NFC-Divisional Playoffs 2013/14: Seattle Seahawks – New Orleans Saints live

[01h55] Gleich geht es mit dem Abschiedsspiel von Dan Dierdorf und Patriots vs Colts weiter. Ich gehe nur schnell in den unteren Stock schauen, ob der Fernseher mittlerweile frei geworden ist…

[01h50] Endstand Seattle Seahawks 23, New Orleans Saints 15.

Die Seahawks erweisen sich als Sieger, aber eine rundum überzeugende Vorstellung war es nicht. Die Hawks brachten über weite Strecken der Partie keine gescheite Offense auf das Feld (Lynch mit 28/140yds und 5.0 Schnitt war noch das beste). Die Offense Line konnte nur Teile des Drucks absorbieren und DL #94 Jordan machte ein famoses Spiel.

Die Hawks wurden von ihrer Defense gerettet, die immer wieder Stops der Saints erzwang und ihr gewohntes Level spielte.

Über Sean Payton wird zu reden sein: Payton hatte 3 Timeouts in der zweiten Halbzeit. Er (bzw. Brees) brauchten sie für zwei Offense-Snaps und eine verlorene Challenge. Und weiter: Zwar wurden richtigerweise zwei 4th-Downs in Mittelfeld- bzw. entfernter FG-Reichweite ausgespielt, aber dann, 4min vor Ende, ein Fieldgoal-Versuch aus 49yds in den Wind? Really? Warum schaltet man da nicht schon im dritten Down gedanklich in einen four down-Modus?

So geht die Saints-Saison letztendlich etwas seelenlos zu Ende. Es war kein großes Spiel. Es war zeitweise intensiv, aber der ganz große Thrill fehlte, obwohl eigentlich viele Ingredienzien da gewesen wären.

Seattle damit nächsten Sonntag in der Nacht (00h30 MEZ) gegen Carolina oder San Francisco in einem Spiel, das die Seahawks alles andere als schon vor Kickoff gewonnen haben und in dem das Over/Under für Punkte bei 14 liegen dürfte…

[01h45] Einigermaßen bizarre letzte Aktion: Brees findet Colston downfield offen. Colston könnte den einen Schritt aus dem Spielfeld machen und die letzte Hail-Mary vorbereiten (ein ca. 30yds Hailmary), aber Colston macht aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen einen Vorwärtspass. Strafe, 1osek Run-Off, Spiel over. Seahawks gewinnen.

[01h42] Onside Kick. Ein Seahawk (#19 Tate?) wird angeschossen und Colston kassiert den „Rebound“. 59yds. 26sek. 0 Timeouts.

[01h39] Seattle 23, New Orleans 15/Q4 0:26. 9yds-Catch Colston. Ein ruppiger Seahawks-Drive gegen eine bend but don’t break Defense der Seahawks. Weil Lynch vorhin nicht abgekniet hat, gibt es noch eine Mini-Chance für die Saints. Miniminiminiminimini.

[01h27] Seattle 23, New Orleans 8/Q4 2:40. 31yds-Lauf Lynch. Payton verliert die Challenge, und im nächsten Play rennt Lynch durch. Er hätte auch an der 1 abknien können. Spiel ist damit zu 99% durch.

[01h25] Zum Hindsight-Bias:

Das Baldwin-Catch ist nun im Video-Review. Payton hat dafür seine letzte aufgeparte Auszeit aufs Spiel gesetzt – aber er hat eine Chance, die Challenge zu gewinnen.

[01h21] 3rd-und-15, kurzer Checkdown (WTF?) fällt incomplete.

4th-und-15, Payton mit dem Versuch im Regen ein 49yds-FG (WTF?) gegen den Wind (WTF?) auszuspielen. Kick geht natürlich zehn Meter links daneben.

3:51 verbleiben. Dank sensationell strategischem Game-Management noch ein Timeout für Payton und die Saints.

[01h18] Brees geht tief, und schon wieder ein unterworfener Ball. Einer der beiden Defensive Backs hätte den Ball eigentlich abfangen müssen, aber er wird bloß abgefälscht und der dahinter wartender WR #17 Meachem kommt mit einem einfachen 52yds-Catch davon.

Dann: Delay-of Game gegen Brees. Incomplete. Brees muss erneut ein Timeout verbrennen. TD-Zugzwang jetzt: Extremst hoch. 2nd-und-15 fällt auch incomplete. Für New Orleans wird es jetzt eng… 4:00 to go.

[01h13] Zur Abwechslung mal wieder ein schneller Stop gegen Seattles Offense. 5:31 verbleiben. Jetzt sollten die Saints dringend, aber nicht zu schnell den TD scoren… Saints starten an der eigenen 28.

[01h08] Holding gegen die Saints-Offense, dann zweimal fast eine INT gegen Brees: Erst lässt #31 Chancellor eine 100%ige durch die Finger gleiten, dann hätte S #29 Thomas in bester Polamalu-Manier einen anfangen können. Trostpreis: Saints müssen immer noch punten, und sie haben sogar ein Timeout verbrannt.

Groß auch, welche Emotionen der FOX-Kommentator Burkhardt auf einmal zeigt: Er rastete beim Thomas/Polamalu-Sprung fast aus. Ein sehr angenehmes Kommentatorenduo: Lynch scheut zwar auch nicht vor establishing the run und momentum zurück, aber die beiden sind das Gegenteil von selbstgefällig und machen einen extrem sympathischen Eindruck.

[01h03] He did it: Brees muss 9:14 vor Schluss ein Timeout ziehen, weil seine Offense den Spielzug nicht rechtzeitig durchtelegraphiert bekam. Enges Spiel. Neun Minuten. Du kannst erstmal maximal ausgleichen.

[00h58] 3’n’out gegen die Saints-Offense! Wilson im 3rd-Down mit einem Scramble, aber S #41 Harper reißt ihn gerade noch vor dem 1st-Down nieder. An Hawks-Stelle hätte ich über ein Ausspielen nachgedacht, aber Carroll lässt punten. 10:32 to go.

[00h55] Mittlerweile ist die Saints-Offense übrigens sogar effizienter als Seattle: 47 zu 46 Plays, aber 215 zu 199 Yards. Brees mit mehr NY/A als Wilson. Den Unterschied machten der Fumble, das verkickte FieldGoal, die gescheiterten 4th-Downs… Kleinigkeiten.

[00h54] Kickoff Saints, ein schnell und auf spektakuläre Weise gestoppter Kickreturner, aber dann meint ein Saint, rohe Gewalt ist gute Gewalt, und schenkt den Seahawks per Personal-Foul 15yds. SEA an der SEA 31.

[00h50] Seattle 16, New Orleans 8/Q4 13:11. 1yds-Lauf RB #29 Kyrie Robinson. Ein sehr guter Drive: 9-Play, 74yds, 4:27min. Ingram verwertet die 2pts-Conversion.

Viel zack-zack und schnelle Pässe von Brees. TE #89 Hill mit der bestmöglichen Jimmy-Graham-Impersonalisierung und einem famosen Catch in guter Deckung. Colston mit zwei gefangenen Pässen. #16 Moore mit einem. Das ganze Arsenal – das war die gewohnte Saints-Offense. Jetzt ist es plötzlich ein one score game (OK, 8 Punkte…).

Drittes Viertel

[00h46] Ende von Q3. Ein 12:30min lang emotionsloses drittes Viertel von beiden Mannschaften, aber jetzt zucken die Saints plötzlich auf, und wenn man die eingeblendeten Fahnen richtig deutet, hat der Wind nachgelassen (Regen soll wieder etwas stärker geworden sein). Prompt beginnt Brees, eine Serie an schnellen Pässen anzubringen, und New Orleans klopft nun vor der Seahawks-EndZone an.

[00h40] Punt Seahawks. Diesmal durfte Wilson im 3rd-und-6 werfen, aber incomplete.

[00h36] Nächstes gescheitertes 4th-Down der Saints in Mittelfeldnähe: Keine offene Station für Brees, dessen verzweifelter Pass zu Boden fällt. Das war schon der erste Sargnagel, denn Seattle kommt nun an der eigenen 44 an den Ball und es sind nur noch ca. 19 Minuten zu spielen.

[00h34] Für John Lynch:

[00h28] Zweimal lange 3rd-Downs für Seattle (9yds, 6yds). Beide Male geben die Seahawks den Ball an den RB #24 Lynch, nicht an QB Wilson! Zufall oder traut man Wilson immer noch nicht (war schon in den letzten Wochen mehrmals so)? Beim zweiten Mal wird Lynch von der weiterhin aggressiven und disziplinierten Saints-Defense im Backfield platt gemacht. Täuscht der Eindruck, oder läuft Seattle nun in erster Linie von DL #94 Cameron Jordan weg?

NO kann nun an der NO 49 beginnen – zweitbeste Starting Position heute.

[00h22] Naja. Zwei, drei okaye Brees-Pässe, die nach mehr hoffen ließen. Dann wird der obligatorische Ingram-Lauf für 1yds eingestreut, ein kurzer Checkdown für TE #82 Ben Watson für 2yds, und im dritten-und-lang wird Brees von den beiden von seiner rechten Seite heranstürmenden DE #56 Avril und DE Bennett in die Mangel genommen. Sack, Fumble, Punt. Aber wenigstens Lebenszeichen.

[00h16] Die Saints-Defense mit einem schnellen Three’n’Out gegen die Seahawks-Offense. Jetzt schauen, was Sean Payton so an Adjustments aus dem Zylinder ziehen wird.

Zweites Viertel

[00h00] Halbzeitstand Seattle 16, New Orleans 0.

Ein deutlicher Halbzeitstand. Die Saints machten die Fehler zuerst: Punt für 16yds. Personal-Foul gegen den Safety. Verkicktes Field Goal. Fumble. Und ehe man sich versah, war man schon 0-13 in Rückstand. Das kann passieren. Was aber nicht passieren darf: Eine Saints-Offense, in der QB Brees bis wenige Sekunden vor der Pause 3/8 für 19yds (!) war. Das ist katastrophal. Der 78sek-Drill vor der Pause erinnerte von der Dringlichkeit her an Andy Reid in der Superbowl gegen die Pats.

Die Saints benutzen bisher viele Power-Formationen und wenig „Spread“. TE #80 Jimmy Graham ist bisher kein Element der Saints-Offense. #12 Colston bei #28 Thurmond abgemeldet. #25 Sherman weiß nicht, wen er verteidigen soll. Selbst Brees ist heute für seine Verhältnisse richtig, richtig schwach.

Es ist komisch das zu schreiben, aber New Orleans schaut heute noch hilfloser aus als im ersten Spiel im Dezember – und das sagt einiges.

Die Seahawks lebten anfangs von den exzellenten Feldpositionen und ihrer famosen Defense, aber mittlerweile machen sie auch mit der Offense ihre Yards. Wilson ist 7/9 für 69yds. Das meiste ist risikoloses Kurzpassspiel, das man sich dank der Abwehrleistung und des Vorsprungs leisten kann.

Alles in allem eine schwer enttäuschende Vorstellung der Saints. Das Spiel schaut halb gegessen aus, wenn Brees nicht doch noch die „Hot Hand“ bekommt.

[23h50] Seattle 16, New Orleans 0/Q2 1:18. 26yds-FG Hauschka. 12 Plays, 63yds, 4:44min Drive.

Das Laufspiel der Seahawks kommt nun über Lynch und #30 Turbin in Gang. Auch Wilson beginnt, sich ins Spiel einzugrooven und bringt einige smoothe Pässe an. WR #15 Kearse macht einen auf Pro Bowl Lineman, nimmt LB Hawthorne mit einem sehenswerten Block aus dem Spiel. Aber auch Glück für Seattle: Flagge gegen CB #28 Lewis in der EndZone für eine Aktion, die du vom Seahawks-CB #25 Sherman zirka 50x/Saison siehst: Ein Holding. Am Ende ein FG für Seattle, und weil Wilson aus dem Spielfeld geht, muss Payton nicht einmal ein Timeout verbrennen.

[23h39] Completely useless fact: Brees und Russell Wilson ergeben zusammen das kürzeste QB-Matchup seit 1964.

[23h34] Saints scheitern an einem 4th-Down und 3 an der SEA 30. Da merkte man auch den Unterschied zum heutigen FOX-Duo Burkhardt/Lynch, die sehr schnell (korrekterweise) pro Ausspielen waren, während im anderen FOX-Duo Aikman 100%ig dafür gewesen wäre, ein 50yds Fieldgoal zu versuchen um Momentum zu erobern.

Brees fand einen offenen Mann, aber LB #54 Wagner bekam eine Hand dran. Es läuft fast alles für die Saints bisher.

[23h31] Gnade vom Seahawks-Punter: P Ryan für nur 24yds. Saints beginnen an der eigenen 48.

[23h29] FOX-Cokommentator John Lynch war übrigens früher ein harter Hitter als Free Safety (bis ca. 2005 oder 2006 bei Tampa Bay und später Denver). Von daher ist Lynchs oft geäußerte Begeisterung für „physicality“ nicht überraschend.

[23h26] Erin Andrews berichtet vom Training der Seahawks, die sich auf Regen eingestellt haben, weil sie ihre Handschuhe gewechselt haben. Die könnten sich Brees mal ausleihen.

[23h20] Weiterhin viel 2 TE/2 RB-Stuff von den Saints, aber sie streuen nun wenigstens erste Pässe ein: Brees im ersten Versuch, Ball flutscht für einen overthrow durch den Handschuh. Nächster Spielzug, kurzer Checkdown für TE #89 Hill, und wieder ein überworfener Ball von Brees. Dann drittes Down: Brees für #12 Colston, der von CB #28 Thurmond bewacht wird. Thurmond geht so eng dran, dass es stets Körperkontakt gibt (aber sicher keine PI), und schlägt den erneut wobbelig geworfenen Ball weg. Punt.

[23h15] Seattle 13, New Orleans 0/Q2 14:17. 14yds-Lauf für RB #24 Marshawn Lynch. Die rechte Seite Offense Line macht einen großen Job und räumt Lynch ein großes Loch frei, durch das er nicht anders kann als zum TD durchzutraben. Zuvor ein End-Around für Harvin für 13yds. Zwei Plays, 27yds, TD. Geht so einfach.

Mal schauen, wie lange die Saints mit ihrer „no deep pass“-Offense nun noch weitermachen können.

[23h12] Ähh ja. Saints sehen besser aus im Laufspiel. RB #22 Ingramm über die Mitte, fumbelt den Ball weg, und Seattle beginnt an der NO 27.

Erstes Viertel

[23h11] Ende des ersten Viertels in klassischer US-TV Manier: FG, Werbung, Kickoff, Werbung, Laufspielzug, Werbung. Die Seahawks führen 6-0, aber es ist momentan noch ein Abtasten mit viel Scheu vor der gegnerischen Defense. Beide noch ohne ernsthaftes Passspiel, aber dafür mit dem Versuch des wuchtigen Laufspiels (Saints sahen dabei bisher besser aus). Seahawks profitierten in erster Linie von ihrer besseren Feldposition aus schwachem Saints-Punt und verkicktem Saints-Fieldgoal.

[23h04] Seattle 6, New Orleans 0/Q1 0:37. 49yds-FG Hauschka. 9-Play, 34yds Drive, 4:26min. Hauschka nagelt einen flachen Kick mit Rückenwind-Unterstützung rein.

Ein gewürgter Drive der Seahawks, die wie die Saints noch nicht den Ansatz von tiefem Passspiel aufzuziehen imstande sind. Dann 3rd-Down, und Russell Wilson unterwirft einen völlig offenen WR Tate auf einer Slant-Route um locker mehrere Meter –> FG. Schlechter Wurf Wilsons.

[22h55] 45yds-FG des „Shame“ Graham geht ein paar Zentimeter links daneben. Aber interessanter Drive der Saints: Sie spielen fast ausschließlich mit einer eigenartigen Formation mit nur 1 WR. Dafür viel Fullback und zwei Tight Ends. CB #25 Sherman wundert sich auf seiner Spielfeldseite, wo denn die Gegenspieler bleiben (auf der gegenüber liegenden Seite!); Sherman verteidigt gerade einen blockenden TE.

Das Spiel der Saints besteht dann erstmal auch nur aus Power-Läufen und Kurzpässen (Drive: 11 Plays, und kein Pass kreuzte die Line of Scrimmage). Das geht eine Weile gut, aber ein -3yds Pass würgt den Drive ab und beschwört das lange Fieldgoal herauf. Missed.

Percy Harvin hat übrigens nun seinen Helm auf und dürfte gleich wieder spielen.

[22h50] Aus dem College-Football: Penn State hat den Vanderbilt-Headcoach James Franklin als neuen Headcoach eingestellt. Sechsjahresvertrag, 4.5M/Jahr [Quelle: CBS].

[22h45] Seattle 3, New Orleans 0/Q1 10:19. 33yds-FG für Hauschka. Aggressive Abwehr-Formationen von den Saints, und das bekommt den Seahawks noch nicht wirklich. Die Läufe vom brachialen RB Lynch werden schon im Backfield niedergemacht, aber dank eines Personal-Foul gegen S #25 Rafael Bush (Helmet-to-Helmet gegen #11 Percy Harvin) kommt man immerhin in Fieldgoal-Reichweite.

Harvin ist sichtlich benommen. Harvin, der Spieler, der eine Historie hat, Stichwort Migräne.

[22h40] Dreckiger Start für die Saints: 3rd-Down, RB Ingram droppt den Kurzpass, und dann flutscht P Moorstead der Ball durch die Finger. Moorstead kann sich aus der Situation retten, aber das Resultat ist trotzdem mies: 16yds-Punt, der an der eigenen (!) 40yds Line aus dem Spielfeld geht.

[22h36] Es sieht ziemlich stürmisch aus in Seattle. Der Wind pfeift vom Nordende ins Stadion herein. Vor 90 Minuten soll es einen Wolkenbruch gegeben haben, dann etwas Sonnenschein. Jetzt regnet es. Nicht mehr, nicht weniger. New Orleans bringt seine Offense zuerst auf das Feld.

[22h29] Es ist das Spiel, in dem dogfood von Allesaussersport livebloggend in die Playoffs 2013/14 einstiegt: Hier entlang.

[22h19] Guten Abend. Seattle vs New Orleans als Auftaktpartie des Divisional-Playoff Wochenendes, und gleichzeitig als verkappte „Superbowl 2013/14, die es so nie geben kann“. Die Vorschau-Texte, die man sich noch geben könnte:

Leichter Regen und ungemütliche Temperaturen in Seattle. Die ersten Schlägereien zwischen den Spielern soll es schon beim Aufwärmen gegeben haben. Ein neues FOX-Kommentatorenduo. Ein großartiges, extrem geladenen Stadion in Seattle. Was will man mehr?

Divisional-Playoffs 2013/14 am Samstag

Das Gute nach einführenden Artikeln wie jenen von Herrmann am Donnerstag: Es ist fast alles gesagt. Das schlechte: Ich bin arbeitslos. Es gibt nicht mehr viel zu sagen. Alle relevanten Matchups sind bereits bekannt, also bleibt mir nur noch die Aufgabe, ein paar verstohlene Blicke auf die Profile der beiden Mannschaften und ein paar versteckte bzw. zu offen diskutierte Punkte zu werfen.

Seattle Seahawks – New Orleans Saints

  • Kickoff 22h35
  • Live bei SPORT1 US und im NFL-Gamepass, Zusammenfassung und Live-Einstieg bei SAT.1 und im ran.de-Stream ab 0h05
  • US-Kommentatoren: Kevin Burkhardt/John Lynch
  • Vorschau Herrmann: Seahawks vs Saints.

Die yadda yadda-Talking Points vor dem Spiel sind schnell abgearbeitet:

1) Heimvorteil: Das beste Heimteam seit Erfindung der Bockwurst, die Seattle Seahawks, treffen auf die nicht mehr so auswärtsschwachen auswärtsschwachen Saints. Seattle gewann diese Saison seine Heimspiele im Schnitt mit 15.4 Punkten, und erst eine überraschende Pleite kurz vor Weihnachten gegen Arizona erweckte landesweit den Eindruck, dass die Hawks ja völlig überraschend doch in ihrem Heimstadion schlagbar sind. Es war übrigens nicht das erste Wackelspiel der Hawks zuhause: Auch gegen Tennessee (+7) und Tampa Bay (+3/OT) war es eng. Trotzdem natürlich: Seattle in Seattle, das ist schon eine Macht.

Auf der anderen Seite kommen die Saints immer noch mit dem Image der auswärtsschwachen Mannschaft daher; letzte Woche habe ich schon geschildert, dass ihre Pass-Offense dieses Jahr auswärts nur 6.2 NY/A zustande bringt (vs 8.3 NY/A zuhause) – aber das hielt die Jungs nicht von einem Auswärtssieg bei den hoch eingeschätzten Philadelphia Eagles ab.

Bei den Seahawks ist diese Statistik – Passoffense – übrigens deutlich ausgeglichener: Zuhause bringt Russell Wilson Passversuche für 7.5 NY/A an den Mann, auswärts nur für 6.5 NY/A. Die Defense ist allerdings im eigenen Stadion um ein Zipperlein schwächer als in fremden Stadien.

Trotzdem wird viel Tamtam um die Tatsache gemacht, dass die Seahawks in ihrem Stadion auch von New Orleans nicht zu stoppen sind.

2) Das liegt wohl unter anderem auch im Verlauf des „Hinspiels“. Das Monday Night Game Anfang Dezember zwischen diesen beiden Teams wurde von den Seahawks klar 34-7 gewonnen, und das überraschende daran: Man hatte quer durch die US-Medien nicht den Eindruck, dass es als überraschend klar wahrgenommen wurde.

Auch ich selbst hatte in der Preview den Saints wenig Chancen auswärts eingeräumt. Das Spiel selbst war dann eine regelrechte Schlachtung der Saints ohne Opferung. Sie wurden niedergemacht. Ein 34-7 ist in der aber NFL fast immer ein Ergebnis, das ohne die eine oder andere Zufallskomponente nicht zustande kommt: Seattle war besser, aber Seattle hatte auch einen günstigen Spielverlauf, machte zwei frühe Fumbles der Saints blitzschnell zu eigenen Punkten und hatte in der Folge gegen eine eindimensionaler werdende Saints-Offense leichtes Spiel.

Also: Ein 27pts-Sieg über die nach Power-Ranking zweitbeste Mannschaft der Liga klingt massivst, aber er spiegelte nicht die wahren Kräfteverhältnisse wieder, zumindest nicht ganz.

3) Passspiel. Es ist eines der besten Matchups des Jahres: Saints-Offense mit ihren 7.2 NY/A und ihrem Arsenal an Superspielern gegen die Hawks-Passabwehr, die nach mehreren Metriken als eine der allerbesten aller Zeiten gehandelt werden darf.

Die Seahawks haben eine unglaubliche Pass-Defense. Die ersten Jungs, die dir einfallen, sind der unbezwingbare CB #25 Richard Sherman, der fassungslos dynamische Safety #29 Earl Thomas und der Kopfjäger #31 Chancellor, aber sie allein machen nur den Unterschied in der Secondary aus. Vorne gibt es einen Pool an Passrushern, die keine andere NFL-Mannschaft aufweisen kann: DT MeBane, DE Clemons, DE Avril, DE Bryant, DE Bennett, OLB Irvin und und und. Diese Jungs machten 44 Sacks (7.7% Sack-Quote) – ein überdurchschnittlicher Wert. Und hinten halten die Defensive Backs um Sherman/Thomas, obwohl mit CB Browner der eigentlich vierte Mann der Legion of Boom wegen Drogensperre sitzt.

Browner hin, Browner her: Ein tief besetztes Defensive Backfield und flinke Linebackers sind gegen die Saints immer ein probates Mittel, denn New Orleans kann dich mit Drew Brees nicht nur via 1-2 Receivers schlagen, sondern über fünf bis sechs. Sofern Brees die Zeit bekommt. Rookie-LT #72 Armstead gegen einen ausgewählten Seahawks-Passrusher klingt nach Mismatch hoch drei.

Wie wichtig ist die Passspiel-Qualität beider Teams „auf beiden Seiten des Balles“ dieses Jahr? Nun: Diese beiden Teams sind die #1 und #2 in „Net Yards Differential“ in der NFL dieses Jahr.

Rk Team          NY/A Off  NY/A Def   NY/A-Differenz
 1 Seattle       7.0       4.8        2.2
 2 New Orleans   7.1       5.6        1.5

Das sind sensationelle Zahlen für beide Teams. Die Seahawks bringen pro Passversuch 2.2 Yards mehr zustande als sie mit ihrer Defense zulassen. Viel besser geht nicht.

4) Turnovers. Die Saints-Offense ist dieses Jahr erstaunlich turnover-frei. Brees, bekannt für sein risikoreiches Spiel und dafür, häufig auch über 18-20 INTs/Jahr zu fabrizieren, kam dieses Jahr mit 12 INTs durch die Regular Season. Letztes Woche warf er zwar Fehlpässe in Philadelphia, aber: Brees ist trotz des Philly-Spiels mit nur 1.8% INT-Quote noch immer der viertbeste QB der Liga. Allerdings: Seattles Secondary ist nicht bloß eine Mauer gegen die Yards; sie ist auch voller „Ballhawks“. Sherman (8 INT), Thomas (5), Maxwell (4) und Co. fangen sensationell viele Pässe ab: 5.3% INT-Quote ist, als wenn du jede Woche gegen Eli Manning oder Geno Smith spielen würdest, die aber gleichzeitig so effizient werfen würden wie Peyton Manning. Das ist Wahnsinn.

New Orleans braucht ein perfektes Spiel in Seattle; wirft aber Brees gegen diese turnoverhungrige Defense den einen oder anderen Fehlpass, ist es um die Saints wohl geschehen.

5) Das Wetter. Es soll nicht gefrieren, aber es soll regnen, nein, schütten in Strömen. Die Rede in den letzten Tagen war von 100% Regen-Wahrscheinlichkeit. Die Saints im Regen? Das spräche vom Gefühl her schon wieder gegen sie, aber Passspiel ist generell eher schwer im strömenden Regen. Das wiederum spricht vor allem gegen die Mannschaft, die zuerst (oder längere Zeit) in Rückstand liegt. Andererseits: Die Saints können durchaus auch laufen, und erfolgreich laufen. Ihre 43% Success-Rate ist die #10 der Liga.

6) X-Faktoren. Wir kennen Percy Harvin, aber wir wissen nicht, wie fit Harvin wirklich ist, und in welchem Zustand er auflaufen wird. Ist er fit, ist er der Baustein, der die Hawks-Offense von „effizient“ auf grandios heben kann.

Ein anderer Faktor ist Saints-DefCoord Rob Ryan: Seine Blitz-Taktiken gehen gegen den einzigen als angreifbar auszumachenden Mannschaftsteil der Hawks, die Offensive Line. Kommen seine Blitzes durch, wird Russell Wilson in der Pocket unter Druck kommen.

Special Teams. Notorisch unvorhersagbar. Notorisch spiel-mitenscheidend. In strömendem Regen wird das Kicken schwieriger, gehen Punts gern mal einen Schlapfen daneben, werden Returns schneller mal gefumbelt.


Machen wir uns nix draus: Die Seahawks sind der Favorit. Sie sind Favorit, weil sie die bessere Gesamt-Mannschaft haben, und vor allem auch, weil sie im extrem lauten heimischen CenturyLink Field spielen. Aber die Saints sind nicht zu unterschätzen. Sie sind immer noch die zweiteffizienteste Mannschaft der NFL-Saison. Sie haben immer noch Brees. Sie sind immer auch noch auswärts eine gute Mannschaft. Seattle ist nach Power-Ranking nur mit 60% (3.5 Punkten) favorisiert.

Ich schrieb nach dem „Hinspiel“, wenn Seattle scheitert, steht die Storyline bereits: “Zu früh gepeaked”. Was würde den Saints besser passen als diese bereits fertige Storyline auf die Titelseiten zu bringen?

Leichter Favoritenstatus für Seattle. Von einem Upset glaube ich wäre ich aber weniger überrascht als die meisten.

New England Patriots – Indianapolis Colts

  • Kickoff 02h10
  • Live bei SPORT1 US, im NFL-Gamepass und bei SAT.1 und im ran.de-Stream
  • US-Kommentatoren: Greg Gumbel/Dan Dierdorf
  • Vorschau Herrmann: Patriots vs Colts.

New England Patriots gegen Indianapolis Colts war die größte NFL-Rivalität der 2000er Jahre. Sie lebte von Leuten wie Belichick/Brady auf Pats-Seite und Dungy/Manning auf Colts-Seite, und von den Medien und von mehreren epischen Spielen. In New England ist immer noch selbiges Duo am Ruder, aber in Indianapolis konzentriert sich mittlerweile alles um den „neuen Peyton“, QB #12 Andrew Luck.

Chris Brown hat letzte Woche eine ganz gute Beschreibung zum Status des Wunderspielers Luck abgegeben:

Ich glaube, das trifft’s. Zeitweise ist Luck bereits das, was man sich von ihm schon lange verspricht. Aber dann ist Luck auch wieder die „2.0-Version“ von Favre oder Romo, ein Spaßfootballer, der mehr Risiko eingeht als es die Situation erfordert. Wie bei der überhaspelten zweiten INT letzte Woche gegen die Chiefs – bei hohem, aber nicht aussichtlosem Rückstand gegen die Chiefs. Ein Zeitpunkt, der noch zu früh war für eine echte Panikreaktion. Aber Luck revanchierte sich ja…

Die wichtigere Geschichte zu dem Spiel ist für mich aber das Verletzungspech beider Teams, die komplett auf dem Zahnfleisch daher kommen. Die Colts-Geschichte ist bekannt: Leute wie WR Wayne oder TE Allen sind seit Monaten draußen. Jede Woche ist man mit anderen Mannschaften aufgelaufen. Aber mittlerweile ist man so „gesund“ wie lange nicht mehr.

Nicht so die Patriots, die mittlerweile wieder eine „würdige Patriots-Defense“ aufwarten. Die Defensive-Tackles werden vom mir völlig unbekannten DT Siliga und vom ungedrafteten Rookie-DT Jones gebildet, dahinter laufen mit LB Fletcher und LB Collins (Rookie) ebenso unbekannte Leute auf, und in der Secondary setzt Belichick auf Grünschnäbel wie CB Ryan, S Gregory oder CB Dennard, der auch nur spielt, weil er der am wenigsten Verletzte ist.

Belichick ist ein Magier. Diese Defense ist mittlerweile personell auf 2011er-Niveau, aber sie keucht und fleucht sich doch noch zu halbwegs herzeigbaren Zahlen. Allerdings ist die Lauf-Abwehr mittlerweile eine Katastrophe: 53% Success-Rate als #29 der Liga – welch Wunder mit so dünn und unbekannt besetzter Front-Seven. Das Gute: Der nächste Runningback, den man treffen wird, ist Trent Richardson

Die Pats-Offense um den QB-Oldie Brady ist eine Wundertüte. Sie bringt im Schnitt ähnlich viel wie Indianapolis auf die Beine, nämlich 6.1 NY/A, aber kann man eine Effizienzmessung bei den Pats wirklich ernst nehmen? Diese Offense hat in den letzten 12 Monaten so viele Wandlungen durchgemacht wie andere in zehn Jahren. Hernandez, Gronkowski, Welker, Vereen, Ridley, Dobson, Thompkins, Amendola und wie sie alle heißen und hießen: Alles Leute, die rein- und rausrotiert wurden aus den unterschiedlichsten Gründen: Morde, Kreuzbandrisse, Zipperlein, Entlassungen, Fumbelitis… die Liste ist lang.

Aber einer steht seinen Mann: Die Legende Brady. Brady war teilweise unansehnlich im ersten Saisonabschnitt, teilweise on fire in der Saisonmitte, als er das StammpersonaL größtenteils zur Verfügung hatte, dann wieder Mittelmaß. Er war ein Sekundengenie und Choker. Er erlebte seine bisher bizarrste Saison. Aber es reichte. In einer schwachen AFC und einer noch schwächeren AFC East reichte es für Brady und die Pats für eine 12-4 Bilanz. Und OffCoord McDaniels, der für alle einen famosen Job gemacht hat, gilt schon wieder als heißer Headcoach-Kandidat (vielleicht in Cleveland), trotz seiner Vorgeschichte in Denver, die andere Leute auf alle Zeiten untragbar gemacht hätte.


Eine Analyse, die mir Chase Stuart erspart hat: Die Beständigkeitsanalyse. Es ist mir auch aufgefallen, dass die Patriots in bestimmten Messmetriken als ein Team mit mitunter der geringsten Varianz und Standardabweichung aufschienen – eine Erkenntnis, die beim Blick auf die vielen Wandlungen dieser Mannschaft allein dieses Jahr völlig überraschend kommt. Auf der anderen Seiten: Die Pats waren konstant relativ mittelmäßig. Das spiegelt sich auch in den 11 knappen Spielen wieder. Viermal, fünfmal, sechsmal kam es auf den allerletzten Pass in die EndZone hinein, oder auf ein Fieldgoal in letzter Sekunde an.


Die Wettbüros sehen in den Pats einen 7pts-Favorit. Das Power-Ranking gibt den Pats nur eine 59%-Chance. Auf neutralem Feld sähe es die Patriots nur minimal vorn. Ich kann verstehen, warum. Man muss auch beachten, wie unvorhersehbar die Colts dieses Jahr waren: Sie sahen teilweise wie kommende Superbowl-Champs aus, verloren dann aber wieder Spiele der Marke „wir wurden abgeschlachtet“.

Zwei im Kern junge Teams. Zwei herausragende Quarterbacks. Ein Headcoach-Zauberer. Zwei Teams, die dieses Jahr 7-4 (Patriots) und 7-1 (Colts) in engen Spielen sind. Ein weiteres enges Spiel ist alles andere als ausgeschlossen. Zumal beide genügend Flauseln haben. Zumal beide ausreichend Quarterbacks haben. Zumal es im Regen von Foxboro durchaus viele Unwägbarkeiten gibt.

Mein Gefühl sagt mir: Colts, aber der Verstand sagt „Patriots“, also werde ich mit dem Verstand gehen.