AFC Wild Card Preview: Kansas City Chiefs @ Indianapolis Colts

Jede Party beginnt mit einem ersten Drink und einem Smalltalk, an die sich schon zwei Stunden später niemand mehr erinnert. Das ist nicht schlimm, das gehört dazu. Bevor die richtig coolen Leute kommen und der teure Schnaps ausgepackt wird, muß man ja erstmal mit irgendetwas anfangen. Bei der diesjährigen Party „NFL Playoffs“ sind die beiden ersten Gäste die Langweiler aus Kansas City und die Streber aus Indianapolis.

Die Kansas City Chiefs (11-5) sind das am meisten überschätzte Team, während die Indianapolis Colts (11-5) die Mannschaft ist, die am deutlichsten über ihre Verhältnisse spielt. Nach korsakoffs ranking sind das die zwei schlechtesten Mannschaften in den Playoffs; und das deckt sich auch mit dem eyeball test.

Die Chiefs haben von ihren 11 Siegen nur einen gegen ein Team mit positiver Siegbilanz geholt – in Woche 3 gegen Michael Vick und seine Eagles. Sechs der Siege gab es gegen die fünf schlechtesten Mannschaften der Liga: Houston, Washington, Jacksonville, Cleveland und zweimal Oakland. Dazu gesagt werden muß aber, daß auch diese Spiele letzte Saison meistens in die Hose gegangen sind. Der neue Head Coach Andy Reid hat einen erstklassigen Job gemacht. Er hat die Prügelknaben (2 Siege, 14 Niederlagen in 2012) aufgerichtet, ein neues taktisches Korsett verpaßt, ihnen ihr Selbstvertrauen wiedergegeben und ganz plötzlich sind die Chiefs wieder so respektiert und respektabel wie zuletzt anfangs des letzten Jahrzehnts unter Dick Vermeil.

Aber langweilig sind sie. Furchtbar langweilig. Korsakoff hat ihr immer wieder darauf hingewiesen, daß diese Chiefs den 49ers der Saison 2011 sehr ähnlich sind. Aber mittlerweile würde ich das fast schon für eine Beleidigung der Niners halten. Die Chiefs haben die gleichen Charakteristika, aber die Umsetzung ist nicht so gut wie San Frans.

Chiefs Offense vs Colts Defense

Am besten klappt das noch mit der Field Position. Der Angriff um QB Alex Smith startet durchschnittlich an der eigenen 34-Yard-Linie. Das ist zwei Yards besser als der zweitplazierte – die San Francisco 49ers, natürlich. Dazu kommen völlig absurde 11 Touchdowns durch Special Teams und die Defense. Zum Vergleich: die Colts hatten derer zwei.

Auf die TDs kann man natürlich nicht regelmäßig zählen, weil da immer viel Zufall dabei ist. Aber Kansas Citys Special Teams sind erstklassig. Ohne deren Hilfe würde der Angriff auch zu fast nix kommen.

Alex Smith ist kein guter Quarterback. Nachdem bereits sein Vorgänger Matt Cassel einen 2nd-rd pick kostete und immer mal wieder Hoffnung machte, letztendlich aber doch nur die Chance nahm, einen jungen QB zu entwickeln, macht man es mit Smith genauso. 2nd-rounder abgegeben und durch die Hoffnung, daß er etwas reißt, nimmt man sich auch die Möglichkeit, einen jungen Typen hoch zu draften. Die Colts sind nun auch noch ein einigermaßen blödes matchup. Die Defense von Greg Manusky spielt sehr oft press man coverage. Mit CB Vontae Davis haben sie auch einen Idealtypus für diesen Stil. Er wird Dwayne Bowe aus dem Spiel nehmen, Kansas Citys einzigen WR für die Seitenlinie und die tiefen Bälle.

Wenn Smith paßt, dann alles kurz zu RB Jamaal Charles, Allzweckwaffe Dexter McCluster und slot guy Donnie Avery. Das wird ein Duell auf Augenhöhe, denn die Colts haben in der Mitte ganz passende Leute für dieses Kurzpaßgeschmeiße. LB Jerrell Freeman ist lange nicht über jeden Zweifel erhaben, aber er ist schnell, verdammt schnell. Eher daneben als dahinter (durch die fehlenden tiefen Waffen) werden die Safeties Antoine Bethea und LaRon Landry spielen. Bethea ist einer der zuverlässigsten space eater, derweil Landry einen fast einzigartigen Körper hat: gebaut wie ein LB, schnell wie ein RB. Nur macht er gerne mal einen Schritt in die falsche Richtung oder versucht spektakulär zu sein, anstatt den sicheren Lehrbuch-Tackle zu machen.

Mit diesem Trio in der Mitte muß auch kein Indy-Fan Angst haben, von KCs Laufspiel zerstört zu werden. Im Gegensatz zu Greg Romans Laufspiel in San Francisco, das eines der kreativsten und vielfältigsten und überhaupt schönsten ist, die man sich vorstellen kann, bekommt bei den Chiefs einfach Charles den Ball und alle gucken, was dann passiert. Das funktioniert auch regelmäßig, aber die ganz großen Sprünge macht man damit nicht. Fun Fact: sowohl die Jets, als auch die Patriots und Packers hatten in der Regular Season mehr Laufyards als die Chiefs.

Das entscheidende matchup ist hier ganz klar: Jamaal Charls in space gegen die edge players der Colts. Können Robert Mathis, Björn Werner und Erik Walden Charles bei Laufspielzügen diszipliniert die Außenseite zumachen? Und vor allem: können sie Charles auf Paßrouten decken und ihn zu Fall bringen, wenn er ihnen im 1-gegen-1 gegenübersteht? Daß es zu diesen Aufeinandertreffen kommt, dafür wird Andy Reid garantiert sorgen. Wenn Reid etwas kann, dann seine Westbrooks und McCoys und Charlesens per design in 1-vs-1-Situationen gegen überforderte Linebackers zu bekommen.

Colts Offense v Chiefs Defense

Auf der anderen Seite sieht es ähnlich aus. Nur daß die Colts einen richtigen Quarterback haben. Und was für einen! Die Colts verlangen von Andrew Luck unglaublich viel, vor allem, daß er immer wieder hinter einer schrecklichen Offensive Line lange 3rd Downs verwandelt.

Der Angriff unter dem neuen Offensive Coordinator Pep Hamilton (war bei Stanford auch Lucks OC) ist old school. Laufen, laufen und dann „Hau uns raus, Quarterback!“. Und auch hier ist es kein kreatives Laufspiel, sondern einfach Power, ab-durch-die-Mitte, three two yards and a cloud of dust. Allein die Offensive Line ist dafür nicht gebaut. Mann kann den RBs Donald Brown und Trent Richardson kaum einen Vorwurf machen, daß da nicht viel bei rumkommt.

So muß Andrew Luck immer wieder lange 3rd Downs verwandeln. Das kann er auch immer wieder, weil er eine unglaubliche pocket awareness und eine Cam-Newton-hafte Athletik besitzt. Er hat ein untrügliches Gespür dafür, wann von hinten links der pass rusher nur einen Schritt entfernt ist, er weiß instinktiv, wo der kleine Quadratztentimeter ist, wo er noch einen Schritt hin setzen kann. Und in der Not kann er auch immer einen 300-Pfund-Typen von seiner Schulter schütteln und auch mal für ein First Down laufen. Da er sich immer wieder Zeit „kaufen“ kann, haben auch seine mittelmäßigen WRs Zeit, sich freizulaufen.

Aber dieses Spiel, Lauf-Lauf-Paß, ist denkbar schlecht geeignet gegen diese Chiefs. Mit ihren dicken Jungs Dontari Poe, Mike DeVito und Tyson Jackson plus einer erstklassigen Absicherung in LB Derrick Johnson würde es zwangsläufig zu den langen dritten Versuchen kommen. Und dann können KCs bombige pass rusher Tamba Hali und Justin Houston (falls er denn wieder spielen kann) auf Teufel komm raus Luck attackieren. Hamilton muß hier etwas ausprobieren. Viel play action und shot plays mit sieben- oder acht-mann-protection bei ersten und zweiten Versuchen vielleicht. Darius Heyward-Bay, T.Y. Hilton und LaVon Brazil müssen dann die CBs schlagen und die Bälle auch fangen. Oder etwas ganz anderes. In den Playoffs werden die Stars geboren – nicht nur die Spieler, sondern auch die Coaches.

Also Charles gegen die OLBs und die Special Teams auf Seiten der Chiefs gegen den gameplan von Hamilton und die play making abilities von Luck auf der anderen Seite. Das heißt, es ist im Grunde so wie immer: Special Teams, Big Plays und Turnovers werden das Spiel entscheiden.

Es ist nur der erste Drink auf der Party, aber hey: die Party beginnt!

Bowl Season 2013/14 am letzten Wochenende

Letztes Wochenende der Bowl-Season 2013/14, die viel Durchschnittskick fabriziert hat, aber auch einige wenige extrem attraktive Partien. Was steht uns noch bevor?

2./3.1. 01h30    Cotton            Oklahoma State     Missouri
2./3.1. 02h30    Orange            Ohio State         Clemson
   4.1. 19h      BBVA Compass      Vanderbilt         Houston
4./5.1. 03h      GoDaddy.com       Arkansas State     Ball State

Die Orange Bowl wird live übertragen von SPORT1 US (ab 02h30 in der Nacht auf Samstag). Die Cotton Bowl gibt es nur in Italien zu sehen, live bei FOX SPORTS 2. Der ESPN-Player hat Orange / BBVA Compass und GoDaddy.com im Programm.

Orange Bowl 2014

#7 Ohio State Buckeyes – #12 Clemson Tigers

Von der Ansetzung her ist Ohio State (12-1, Big Ten) gegen Clemson (10-2, ACC) ein Duell, das massive Offense-Power auf beiden Seiten verspricht. Aber es ist auch ein Duell, das vor über drei Jahrzehnten im College-Football Geschichte schrieb, die heute möglicherweise im Spielverlauf noch einmal bei ESPN angesprochen wird: Damals, Gator Bowl 1978, trafen Ohio State und Clemson zum bisher einzigen Mal aufeinander. Clemson gewann, aber das war am Ende unbedeutend. Viel wichtiger war eine Szene kurz vor Spielende, als der Nose-Tackle von Clemson, Charlie Bauman, eine Interception fing und entlang der Buckeyes-Seitenlinie returnierte. Der NT wurde getackelt, und die Trainerlegende von Ohio State, Woody Hayes, versetzte Bauman einen Faustschlag. Hayes, diese an sich unantastbare Legende und fünffacher National-Champion, wurde direkt nach dem Spiel gefeuert.

Zurück in die Gegenwart. Offense rulez, und das zweimal auf unterschiedliche Art und Weise. Clemson ist eine eher traditionelle Pass-Offense mit dem lange Zeit gehypten QB #10 Tajh Boyd, einem Farbigen, der eine gute, aber nicht überragende Saison spielte. Der Superstar ist WR #2 Sammy Watkins, ein Mann, der im Draft-2014 in der ersten Runde gezogen werden wird (14.6yds/Catch, 10 TD), aber es gibt in TE Bryant und WR Humphries weitere Klasse-Waffen. Diese Offense trifft auf ein dezimiertes Backfield bei Ohio State, wo der künftige Profi CB Bradley Roby mit Knieverletzung wohl ausfallen wird.

Ohio State von Headcoach Urban Meyer spielt eine Spread-Run/Option Offense als Basis, auch wenn die Versuche von Meyer, QB Braxton Miller immer mal wieder tief werfen zu lassen, unübersehbar sind. Ohio State ist um seine sehr gute Offense Line und RB Carlos Hyde (mehrere 200yds-Spiele) gebaut, und Clemson muss erstmal dieses Laufspiel stoppen bevor es daran denken kann, den Pass zu verteidigen. Weil Clemsons Secondary als extrem ausgedünnt gilt, könnte Ohio State heute aber mehr werfen als gewohnt.

SRS favorisiert Ohio State, aber nur mit drei Punkten. Die Frage ist nur noch, ob die Buckeyes auch motiviert genug sind, ihren Stiefel runter zu spielen. Die Fan-Base scheint eher enttäuscht zu sein, denn Ohio State hatte Probleme, sein Kartenkontingent für die an sich attraktive Reise ins warme Südflorida loszuwerden.

Cotton Bowl Classic 2014

#8 Missouri Tigers – #13 Oklahoma State Cowboys

Rein vom Simple Ranking System her ist die Cotton Bowl die hochwertigste Ansetzung der Bowl-Season 2013/14 hinter dem BCS-Title Game. Missouri (11-2, Finalverlierer SEC) und Oklahoma State (10-2, Zweiter der Big 12 Conference) gelten als rundum komplette, überraschend starke Mannschaften. SRS favorisiert die Oklahoma State Cowboys knapp mit 0.5 Punkten.

Beide Teams dürften sich noch aus der Big 12 Conference kennen, die Mizzou vor zwei Jahren gen SEC verließ. Missouri spielte dann heuer ein erstklassiges Jahr, das ich schon mehrfach dokumentiert habe: Erst im SEC-Finale wurde man von Auburn überlaufen. Die Offense wird von QB James Franklin angeführt, einem Mann, der dir keine großen Bolzen begeht. Das Laufspiel macht locker über 200yds/Spiel und ist um den wuchtigen RB Henry Josey konzipiert. Die Defense lebt von ihrer bockstarken Front-Seven um DT Kony Ealy.

Oklahoma State ist in erster Linie extreme Offense-Wucht, aber für die Cowboys wird es essenzieller, wie sie Defense spielen. Die Matchups der Defensive Backs gegen die groß gewachsenen WR-Schlakse von Missouri (z.B. der profireife Dorial Green-Beckham) könnten spielentscheidend sein.

Ich bin froh, dass FOX SPORTS 2 dieses Spiel überträgt.

Die kleinen Wochenend-Bowls

Samstag: BBVA Compass Bowl, Vanderbilt (8-4, SEC) vs Houston (8-4, The American). Eigentlich galt diese Bowl ja stets eher als kleine Veranstaltung, zu der niemand gern hinfährt, aber die Anhängerschaft von Vanderbilt, dieser eigentlich relative kleinen Privatuniversität aus Nashville/TN, soll euphorisch auf die Einladung ins provizonelle Alabama (dort wird die Bowl ausgespielt) reagiert haben, und die Karten sollen wie die warmen Semmeln weg gegangen sein. Dabei gibt es um Vandy durchaus Fragezeichen: Wie zum Beispiel sieht es mit der Zukunft von Head Coach James Franklin aus, der immer wieder von Abwanderungsgerüchten umgeben wird? Vandy spielte diesmal eine 8-4 Saison, aber es war eine wackelige Saison: In einem relativ soften SEC-Schedule verlor Vandy alle Spiele gegen die respektablen Gegner haushoch. Houston dagegen ist auch 8-4, aber 1-4 in engen Spielen. Gegen das starke BYU verlor man nur mit einem Punkt, und gegen die BCS-reifen UCF (wir haben gesehen, was UCF drauf hat) und Louisville (Teddy Bridgewater) verlor man nur mit fünf bzw. sieben Punkten. Daher ist Houston nach SRS auch mit 3 Punkten favorisiert (ein großer Unterschied zu den Wettbüros, die Vandy mit 2.5 vorn sehen).

Sonntag: GoDaddy.com Bowl, Arkansas State (7-5, Sunbelt) vs Ball State (10-2, MAC). Das Programm in der Sonntagnacht für die Zeit nach dem Wildcard-Weeken (Kickoff 03h). Arkansas State hat sich in den letzten Jahren zum Sprungbrett für Headcoaches wie Gus Malzahn (ging nach einem Jahr zu Auburn) und Bryan Harsin (ging nach einem Jahr zu Boise State) entwickelt, und ist aktuell mit Interimscoach unterwegs. Heuer spielte man ein vergleichsweise schwaches Jahr. Ball State dagegen hatte einen exzellenten Herbst und wurde nur einmal hoch abgeschossen. Nach SRS ist Ball State klarer 10.5pts-Favorit.

Das wären dann 34 von 35 Bowls gewesen. Am Dreikönigstag folgt das BCS-National Championship Game als Abschluss der Saison 2013/14.