Super Bowl XLVIII – Notizblock

Die Spieler der Broncos waren am Ende gebrochen wie 18-Jährige Sunnyboys nach sechs Monaten boot camp bei den Navy SEALs. Und einige auch scheinbar geistig abwesend. Aber man kann das nachvollziehen: alles, (bis auf den einen Moreno-Fumble, den sie zurückerobern konnten) wirklich alles lief gegen sie. Das geht los mit dem Safety, dann die beiden abgefälschten Interceptions, eine davon kurz vor der Halbzeit auch noch zum TD zurückgetragen, direkt nach der Halbzeit der KO-Return und schließlich beim letzten ernsthaften Comeback-Versuch der Fumble von Demariyus Thomas. Da kann man schonmal vom Glauben abfallen. Schlimmer hätte es gar nicht kommen können. Es war der reinste Albtraum.

Für seine Seahawks hätte Head Coach Pete Carroll sich dagegen nichts schöner erträumen können. Vom ersten Drive an ist Seattles Verteidigung über Denvers Angriff drübergefahren als wären es die Jaguars.

Es war wie erwartet: Seattles pass rush hat aus Denvers Offensive Line Marmelade gemacht. Das und Mannings Allergie gegen Körperkontakt führte dazu, daß er den Ball immer sehr schnell und meist sehr kurz geworfen hat. Weil außen Sherman und Maxwell meist in der Hosentascher der gegnerischen WRs waren , warf er meist auch noch über die Mitte. Da wurden dann die bemeitleidenswerten Ballempfänger Denvers zu Hackfleisch verarbeitet. Weil Seattle wie meistens nur mit Thomas als tiefem Safety gespielt hat, ist Kam Chancellor auch immer in der Mitte hinter den Linienspieler rumgerannt und hat diesen Bereich sehr eng gemacht. Beeindruckend war, daß alle Wide Receivers der Broncos bis zum Schluß durchgehalten haben. Der arme Demariyus Thomas mußte zu seinem Leidwesen 13 Bälle fangen. So viel Prügel hat er während der gesamten Saison nicht einstecken müssen.

Zwei, dreimal hat Manning sogar versucht, tief Earl Thomas zu attackieren. Aber entweder hat sein tiefer Ball nach all den Jahren und Verletzungen tatsächlich so sehr gelitten wie befürchtet oder er wollte vor allem so werfen, daß Thomas auf gar keinen Fall eine Hand an den Ball bekommt – jedenfalls: die Dinger gingen alle in die Rabatten. Brady-like.

Auf der anderen Seite lief auch alles wie geplant für Seattle. Percy Harvin und Doug Baldwin machten gleich im ersten Viertel ihre Big Plays für 30+ Yards. Harvin hatte dann auch als Genickbrecher den Kickoff-TD um die zweite Halbzeit zu beginnen. Und als die aufopfernd kämpfende Denver-D schließlich Jermaine Kearse bei seinem obligatorischen Touchdown selbst mit vier versuchten Tackles nicht aufhalten konnte, war der Deckel drauf.

Die Verteidigung der Broncos war bis dahin ganz anständig. Die Hawks hatten insgesamt nur 17 First Downs, 200 Paßyards und 135 Yards durch 29 Läufe (nimmt man die beiden jet sweeps von Harvin raus sogar nur 27 für 90). Gegen jeden anderen Gegner hätte das gereicht. Aber wenn der Gegner mit Special Teams und Defense schon 16 Punkte macht und der Offense oft gute field position gibt, ist das eben nicht genug.

Alles in allem eine unglaubliche Leistung der Seahawks-D. Sie stehen nun fraglos in einer Reihe mit den 85er Bears, 2000er Ravens und den 2002er Buccaneers. Außerdem haben wir das erste Mal seit langem wieder einen absolut unumstrittenen Super Bowl Champion. Das einzige, was Seattle jetzt noch braucht, ist ein passender nickname für die Defensive Line. Nicht nur in diesem Spiel stand sie der Legion of Boom in kaum etwas nach.

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17 Kommentare zu “Super Bowl XLVIII – Notizblock

  1. Exakt meine Gedanken zum Spiel. Für Denver muss dieser Abend wie ein altes Computerspiel gewesen sein, bei dem man machen kann, was man will – der Computer will dich einfach nicht gewinnen lassen.

    Die Broncos versuchten viel – aber gegen diese Seattle-Defense und scheinbar auch gegen eine höhere böse Macht (die partout nicht wollte, dass die Broncos irgendetwas reißen), war einfach kein Ankommen.

  2. Höhere Macht? Es hat kann sie ja keiner gezwungen haben nicht ordentlich zu tackeln… Die Broncos selbst haben Percy Harvin 87 yards laufen lassen bzw. Kearse fünfmal entwischen lassen… Die interceptions mögen unglücklich gewesen sein aber auch da war der Druck der Seahawks einfach enorm… Die deutlich spürbare Macht war einfach die enorm physische Seahawks defense…

  3. Ein Super Bowl mit Mercy Rule Charakter. Die Entscheidungen von Fox konnte ich stellenweise nicht nachvollziehen, aber dies hätte ehrlich gesagt auch nicht viel geändert.
    Irgendwie hinterlässt dieses Spiel einen schalen, enttäuschenden Nachgeschmack. Ich persönlich kann nicht glauben, dass dies das Super Bowl Spiel war, da es viel zu einseitig war. Das Spiel hat leider auch nicht die beste Werbung für die Sportart hervorgerufen. Aber was soll´s; hätte-hätte-Fahrradkette.

  4. Sehe ich auch so wie Meiklson. Alleine das Tempo der Seahawks D-Line und die Wucht mit der sie nach dem Snap draufgegangen sind – das habe ich so im Kollektiv und in einer derartigen Konstanz das ganze Spiel hindurch noch nie gesehen.

    Aber dass die Broncos so wenig entgegenzusetzen hatten ist schon bemerkenswert. Besonders variantenreich fand ich by the way grade die Offense der Broncos aber nicht. Ihre Screens und Pick-Plays haben die Seahawks perfekt rausgenommen und Plan B gab es offensichtlich keinen, denn da kam sonst nichts.

  5. Es war so ein bisschen wie früher in der „guten, alten Zeit“: Das NFC-Team beerdigt den Vertreter der AFC.
    Was ich mich seit gestern frage: Ist die NFC so übermächtig – die Saints und 49ers waren deutlich näher an Seattle dran als gestern die Broncos- oder lief gestern vieles unter Murphys law?

  6. @Carsten
    passend dazu habe ich mich heute folgendes gefragt:
    nehmen wir theoretisch an, Arizona hätte statt San Diego in den AFC-Playoffs gespielt. wie weit wären sie gekommen? evtl. sogar Super Bowl?

  7. Ich finde die Seahawks haben es dieses Jahr auf jeden Fall verdient!
    Beste Mannschaft dieses Jahr.
    Wenn man überlegt wie gut die offense in der regular season gewesen wäre hätte Harvin durchgehend spielen können.
    Meine Herren…
    Ja das mit den Conference. Gerecht oder nicht, so ist football. Ich hätte aber auch gern Arizona gesehen in den playoffs.

    Für mich hat sich es auch nicht richtig wie ein.super bowl angefühlt. Halbzeitshow war ganz nett, aber joa..
    Trotzdem hat mich eins fasziniert :Seattle D! Und das gegen Manning

  8. re Super Bowl „feeling“:

    Ich fand das richtig schön, daß es endlich mal wieder einen blowout gab. Es war die beeindruckendste Leistung, die ich dieses Jahr von einer Defense gesehen habe. Das dann im Super Bowl und nicht Mitte Oktober in einem interconference game war mal eine herrliche Abwechslung.

    Knappe Super Bowls sind ja schön und gut, aber im größten Spiel des Jahres die „beste Offense aller Zeiten“ zu sehen, wie sie hoffnungslos unterlegen ist, wie die Spieler wirklich gebrochen waren, zu keinem Kampf, zu keinem Aufbäumen mehr fähig, das hat was. (Das ist natürlich zynisch, aber hey: das ist immer noch „nur“ Sport und nichts Ernsthaftes.)

    So gesehen, war es durchaus ein würdiger Super Bowl: die beste Mannschaft hat loud and proud gezeigt, wer die beste Mannschaft ist und hat jede Diskussionen á la „hätte hier und hätte da“ regelrecht zerschmettert.

  9. wie sagte R. Shermann: Der wahre Super-Bowl war das Conference-Finale gegen die 49ers.
    und hätte die das Spiel gewonnen, wäre es den Broncos auch nicht viel besser ergangen. So hats mir natürlich noch mehr gefallen

  10. Zitate; „Und einige auch scheinbar geistig abwesend.“
    und
    „Alleine das Tempo der Seahawks D-Line und die Wucht mit
    der sie nach dem Snap draufgegangen sind – das habe ich so im Kollektiv und in einer derartigen Konstanz das ganze Spiel hindurch noch nie gesehen.“
    ***
    Wie Gestern schon angemerkt von mir, die geistige und kämpferische Einstellung war von Sekunde Null an zu ’spüren“ als Zuseher vor dem Bildschirm.
    Das begann schon in der Kabine vor dem Match, beim betreten des Stadions und wie in der Nachschau auch zu hören:
    eine zweiwöchige intensive Vorbereitung und Arbeit auf dieses Ereignis.
    Der klare Sieg nur eine logische Folge davon und einer auf Gewinn orientierten Teameinheit vom Wasserträger bis zu dem Coaching und den Akteuren am Spielfeld.
    Mich hat diese Game unter diesem Gesichtspunkt betrachtet überhaupt nicht enttäuscht, sondern fasziniert wie die Seahawks dies umgesetzt haben und die Broncos nach allen regeln der taktischen Einstellung an die Wand gespielt haben.

  11. Pingback: Super Bowl XLVIII medial | 24 yards per second

  12. Dabei hatten die Broncos eine recht gute Season hinter sich … sag mal, weißt du ob dieses „legendäre“ Spiel in der Season, bei dem ein Team einen hohen Rückstand in den letzten Minuten eingeholt hat und in OT dann gewonnen hat, zufällig die Broncos waren? Da war so ein Spiel, ich kann mich leider kaum noch erinnern. Naja man kann es den Seahawks aber auch gönnen.

  13. Pingback: Denver Broncos in der Sezierstunde | Sideline Reporter

  14. Pingback: NFL 2016, Divisional Playoffs: Preview Samstag | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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