AFC-Wildcard Playoff 2013/14: Indianapolis Colts – Kansas City Chiefs live

[02h08] Endstand Indianapolis Colts 45, Kansas City Chiefs 44.

Tja, warum wollte nochmal niemand zu diesem Spiel ins Stadion? Fantastischer Playoff-Auftakt mit einem dramatischen Spiel, das spätestens mit dem Touchdown nach der zweiten Luck-INT gegessen aussah (38-10). Aber vier Touchdowns reichen den Chiefs nicht, dieser verfluchten Franchise, die in den Playoffs einfach keinen Erfolg haben möchte. 28 Punkte Comeback ist das zweitgrößte NFL-Comeback aller Zeiten.

Die Chiefs haben für meine Begriffe viel zu schnell nach dem 28pts-Vorsprung in einen merkwürdigen passiven Modus geschaltet. QB Luck mit einer famosen Performance (29/43 für 443yds, 4 TD und 3 INT). Dass zumindest eine INT horrend war, daran wird sich bald niemand mehr erinnern. Ein Tweet aus dem dritten Viertel von Chris Brown (Smart Football) summiert Luck glaube ich ganz gut:

Bei den Chiefs merkte man mit zunehmendem Spielverlauf die ganzen Verletzungsausfälle. Die Offense kam mit dem third stringer auf RB nicht mehr zum Zug, und bei dem einnzigen guten tiefen Pass rannte der Wide Receiver 20m mit ausgebreiteten Armen um einen überworfenen Smith-Pass zu fangen. Wäre er durchgelaufen, er hätte den Ball bekommen.

Schließlich Andy Reid. Wie oft schreibe ich darüber, dass man von der 1yds-Line FieldGoals vermeiden sollte und ausspielen muss. Das ist einer der Hidden-Factors in diesem Spiel. Das Auszeiten-Management im vierten Viertel war auch unter aller Sau. Vercoacht, Coach.

[02h02] Ball downfield. CB #27 Gordy erneut mit enger Deckung. WR #82 Bowe fängt, erster Fuß im Feld, zweiter Fuß… nicht im Feld. Colts können abknien.

[02h01] Two Minute Warning. Du hast drei Werbespots Zeit, deinen Spielzug zu besprechen. Kommst aufs Feld, und… ziehst dein letztes Timeout. Jetzt muss die Conversion her, sonst ist fertig.

[01h59] Andy Reid kickt im ersten Viertel von der 1yds Line ein Field Goal und endet mit einem 4th-und-11 der letzten Chance in der Spielfeldmitte (IND 43).

[01h55] Wir sind noch sieben Punkte (ein TD) von den legendären 96 Punkten des 2009/10er Playoffspiels Packers @ Cardinals entfernt…

[01h52] Indianapolis 45, Kansas City 44/Q4 4:21. 64yds-Pass für #13 T.Y. Hilton. Hilton ohne Gegenspieler in der Mitteldistanz-Zone, rennt durch, rennt den beiden hinten stehenden Safetys mit Schwung auf und davon, fängt den Ball und rennt untouched zum TD durch.

Wer hatte nochmal anderweitige Pläne für die Zeit bis viertel nach zwei?

[01h51] Jetzt muss OLB #50 Houston runter. Sechster oder siebter Stammspieler, der ausfällt. Der Tweet von Chase Stuart ist schon eine Stunde alt, aber:

[01h46] Übrigens ein Fehler, dass die Uhr stehen blieb als McCluster im 3rd-Down aus dem Feld ging. Uhr hätte minimum 25sek ticken müssen.

[01h43] Indianapolis 38, Kansas City 44/Q4 5:36. 43yds-FG für Succup. Die Chiefs machen vieles richtig, 11 plays, 58 yds Drive, nehmen 5:02min von der Uhr. Aber dann wird man erstaunlich konservativ, und gibt sich mit dem Fieldgoal zufrieden. Das ist häufig, sehr häufig ein Fehler.

Das Gute für die Chiefs: Es ist so viel Zeit auf der Uhr, dass man einen Luck-TD wohl noch kontern könnte. Das Schlechte: Luck wird den TD machen, wenn die Chiefs-Defense nicht aufwacht.

[01h40] Aus dem Chiefs-Lazarett: RB #34 Knile Davis out, der fünfte Stammspieler heute. Kansas City fühlt sich heute mal wie die Colts.

[01h38] Zweimal 3rd-Down, zweimal gute PlayCallings & gute Ausführung: Einmal kurzer Slant für #82 Bowe, später im 3rd-und-7 ein gewagter Kurzpass für WR #15 A.J. Jenkins, diesen Bust, den niemand mehr haben wollte! Jenkins als ehemaliger 1st-Round Pick mit seinem erst 8ten Catch seiner Karriere (nach zwei vollen Saisons!), macht 27yds und Kansas City in entfernter FG-Reichweite an der IND 49.

[01h28] Indianapolis 38, Kansas City 41/Q4 10:38. Okay. 2yds-Fumble Recovery Andrew Luck. Der Runningback, der nie fumbelt, #31 Brown, lässt sich an der Goal Line von S #29 Berry das Ei aus der Hand schlagen und fumbelt. Aber Andrew Luck nimmt das Ei auf und springt über einen Menschenhaufen in die EndZone.

Erneut ein beeindruckender Drive: 12 plays, 90 yds, 4:02min. Luck bei mittlerweile 368 Pass-Yards (8.6 NY/A). Der Chiefs-Passrush ist nicht mehr bloß „pathetisch“, er ist mittlerweile inexistent.

Und die Colts-Fans sind alle froh, doch noch die Playoff-Tickets gekauft zu haben.

[01h20] Die Chiefs müssen punten. Zum Start des Q4 hatten die Colts trotz der Aufholjagd immer noch nur eine kleine Sieg-Chance von nur 12%. Das „fühlt“ sich im Moment nach mehr an; aber jetzt muss Indy von der eigenen 10yds Line starten.

GWP zum Start des Q4

GWP zum Start des Q4 (klick mich)

Drittes Viertel

[01h10] Indianapolis 31, Kansas City 41/Q3 2:31. 12yds Catch TE #80 Coby Fleener. Super-Wurf Lucks, guter Catch. Die Colts sind nun extrem schnell: 6 plays, 80 yds, nur 1:41min verbraucht. Wenn das so weiter geht, ist das Spiel sieben Minuten vor Schluss ausgeglichen.

[01h05] Indianapolis 24, Kansas City 41/Q3 4:17. 42yds-FG für Succup. Klassischer Alex Smith: 3rd-Down, keine Optionen offen, also wirft Smith einen hoffnungslosen Ball 3m nach links in den Boden. Das ist das, warum Smith das Label „Game-Manager“ aufgestülpt bekommen hat – aber in diesen Momenten ist das sehr hilfreich.

Die Chiefs können trotzdem den Kick verwandeln, und Colts-HC Pagano verbrennt sogar ein völlig hirnloses Timeout (12 Mann waren am Feld, aber verbrennst du deswegen eine Auszeit?).

[01h00] Erster Spielzug Colts, Luck unterwirft WR #13 Hilton gaaaaaaaaaanz leicht, sodass Hilton den Ball in der Drehung fangen muss… was ihm nicht gelingt. Dem dahinter wartenden CB #39 Abdullah fällt der Ball in die Hand. Dritte INT gegen Andrew Luck. Kein guter Wurf von Luck, aber auch einiges Pech, weil Hilton den auch hätte festhalten können.

[00h57] Nächster Chiefs-Drive endet im 3’n’out: Lauf Davis in einem Bulk an Chiefs, dann ein Verzweiflungs-Scramble des Alex Smith, der 3yds rettet. Dann drittes Down: Smith Kurzpass für Bower (?), aber der DB #27 Josh Gordy mit einer extrem engen Deckung, schlägt dem Receiver den Ball im Moment des Catches aus der Hand. Nahe an der Flagge für PI, aber Gordy wird für seine Courage belohnt.

[00h46] Indianapolis 24, Kansas City 38/Q3 7:32. 3yds-Pass für #31 Donald Brown. 5 plays, 41 yds, 1:28min für Luck gegen eine urplötzlich extrem passive Chiefs-Defense.

Zwei raketenscharfe Pässe von Luck, die man so von ihm nicht alle Tage sieht. Ein wunderbarer Catch von WR #13 TY Hilton an der Seitenlinie, zwar unbedrängt, aber gerade noch beide Füße in’nen Boden bekommen. Und am Ende des Drives verabschiedet sich möglicherweise der 1er-CB #24 Flowers mit Verletzung (Flowers geht direkt in die Umkleidekabine). Dritter Ausfall nach Avery und Charles.

[00h39] Fumble! OLB #98 Robert Mathis kommt von der RT-Seite, wird sogar noch gehalten, aber schüttelt den Backup-RT Stephenson ab. Smith rollt links raus und sieht den hinten heranstürmenden Mathis nicht. Mathis fährt seinen Greifarm aus und schlägt dem verdutzten Smith das Ei aus der Hand. LB #52 Sheppard recovert knapp innerhalb des Spielfelds, oder außerhalb? Extrem knapp, aber zugunsten des Spiels schön, dass die Colts hier mal etwas für sich laufen sehen.

Lucks Choker-Reputation hängt an 2cm Rastahaar bei Sheppard. Und Mathis gibt es ein massives Statement als DPOY 2013/14 ab. Sind die Wahlen schon mit Ende der Regular Season abgeschlossen?

[00h32] Indianapolis 17, Kansas City 38/Q3 11:47. 10yds-Lauf für RB #31 Donald Brown. 5-Plays, 80yds, 1:52min.

Sie zucken noch: Luck tiefe Bombe, und der von mir in der Vorschau als gefährlichster Colts-WR bezeichnete Rookie #16 Da’rick Rogers fängt einen starken 46yds Pass in guter Manndeckung. Ein Catch, würde den Megatron machen, alle würden sich s’Maul zerreißen.

Gegen eine sehr passive Chiefs-Defense rennt Brown dann locker durch zum TD.

[00h28] #Choker?

[00h27] Indianapolis 10, Kansas City 38/Q3 13:39. 10yds-Pass für RB #34 Knile Davis. Pathetische Abwehrleistung. Smith kann warten, warten bis S #41 Bethea seine Deckungsaufgabe vernachlässigt und dann einen 5m offenen Davis bedienen.

Okay, was machen wir jetzt bis viertel nach zwei?

[00h25] Zweiter Spielzug, und Luck mit einer Entscheidung, die eines Mark Sanchez würdig ist: Pass rechts raus, so dass CB #39 Abdullah in den Pass springen kann. Zweite Interception gegen Luck, und das war ein echter Anfängerfehler.

[00h23] Zweite Halbzeit startet.

Zweites Viertel

[00h11] Halbzeitstand Indianapolis Colts 10, Kansas City Chiefs 31.

Schwaches zweites Viertel der Colts. Ich meine, der schnelle 10pts-Rückstand kann schonmal passieren, weil 1-2 Plays daneben gehen, aber danach blieb jegliche Reaktion aus. Die Colts-Defense mit zwei kompletten Coverage-Breakdowns, einmal beim langen 63yds-Pass für Bowe (S Landry) und dann beim 79yds-TD für Avery (S Bethea).

Der Colts-Passrush kommt meistens viel zu aggressiv, ist aber trotzdem zu langsam, um die Pocket zu killen. Resultat: Die Spielfeldmitte ist oft meterweit offen und für QB Alex Smith gibt es viele Räume. Smith mit monströsen Zahlen: 14/23 für 217yds (9.3 NY/A) und 3 TD. Dazu 6 Scrambles für 41yds. Das ist nahe an Smiths bester Karriereleistung.

Andrew Luck auf Colts-Seite ist eine arme Sau. Da klappt im ersten Drive alles, aber danach wird das Tempo der eigenen Offense gedrosselt. Luck kommt unter Druck und ist 2-3 Drives lang noch richtig gut im Ausweichen vom Passrush. Im letzten Drive sah das bei Luck fast schon nach Verzweiflung aus, nach Forcieren der Bälle. Die INT war ganz klar so ein Pass.

Da wären einige Colts-Fans froh gewesen, wenn sie die Last-Minute Tickets nicht gekauft hätten. Indy kriegt nun aber zuerst den Ball, und sollte dringend einen TD scoren…

[00h07] Seuche. Sack gegen Luck, und im nächsten Spielzug fängt CB #24 Flowers das Ei ab, obwohl er vom eigenen Linebacker #56 Johnson abgeschossen wird. Komischer Wurf Lucks in gut gedeckte Zone.

[00h04] Es ist nicht alles vorbei für die Colts: Sie kriegen zum Start des dritten Viertels als erste den Ball. Wie wahrscheinlich sind zwei TD en suite?

[23h57] Indianapolis 10, Kansas City 31/Q2 1:51. 4yds-Run #34 Knile Davis. Beeindruckender 15 plays, 81 yds Drive, 7:23min. Mehrere 3rd-Down Conversions für die Chiefs.

Die Chiefs bleiben bei ihrer smashmouth-Offense: Nur Power-Formationen, fast immer 2 TE und 2 RB. Die Colts sehen mit ihrer Defense weiterhin zahnlos aus. Der Passrush bricht viel zu spät durch, und dann sind die Colts so hyper aggressiv, dass Smith locker selbst los scrambeln kann.

Die Chiefs mit interessantem Spielzugdesign in mehr als einem 3rd-Down: Einmal ein QB-Keeper für Alex Smith. Dann ein cooler Spielzug für TE #80 Fasano, als die Chiefs urplötzlich die Spielzugrichtung ändern. Dann ein Pass in die völlig verwaiste Flat-Zone für die Allzweckwaffe #22 McCluster.

[23h46] Jamaal Charles ist nun offiziell raus für den Rest der Partie.

[23h43] Indianapolis 10, Kansas City 24/Q2 9:14. 37yds-FG Vinatieri. 12 plays, 61 yds, 3:51min.

Der markanteste Spielzug im Drive: 4th-und-inches an der Mittellinie, und Chuck Pagano lässt richtigerweise ausspielen. Eine halbe Minute lang versucht man, die Chiefs zu einem Offside zu bewegen, dann Snap. Play-Action für Richardson, und Luck behält den Ball, rennt downfield, und geht dann freiwillig zu Boden in einer Situation, in der er möglicherweise zum TD hätte durchlaufen können.

Kurz danach kollabiert die Pocket der Colts, und es braucht das Field Goal.

[23h31] Das Spiel ist recht flott bisher, aber NBC streut da eine Unmasse an Werbepausen ein, dass es fast unansehnlich wird.

[23h29] Indianapolis 7, Kansas City 24/Q2 13:10. 5yds-Pass für FB #42 Sherman. Shovel-Pass von Smith auf Sherman, der seinem Bewacher #52 einen Schritt voraus ist.

Das Brett für die Colts wird dicker (nur 9 Teams haben in den Playoffs einen 17pts-Rückstand aufgeholt). Sie haben eigentlich nicht viel falsch gemacht, aber ein Deckungsfehler in der Defense (der geht auf die Kappe der Safetys) und der Fumble, und du liegst 17 Punkte zurück! Chiefs-Backup RB #34 heute auch mit bemerkenswerter Power in seinen Läufen, das war man von ihm noch nicht gewohnt.

[23h26] Erstes Play Colts, Ballübergabe an RB #34 Trent Richardson, und folgerichtig kommt der Fumble. Richardson auf dem Versuch, ein broken play zu retten; #50 Houston nimmt das Ei auf. Passt wie Arsch auf Eimer auf Richardsons Seuchensaison-

[23h22] Indianapolis 7, Kansas City 17/Q2 14:49. 79yds-Catch für WR #17 Avery. Der Heimkehrer. Avery spielte früher bei Indy. 3-Plays, 79yds, 0:21min.

Die Colts kriegen eigentlich ganz guten Druck zustande, aber im 3rd-Down passiert den Abwehrfehler: Avery läuft von rechts außen eine tiefe Slant-Route. Sein direkter Gegenspieler #28 Toler scheint Safety-Hilfe vom dahinter stehenden S #41 Bethea zu erwarten, aber Bethea springt in die Passroute und verpasst Avery. Avery kann durchlaufen und wenn ein Avery 50m offen ist, bringt auch QB Alex Smith den tiefen Ball an.

Erstes Viertel

[23h17] Die Colts müssen im zweiten Drive punten. Zwei Erkenntnisse:

  • Die Colts gingen von ihrem Erfolgsrezept im ersten Drive weg. Weniger Speed in den Aktionen, QB Luck hält länger den Ball in der Pocket.
  • Als Resultat bricht der Passrush von #91 Hali und #50 Houston unvermeidlich über die überforderten Tackles herein und die Pocket faltet zusammen.

Luck kann einiges mit gutem etwas, das die Amerikaner „Pocket-Movemement“ oder „Pocket-Awareness“ nennen, kaschieren und weicht dem Rush gerade noch aus, aber die Chiefs kriegen eine Hand an den Ball und schlagen ihn zu Boden.

[23h12] Indianapolis 7, Kansas City 10/Q1 0:53. 19yds-FG Succup. 7-Play, 73yds, 3:41min.

Der Schlüsselspielzug ist ein 63yds-Pass für WR #82 Bowe, der dem CB Toler enteilt und zwischen den zwei Safetys #30 Landry (greift ins Nix) und #41 Bethea durchläuft, aber Bethea gibt nicht auf und bringt Bowe an der 2yds-Line zu Boden. Bowe versucht im Fallen für einen Moment einen lateral für einen mitgelaufenen Mannschaftskollegen, aber behält den Ball dann doch – und das ist schlecht.

Die Colts mit zwei Stands gegen RB #34 Davis. Wenig Power dabei von den Guards und Center der Chiefs. Und schießt Andy Reid den ersten Bock, lässt das kürzeste Fieldgoal der Welt schießen. Wir werden uns später nochmal dran erinnern…

[23h00] Indianapolis 7, Kansas City 7/Q1 4:34. 10yds-Pass für #13 Hilton. 7-Play, 74yds-Drive für die Colts, 3:37min verbraucht. Ein brillanter Scoring-Drive von Andrew Luck und den Colts.

Die Colts spielen 7 Pässe, 7x complete, Touchdown. Kein Trent Richardson, kein Versuch, den Lauf zu etablieren. OffCoord Pep Hamilton scheint seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Die Colts mit viel hurry up, wenige Huddles, sie kontern den Passrush der Chiefs (#91 Hali, #50 Houston) mit sehr schnellen Kurzpässen für Hilton (schon 4 Catches, 51yds), Fleener und Brazill. Viele Crossing-Routes, die die Receiver schnell offen kriegen. Es scheint #21 Dunta Robinson, nicht der Rookie #31 Cooper im Slot zu spielen.

[22h55] Die schnelle Chiefs-Führung wird für das Spiel interessant, weil sie die Colts potenziell früher in einen „pass first“-Modus schickt. Das wäre für die Effizienz der Colts-Offense nur zu wünschen.

Bei den Chiefs muss man schauen, wie sich der potenzielle Ausfall von Charles auf das PlayCalling auswirkt: HC Andy Reid ist berüchtigt dafür, in solchen Momenten schneller als andere in eine Pass-Wut zu verfallen und auch einen Alex Smith 40-50 Pässe werfen zu lassen.

[22h51] Indianapolis 0, Kansas City 7/Q1 8:11. 6yds-TD Catch #82 Bowe. 14-Play, 82yds Drive auf einer kurzen Slant-Route. Fast sieben Minuten von der Uhr. Da ist viel passiert.

Also: Kansas City kommt mit einer Art „Power“-Formation mit 2 TE und 2 RB aus der Kabine und beginnt – wer hätte das gedacht – erstmal mit Laufspiel. RB #25 Jamaal Charles deutet erste Erfolge an, aber dann muss Charles schon im ersten Drive runter; es sieht nach einer Gehirnerschütterung aus.

Der Backups ist #34 Knile Davis, ein brutal schneller Back, der aber berüchtigt ist, jeden 10ten Play (und das ist keine große Übertreibung) zu fumbeln. Davis führt sich auch mit einigen überraschenden Läufen ein, bricht zwei oder drei Tackles.

Die Colts-Defense ist recht zahnlos, bis auf einen Play in der RedZone, in dem OLB #98 Mathis den ÖT #75 Albert komplett übermannte. QB Alex Smith mit viel Zeit in der Pocket, zeigt seine Mobilität, zeigt auch schon einen Scramble.

[22h36] Der Referee ist Walt Anderson. Er pfeift heute nicht mit seiner regulären Crew (nur drei Mitglieder seiner regulären Crew), dafür sind einige „All-Star“ Refs im Team.

[22h33] Das Kommentatorenduo bei NBC lautet heute: Dan Hicks und Mike Mayock. Mayock muss ich nicht weiter vorstellen. Hicks war schon letztes Jahr der Play-by-Play Kommentator im ersten NBC-Spiel, und er ist in Erinnerung als Labertasche, die zuerst mal siebzig Fakten aufzählt bevor er sich dem Spiel zuwendet. Hicks kommentiert neben diesem Spiel keinen NFL-Football unterm Jahr.

[22h27] Die Tennessee Titans haben übrigens heute Head Coach Mike Munchak gefeuert. Man will unter dem neuen Teamchef Tommy Smith (Schwiegersohn vom verstorbenen Owner Bud Adams) eine neue Richtung einschlagen, und dazu hat Munchak mit seiner run first Attitüde wohl nicht mehr gepasst. Munchak war drei Jahre lang Headcoach in Nashville als Nachfolger von Jeff Fisher. Er gewann 22 von 48 Spielen.

[22h21] Guten Abend vom ersten Wildcard-Playofftag 2013/14 mit den Indianapolis Colts (11-5) und Kansas City Chiefs (11-5). Die Vorschau ist rauf- und runtergenudelt, aber hier noch einmal die Verweise auf die Einführungen:

Durch die Bank wird heute ein eher knappes Spiel erwartet zwischen zwei Mannschaften, bei der man nur von einer weiß, wer sie ist (Kansas City). Die Colts sind ein dark horse im wahrsten Sinne: Sie hatten heuer großartige Performances und üble Spiele. Sie müssen aus Verletzungsgründen jede Woche mit veränderten Startformationen auflaufen. Heute gibt es aber keinen nennenswerten inactives außerhalb der Landzeitverletzten. Bei den Chiefs fehlt wie erwartet der Rookie-RT Eric Fisher sowie der OT Watkins und DT Powe.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Samstag: Philadelphia Eagles – New Orleans Saints Preview

Das Nachtspiel heute (ab 02h10 live im Gamepass und bei SPORT1 US) ist ein extremst leckeres für die Verhältnisse eines Wildcard-Weekends: Die Philadelphia Eagles (10-6), Sieger der NFC East, empfangen im Lincoln Financial Field die New Orleans Saints (11-5). Es ist ein Spiel, in dem winterliche Verhältnisse erwartet werden, mit Temperaturen in den Minusgraden (Celsius-Skala) und möglicherweise leichtem Schneefall.

Philadelphia zuhause und Schneefall? Check, das hatten wir schon. New Orleans auswärts? Das ist eine Geschichte, die in den Staaten derweil rauf und runter diskutiert wird. Die Saints sind im eigenen Superdome eine Macht mit einer Offense, die in schöner Regelmäßigkeit 4-5 Touchdowns über den Gegner drüberstreuselt und die Spiele in Blowouts ausarten lässt. Die Saints auswärts haben Mühe, überhaupt ihre Spiele zu gewinnen: Sie sind dieses Jahr 3-5. Zu Hause? 8-0. Dieser Split ist zwar zu krass um uneingeschränkt so stehen gelassen zu werden: Es gab zuhause (Falcons, 49ers, jeweils Siege) wie auswärts (Panthers, Patriots, jeweils Pleiten) jeweils wilde Spiele, die im allerletzten Play entschieden wurden. Lass drei Plays anders ausgehen und die Welt sieht schon anders aus.

Allerdings ist der Home/Away-Split bei den Saints schon real: Zuhause macht die Pass-Offense um die QB-Legende #9 Drew Brees sensationelle 8.3 NY/A im Passspiel, während Brees und Co. auswärts nur 6.2 NY/A zustande bekommen. Das ist ein nennenswerter Unterschied, und bei jeweils über 320 Versuchen auch einer, der dem Zufallstest standhält. Heim und Auswärts sind bei den Saints also real, zumindest in dieser Saison 2013/14, wenn auch wohl gern überschätzt.

Also: Kaltes Wetter, zwei Sensations-Offenses. Zwei tolle Coaches. Wie gemacht für ein Klassespiel.

Wenn die Eagles den Ball halten

Die Eagles sind eine famose Mannschaft. Sie haben die #1-Offense nach meinem Power-Ranking. Sie haben den Übergang vom passfreudigen Head Coach Andy Reid zum Innovator [1][2][3] und Fetischist der Spread-Run Offense Chip Kelly fast nahtlos hin bekommen; es gab einige Spiele, in denen es nicht „lief“, aber sie blieben letztendlich die Ausnahme.

Die Eagles spielen eine äußerst ästhetische Offense, die zumindest bisher nicht als „fraud“ (Blender) enttarnt werden konnte. Gebaut um eine massierte Offense Line, die als wie gemacht fürs Lauf-Blocking aussieht, legen die Eagles-Backs in 500 Versuchen sensationelle 2566yds und 19 Touchdowns am Boden hin (5.1yds/Carry) – bei einer selten gesehenen Success-Rate von 49%. Das heißt: Fast die Hälfte der Laufspielzüge endet in einem „Erfolg“ (Erfolg wird hierbei definiert als „meine erwartete Punktzahl aus dem Drive ist nach Ende des Spielzugs höher als vor dem Snap“). Der Ligaschnitt ist 40.7%. Die Standardabweichung ist 3.9%. Die Eagles-Runningbacks sind 2.16 Standardabweichungen erfolgreicher als der Ligadurchschnitt. Sensationell.

Keine Mannschaft setzt mehr read option ein als Philadelphia: ESPN hat eine Studie veröffentlicht, nach der die Iggles 304 der 500 Run-Plays als read option ausgeführt haben, für 1725yds (5.8yds/Carry). New Orleans kennt dieses Spielsystem fast gar nicht, wurde bei den wenigen Downs dieses Jahr dabei für fast 6yds/Carry überfahren.

Chip Kelly konnte auch sein atemberaubendes Tempo mit in die NFL transferieren: Die Eagles erzielen mit 33yds/Drive die sechstmeisten Yards pro Drives und mit 2.12 Punkten die achtmeisten Punkte der Liga, aber ihr durchschnittlicher Drive konsumiert ganze 2:06 Minuten, mit weitem Abstand die #32 der Liga. Speed, Speed, Speed.

Der Superstar ist RB #25 LeSean McCoy, der wenn er halbwegs Lücken bekommt, jede Defense im offenen Feld auseinander zu nehmen imstande ist. Kriegt McCoy Lücken, ist er nicht zu bremsen. Kriegt er keine, ist er der klassische boom or bust-Back. Die Saints haben eine relativ durchschnittliche Lauf-Defense, was für sie ein Kompliment ist, aber sie haben ein System wie jenes der Iggles noch nicht gesehen.

Der Hidden-Champ bei den Eagles ist der junge QB #9 Nick Foles, ein Mann in seinem erst zweiten Jahr. Lange hatte ich Foles als hüftsteifen Werfer verspottet, aber Foles macht, seit er für den verletzten Michael Vick eingewechselt wurde, einen bockstarken Job und fabrizierte eine Saison zum Speichel ablecken: 64% Completion-Rate, 7.9 NY/A, nur 2 INTs in zehn Spielen (bei 27 TD). INTs sind eine volatile Statistik, aber Foles bewies durchaus die Nerven, unter Druck lieber den Ball ins Aus zu werfen als allzu viele Hochrisiko-Bälle abzufeuern. Das einzige, was Chip Kelly an Foles hassen dürfte, ist seine Tendenz, Sacks zu kassieren: 28 Sacks (8.1% Sack-Quote) sind eher überdurchschnittlich, und dürften bei einem Coach, der alles erlaubt nur keine Spielzüge für Negativ-Yards, nicht auf allzu viel Gegenliebe stoßen.

Was können die Saints dagegen ausrichten? Sie haben sich innerhalb eines Jahr von einer der schlechtesten Pass-Defenses ever zu einer richtig guten Abwehr gewandelt, und lassen nur 5.6 NY/A zu – ein Top-10 Wert in der heutigen NFL. Das kommt, wenn man DefCoord Spagnuolo gegen den aktuellen DefCoord Rob Ryan austauscht. Ryan gilt als aggressiver Coach, der gerne mal verstärkten Druck bringt. Das verlangt von der Secondary zusätzliches Standvermögen. Die Saints hatten das heuer oft… aber jetzt ist mit dem Rookie-Safety Kenny Vaccaro der Schlüsselspieler out for the season. Kelly reibt sich gewiss schon die ganze Woche die Eier, was er mit Vaccaros Backup Roman „wandelnder Deckungsfehler“ Harper anstellen wird.

So sehr man die Saints-Defense zu schätzen gelernt hat: Es wäre eine Überraschung, wenn sie ohne zusätzliche Leute in der Box die massive Eagles-OL und das Laufspiel abwürgen könnte – und das ist notwendig, wenn du nicht gegen den Pass blank stehen willst.

Wenn die Saints den Ball haben

Die Saints von Head Coach Sean Payton sind kein Geheimnis in der Offense: Sie werfen, und zwar viel. Drew Brees überbot mal wieder die 5000er-Marke und beendete die Regular Season mit 650 Passversuchen und 5162yds für 39 TD und nur 12 INTs (7.1 NY/A). So wenige INTs wirft Brees nicht immer; Brees gehörte stets zu den QBs, die gerne mal überziehen und für einen tiefen Raumgewinn schon mal einen Turnover riskierten. Nicht so 2013. Einiges davon könnte allerdings glücklichen Fügungen zugeschrieben werden.

Das Saints-Passspiel ist nicht unbedingt ein sonderlich vertikales (nur 18.6% der Pässe gehen über 15yds von der Anspiellinie), aber es ist tödlichst präzise: 68.6% Completion-Rate für Brees, und das ist für ihn nicht die allerbeste Saison. Die Anspielstationen sind extrem breit gestreut: Der Schlüsselspieler „Tight End“ (eigentlich WR) #80 Jimmy Graham macht 86 Catches für 1215yds und 16 TD. Graham ist kein guter Blocker und ehrlicherweise ein verkappter Wide Receiver. Ein ähnlicher Spielertyp ist #12 Marques Colston, der auch meistens in der Spielfeldmitte operiert (75 Catches, 943yds). Dazu kommen aus dem Backfield die fangstarken RB #23 Thomas (77 Catches, fällt heute aber aus) und der Irrwisch #43 Darron Sproles (71 Catches), der häufiger als Passfänger denn Ballträger eingesetzt wird. Die richtigen Wideouts im Saints-System sind mit Moore, Rookie Stills und Meachem eher austauschbare Leute.

Die Eagles dürften dagegen Probleme haben: Ihre Linebacker gelten als zu langsam, mit Ausnahme der #95 Mychal Kendricks, der viele lichte Momente hat, aber dann immer wieder gern mal überzieht und seine Defense verbrennt. Das Defensive-Backfield ist bestenfalls „unterer Durchschnitt“, wobei das Problem für die Eagles vornehmlich bei den Safetys zu finden ist, wo wohl ein Mann wie Pat Chung heute starten muss.

Allerdings gibt es ein gutes Matchup für die Eagles: Die OLBs #58 Cole und #98 Brandon Graham gegen die Offense Tackles der Saints, die schon das ganze Jahr eine Sollbruchstelle stellen. New Orleans musste vor Saisonbeginn den teuren LT Bushrod ziehen lassen, und hoffte, mit LT Charlie Brown und/oder dem Rookie #71 Armstead wenigstens akzeptablen Ersatz im Kader zu haben – aber beide erwiesen sich als unzuverlässig oder richtiggehend überfordert. Wenn Cole und/oder Graham ihre Matchups dominieren, könnte Brees schneller als gewollt unter Druck kommen.


Die Quoten stehen 2.5pts pro Eagles. Mein Power-Ranking gibt den Eagles zuhause eine 53%-Chance zu gewinnen. Es läuft also auf ein knappes Spiel hinaus. Die Auswärtsschwäche der Saints halte ich aus beschriebenen Gründen für real, wenn auch von vielen überschätzt. Ich traue Brees und Co. aber auch im kalten Philadelphia zu, ihr Kurzpassspiel aufzuziehen und eine schnelle Führung zu erspielen, die die Eagles unter Druck setzt.

Die Eagles sind es gewohnt, mit einer Führung zu spielen; dann können sie ihr Laufspiel geduldig aufziehen. Dann kann Nick Foles seine risikolose Offense spielen. Aber was passiert, wenn die Eagles schneller werfen müssen als gedacht? Es gab in mehreren Phasen dieses Jahr Momente, in denen die Iggle-Offense für 2-3 Drives in der zweiten Halbzeit out of sync war, nix aber auch gar nix zustande brachte. Passiert dir das gegen Arizona, okay. Dann kriegste in der Zwischenzeit vielleicht 3 oder 6 Punkte eingeschenkt. Gegen Brees riskierst du 10-14 Gegenpunkte in solchen Phasen.

Wegen des Heimvorteils und wegen des suspekten Defensive Backfields bei den Saints gebe ich den Philadelphia Eagles trotzdem einen leichten Vorteil.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Samstag: Indianapolis Colts – Kansas City Chiefs Preview

Die NFL-Playoffs haben uns wieder! Heute Abend ab 22h35 geht es los mit dem ersten Wildcard-Spiel. Die NFL-Playoffs sind jedes Jahr ein absolutes Highlight des Sportjahres. Sie laufen nach dem Prinzip do or die ab. Keine best of-Serie, kein Rückspiel. Verliere und fahre heim. Und das nicht in langweiligen Runden wie Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, sondern in Wildcard Weekend, Divisional Playoffs, Conference-Championships und Super Bowl.

Den Auftakt dieses Jahr machen die Sieger der AFC South, die Indianapolis Colts (11-5) und die Kansas City Chiefs (11-5), Zweite der AFC West. Spielstätte ist das Lucas Oil Stadium in Downtown Indy, eine Halle mit verschließbarem Dach, die eigentlich immer voll ist, aber ausgerechnet im Vorfeld dieses Playoff-Auftakts hatten die Colts Probleme, all ihre Tickets loszuwerden um einen Blackout im heimischen Markt zu verhindern.

Colts gegen Chiefs klingt nicht unbedingt nach einer Top-Paarung. Hier treffen die Teams aufeinander, die in den letzten beiden NFL-Drafts jeweils einen #1-Draftpick hatten, was nix anderes bedeutet, dass sie 2011 (Colts) und 2012 (Chiefs) jeweils die schlechteste Bilanz der Liga gehabt hatten. Die Partie hat aber ihre Reize.

Da wäre zum einen der voluminöse Head Coach der Chiefs, Andy Reid, letztes Jahr mit Schimpf und Schande aus Philadelphia fortgejagt, und nun das (nach Siegen) schlechteste Team der Liga innerhalb eines Jahres in die Playoffs geführt. Reid musste prinzipiell nicht viel mehr anstellen als einen Quarterback einzukaufen (das machte er: Alex Smith) und seiner Offense solideres Spiel einzubläuen (tat er: Nur 18 Turnovers für die Offense). Das reichte gegen einen nicht allzu schweren Schedule für den schnellen Turnaround.

Auf der anderen Seite steht Chuck Pagano den Colts vor. Pagano bestritt sein zweites Jahr als Headcoach, aber 2012 hatte er großteils wegen einer Leukämie-Erkrankung verpasst. 2013 war sein erstes „volles Jahr“, und er beging keine auffälligen Fehler. Vielmehr kann man ihm attestieren, aus einem limitierten Kader nahezu das Optimum herausgewringt zu haben.

Wenn die Colts den Ball halten

Indianapolis erreichte schon im letzten Jahr die Post-Season. Damals spielte die Mannschaft um ihren QB-Grünschnabel #12 Andrew Luck einen risikoreichen Ball mit sehr viel vertikalem Passspiel in der Offense. Das führte zu besseren Ergebnissen als befürchtet, aber man war auch extrem anfällig gegen Turnovers. Als Konsequenz wurde nach dem Abgang des OffCoords Bruce Arians (wurde Headcoach in Arizona) dazu, dass man einen OffCoord Pat Hamilton einstellte, der vor allem dafür bekannt ist, dass er physische Spielweise und Kurzpassspiel bevorzugt.

Das sieht dann so aus: Während Luck 2012 noch in 27% der Pässe mehr als 15yds warf, sind es heuer nur noch 20%. Entsprechend steigerte Luck seine Completion-Rate auch von 54% auf 60%, senkte seine Sack-Quote von 6% auf 5.2% und vor allem: Er warf dieses Jahr nur noch 9 Interceptions im Vergleich zu 19 in der vergangenen Saison.

Luck ist der Mann, der diese Offense definiert. Es laufen zwar nicht mehr so viele Spielzüge durch die Luft, aber zu behaupten, dass Indys Laufspiel effizient wäre, ist eine glatte Übertreibung. RB #34 Trent Richardson wurde nach zwei Wochen teuer aus Cleveland eingekauft, erwies sich aber als gigantischer Bust und hinderte die Offense mit immerhin 157 Carries bei nur 2.9yds/Carry mehr als er ihr geholfen hätte. Richardson ist ein Back, der eigentlich optisch wie ein Star aussieht, allein… der Output ist nicht da.

Indys Offense Line ist trotz einiger teurer Offseason-Einkäufe wie LG Thomas oder RT Cherilus nicht allzu stark besetzt, aber 2.9yds/Carry sind dennoch unterirdisch für NFL-Verhältnisse. Zumal Richardsons Backup, der schmächtig gebaute Donald Brown, mit 5.3yds/Carry und null (!) Fumbles eh die bessere, sicherere Alternative zu sein scheint. Aber das ist kein Laufspiel, das dich tragen kann.

Luck ist meistens gefragt, und er macht seine Sache gemessen an dem Material, mit dem er arbeiten muss, hervorragend: 6.1 NY/A im Passspiel mit Leuten wie WR #13 Hilton (83 Catches, 1086yds, 5 TD, wird in 32% der Fälle tief angespielt), TE #80 Fleener (52 Catches, 608yds, 4 TD) oder Lucks College-Teamkollege WR #17 Whalen (kam vom Practice-Squad) sind eine Hausnummer. Der beste Wide Receiver ist möglicherweise der ungedraftete Rookie #16 Da’rick Rogers, der aber nur in vier Spielen Action sah.

Die Colts-Offense sah vor zwei Wochen im Regular-Season Spiel gegen diese Chiefs recht dominant aus, aber es gibt auf Chiefs-Seite einen großen Neuling im Vergleich zu jenem Spiel: OLB #50 Justin Houston, der in der ersten Saisonhälfte der vermutlich beste Abwehrspieler der Liga war, und danach nach Woche 10 mit diversen Verletzungen ausfiel. Houston soll heute Abend wieder fit sein, und auch ein halbfitter Houston ist ein massives Upgrade für die Chiefs. Am augenscheinlichsten wird das im Passrush zu spüren sein, wo die Chiefs im „Hinspiel“ heftig blitzen mussten und dabei ihr Defensive-Backfield ein ums andere Mal in Bedrängnis brachten.

Wenn du vorne den begnadeten und optisch so einzigartigen OLB #91 Tamba Hali (11 Sacks) mit Houston (11 Sacks in 11 Spielen) mischen kannst, dann wird Luck in der Pocket schneller in Bedrängnis kommen als ihm lieb ist. Luck ist ein fantastischer Quarterback, aber auch er kriegt nasse Füße, wenn die Offense Line ein ums andere Mal zerbröselt wird. Hali soll allerdings „questionable“ sein, könnte, wenn er überhaupt spielt, nur mit halber Kraft auflaufen.

Die Chance für die Colts ist das nur durchschnittlich besetzte Defensive Backfield der Chiefs. Kansas City machte zwar bockstarke 21 Interceptions im Saisonverlauf, aber bis auf den Super-Safety #29 Berry („The Fifth Dimension“) spielt kein DB eine wirklich gute Saison: Bei dem Rookie #31 Cooper dachte man, einen ganz großen Fang gemacht zu haben, bis Cooper von Peyton Manning zweimal hintereinander in Fetzen zerrissen wurde und seither als Nervenbündel auf der Bank hockt.

Fix ist nur: Luck wird das Spiel tragen müssen. Laufspiel geht keine eine Defensive-Front mit einem NT-Monster wie #92 Dontari Poe (346 Pfund, gilt unisono als All-Pro Kandidat) und einem DE #94 Tyson Jackson (spielt sein bestes Profijahr) nicht.

Wenn die Chiefs den Ball halten

Die Chiefs-Offense ist relativ einfach erklärt: Gib RB #25 Jamaal Charles den Ball und bläue QB #11 Alex Smith so lange ein, ja keine Turnovers zu begehen, dass Smith sich nicht mehr traut, das Ei weiter als 10yds zu werfen. Eine Strategie, die funktioniert, solange die Chiefs in engen Spielen oder mit Führung spielen. Die Offense ist nicht explosiv, sie ist sogar ziemlich ineffizient (5.7 NY/A Passspiel ist unteres NFL-Drittel), aber sie vermeidet die Ballverluste: 18 Turnovers in 16 Spielen sind ein sehr guter Wert.

Charles ist der Schlüsselspieler: Das ist ein Runningback, der in seinen ersten Profijahren vorwiegend als change of pace-Back eingesetzt wurde und als solcher Berühmtheit erlangte, weil er jedes Jahr 5-6yds/Carry erzielte – Werte, die kein anderer NFL-Back über so lange Zeiträume annähernd einhalten konnte. Charles lieferte auch heuer wieder: 259 Carries, 1287yds (5.0yds/Carry) für 12 TD, und 70 Catches für 693yds und 7 TD. Das sind erstklassige Zahlen, noch dazu für einen Back, der ohne ernst zu nehmende Passspiel-Entlastung auskommen muss, und dessen Offense Line… hm… banal ist. Allerdings setzen die Chiefs fast zu oft auf Laufspiel und Charles: In EPA-Zahlen liest sich Charles’ Saison eher ineffizient.

Gegen Indianapolis könnte es jedoch eine gute Idee sein, viel Charles einzusetzen, denn die Colts-Abwehr strahlt eigentlich nur im Passrush Gefahr aus: Hier wäre OLB #98 Mathis zu nennen, der aktuelle Sack-Champion der NFL mit 19.5 Stück. Man hat Mathis wohl lange Zeit unterschätzt, aber dieses Jahr war er als Alleinunterhalter durchaus ein wichtiger Faktor für eine andernfalls recht unzuverlässige Defense.

Indys Lauf-Defense ist in Run-Success Rate (55%) und Y/A (4.5) jeweils recht weit unterdurchschnittlich. Die Offense Line der Chiefs ist keine Elite-Einheit, aber sie bekommt im Vergleich zum ersten Spiel diesmal in LT Brandon Albert eine Verstärkung zurück. Dafür fällt heute Abend RT Eric Fisher (#1-Draftpick 2013) aus.


Es ist das gefühlt engste Matchup vor diesem Wildcard-Weekend. Eine Prognose ist eigentlich qua Design zum Scheitern verurteilt. Es ist das Spiel eines QB-Jungstars Luck gegen eine potenziell hervorragende Defense, und das Spiel einer „Alte-Schule“ Offense gegen ein one trick pony an Defense. Kurz gesagt wird für die Chiefs viel davon abhängen, ob Charles in Gang kommt und Smith ohne Turnovers auskommt. Geschieht das, haben die Chiefs eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen. Gehen die Colts aber früh in Führung, könnte das Spiel ähnlich laufen wie das „Hinspiel“.

Alle Faktoren zusammengerechnet, sehe ich Indianapolis zuhause leicht im Vorteil. Es ist aber kein Tipp, auf den ich Geld setzen würde.