NFL-Power Ranking 2013/14 nach den Divisional-Playoffs

Das Divisional-Playoffwochenende hat spielerisch die Erwartungen nicht erfüllen können, aber das soll uns den Spaß am Zahlendrehen nicht nehmen. Bemerkenswert an den vier Halbfinalteilnehmern ist, dass sie im Sommer die vier Teams mit den schlechtesten Superbowl-Quoten waren, d.h. es sind genau die vier Topfavoriten, die sich am Sonntag untereinander die beiden Superbowl-Teilnehmer ausspielen werden.

Persönlich hatte ich einen fünften in der Verlosung: Green Bay. Aus den Packers ist knapp nichts geworden. Aber meine ersten fünf Superbowl-Anwärter waren im September gewesen:

#1 Denver
#2 Green Bay
#3 Seattle
#4 San Francisco
#5 New England

Vier der fünf stehen im Halbfinale. Aber, okay: Dieses Quartett hätte im Prinzip auch ein Neuling voraussagen können, denn es kommt in etwa so überraschend wie der tägliche Sonnenuntergang. Allein: Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet in einer Saison, die so viele Überraschung geboten hatte wie 2013/14, am Ende die vier Top-Favoriten übrig bleiben. Das hat was von FIFA-WM 2002, als nach dem großen Zwergenaufstand ausgerechnet bei jener WM zum einzigen Mal die beiden größten Fußball-Nationen der Welt, Brasilien und Deutschland, im Endspiel übrig blieben.

Nach dem Sprung das aktualisierte Power-Ranking nach einer Viertelfinalrunde, der es am allerletzten Zacken Drama natürlich gemangelt hat.

NFL-Power Ranking 2013/14, Divisional Playoffs

NFL-Power Ranking 2013/14, Divisional Playoffs

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strength of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Divisional-Playoffs.


Wir können uns vor dem Championship Sunday schon vorab die Effizienz-Stats der vier verbliebenen Superbowl-Anwärter miteinander vergleichen (grün gefärbte Stats sind mindestens eine Standardabweichung besser als Ligaschnitt, orange gefärbte minimum eine Standardabweichung schlechter als der Durchschnitt), mit Klick auf das Bild zu vergrößern:

Effizienz-Stats Divisionals, 2013

Effizienz-Stats Divisionals, 2013

Als Vorwarnung sei geschrieben, dass diese Stats „non-adjusted“ sind, d.h. sie sind nicht für ihren Schedule angepasst. Denver hatte bekanntlich den einfachsten Schedule der Liga, während New England den 22t-schwersten Schedule sah, Seattle den 19t-schwersten, und allein San Francisco mit dem 15t-schwersten Schedule einen minimal überdurchschnittlichen (.504).

Dass die besten Teams tendenziell „einfachere“ Schedules spielen, sollte man nicht überbewerten; sie können ja schlecht „gegen sich selbst“ spielen, während zum Beispiel St Louis oder Tampa Bay natürlich tendenziell schwierigere Spielpläne haben, weil sie nicht gegen St Louis bzw. Tampa Bay spielen „dürfen“.

Auf der anderen Seite: Ein einfacherer Schedule gibt dir eben auch bessere Chance auf viele Siege, ergo mehr Playoff-Heimspiele und ergo in der Folge bessere Siegchance in den „Clutch“-Spielen. Aber okay. SOS ist ein Thema für sich; die Gedanken sollte man sich nur einmal gemacht haben.

Eine Erkenntnis aus den un-adjustierten Schedules: Außer Denver stehen keine „Juggernaut“-Pass-Offenses im Semifinale. Allerdings haben alle Teams eine überdurchschnittliche Pass-Offense. Die Broncos sind gar 2.3 Standardabweichungen über dem NFL-Durchschnitt, was ihre Pass-Offense angeht.

Drei von vier Lauf-Offenses sind in den Top-5 der effizientesten Lauf-Offenses. „Effizienz“ bedeutet hierbei wie immer nicht Yards/Carry, sondern die Success-Rate in Prozentangabe, d.h. wie viele Run-Plays von 100 Versuchen zum Erfolg führen. „Erfolg“ ist dabei definiert mit „du hast nach Spielzugende eine höhere Punkteerwartung als vor dem Snap“. Damit ist ein 2yds-Run im 3rd-und-1 mehr wert als ein 11yds-Lauf im 3rd-und-17.

Die Seahawks sind übrigens in Lauf und Pass nicht gefärbt, aber sie sind extremst nahe dran: 0.98 Standardabweichungen über Liga-Schnitt im Pass, 0.99 Standardabweichungen drüber im Laufspiel. Knapper geht nicht, aber wir sind wie ein 2cm verschossenes 59yds-FG in der letzten Sekunde: Knapp daneben wir mit Nicht-Färbung bestraft. Aber die Advanced-Stats bestätigen hier das Gefühl bei den Hawks: Das ist eine auf breiter Basis sehr gute Offense, die dich aber nicht baff hinterlässt, weil sie eben nirgendwo „absolut überragend“.

San Franciscos Lauf-Offense wird oft gelobt, aber sie ist tatsächlich eher unterdurchschnittlich erfolgreich!

Was sehen wir weiters? Zum Beispiel, dass die Offenses der Halbfinalisten INTs vermeiden. INTs vermeidest du am besten, wenn du kein Risiko eingehst. Aber um 6.5 NY/A oder mehr (um mal eine Hausnummer rauszuschießen) zu erzielen, musst du üblicherweise schon recht viel riskieren. Insofern sind diese INT-Raten bemerkenswert. Vor allem Peyton Manning ist eine Sensation, die man nicht hoch genug einschätzen kann.

Was auch auffällt: Alle vier Semifinalisten haben schlechte Fumble-Raten in ihrer Offense. Man denke dran, wenn die Pundits das nächste Mal behaupten „good teams do not fumble“.

Bei den Pass-Defenses fällt auf, dass keine Graupen-Units dabei sind; vor zwei Jahren z.B. hatte sich New England mit einer der übelsten Pass-Defenses der Liga bis durch in die Superbowl gemogelt. Diesmal sind alle zumindest durchschnittlich, wobei Seattle eine der besten Pass-Defenses aller Zeiten auffährt.

 Und alle Semifinalisten fangen leicht überdurchschnittlich viele Bälle ab. Remember? Alle hatten auch überdurchschnittliche INT-Werte in der Offense.

Bei den Strafen ist mit New England eine der diszipliniertesten Mannschaften vorne dabei, aber ausgerechnet mit Denver und Seattle stehen hier zwei Mannschaften im Halbfinale, die zu den undiszipliniertesten bzw. unfairsten der Liga gehören. Strafen als Mittel, den Gegner einzuschüchtern? Keine Ahnung, aber wenn ich aus dem Bauch heraus behauptete, das NFC-Endspiel Seattle – San Francisco habe Potenzial für die meisten Strafen / Personal-Fouls, so scheint uns doch im Endspiel möglicherweise etwas deutlich Schlimmeres zu blühen. Denn: Seattle und Denver sind beide favorisiert, ihre Semifinals zu gewinnen, wie wir sehen werden…

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für die Conference-Championships

3-1 Bilanz für das Power-Ranking im Viertelfinale, wo nur die minimalst favorisierten Panthers (52%) verloren. Das Power-Ranking ist damit 126-73 (63.3%) in korrekten Tipps. Eine Spread-Analyse über das Jahr wird im Februar noch folgen…

Die Wahrscheinlichkeiten für die Conference-Finals lauten:

HOME                 %   AWAY                  %
Seattle             68   San Francisco        32
Denver              71   New England          29

Rechnen wir diese Wahrscheinlichkeiten in Spreads um, so ist Seattle nach diesem Ranking ein 6pts-Favorit. Die Wettbüros geben den Seahawks durchschnittlich nur 3.5 Punkte in den Opening-Lines, ein für meine Begriffe erstaunlich niedrigerer Spread. Ich würde damit Seattle auch gegen den Spread nehmen, und erwarte eigentlich, dass sich die Line bis zum Sonntag noch weiter gen Seahawks bewegen wird.

Denver ist sogar ein 7pts-Favorit nach diesem Ranking. Die Wettbüros geben den Broncos 4.5 Punkte. Damit auch hier: Ich würde den Favoriten auch gegen den Spread nehmen.