe, dass ich eindimensionaler werde in meinem Sportkonsum. Einiges mag darauf zurückzuführen sein, dass es ein Jahr ohne die absoluten Highlights wie Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften war. Aber es gibt auch andere Gründe. Ich nutze heute meine spärliche Freizeit in einem Winter viel eher, um die paar Stunden länger auf der Skipiste zu bleiben als den zweiten Lauf des Weltcup-Slaloms oder Rodelrennens in der Hütte zu verfolgen. Skispringen ist für mich seit den Wind-Adjustments „unwatchable“ geworden, weil ich nicht mehr sehen kann, wer denn nun der Sieger sein wird. Wie die Challenge im Football: Du hast den Moment, du musst abwarten. Im einen Fall den Review, im anderen Fall den Algorithmus. Den Radsport betreibe ich seit etlichen Jahren nur mehr aktiv. Formel 1 ist sterbenslangweilig geworden. In der NASCAR reicht meine Zeit nur mehr für die Superspeedways in Talladega und Daytona. Sogar der Fußball muss dran glauben: Dienstags ist häufig Orchesterprobe. Mittwochs häufig Abendsitzungen in diversen Vereinen. Samstags sitze ich in der Uni.

Es ist das allererste Mal, dass ich am Ende des Jahres nur noch einen einzigen Titelträger der letzten Ski-Weltmeisterschaft aufzählen kann: Hirscher, weil er mit viel Tamtam die totale österreichische Blamage verhindert hat. Hirscher, weil er wenige Wochen vorher gleich bei mir hinterm Berg sein Preisgeld von Alta Badia den Opfern einer Schlammlawine gespendet hat, die ein halbes Dorf mit sich gerissen hatte. Grande, Hirscher.

Aber Hirscher reicht nicht für die besten Sportmomente, leider. Es bilden sich bei mir trotz des relativ einseitig gewordenen Sportkonsums noch einige schöne Erinnerungen 2013. „Wenige Events“ heißt auch „bewussteres Erleben der Events“. Wenn ich mir die letzten Wochen Champions League mit Gewalt frei halten muss, dann haben diese Spiele einen „Wert“. Sie sind „meine“ Zeit. Dass dieses Jahr auch die Ergebnisse stimmten, umso besser.

Ich kann mich nicht entscheiden, was ich besser fand: Die „zweimal 2:0“-Demontage von Juventus inklusive des Fliegenfängers Buffon, der „on aggregate 7:0“-Abschuss des FC Barcelona im Halbfinale oder das CL-Endspiel Bayern gegen Dortmund. Das beste Spiel war letzteres, und es war auch dramatisch, und die Kulmination einer fassungslos dominanten Bayern-Saison, nur ein Jahr nach der bitteren Endspielpleite gegen Chelsea. Es war ein fünf Spiele währender Genuss. Wenn ich mich emotional aber noch einmal zurückversetze ins Fußballjahr, kann ich für mich argumentieren, dass mich der völlig belanglose „European Supercup“ gegen Chelsea mehr mitgenommen hat als der Siegeslauf im Frühling. Drückende Dominanz gegen „Mou“, ein in allen Dimensionen hochverdienter Ausgleich in der 122ten Minute und ein Sieg im Elferschießen. Ich mag es am liebsten spannend. Und irgendwie ist das Ausmalen der Zukunft unter einem neuen Trainer fast noch schöner als der Gewinn aller Pokale unter dem alten.

Die NFL-Playoffs 2013 hatten auch was. Ich sehe vor meinem geistigen Auge zum Beispiel immer noch diesen Stern Kaepernick brennen, der in den frühen Morgenstunden die Green Bay Packers zerlegte, wie ich nie einen Spieler einen Gegner zerlegen sah. Kaepernick glühte, er brannte, und ich hatte Angst um sein Verglühen. Eine Woche später hätte ich im NFC-Finale um ein Haar meinen Schreibtisch in Stücke gehackt, weil ich keinen Fernseher hatte und zwei Sekunden vor dem entscheidenden 4th-Down der Falcons die Funkverbindung zum Gamepass für einige Minuten zusammenbrach.

Superbowl XLVII war ein verdammt guter Event, exzellentes Spiel, großes Comeback, haarige Entscheidung. Diese diskutable Halbzeitshow, die Minuten später die Stromversorgung im Superdome lahmlegte. Ich merkte an den Klickzahlen im Blog, wie stark das Interesse in der halbstündigen Unterbrechung nachließ, und das knisternde Niners-Comeback erlebte nur noch ein Bruchteil. Das allerallerbeste Playoffspiel war aber nochmal ein anderes: Atlanta gegen Seattle, mit diesem Wunder-QB Russell „The Wühlmaus“ Wilson und dem unmöglichen Gegenschlag des blassen Matt Ryan. Der Sieger war Ryan, aber der Star war Wilson. Ich schaffe es nicht in Worte zu fassen, was es in mir auslöst, Russell Wilson spielen zu sehen. Es hat was Überlegenes, Arrogantes, Geschmeidiges, etwas von totaler Kontrolle über sich und das Spiel, und trotzdem möchte man sich diesen kompakten Wusler am liebsten als Plüschtier kaufen und als Glücksbringer unter den Kopfpolster legen.

Was gab es sonst noch? Den internationalen Bergmarathon direkt vor meiner Haustür am 30. Juni, dessen Ziel in der Nacht vorher wegen meterhohem Schnee um 500m herabgesetzt werden musste? Wimbledon-Sieg für Andy Murray? Das tahitische Tor im Confed-Cup? Uruguay putzt Italien im Elferschießen? NHL-Playoffs sind immer eine gute Wahl. Der Stanley-Cup 2013 war eine Supersache, Boston gegen Chicago Blackhawks, mit einem echt knappen, aber verdienten Sieger. Schach-Weltmeisterschaft mit diesem bizarren Fehlzug des amtierenden Weltmeisters Anand?

Sonst bleibt mir noch Football: Saskatchewan Roughriders schlagen Calgary im Semifinale vor malerischer Kulisse in der verschneiten Prärie von Alberta und gewinnen eine Woche später den Grey Cup im eigenen Stadion. NFL mit diesem sensationellen Goal-Line Sneak des Lions-QB Matthew Stafford gegen Dallas. Oder dem Catch des Calvin Johnson in Triple-Deckung gegen Cincinnati. Man hängt sich stets an den Superspielern auf. Es gibt andere, die machen auch solche Catches, aber wenn es Calvin Johnson macht, dann fühlt es sich „for real“ an. Kein einmaliger „Ausrutscher“, sondern echte Kunst. Die plötzlichen 4th-Down Calls von Panthers-Coach Rivera. Zuerst glaubst du’s nicht, und mit jedem Mal wird es reeller, und dann kapierst du, dass hier einer gecheckt hat wie es läuft.

Und College-Football: Die erdrückende Dominanz der Florida State Seminoles im ersten Viertel gegen NC State. Der Hail-Mary Pass von Auburn gegen Georgia. Iron Bowl 2013. Come on, Iron Bowl 2013 gehört eigentlich in die Top-3.

Das persönlichste Highlight war für mich der Besuch des Bundesligaspiels FC Bayern vs Hannover im September. Nicht wegen des Spiels, sondern weil ein guter Freund erstmals nach überstandener Krebserkrankung wieder mit dabei war. Wir sind eine Gruppe, die zu den Spielen fährt, und während er sich durch eine endlose Serie an Chemos quälte, verzichteten wir komplett darauf, ins Stadion zu fahren. Wir reichten sogar die Endspielkarten der CL weiter. Während sich ein Freund durch diese Zeit quält, lernt man, gewisse Dinge anders zu sehen. Ich war manchmal richtig erschrocken, und dann wieder erstaunt über den unbändigen Willen, den ein Mensch entwickeln kann. Er war wieder mit dabei, mit seiner ältesten Tochter. Sie ist sieben.

Weil ich das außer Konkurrenz laufen lassen muss, würde ich die Highlights auf drei beschränken:

#3 Halbfinale Champions League, Borussia Dortmund – Real Madrid

Ich war mit meiner Freundin zum Saisonausklang droben auf dem Pitztaler Gletscher, und am Vorabend schauten wir in der Bar das Spiel. Wir schlossen Bekanntschaft mit einem netten polnischen Mann, und was konnte da besser passen als die Show des besten Stürmers der Welt, Lewandowski, der ein komplett überrumpeltes Madrid mit einem Viererpack plättete. Barcelona ist technisch unschlagbar, Bayern ein sehenswertes Produkt aus Dynamik und Spielfreude, aber beide können ästhetisch nicht das bieten, was der Borussia Dortmund offeriert. Ich liebe diesen Fußball, und dieser Abend war die Kulmination einer absolut begeisternden Fußballmannschaft.

#2 Halbfinale Champions League, FC Bayern – FC Barcelona

Nur einen Tag vorher zerlegte der FC Bayern Barcelona. Es war Minute für Minute eine blitzsaubere Leistung. Es fielen die Tore wie die Fliegen. Ein Jahr zuvor war Bayern auch als leichter Außenseiter ins CL-Halbfinale gegangen, und dieser Flankenlauf von Alaba in Madrid nach dem schnellen 0:1 wird immer unvergesslich bleiben, aber in diesem Jahr hatte das Halbfinale eine andere Qualität: Der FC Bayern dominierte schlicht nach Strich und Faden. Es war eine Demonstration, und das 4:0 fühlte sich wie ein 4:0 an. „Wachablösung“ wäre ein zu starkes Wort, aber für die perfekte Saison des FC Bayern brauchte es nicht bloß das Triple, sondern auch einen direkten Vergleich mit dem Maßstab – dem FC Barcelona – und dass dieser Vergleich so eindeutig ausfiel, rundete das meisterhafte Bild des FC Bayern 2012/13 ab. Weiterlesen