NFC Wild Card Sonntag Preview: San Francisco 49ers @ Carolina Panthers

Wie auch die New England Patriots spielen die San Francisco 49ers (13-4) um den dritten Einzug ins Championship Game in Folge. Im Weg stehen ihnen jetzt noch die Carolina Panthers (12-4). Die Panthers haben sich im dritten Jahr unter „Riverboat“ Ron Rivera zum Spiegelbild der 49ers entwickelt. Beide Mannschaften leben von der bärenstarken Defense. Die Offense ist bei beiden um das Laufspiel herum gebaut und die jeweiligen QBs sind jung, inkonsistent, limitiert – aber sehr gut zu Fuß.

Linebackers vs Tight Ends

Das Herzstück beider Verteidigungsreihen ist ein hervorragendes Linebacker-Duo. Man kann sich lange streiten, ob NaVorro Bowman/Patrick Willis oder Thomas Davis/Luke Kuechly besser sind. Man kann allerdings auch einfach genießen, daß am Sonntag abend alle vier ununterbrochen in action zu sehen sein werden. Da aller vier sehr gut potentielle Paßempfänger decken können, spielen sie in der Regel fast durch und werden auch in „langen“ downs nicht durch einen Defensive Back ersetzt.

Sowohl Niners als auch Panthers haben spiegelbildlich einen fangsicheren Tight End. Greg Olsen ist keine große Hausnummer, hilft aber seinem QB immer wieder aus brenzligen Situationen. Allerdings hat er in der Regel aber keine Gegenspieler wie Willis/Bowman. Im ersten Aufeinandertreffen der beiden im November hat er nur einen Ball gefangen. Im Gegensatz zu Vernon Davis auf der anderen Seite, ist der bullige Olsen auch nicht gerade eine Gefahr mit tiefen Paßrouten. Der Modellathlet hat wahrscheinlich das größte mismatch gegen die beiden Safeties Mike Mitchell und Quintin Mikell, wenn er tief geht – und das kann er wie kaum ein Zweiter. Da zusätzlich Kuechly „im Raum“ manchmal die Orientierung oder seinen Gegenspieler verliert: leichter Vorteil SF.

Front Four vs Laufspiel

San Franciscos erstklassiges Laufspiel trifft hier auf einen ebenbürtigen Gegner. Neben Davis und Kuechly, die beide ganz hervorragend hilflose RBs unangespitzt in den Boden rammen, sind vor allem die beiden Rookies in der Mitte der Linie für den Leistungssprung verantwortlich. Star Lotulelei und Kawann Short haben im Handumdrehen aus einer großen Schwäche eine Stärke gemacht. Auch die Defensive Ends Greg Hardy und Charles Johnson sind keine Schwachpunkte. Bekannt sind sie zwar hauptsächlich als sack artists, aber vor allem Hardy reißt im backfield auch oftmals RBs um. Die gesamte Front-7 sollte zwar alle Hände voll zu tun haben mit dem vielfältigen und kreativen Laufspiel San Franciscos, aber sie werden dem standhalten.

Andersrum ist San Frans erste Verteidigungslinie nicht mehr über jeden Zweifel erhaben. DE Justin Smith ist mittlerweile schon recht alt und spielt eigentlich immer mehr oder weniger körperlich angeschlagen; Glenn Dorsey ist nicht gebaut, um Nose Tackle zu spielen, stellt sich dafür aber erstaunlich kompetent an; DE Ray McDonald ist einer der unauffälligen, aber extrem zuverlässigen Linienspieler wie sie ein Bill Belichick oder Tom Coughlin lieben. Das ist insgesamt immer noch Top-10 Niveau, aber nicht mehr das unüberwindbare Bollwerk der letzten beiden Jahre.

Die Cardiac Cats auf der offensive Seite sind auch Top-10 Niveau, aber auch nicht wirklich so stark, wie es die name drop machine DeAngelo Williams (nicht mal 1000 Yards diese Saison), Jonathan Stewart (immer angeschlagen, auch für Sonntag „questionable“), Mike Tolbert (zu wenig genutzt?) und natürlich Mr. Escape&Scramble himself, Cam Newton, erwarten läßt.

Beim Laufspiel wird viel davon abhängen, welche neuen und kreativen Ideen die beiden OCs Mike Shula und Greg Roman aus dem Ärmel schütteln können. Alles, was die Verteidigungen kennen, können sie auch verteidigen. Was es aber noch nicht „auf Tape“ zu sehen gibt, könnte für die ein oder andere Verwirrung oder gar für ein big play reichen. Aber wie wahrscheinlich ist es, daß zwei Verteidungen die jeden Tag im Training von read option bis Power-O mit nur einem WRs auf dem Feld alles geboten bekommen? Weil die D-Line mehr überzeugt: leichter Vorteil Carolina.

QBs vs Pass Rush

Beide Teams scheuchen jeden gegnerischen QB stundenlang durch die Gegend. Carolina macht es recht klassisch: sie haben einfach zwei hervorragende Quarterbackjäger in Greg Hardy und Charles Johnson. Aber DC Sean McDermott hat unter dem großen Jimmy Johnson in Philadelphia gelernt und bekommt seitdem den double a gap blitz nicht mehr aus seinem Kopf. Beim double a gap blitz attackieren zwei LBs die „gaps“ zwischen dem Center und den Guards. So stellt die Defense nicht nur eine Überzahlsituation her (4 DL + 2 LBs vs 5 OLs), sondern die blitzenden LBs haben theoretisch auch den kürzesten Weg zum QB – nämlich straight ahead. Regel Nr. 1 in pass protection: wir „verteidigen“ von innen nach außen. Wer über „innen“ (innerhalb der Offensive Tackles) Druck machen will, wird auf jeden Fall aufgenommen – weil eben dieser Weg der kürzeste und damit schnellste zum QB ist. So sind denn Guards, Center und meistens noch ein RB verantwortlich für die zwei LBs und die beiden Defensive Tackles – und Hardy und Johnson sind in 1-gegen-1-Situationen. Viel Spaß, liebe Offensive Tackles!

Oftmals kommen die beiden LBs gar nicht zum Blitz, manchmal nur einer und manchmal passiert noch etwas ganz anderes, aber: das Ziel ist, den drei inneren Offensive Linemen und einem potentiellen RB Angst zu machen und sie davon abzuhalten, den Offensive Tackles zu helfen. Klappt meistens.

Was den Panthers die Variationen des double a gap blitzes sind, sind den 49ers alle erdenklichen Variationen an stunts und twists. Dabei kreuzen zwei Linienspieler (oder OLB) ihre Wege und verursachen Konfusion bei den Offensive Linemen. Einfachstes Beispiel ist der bei den 49ers extrem beliebte E-T-Stunt. Dabei stürzt Defensive Tackle („T“) Justin Smith nach außen und hat dabei an einem Arm den Guard und an dem anderen Arm den Offensive Tackle; unterdessen „schleicht“ sich der Defensive End („E“) Aldon Smith hintenrum und hat entweder niemanden oder nur den Center mit Anlauf gegen sich. Das kann man in vielen verschiedenen Variationen machen (Tackle und Tackle, Tackle und End auf gegenüberliegenden Seiten usw.). Die Idee dahinter ist, den OLinemen den eindeutigen Gegenspieler zu nehmen und Verwirrung beim „Übernehmen“ von Spielern oder beim Aushelfen zu schaffen. Als wildcard hat die Defense von Vic Fangio in diesem Jahr entdeckt, daß LB Bowman ein ganz ausgezeichneter blitzer ist. Und außerdem kann Aldon Smith jeden Offensive Tackle auseinandernehmen. Weil die Offensive Line der 49ers besser ist: Vorteil San Fran.

Das Paßspiel und die Secondaries

Weil ich faul bin, kopier ich hier einfach nochmal rein, was ich schon letzte Woche über Colin Kaepernick geschrieben habe:

Kaepernick ist ein sehr limitierter Quarterback. Es gibt einige Dinge, die er kann: genaue harte Würfen und für 1st Downs scramblen zum Beispiel. Es gibt aber auch viele Dinge, die er nicht kann: das „ganze Spielfeld sehen“; in einer unruhigen pocket nicht selbst unruhig werden und seine WRs nach und nach durchgehen; und sich nicht von Deckungsformationen verwirren lassen, die nach dem Snap anders aussehen als vorher. Zu einem gewissen Grade ist das auch ganz normal, schließlich ist das am Sonntag erst sein 27. Start in der NFL.

Und es ist auch gar nicht schlimm, denn mit HC Jim Harbaugh und OC Greg Roman hat er die zwei besten Coaches, die er sich nur wünschen kann. Sie geben ihm per play design viele einfache entweder-oder Entscheidungen. So gibt es viele rollouts und moving pockets, bei denen Kaep nur eine Spielfeldseite im Auge behalten muß, dort muß er dann meistens nur die Entscheidung treffen, ob er den tiefen Mann (WR oder TE Davis) nimmt oder den nahen (RB oder TE in flat), das heißt, er hat beide potentiellen Paßempfänger auf einer Sichtachse und muß nicht stehen bleiben, Kopf drehen und rumgucken. Oder durch bestimmte Paßroutenkombinationen wird sichergestellt, daß ein gewünschter WR (Boldin, Crabtree) oder TE Davis mit Sicherheit in eine 1-gegen-1 Situation kommen in der Hoffung, daß sie diese gewinnen. Oder es gibt klassische shot plays: sieben Mann in pass protection und nur drei Mann laufen Paßrouten, so bekommt Kaepernick viel Zeit. Wie gesagt, das Werfen an sich ist nicht das Problem bei ihm, sondern das schnelle treffen von richtigen Entscheidungen. Roman und Harbaugh nehmen ihm die schwierigen Entscheidungen ab. Der Nachteil dabei ist, daß es weniger Optionen gibt. Ein Rodgers, Brees oder Manning hat immer vier und meistens gar fünf Optionen im Paßspiel, SF oft nur zwei oder drei.

Cam Newton ist ähnlich. Nur hat er noch mehr Aussetzer in seinem Spiel. Er ist immer noch „inconsistent„. Oft wirft er meterweit über den Kopf eines WRs. Auf der anderen Seite schafft er es immer besser, in der pocket die Ruhe zu bewahren und mehrere Optionen durchzugehen. Am Sonntag wird sein größter Schwachpunkt aber sein, daß Steve Smith immer noch mindestens angeschlagen ist (Knie). Die beiden anderen WRs, Brandon LaFell und Ted Gin, wären in den meisten anderen NFL-Teams nicht die Nr.2 und 3 Receivers. Auch wenn sie hin und wieder einen Ball fangen, sollte man das nicht vergessen. Ich habe in den letzten beiden Spielzeiten oft rumgepöbelt, daß Carolinas Offense zu simpel, eintönig und vorhersehbar ist, aber mittlerweile hat OC Mike Shula ein richtig komplexes System installiert – und Newton versteht das und kann darin spielen. Er wird tatsächlich besser.

Gegen San Frans secondary wird es aber sehr schwer, Überraschungen oder Verwirrung hervorzurufen. Die CBs Tarrell Brown und Tramaine Brock machen einen sehr soliden Job. Nur sollte besser auch Carlos Rogers für den slot fit sein (hamstring injury), denn sonst muß SF schon tief in den Kader greifen. Perish Cox will man auch gegen das schwache receiving corps Carolinas nicht spielen lassen. Aber zur Not können immer noch die sehr guten Safeties Donte Hitner und Rookie Eric Reid (selten einen Rookie so gut Safety spielen gesehen) die Paßrouten kaputt machen.

Carolinas secondary ist Marke Resterampe. Die beiden bereits angesprochenen Safeties Mitchell & Mikell sehen gerne mal nicht durch. Und die CBs sind der endlich durchstartende Captain Munnerlyn, UDFA Melvin White und der alte Mann Drayton Florence. Schwer zu sagen, ob sie wirklich so gut sind, wie sie meistens aussehen, weil sie tatschlich so gut sind, oder ob sie wirklich so immens von der starken Front Seven profitieren.

Da nicht nur Carolinas secondary immer noch suspekt ist, sondern auch WRs Michael Crabtree und Anquan Boldin besser sind als ein angeschlagener Smith plus LaFell und Ginn: Vorteil San Fran.

Insgesamt ist das ein sehr ausgeglichenes matchup. Beide Teams begegnen sich auf der sprichwörtlichen Augenhöhe. Beide Mannschaften leben von ihren starken Verteidigungsreihen. Noch mehr als sonst wird hier alles auf zwei, drei big plays hinauslaufen – wer bei diesen auf der „falschen Seite“ steht, wird verlieren.

3 Kommentare zu “NFC Wild Card Sonntag Preview: San Francisco 49ers @ Carolina Panthers

  1. das beste spiel von allen divisional games und sat1 zeigts nicht,dabei wär die zeit um 19 uhr optimal.

  2. Pingback: Divisional-Playoffs 2013/14 am Sonntag | Sideline Reporter

  3. Pingback: NFC-Divisional Playoffs 2013/14: Carolina Panthers – San Francisco 49ers live | Sideline Reporter

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