Quarterbacks vor der Combine 2014

Ein paar Zeilen zur Einführung, mit was für Typen wir es bei den Quarterbacks im NFL-Draft 2014 zu tun haben werden, habe ich schon unter der Woche verfasst. Heute mal ein Blick auf die spielerischen Fähigkeiten der Herrschaften, die die neuen Franchise-Gesichter werden sollen – das meiste ungefragt übernommen von Greg Cosell, dessen Podcast bei Sportstalk 790 for Houston mit Lance Zierlein ich unter der Woche gehört habe.

Cosell sagt keinem der Quarterbacks in diesem Jahrgang die „Würdigkeit“ des Top-Draftpicks nach, schiebt aber auch ein, was nicht bedeuten muss, dass kein QB an #1 gezogen wird. Zu wichtig ist die Position. Zu oft wurden schon üblere Prospects ganz hoch oben gezogen, weil sie eben Quarterbacks waren (Paradebeispiel: Mark Sanchez, bei dem auch jeder wusste, dass das maximal ein Durchschnittsspieler war).

So schlimm ist das auch nicht, wenn die QBs nach oben gespült werden; es zeigt schlicht: Der Pass gewinnt in der NFL. Jeder weiß das bzw. sollte das wissen. Und bei 32 Teams ist es nicht möglich, für jede Mannschaft gleichzeitig einen richtig guten QB aufzutreiben, also gehen manche Mannschaften halt mal „all in“ und riskieren einen Griff nach einem potenziellen Flop.

Die Senior-QBs habe ich schon vor einem Monat im Eintrag über die Senior Bowl kurz vorgestellt. Heute der Blick auf drei aussichtsreiche Junior-QBs („Junior“ = erst drei Jahre aus der Highschool, hätte noch ein oder zwei Jahre College Football spielen können).


Johnny Manziel – laut Cosell ist Manziel ein see it, throw it Spielertyp, was nichts anderes heißt, als dass Manziel nicht antizipiert. Die großen QBs der Gegenwart wie Manning, Brady oder Rodgers sind meisterhaft darin, den Wurf schon anzubringen, wenn der Ballfänger noch nicht frei gelaufen ist, weil sie schlicht wissen, wo er im Moment sein wird, in dem der Ball den ihm zugedachten Raum am Spielfeld erreicht. Manziel zeigt diese Tendenz für Cosells Geschmack zu wenig.

Manziel soll zu ungeduldig sein. Sieht er nicht sofort das Bild vor sich, das er sehen möchte, ist er schnell versucht loszuscrambeln. So zumindest Cosells Gefühl nach dem ersten Videostudiums. Persönlich hatte ich im November ein anderes Bild von Manziel:

Schwierig zu sagen, wie die NFL auf Manziel reagiert.
Positiv ist auf alle Fälle, dass er sich vom Druck des Gegners nicht verunsichern lässt und sich sehr “sicher” in der Pocket bewegt. Manziel ist auch kein Scrambler in erster Linie, sondern versucht IMHO schon zuerst, den Ball zu werfen. Augen immer downfield gilt IMHO für Manziel wie für Bridgewater –> sehr positives Zeichen.
Weitere Pluspunkte könnten die enorme Improvisationsstärke sein; wenn Spielzüge zu kollabieren drohen ist Manziel am besten, und er ist zumindest im College-Football gegen die besten Defenses am besten bzw. nicht einzubremsen. Trotz der Tatsache, dass er der Alleinunterhalter seiner Aggies-Offense ist. Und er ist mit 21 extrem jung.
Zweifel wird die NFL sicher wegen der nur 1,80m anbringen. Wurfstil ist durchaus unorthodox, Flugbahnen sind ziemlich “eierig” und im Vergleich zu, sagen wir einem Cutler oder Stafford, richtige Bogenlampen. Das ist gewiss keine NFL-Spitzenklasse.

Keine Ahnung, wie der Mensch Manziel von der NFL aufgenommen wird. Im Team scheint er trotz seiner exponierten Stellung eine herausragende Stellung einzunehmen und beliebt zu sein. Gegen Alabama (?) am Spielfeldrand trieb Manziel seine Jungs z.B. richtig an – das ist ein Bild, das mir von Manziel immer bleiben wird, nachdem man bei einem Mensch mit so vielen Eskapaden eigentlich nicht erwartet, dass er sich 120% ins Zeug legt und auch bei quasi aussichtslosem Spielstand noch volle Tube reinhängt.

Also:
Prototypischer NFL-QB sieht eigentlich anders aus, aber wenn ein Tebow in der ersten Runde gehen konnte…

Cosell bescheinigt Manziel allerdings, dass er die meisten seiner Big-Plays als Werfer aus der Pocket machte, und nicht wie man vielleicht denken würde im Scrambling und Wurf im Lauf.

Cosell merkt allerdings auch an, dass die NFL-Coaches sich gut überlegen müssen, ob Manziels Improvisationsgeschick sich auf die NFL übertragen lässt bzw. in welcher Form. Ist ein Spielsystem mit einem Instinktspieler wie Manziel dauerhaft haltbar? Das Problem bei solchen Spielern war in der Vergangenheit, dass sie sich zu sehr auf ihre individuelle Klasse verließen, versuchten, aus dem System auszubrechen um auf eigene Faust Plays zu generieren – das ging manchmal mit spektakulärsten Plays und Spielen gut, aber auf Dauer war es doch weniger erfolgreich als bei den „langweiligen“ Maschinen wie Brady und Manning. Frag nach bei Michael Vick

Cosell nennt das im Podcast „wide variation“ in Manziels Spielanlage. Wie gesagt: Das erwies sich in den letzten Jahren oft als Problem. Auf der anderen Seite muss Manziel was draufhaben, so wie er quasi im Alleingang die best eingeschätzten Defenses des College-Football, jene aus der SEC, zerlegte.

Manziel wird bei der Combine übrigens nicht werfen.


Blake Bortles – Cosell ist nicht überschwänglich, wenn er über Bortles spricht („The more I watched him the more I thought there were some positives“). Some Positives. Naja. Laut Cosell ist Bortles kein großartiger Werfer, der dich baff hinterlässt und abspritzen lässt. Seine Wurfbewegung gilt als nicht lupenrein, denn Bortles stößt den Ball ein weniger anstatt ihn zu werfen. Das muss nicht unbedingt negativ sein: Philip Rivers hat eine ähnliche Anlage und war in San Diego jahrelang ein phänomenaler QB.

Cosell merkt an, dass Bortles näher am NFL-Prototyp ist als ein Manziel. Er ist ein Pocket-Passer, der aber mobil genug ist um einige rudimentäre Bootleg-Plays auszuführen. Bortles‘ Unerfahrenheit soll sich bemerkbar machen, aber er soll besser antizipieren als Manziel. Seine Fußarbeit soll aber noch sehr ungeschliffen sein und viel Arbeit brauchen – zu häufig wirft er ohne Gleichgewicht.

Das spricht dafür, dass Bortles einen erfahrenen QB-Coach braucht um nicht in hellen Flammen unterzugehen. Wie viele QB-Gurus sitzen in verantwortungsvollen Positionen als OffCoords oder Headcoaches in der NFL und haben aktuell dringendes QB-Need? Tampa Bay mit Jeff Tedford, dem Lehrmeister des Aaron Rodgers, und ansonst?

Klingt jedenfalls nicht völlig überragend für Bortles. Bortles wird in den Combine-Workouts wie Manziel nicht an den Wurftrainings teilnehmen, und es gibt Beobachter, die ihm nachsagen, damit seine Aktien zu verbessern (sic!). Wie gesagt: Noch habe ich Bortles‘ Kandidatur nicht ganz begriffen.


Teddy Bridgewater – für Cosell ist das zweifellos das QB-Prospect, das am weitesten in seiner Entwicklung ist. Er ist mobil genug und wirft einen gepflegten Ball. Sein Gefühl in der Pocket hat Cosell überzeugt. Kann sehr gut antizipieren, hat ein Gefühl, den Pass im rechten Moment anzubringen, traut sich, in enge Deckungen reinzuwerfen. Cosell lobt Bridgewaters pre snap“-Wissen, mit dem er schon am College die gegnerischen Safetys „manipulieren“ konnte. Er erinnert Cosell an Russell Wilson – das wäre eigentlich per Knopfdruck den Top-Pick wert.

Aber: Cosell erwartete, dass Bridgewater in der Combine nicht als größter QB ever gemessen wird, sprach etwas von ca. 1.84m Körperbau, was für einen Quarterback nicht überaus Gardemaß ist. Es muss kein Problem sein, aber gepaart mit seinem fragilen Körperbau und seinem sehr starken, aber nicht epischen Wurfarm könnte das Bridgewater vom Top-Pick runterbuchsieren.

Ich bin kein Scout, aber wenn ich von meiner Laien-Warte aus die Top-Anwärter miteinander vergleiche, ist Bridgewater für mich mit meilenweitem Abstand die sicherste Tüte. Ich schrieb schon oft darüber, dass mit das Selbstverständnis bei Bridgewater, sein Selbstvertrauen, auch tiefe Pässe anzubringen, sehr gefällt. Er lässt sich nicht vom Passrush beeindrucken. Er ist sehr smooth in seinen Bewegungen. Er ist kein Scrambler der ersten Güte, sondern versucht immer, zuerst den Pass anzubringen. Möglicherweise ist Bortles von seinen Bewegungen her sogar der bessere Scrambler als der Schwarze Bridgewater.


Cosell bestätigt diese meine Eindrücke aus den letzten zwei Jahren. Ich bin momentan davon überzeugt, dass es Bullshit wäre, Bortles ernsthaft in Bridgewaters Nähe zu schreiben. Bortles gilt momentan als möglicher Top-10 Pick, aber es gibt in keiner einzigen Beschreibung dieses QBs einen Anhaltspunkt, der dies rechtfertigen würde. Wenn du ihn spielen siehst, siehst du kein Indiz für einen sehr hohen Pick. Aber Bortles hat die Schnitte an seiner Seite, er hat das Grinsen für die Werbung, er taugt womöglich medial zumindest für einige Wochen dazu, als eine Art dark horse Gegenspieler für Teddy Bridgewater aufzubauen.

Oder sehe ich Bortles zu negativ? Als nächstes gilt es, Mike Mayocks Meinungen während der Combine aufzusaugen.

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9 Kommentare zu “Quarterbacks vor der Combine 2014

  1. Ich denke, dass – paradoxerweise – Bridgewater gerade weil er mehr der klassischere QB ist hinter einen oder beide der anderen zurückfallen könnte. Mit dem Hype um Wilson, Kaepernick & Co. könnten sich Teams versucht sehen QBs schlechter zu bewerten, die keine besonderen Scrambler-Fähigkeiten haben. Der aktuelle Trend scheint jedenfalls in diese Richtung zu gehen.

    Latenter Schwachsinn in meinen Augen (Manning hat die SB nicht verloren weil der zu wenig mobil war und es aktuell kaum einen unmobileren QB als ihn und Wilson hat sie nicht auf Grund seiner Mobilität gewonnen) aber könnte ein Faktor sein.

  2. Bridgewater ist für meine Begriffe sogar ein sehr, sehr guter Scrambler. Er zeigt es nur selten, weil er tendenziell bis zum allerletzten Moment in der Pocket zu bleiben versucht.

    Der Vergleich mag überspitzt sein, aber es klingt für mich momentan ein bissl wie RG3 vs Luck: Bridgewater durchaus als mobilerer Spieler, aber Bortles (wie Luck) hat ein recht gutes Gefühl, wann er loslaufen sollte. Die besten Scrambler müssen ja nicht unbedingt die schnellsten Sprinter sein.

  3. Jo, ich muss sagen ich schau viel zu wenig College Football um das beurteilen zu können. Kann hier nur die Meinungen einordnen/nachreden. Btw und falls du die Site nicht kennst: Walterfootball(.com) ist in meinen Augen auch eine ziemlich gute Quelle für Draft & Co.

  4. Re: Walterfootball
    Kenne ich. Walterfootball ist in etwa so wie z.B. ich und einige weitere Footballinteressierte, die sich hier und in anderen Foren tummeln und sich für College-Football begeistern können.

    Vom reinen Scouting kommt aber nicht viel rüber. Sehr viele Allgemeinplätzchen, viel Aggregiertes von anderen Websites und wenn ein Mayock, Broaddus oder Cosell die Richtung vorgeben, ziehen Walterfootball und etliche andere Draftseiten dieser Güteklasse mit ein paar Tagen Verzögerung nach (immer mit ein paar Ausnahmen).

    Ich finde die Seite recht nett zum Einsteigen und im Sommer mal nachzuschauen, was denn da für Prospects für 2015 interessant sein könnten um darüber zu schreiben, aber das war’s dann auch schon. Für Details ist z.B. ein Scouting-Report wie derjenige von Matt Waldman zu Teddy Bridgewater schon ein ganz anderes Kaliber.

  5. Kann hier nur die Meinungen einordnen/nachreden.

    Ich auch. Ich hoffe, das kam im Eingang richtig rüber, dass ich hier hauptsächlich von Cosell Gehörtes transkribiert habe. Ein paar eigene Eindrücke zu Manziel und Bridgewater könnten auch von mir kommen, aber im Ernstfall weiß man hoffentlich, wem man eher Glauben schenken sollte.

  6. Stimme dir was Waldmann und Walterfootball betrifft absolut zu. Wo man bei CBS aufpassen muss, erts wenn in deren Big Board der Prospect Blau und somit mit einem Link zum Scouting Report versehen ist, ist die Bewertung ernst zu nehmen vorher nicht. Die aktualisieren auch in sehr unregelmäßigen Abständen ihr Bog Board.

    Wakdmann ist großartig, der Rest ist Geschmackssache, aber man merkt eigentlich schnell wer seine Hausaufgaben macht (ergo Tape vomn spieler gesehen hat) und wer das weniger tut.

    Was die Quarterbacks betrifft, Bridgewaters Mobilität ist imo Unterschätzt ich hab keine Ahnung, warum der so in der Wahrnung droppt. Ist jetzt auch mit 6’2“ vermessen worden. Somit alles im grünen Bereich.

  7. Warum gibt es eigentlich solche Überraschungen beim Körpergröße vermessen? Sind die noch im Wachstum? Wobei Manziel ja jetzt für zu klein befunden wurde.

  8. Viele Colleges packen auf ihren offiziellen Listen immer gerne ein oder zwei Zoll obendrauf, in der Hoffnung, dass ihre Gegner beim Betrachten der Listen eingeschüchtert sind oder irgendwie sowas. Generell geht man davon aus, dass die Spieler etwas kleiner sind, als angegeben. Da war es schon fast überraschend, dass Bridgewater genau so groß ist, wie es von Louisville angegeben wurde.

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