Notizblock Divisional Playoffs: Überall Trolle!

Am schönsten Wochenende des Jahres waren ungewöhnlich viele Trolle unterwegs. Jimmy Graham trollte sich in die Lächerlichkeit. Bill Belichick festigte seine Rolle als Obertroll. In Carolina trollten sich alle Beteiligten gegenseitig. In Denver ferntrollte Peyton Manning eventuell Tom Brady und nachdem am Sonnabend wir Footballnerds im Internet die Footballfans an den Sat.1-Mikrofonen getrollt haben, trollten Jan Stecker und Frank Buschmann ganz lässig direkt aus dem Fernseher zurück. Damit haben Buschi und Stecker jetzt auf jeden Fall das Momentum auf ihrer Seite. Bevor wir alle im storyline overkill mit Brady/Manning beziehungsweise Hammer-Hawks gegen Nickeligkeits-Niners verschüttet werden und uns auf Buschi-Ausraster wie im United Center annodazumal freuen, schnell nochmal ein launiger Rückblick auf die vier Spiele vom Wochenende.

New Orleans Saints 15, Seattle Seahawks 23

In der “It´s a passing league, stupid” wurde am Wochenende ungewöhnlich viel gelaufen. Das ging schon los im – zugegebenermaßen kalten, nassen und windigen – Seattle. Der siegreiche QB Russel Wilson hatte am Ende ganze neun completions. Aber mit Beast Mode und einer bärenstarken Defense war das völlig ausreichend.

Die Saints sind auch gelaufen. Richtig gut sogar. Leider gingen gleich zu Beginn einige kleine Dinge schief (verschossenes Field Goal, Fumble) und schon stand es 16-0. Weil auch danach Drew Brees, der sichtlich unter den Wetterungsbedingungen litt, kein großer Wurf gelingen wollen, kam New Orleans bis kurz vor Schluß auch nie wirklich in Schlagdistanz.

Einiges hing an dem vielen Gelaufe, aber vor allem an der Abwesenheit des Möchtegern-Trolls Jimmy Graham. Vor dem Spiel hat er den Körperkontakt händeringend gesucht, im Spiel selbst ist er dann selbigem tunlichst aus dem Weg gegangen. So war Graham dann nicht die gefährlichste Waffe auf dem Feld, sondern die größte Lachnummer.

Geglänzt haben beide Verteidigungsreihen. Seattles sowieso mit der scheinbar unendlich tiefen Rotation an fähigen pass rushers; die der Saints aber auch, die ungemein diszipliniert in ihrer Aggressivität gespielt hat. Die zwei, drei schlimmen missed tackles sollten eigentlich vom Angriff ausgeglichen werden.

Indianapolis Colts 22, New England Patriots 43

21 Punkte Rückstand, viertes Viertel, 4th&1 – Chuck Pagano läßt punten. Das ist ein Kündigungsgrund! Absolut unverzeihlich. Und so wie es aussah, wollte Andrew Luck ihm auch nicht an die Gurgel. Der sollte gleich mit gefeuert werden. Man muß nicht gerade Atomphysik studiert haben, um zu kapieren, daß die Siegchancen mit dem Punt von “sehr klein” auf “minus 1000” gesunken sind.

Und gerade so wie Luck gespielt hat, hätte gar nichts schiefgehen können. Entweder er hätte einen weiteren unfaßbaren Ball geworfen und das Spiel spannend gemacht oder jemand der seit etlichen Jahren endlich mal wieder Patriots-mäßigen Patriots-Secondary hätte eine INT zum TD zurückgetragen – und Luck hätte nochmal einen 28 Punkte Rückstand aufholen können.

Auf der anderen Seite haben die Pats mit durchschlagendem Erfolg das gemacht, was die Colts eigentlich die gesamte Saison über mit einbrechendem Mißerfolg versucht haben: smashmouth football. Erst laufen, dann laufen, dann screen pass, dann laufen, dann play action, dann Lauf in die Endzone. Was den Colts vor allem dafür fehlt, ist nicht unbedingt ein LaGarette Blount, sondern linemen, die Löcher reißen können; einen Fullback wie James Develin und einen Tight End, der Leute in die falsche Ecke stellt wie Michael Hoomanawanui.

Um das Paßspiel müssen sie sich weniger Sorgen machen. Da steht Andrew Luck auf dem Weg zu mehr MVP-Titeln als seinem Vorgänger in den nächsten Jahren nur Aaron Rodgers im Weg. Schön für die Colts auch, daß nächstes Jahr TE Dwayne Allen und Guard Donald Thomas (kam von den Patriots) von der IR quasi kostenlose Neuzugänge sind. Vielleicht hat ja sogar Reggie Wayne noch eine starke Saison im Tank.

Getrollt wurde auch hier, nämlich vom Obertroll Belichick. Von der Position, von der Pagano trotteligerweise hat punten lassen (IND 28 oder so), haben die Patriots dann trolligerweise gepuntet. Für sechs (Netto-)Yards. Das fand Belly bestimmt noch witziger als kurz vor Weihnachten, als er nach seinem liebsten Weihnachtssong gefragt wurde.

San Francisco 49ers 23, Carolina Panthers 10

In Carolina konnte man das Gegenteil des Spiels in Seattle sehen. Beide Mannschaften waren ebenso aggressiv wie Saints und Seahawks, aber teilweise peinlich undiszipliniert. Ihren großen Teil beigetragen haben die Schiedsrichter, die kaum die vielen Nickeligkeiten unterbinden konnten und sogar offensichtlichste Kopfstöße haben durchgehen lassen. Dazu kamen dann auch noch Nachlässigkeiten, die in einem Playffspiel niemals passieren dürfen. (Mike Pereira hat das hier alles kommentiert.)

Letztlich hat San Fran in der zweiten Hälfte eine überragende Leistung gezeigt und damit verdient gewonnen. Für Carolina muß es nun darum gehen, Cam Newton endlich mal vernünftige skill players zur Seite zu stellen. Newton selbst hatte in der ersten Halbzeit einige hervorragende Würfe unter Druck, bei denen er selbst nur auf dem großen Zeh stehend genaue Rakteten abgefeuert hat. In der zweiten Hälfte kam von ihm auch nicht mehr viel, da hatten seine OLine und sein schlechtes receiving corps um den humpelnden Steve Smith ihn aber auch schon im Stich gelassen.

Jim Harbaugh hat in diesem Spiel den Refs die Rolle als Head Troll genommen und Sympathien verspielt. Es gibt eine Linie zwischen „leidenschaftlich“ und „unsportlich“ beziehungsweise dumm. Er stand auf der falschen. Er wurde dafür sogar einmal bestraft. Wenn er sich weiterhin nicht unter Kontrolle hat, wird seine Rumpelstilzchenhaftigkeit – inklusive meterweit aufs Spielfeld rennen und Schiedsrichter mit Schimpftiraden eindecken – seiner Mannschaft nochmal in einer wichtigen Situation auf die Füße fallen.

San Diego Chargers 17, Denver Broncos 24

In Denvers Mile High hat erstmal Peyton Manning getrollt. Bevor er San Diegos Verteidiger mit endlosen Variationen seiner hard-count-/”Omaha”-Combo offenbar gehirnerschüttert hat, rief er mehrmals “Heidi, Heidi!” in die Landschaft. War das ein Ferntrollversuch gegen Brady, der im Regular Season Game gegen die Broncos nach “Cougar, Cougar!” verlangt hat, bevor er mit “Linda, Linda!” seine Träume von Belichicks Freundin öffentlich machte?

Wer Heidi ist, wissen wir immer noch nicht (Internet, come on!), aber Chargers HC Mike McCoy hat sich anscheinend zu viele alte gametapes von Marty Schottenheimer angesehen. RunRunPassPunt hat in den ersten drei Vierteln nix Zählbares eingebracht.

Nach der verkorksten Wiederaufnahme des NFL-Repertoireklassikers “Marty Ball” in den diesjährigen Spielplan ist McCoy nun nicht nur bei korsakoff durch jeden Rost gefallen. Nachdem Philip Rivers im vierten Viertel endlich seine seltsamen, aber erfolgreichen Kugelstoßerimitationen zeigen durfte, wurde das Spiel nochmal spannend. Immerhin hat WR Keenan Allen nach diesem Spiel die Rookie of the Year Trophäe sicher.

Weil Peyton Manning gewohnheitsmäßig auf die Einladung zum Laufen gegen six men boxes oft eingegangen ist, war das größtenteils eine ziemlich zähe Angelegenheit. Zum Schluß wurden aber alle noch dafür belohnt mit einer Aufholjagd, einem der besten Onside Kicks, die man jemals sehen wird und vor allem mit einem beeindruckenden match winner Peyton Manning. Es ist ein bißchen untergegangen, aber bei den beiden wichtigsten 3rd Downs, als San Diego nur einen Touchdown im Rückstand war, hat Manning mit schwierigen Pässen das Spiel gewonnen. In den Playoffs, draußen, in der Kälte. Nur die pundits und yada-yada-Typen werden das wohl wieder geflissentlich übergehen.

Und auch nicht vergessen sollte man den gefährlichen turf troll, der Eric Decker verfolgt. In diesem Spiel hat er wieder zugeschlagen. Auch beim ersten Mal ging es gegen Denver.

http://www.nfl.com/videos/nfl-game-highlights/0ap1000000080915/Decker-hits-the-deck

Sofa-QBs und das Divisional-Wochenende 2013/14

Gestern Abend haben wir wieder den Sofa-QB Podcast aufgenommen, mit Fokus auf dem vergangenen Wochenende plus Preview auf die NFC-Endspiele. Mit dabei waren Andreas Renner/SKY, Pete Fink/Motorvision TV und meine Wenigkeit. Moderiert hat Nicolas Martin/GFL TV und Radio. Die Themen en detail:

  • NFC: Die Nickligkeiten in Carolina und Seattle. Wie ist die Saints-Offense in Seattle zu bewerten? Was kann die Seahawks-Offense, wenn sie mal in Rückstand liegt? Wie stark ist die Seahawks-Defense? Wohin geht die Reise für die Saints? Panthers-Defense? Panthers-Offense? Panthers-Aussichten über 2013 hinaus? Wie neidisch darf Kaepernick auf Cam Newton sein? Plus: Ausblick und Tipps für das Conference-Finale der blauen Flecken, Seattle vs San Francisco.
  • AFC: Old-School Patriots. Wie hoch sollte man Bill Belichick einschätzen? Luck? Luck, Luck! Wie souverän waren die Broncos? Wie enttäuschend die Chargers? Plus: Ein Ausblick auf das AFC-Finale, Denver vs New England.

Auch wenn ich teilweise technische Probleme hatte, Pete Fink zu verstehen: Hat Spaß gemacht.