Sofa-QBs und die Superbowl-Vorschau 2014

Wir haben heute bei den Sofa-QBs die Superbowl XLVIII in der Mangel gehabt: Drei Blöcke. Einmal Denver Broncos. Einmal Superbowl-Party. Einmal Seattle Seahawks. Mit Granden wie Moderator Andreas Renner, Nicolas Martin, Pete Fink, Christoph Fetzer, Manfred Groitl, Olaf Nordwich und Werner Maier (Präsident Munich Cowboys). Meine Wenigkeit war in letztem Teil mit den Hawks mit dabei: Super Bowl XLVIII – Der Preview.

Startschuss zur Superbowl-Woche

Der heutige Dienstag ist Media-Day vor der Superbowl XLVIII, der bekanntlich ersten im Großraum New York. Das NFL-Network beginnt jetzt gleich um 16h MEZ mit der Live-Berichterstattung vom Media-Day, der meistens nicht narrisch ergiebig ist, aber wer nix besseres zu tun hat…

Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche.

Das Wetter zum Beispiel. Eine richtig verlässliche Wetterprognose gibt es natürlich noch nicht, aber die Großwetterlage verspricht das schlechteste Wetter für die Nacht von Freitag auf Samstag bzw. für den Dienstag nach der Super Bowl. Am Sonntag soll es halbwegs gesittet sein, aktuell rechnet man für untertags sogar mit Sonnenschein… ;-( Aber andere US-„Kaltwetterstädte“ dürften erfreut sein, sollte sich dieser Forecast bewahrheiten, denn es wollen offenbar mehrere Städte aus den nördlichen Gefilden eine Superbowl ausrichten, Seattle zum Beispiel.

Einlesen kann man sich schön langsam auch in die Materie des Endspiels. Chase Stuart versucht seit Tagen, einen historischen Kontext für dieses Endspiel zu finden, und es gibt erstaunlich viele Hinweise, dass es sich beim Duell zwischen der Offense der Denver Broncos gegen die Defense der Seattle Seahawks um das beste Matchup der NFL-Geschichte handelt. Noch nie hat eine so gute Pass-Offense gegen eine so gute Pass-Defense (jeweils angepasst an die Ära, in der sie sich befanden) gespielt:

Für die, die etwas mit Zahlen und Statistiken anfangen können, ist das höchst interessant…

Der Star-Ledger, eine Zeitung, die im Bundesstaat New Jersey zuhause ist, schreibt über die landläufige Missachtung von Jersey: 7 tips for Super Bowl visitors to stay on our good side in NJ. Wie man die Bewohner des Garden State nicht verärgert.

Mike Tanier schreibt bei Sports on Earth die Kolumne Mandatory Monday, die ich für die beste NFL-Kolumne von allen halte. Diese Woche schreibt er darüber, wie man sich die Tage um die Super Bowl herum selbst zu Feierlichkeiten machen kann: Super Spectacle.

Super Bowl hype is like the heavy metal we listened to as teenagers: Judas Priest, Iron Maiden, Jethro Tull. (I am a former Grammy voter.) It is meant to be experienced at the threshold of pain. Turn the volume down and you lose all the lack of nuance. Crank it until the flight-or-flight reflex kicks in, and you experience the kind of primal ecstasy Viking berserkers felt before sacking a monastery.

Die NFL mochte den Namen Superbowl ursprünglich nicht. Die ersten AFL-vs-NFL Endspiele trugen noch einen banalen Namen („AFL-NFL Championship Game“). Der Name kam eher zufällig zustande:

H/T Todd Radom

H/T Todd Radom

H/T Todd Radom.

Schließlich noch einmal Super-Offense gegen Super-Defense: Bill Barnwell bei Grantland.com: A Tale of Two Cities:

You’re underrating the Denver Broncos’ offense. Yes, you. I don’t care who you are. You might be someone who considers orange to be a primary color, invited Steve Atwater to your wedding, and has been stuck with dogs named Cutler and Tebow for years now. You, die-hard Broncos fan, are probably underestimating just how good Denver’s offense really is. On Sunday, you will be watching the final game from what very well might be the best offense in NFL history.

Viel Spaß.

Trainerkarussell 2014: Ken Whisenhunt, Tennessee Titans

Lass uns mal den neuen Head Coach der Tennessee Titans unter die Lupe nehmen: Ken Whisenhunt.

Whisenhunt soll nach diversen Medienberichten auch ein Kandidat bei den Detroit Lions gewesen sein, weswegen ich ihn schon vor einigen Wochen genauer unter die Lupe genommen habe. Vom Gefühl her war „Whiz“ nicht mein Lieblingskandidat. Jetzt ist er bei den Titans untergekommen.

Whisenhunt ist extrem schwer in ein Schema zu pressen. Er war als Assistenzcoach, Coordinator und Alleinverantwortlicher enorm erfolgreich (brachte den Cardinals einen ewigen Underdog in die Superbowl), war aber auch verantwortlich für einen üblen Kollaps in Arizona. Aber der Reihe nach.

Whisenhunt war vor zehn Jahren Positionstrainer für Tight Ends in Pittsburgh, wurde 2004/05 zum Offensive Coordinator befördert (sein Vorgänger Mularkey hatte damals einen Cheftrainersessel in Buffalo bekommen). Whisenhunt war mit verantwortlich für die Entwicklung von Ben Roethlisberger. Er installierte ursprünglich die später gewohnte downfield-Offense der Steelers. Roethlisberger war schon als extrem junger Spieler sehr effizient: 7.4 NY/A und 7.8 NY/A in seinen ersten beiden Jahren in der NFL sind sensationelle Werte!

Pittsburghs Offense war damals nicht so passlastig wie in späteren Jahren gewohnt, ja sie war vielleicht sogar noch immer eine auf dem Laufspiel basierende Offense, aber es gebührt Whisenhunt großes Lob, dass er aus einem Rookie solch fassungslose Effizienz-Stats herauspressen konnte – und sei es „nur“ in einem Passspiel, das gelegentlich mit effizienten Plays den GamePlan unterstützte. Zum Vergleich: Ein Peyton Manning hat heuer auch 7.8 NY/A zustande gebracht. Zwar in viel mehr Passversuchen und als Hauptlast der Offense, aber es ist ja auch nur ein Zahlenvergleich.

Whisenhunt wurde 2007 Headcoach der Arizona Cardinals. Dort hatte er es mit einem QB-Jungspund zu tun, der erst ein Jahr zuvor vom Vorgänger-Regime gedraftet wurde, und der nicht in sein Konzept passte: Matt Leinart. Ein wurfschwacher Schönling, der keine Lust hatte seinen glamourösen Lebensstil aufzugeben. Whisenhunt hatte die Schneid, den QB-Oldie Kurt Warner Leinart vorzuziehen, und erreichte mit Warner 2008/09 die Superbowl. Arizona hatte damals kein überragendes Team, aber in einer schwachen NFC West reichte es zu mittelmäßigen Bilanzen, plus ein Ravens-artiger Playoff-Lauf. Aber nicht vergessen: Es war Arizona. Dort waren über etliche Jahrzehnte alle Coaches gescheitert, auch welche mit mehr und größeren Vorschusslorbeeren.

Warner trat nach der Saison 2009/10 zurück, und Arizona stürzte ab. Man macht heute viel davon an Whisenhunt fest. Aber eines muss man Whisenhunt lassen: Er hatte die Schneid, Leinart, den er als ungeeignet für seine Vorstellungen von Football erachtete, zu feuern. Nein, Whisenhunt bekam sein QB-Problem nach Warner nie gelöst. Aber was wären seine Optionen gewesen? 2010 gab es keinen würdigen QB im Draft (ok, Tebow…), 2011 war Newton schon vom Tablett, 2012… Russell Wilson hatte niemand viel zugetraut. Die richtigen Stars bekam Whisenhunt nie zu greifen.

Whisenhunt bekam aber mehr als die QBs nicht mehr in den Griff; es war auch die Offense Line. Die Cardinals ignorierten dieses Problem viele Jahre lang. Warner konnte es kaschieren. Durchschnitts-QBs wie Kolb, Skelton oder Hall sahen kein Land.

Whisenhunt ging nach San Diego und arbeitete dort an der Seite von Mike McCoy als OffCoord. Das Resultat ist verblüffend: Die Chargers-Offense ist ein Jahr, nachdem sie abgeschrieben war, wieder eine der drei besten der Liga. QB Philip Rivers sah aus wie in seinen besten Tagen. Ich meine: Der Vorgänger dort war in Norv Turner keiner, der nix von Offense versteht. Die Chargers-Offense ist mit das verblüffendste, das es dieses Jahr zu sehen gab.

Es gibt viele Anzeichen, dass Whisenhunt mit adäquatem Material viel herausholen kann. Er half Pittsburghs, genügend Offense zu kreieren, um die Superbowl zu gewinnen. Er brachte Arizona ins Endspiel. Er hatte 2011 eine mehr als konkurrenzfähige Cards-Truppe unter seinen Fittichen, die NFL-untaugliche Gurken auf QBs durchschleppen musste.

Damit ist das Urteil über ihn schnell geschrieben: Gib ihm einen adäquaten Quarterback, und er wird dich zu großem Ruhm führen. Ist es so einfach? Ich weiß es nicht. Aber Fakt ist, dass Whisenhunt mit tauglichen QBs Großartiges erreicht hat. Fakt ist, dass Leute wie Kolb, Skelton, Leinart auch andernorts nix gerissen haben. Das einzige, das man ihm nachsagen könnte: Hat er zu stur an „seiner“ Offense festgehalten? Auf der anderen Seite: Alle Whisenhunt-Offenses haben als wichtiges Element ein tiefes Spiel zumindest in Spurenelementen. Leinart, Kolb oder Max Hall hatten bei weitem nicht den Wurfarm um die tiefen Bomben raketenscharf anzubringen.

Für vereinzelte tiefe Spielzüge an sich brauchst du keine Granate von Wurfarm. Aber sie hilft dir, und sie ist essenziell, wenn du ein vertikales Element als integralen Bestandteil zum Funktionieren deiner Offensiv-Ideen brauchst. Leute wie Leinart werfen zu langsame Bälle, zu hoch fliegende. Bogenlampen. Die werden dir abgefangen in der heutigen NFL. Du musst sie flach und scharf werfen. So wie QB Jake Locker in Tennessee. Locker hat einen extrem guten Wurfarm, dem allerdings die letzte Präzision abgeht. Locker galt zwei Jahre lang als stagnierendes Talent, bis er in der abgelaufenen Saison 2013 plötzlich einen großen Sprung nach vorn machte.


Whisenhunt gab in seiner ersten Pressekonferenz kein eindeutiges Statement pro Locker ab. Locker soll allerdings in der Titans-Organisation bei GM Ruston Webster ein gutes Standing genießen. Allerdings darf man auch festhalten, dass Whisenhunt im NFL-Draft 2011 als Cards-HC Locker mit den fünften Pick hätte ziehen können, aber die Cards zogen damals CB Patrick Peterson vor. Alles in allem wäre man aber schon überrascht, wenn Locker sofort abgesägt wird.

Whisenhunt will in Tennessee als Play-Caller in der Offense fungieren, was den neuen OffCoord Jason Michael, den er aus San Diego mitbrachte (Michael war dort TE-Coach), in realiter zu einer Art Assistenten für die OffCoord-Position verkommen lässt.

Für die Abwehr hat sich Whisenhunt den DefCoord der Cleveland Browns, Ray Horton, der schon sein DefCoord in Arizona war, geholt. Eine Wahl, die einiges verspricht. Horton hatte in Arizona eine der besten, meist unterschätzten Defenses unter seinen Fittichen. In Cleveland? Auch. Aber was erstaunte: Whisenhunt sprach in seiner ersten Pressekonferenz davon, auf keinen Fall eine 3-4, 2-gap Defense spielen zu wollen. Genau dafür aber steht und stand Horton schon immer. Vielleicht wird es eine lässige 2-4-5 Defense, die man der Cards-Defense von Horton unter der Hand auch schon nachsagte.

Wird auf alle Fälle eine interessante Zeit. Whisenhunt ist bekannt dafür, den „Steeler-Way“ zu gehen und nie allzu kurzfristig zu denken. Er möchte Stabilität und Kontinuität. Das hatten die Titans nun viele Jahre lang, erst unter Jeff Fisher und dann unter dessen Nachfolger Munchak, aber Whisenhunt ist der erste, der wirklich gewillt sein wird, eine echte Pass-Offense aufzuziehen.