Super Bowl 2014: Wie dominant war Seattle wirklich?

43 zu 8, ein Ergebnis wie ein Donnerhall für den vermeintlich besten Showdown ever, a.k.a. Super Bowl 2014. Die Seattle Seahawks feierten einen Erfolg für die Ewigkeit, den dritthöchsten Endspielsieg in der Superbowl-Ära. Im Liveblog schrieb ich jedoch, dass das Ergebnis zu brutal ist.

Es ist ein sensationelles Ergebnis: Seattle war nach meinem Power-Ranking ein Favorit mit einem Punkt. In der NFL erwartet man von einem 1pts-Favoriten, dass er in 0.1% der Fälle ein Spiel mit 35 Punkten gewinnt. Das ist ein Fall aus tausend. So wahrscheinlich war das Endresultat. Eins aus eintausend.

Denver hatte alles, wirklich alles, gegen sich laufen. Bis auf eine Fumble-Recovery eines eigenen Fumbles schlugen alle der großen Plays (INTs, Fumbles, Kickreturns) für die Seahawks aus. Wenn ein Message von diesem Blog beim Leser angekommen sein sollte, dann ist es wie so oft das eine: Du hast nicht über alles Kontrolle. Du glaubst vielleicht, du hast es, aber du hast es nicht. Ich würde das so zusammenfassen:

Leistung = Effizienz.
Ergebnis = Leistung + Zufall.

Wir kennen das Ergebnis. Wie aber war die Effizienz von Seahawks und Broncos in diesem Spiel, also die Leistung mit einer als durchschnittlich angenommenen Zufallskomponente? Wie gut, dass wir die Zahlen und das Modell haben, es zu überprüfen.

Meine Vorgehensweise ist folgende: Ich spiele die Effizienz-Stats von Superbowl XLVIII in das Power-Ranking Modell ein, das per Definition den Zufall ausschaltet, und messe die Effizienz der beiden Kontrahenten.

Vor dem Einspielen erwartete ich ein Ergebnis von etwa 27-17 oder 30-17 pro Seahawks, also einen Spread von 10 bis 13 Punkten. Das schien mir schon okay: Eliminiere den Return-TD und wir sind auf 36 Punkte. Eliminiere den Safety und wir sind auf 34. Eliminiere den Harvin-TD und wir sind bei rund 27 Offense-Punkten. Bei den Broncos: Addiere einen TD für einen der Drives, der entweder in INT, Fumble oder Turnover on Downs geendet hatte und wir sind bei ca. 15 Punkten für die Broncos.

Ein Endspielsieg mit 13 Punkten der besten gegen die zweitbeste Mannschaft der Liga ist immer noch mächtig beeindruckend. So dachte ich. Dann spielte ich die Stats ein.

Effizienz-Stats des Endspiels 2014

Effizienz-Stats des Endspiels 2014

Was wir sehen, ist das, was wir gesehen haben: Ein Russell Wilson, der die Ketten mit Leichtigkeit bewegt hat, ein Peyton Manning, der nur mit viel Kleingewichse große Probleme hatte, die Bälle nach vorne zu treiben. Zwei unterirdische Lauf-Offenses. Große Turnover-Anfälligkeit bei Denver, aber die großen Strafen kassierten die Seahawks.

In der Folge errechnete ich das Resultat, und dann fielen mir die Augen aus den Höhlen: Eine Mannschaft mit der Superbowl-Leistung der Seattle Seahawks ist gegen eine Mannschaft mit der Superbowl-Leistung der Denver Broncos ein 95%iger Favorit. Die Wettbüros würden die Seahawks einen Spread von 23 Punkten geben!

In anderen Worten: Die Seattle Seahawks waren in der Super Bowl am Sonntag 23 Punkte besser als die Denver Broncos. Das hinterlässt mich einigermaßen geschockt.

Es war also auch hinter den unberechenbaren Big-Plays eine fassungslos dominante Vorstellung der Seahawks. Es nutzt alles Beschönigen und Drumherum nix: Mit ausgeglichenem Zufallsmoment gewinnt Seattle das Endspiel eben in der Kategorie 33-10. Viel besser geht nicht.

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8 Kommentare zu “Super Bowl 2014: Wie dominant war Seattle wirklich?

  1. Großartige Idee.
    Den Seahawks ist alles aufgegangen. Wie stark wäre Seattle mit der ganzen Saison „nachträglich“ favorisiert?

  2. Ich denke das beweist (gewissermaßen) was man am Sonntag als Zuschauer auch so als Gefühl mitnahm: das war kein Zufallswin, sondern einfach gnadenlos dominant. Und genau das hat denke ich auch die Broncos schon relativ früh gebrochen. Die haben selbst gemerkt, dass sie nicht aus Pech verlieren, sondern weil der Gegner zu gut ist. Und da geht dir dann irgendwann das geistige Momentum aus um dich noch pushen zu können.

  3. Noch ein Gedanke zu den Strafen:
    Seattle hatte vielleicht mehr strafen, aber Denver hatte übelstes Talent sich doofe Strafen zu holen und somit sich das Leben extremst zu erschweren.

  4. Pingback: NFL-Power Ranking 2013/14 – Die finale Version | Sideline Reporter

  5. Pingback: Seattle Seahawks in der Sezierstunde | Sideline Reporter

  6. Pingback: Das Vorglühen zu Super Bowl 50 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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