Sektion „CU in January“ im Rückspiegel

Nächster Teil der Rückschau auf meine Saison-Vorschau mit den Teams aus dem oberen NFL-Mittelfeld, denen ich durchaus den Sprung in die Playoffs zugetraut hatte. Vier von diesen acht Teams hatte ich in den Playoffs erwartet. Daher taufte ich sie die CU in January Fraktion.

Chicago Bears

Division   NFC North
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Zweiter (8-8)

Ich schrieb:

Ein wunder Punkt, der sich aufmachen könnte: Die Defense. Über viele Jahre hatten die Chicago Bears die einzige verbliebene „echte“ Tampa-2 Defense, die zwar einiges an Yards kassierte (2012 war es allerdings super: 5.4 NY/A im Passspiel, #3), aber doch erstaunlich konstant ihre Turnovers forcierte. Das wird nun neu. Es wird nicht alles umgestellt, aber der DefCoord ist mit Mel Tucker neu.

Skeptisch machen zwei Dinge: Wie bringt man eine Defense voller Veteranen, die nie etwas anderes gesehen hat als die Tampa-2 dazu, sich auf ihre alten Tage neu einzustellen? Ich meine, Chicago war nie dafür gebaut, die besten Yards/Play-Statistiken zu haben. Wenn diese kamen, dann waren sie Produkt einer großartigen Spielergeneration um Legenden wie Urlacher (trat im Winter zurück), Peppers (ist mittlerweile 34) oder Briggs auf dem Zenit. Vielmehr ging es immer darum, möglichst viele Turnovers zu forcieren. Da muss ein Umdenkprozess her.

Und zweitens: Was passiert, wenn die Regression zur Mitte zuschlägt und Chicago plötzlich nicht mehr als #3 der Adjusted Games Lost-Liste geführt wird? Die Tiefe hinter den Startern ist insbesondere in der Offense und im Linebacker-Corp quasi inexistent. Chicago ist 1-2 Verletzungen auf wichtigen Positionen vom schnellen Aus entfernt. Und Chicagos Kader wird nicht jünger, insbesondere nicht in der Defense. Älterer Kader = höhere Verletzungswahrscheinlichkeit = höheres Katastrophenpotenzial.

Es sind diese kleinen Zweifel, die in der knackigen NFC reichen, die Chicago Bears (!) nur als Playoff-Wackelkandidat einzustufen, obwohl ich kein Jota überrascht wäre, wenn diese Mannschaft in die Playoffs durchmarschiert. In der AFC wäre man wahrscheinlich aber als dritt- oder viertbeste Mannschaft ein todsicherer Qualifikant.

Eher untypische Bears-Saison 2013: Man hatte eine der besten Offenses, dafür auch eine der schlechtesten Defenses. Für den ersten Teil wurde HC Trestman verpflichtet – insofern: Job erfüllt. Dass die Defense aber ein derartiger Trümmerhaufen werden würde – Alter und Verletzungen zum Trotz – das hatte man nicht unbedingt erwartet. Trotzdem war es ein recht okayes Einstandsjahr für Trestman, dessen Bears optimistisch in die Zukunft blicken können.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Defense war eine Katastrophe, vielleicht noch schlechter als befürchtet. Geringe Kadertiefe – nach den ersten Verletzungen von Startern kollabierte die Lauf-Defense komplett. Das Katastrophenpotenzial wurde gänzlich ausgeschöpft.

Was traf nicht ein? Trestman limitierte sich nicht auf West Coast Offense. Er zimmerte seinen QBs passende GamePlans zusammen für eine der besten Offenses der NFL.

Atlanta Falcons

Division   NFC South
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (4-12)

Ich schrieb:

Ryan und sein Wundertrio zerlegten schon 2012/13 viele Defenses, darunter auch Topdefenses wie San Francisco, nahezu im Alleingang ohne Laufspielunterstützung (7.1 NY/A im Passspiel, #4 der Liga). Weil das Problem des fußlahmen Ground-Games an Atlantas Front-Office und dem einfallsreichen OffCoord Dirk Koetter nicht vorbeiging, wurde mit RB Steven Jackson aus St Louis ein echtes, komplettes Arbeitstier eingekauft. Jackson ist mit bald 30 nicht mehr der Jüngste und er hatte oft Zipperlein in seiner Karriere, aber selbst ein 80%iger Jackson ist ein Upgrade gegenüber dem zuletzt komplett verbrauchten Michael Turner (ATL-Laufspiel 2012: #28). Jackson und sein wieselflinker Backup JaQuizz Rodgers sind auch gute Ballfänger, aber was bleibt, ist die bange Frage: Wo ist die Depth im Receiver-Chart?

Das zu Atlantas Stärken. Schauen wir uns die fraglicheren Punkte an. Offensive Line? Gut, aber zumindest auf Guard und Center verbesserungswürdig. Was aus dem RT-Platz wird, ist mir nach Clabos Abgang noch schleiferhaft. Generell versprühte Atlantas Schutzwalle nie richtige physische Dominanz. In der NFC South mit ihren eher soften Defenses mag das gut gehen, aber wenn die Juggernauts wie San Francisco, Arizona (well…) oder Detroit anrollen?

[…]

Atlanta hat einen heftigen Schedule: Die NFC South ist mit ihren Offensivgiganten nicht ohne, dazu gesellen sich vier Partien gegen die happige NFC West und vier gegen die weniger brutale AFC East. Ach, und Spiele gegen Washington und Green Bay. GM Dimitroff hat einen soliden Kader zusammengestellt, aber ich zweifle, ob das diesmal reicht. Man war letztes Jahr nicht weit vom Superbowl entfernt, aber es musste vieles richtig laufen, dass es überhaupt soweit kam. Ich fürchte, dass diesmal mehr als ein 4th Down fehlen wird: Schon in der NFC South sehe ich andere Teams vorn… leider. Ich drücke Mike Smith aber trotzdem weiterhin die Daumen. Ich liebe diesen Coach (rein platonisch, natürlich).

Die Saison lief von Anfang an nicht so wie gewohnt: Die Meister der knappen Spiele – die Falcons – verloren gleich mal eine enge Partie zum Auftakt gegen New Orleans und kollabierten in der Folge an Verletzungspech und übel besetzten Offensive und Defensive Lines. Es gab null Laufspiel im Angriff, und „hinten“ konnte man über Atlanta drüberwerfen als sei es das Einfachste der Welt. Resultat: Der sechste Draftpick für eine der besten Mannschaften der letzten Jahre. Aber hey! Ich hatte ihnen ja schließlich den letzten Platz in der Division prognostiziert.

Was aus der Vorschau traf ein? Atlanta wurde Divisions-Letzter. Zwar nicht mit der Bilanz, die ich erwartet hatte, aber ich wusste schon immer: Sie werden Letzter! Steven Jackson hatte seine gewohnten Zipperlein. Die Frage nach der Depth im WR-Chart wurde auch klar beantwortet („non-existent“). Die Offense Line war so schlecht wie erwartet – eigentlich sogar noch schlechter. Passrush war das erwartete Fremdwort – das Defensive Backfield wurde wie befürchtet abgefackelt.

Was traf nicht ein? Matt Ryan mag einen guten Support-Cast haben, aber der war 2013 überwiegend verletzt draußen. Dass es so schlimm werden würde, konnte man allerdings nicht unbedingt mit Sicherheit prophezeien. Zumindest einer der beiden Rookie-CBs (Trufant) soll eine gute Rookiesaison in der Secondary gespielt haben.

Kansas City Chiefs

Division   AFC West
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Zweiter (11-5)

Ich schrieb:

Das schlechteste Team der Saison 2012/13 gilt in diesem Sommer als Sleeper-Kandidat, und das aus guten Gründen: Die Chiefs gingen ihre beiden größten Schwachstellen (Coach und Quarterback) an, und verfügen über einen insgesamt relativ soliden Kader mit mehreren Pro Bowlern.

Erste und wichtigste Neuerung ist Head Coach Andy Reid aus Philadelphia. Das Gute mit Reid: Fast eineinhalb Jahrzehnte Nachweis, wie man eine auf Jahre erfolgreiche Franchise bauen und führen kann. Reid ist ein Offensivgeist, der es versteht, einen flüssigen Pass spielen zu lassen. Das Fragliche: Reid wirkte zuletzt ausgelutscht, um nicht zu sagen angebrannt. Wie viel Energie kann Andy Reid noch aufbringen?

Quasi die erste echte Amtshandlung war der Einkauf von QB Alex Smith aus San Francisco. Alle bescheinigen Smith, mittlerweile recht gut im Vermeiden von Fehlern zu sein (INT-Ratio 2.3% ist okay). Das war’s zwar auch schon, da sich Smiths “Quarterbacking” durch ängstliche Checkdowns und wenige Yards/Passversuch auszeichnet, aber ein Alex Smith ist immer noch zwei Klassen besser als alle QB-Optionen, die die Chiefs in den letzten zwei Jahren hatten. Mit Smith kannste deine Offense diametral anders anlegen, weil der Gegner zumindest die Möglichkeit eines Passspielzugs in Betracht ziehen muss. Das heißt dann auch: Viel weniger RRPP (run-run-pass-punt), viel weniger lange 3rd Downs. Fazit: Mega-Upgrade. Das ist Rostlaube aus den 50ern gegen FIAT Punto.

Schauen wir etwas tiefer rein in die Glaskugel: Kansas City hatte letztes Jahr eine Turnover-Bilanz von -24; das schreit so stark nach Regression, dass ich meinen Radio leiser stellen musste. Auf der anderen Seite waren auch die Effizienz-Stats mit guter Vorhersage-Qualität schwach genug, dass die Chiefs das Power-Ranking auf Rang 31 abschlossen. Pythagorean auf #32 (2.5 Siege). Quintessenz: Die Chiefs 2012/13 waren krasse Pechvögel, aber sie waren auch krass schlecht. Trotz einiger guter Einzelspieler: 2-14 in einer schwachen Division ist schon Kakao.

Das Gute: Dieselbe schwache Division garantiert schon qua Existenz mehr als zwei Siege in diesem Herbst. Unvermeidlich.

[…]

Potenzial ist in fast allen Mannschaftsteilen der Chiefs da. Das erwartet man auch von einer Mannschaft, die seit Jahren ständig in den Top-5 pickt. Irgendwo erinnern die Chiefs an die 49ers vor wenigen Jahren: Jedes Jahr ein dark horse, aber durch inexistente Quarterbacks und katastrophales Coaching selbst in einer schlechten Division nur ein Mitläufer. Jetzt ist wie damals in Frisco ein neuer Coach mit gutem Resümee da. Okay, der Quarterback ist in K.C. jetzt derselbe wie der, der in Frisco einst alles zurück hielt. Aber eine ordentliche Verbesserung der Siegbilanz riecht man zehn Meter gegen den Wind.

Ich sage nicht, dass die Chiefs besser sind als die Baltimore Ravens. Aber man vergleiche mal den Spielplan der Ravens (6x AFC North, 4x AFC East, 4x NFC North, Houston, @Denver) mit jenem der Chiefs (6x AFC West, 4x AFC South, 4x NFC East, @Buffalo, Cleveland). Das sind Welten. Das sind drei geschenkte Siege allein per Schedule.

Man kann den Chiefs trotz aller positiv stimmender Vorzeichen natürlich so viel misstrauen wie man will. Ich bin auch nicht vollends überzeugt. Aber wenn dieses Jahr ein Grottenteam im Gesamtpaket mit Spielplan und Personal-Upgrades besser aufgestellt ist, um die Colts 2012 zu imitieren, dann zeige man mir dieses bitte.

Nach dem Schrecken ohne Ende folgte das Ende mit Schrecken für die Chiefs: Auf eine saure 2-14 Saison kamen die Playoffs mit 28pts-Führung gegen Indianapolis – nur um das noch zu vergeigen und auszuscheiden. Trotzdem war es eine ordentliche Saison für die Chiefs, die zwar von einem ulkigen Schedule profitierten, aber immerhin auch ihre Eigenfehler soweit minimierten, dass man die 11-5 Bilanz schon in Teilen zu „aus eigener Kraft“ zuordnen kann.

Was aus der Vorschau traf ein? Playoffs für die Chiefs. Allein Andy Reid war ein monströses Upgrade. Turnover-bilanz von -24 ging enorm nach oben auf +18! Das ist keine Regression zur Mitte mehr. Das sind acht von neun Siegen Differenz zum Vorjahr in einer einzigen Zahl erklärt. 42 Turnovers Unterschied – sowas kannst du selbst in deinen kühnsten Träumen nicht prognostizieren. Aber dass die Turnover-Bilanz besser werden würde, war sonnenklar. Jamaal Charles war sagenhaft. Alex Smith vermied die Turnovers und spielte wie Alex Smith. Die Defense war wie erwartet wieder ins Lot gerückt. Die Linebackers gehörten zum besten der NFL. LB Houston hatte seinen Durchbruch. Der Schedule war lächerlich.

Ich lese aus der Vorschau auch heraus, dass ich den 49ers-Vergleich schon vor der Saison angestrebt hatte. Der ist komplett eingetroffen.

Was traf nicht ein? WR Bowe war eine Enttäuschung. Die Chiefs waren besser als die Ravens.

Pittsburgh Steelers

Division   AFC North
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Zweiter (8-8)

Ich schrieb:

Von den Steelers scheint diesmal niemand besondere Dinge zu erwarten, aber ich weigere mich, diesen Laden abzuschreiben. Zum ersten: DefCoord Dick LeBeau ist immer noch am Werkeln. Zum zweiten: Headcoach Mike Tomlin hält den Laden mit ruhiger Hand zusammen. Drittens: Roethlisberger. Viertens: Die Chemie zwischen Roethlisberger und seinem OffCoord Todd Haley, einem ehemaligen Ballbuben bei Pittsburgh, scheint sich verbessert zu haben.

[…]

Pittsburgh ist für mich ein Faktor in der AFC. Die Defense würde ich nie abschreiben (nach meinem Ranking immer noch #4 letztes Jahr), Roethlisberger ist immer noch ein Super-QB und kaum vom Feld zu prügeln (und dieses Jahr auch besser geschützt) und in der AFC sehe ich nur wenige deutlich besser aufgestellte Teams. Der größte Superbowl-Favorit ist Pittsburgh freilich nicht, aber zumindest eine Wildcard sehe ich durchaus nach Pittsburgh gehen.

Die Steelers waren erstaunlich mittelmäßig, aber niemals ungefährlich. Ihre Lauf-Offense war der große Hemmschuh, aber ansonsten war man überall in den Leistungskategorien vorn dabei… außer der einen: Defensive-Interceptions, wo Pittsburgh erstaunlicherweise seit einigen Jahren am untersten Ende der NFL liegt. „Blitzburgh“ fängt keine Turnovers mehr ab. Deswegen flog man letztendlich wohl auch raus aus den Playoffs. Die Steelers starteten mit 0-4 Siegen (0-2 in engen Spielen), und in keinem einzigen Spiel konnte Pittsburgh auch nur einen Turnover mit der Defense generieren (Vergleich: Die Offense hatte in den vier Spielen elf Turnovers). Da ist es dann auch nicht mehr heikel, wie die Mannschaft rundherum spielt.

Was an der Vorschau traf ein? Roethlisberger hatte ein weiteres bockstarkes Jahr. Die Offense Line war trotz Verletzungspech durchaus okay (PFF-Wertung #18). Der Abgang des WR Wallace sowie der lange Verletzungsausfall von TE Miller waren durchaus die erwarteten Killer.

Was traf nicht ein? Erste Risse an der Legende des DefCoords LeBeau taten sich auf. Auch Mike Tomlin hatte kein gutes „in-Game“ Jahr und kassierte mehr Strafen als er Penaltys gewann. WR Antonio Browns Saison wurde durchaus viel positiver bewertet als ich es im Sommer erwartet gehabt hatte. Rookie-WR Wheaton hatte null Einfluss dieses Jahr. Steelers-Laufspiel war deutlich schlechter als befürchtet. Defense Line war eine Spur weniger stark als erwartet. Und schließlich: Keine Playoffs für die Steelers – aber es war knapp. Wenn der Chiefs-Kicker versenkt, sind die Steelers drin.

New Orleans Saints

Division   NFC South
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Zweiter (11-5)

Ich schrieb:

Die Saints haben eigentlich das Look’n’Feel eines Rebuilding-Teams, aber sie verhalten sich nicht so, und das hat einen Grund: QB Drew Brees, mittlerweile weit jenseits der 30 und mit einem nicht mehr unendlich weit offenen Erfolgsfenster. Brees ist eine NFL-Allzeitgröße, eine unkonventionelle Erfolgsgeschichte, weil er als sehr speziell, weil schmächtig, gebauter Spieler gleich in zwei Franchises gigantische Statistiken und Erfolge hatte, und die Saints wären Idioten, würden sie die letzten drei produktiven Jahre von Brees dem Neuaufbau opfern.

[…]

Ich zuckte lange und wollte die Saints in die Playoffs schreiben. Wenn der Kern halbwegs gesund durch die Saison kommt, halte ich bis elf, zwölf Saisonsiegen für möglich. Eine Mannschaft, die vor zwei Jahren mit fast deckungsgleichem Personal vielleicht die beste Mannschaft der Saison gestellt hatte, muss noch was auf dem Kasten haben. Wenn die Offense ihren Level halbwegs hält und die Defense wenigstens zwei Buchstaben ihres Namens verdient, ist mit New Orleans zu rechnen. Aber es gibt drei Teams, denen ich eher die beiden Wildcards zutraue.

Eine Saison der Marke Regression zur Mitte (bzw. nach oben) für die Saints, die 2012 weit unter ihren Erwartungen geblieben waren und aufgrund einer bodenlos schwachen Defense die Plyaoffs verpassten. Die Defense musste fast per Knopfdruck besser werden – und sie tat es. Sie war dann auch noch besser als Mittelmaß; sie war eine der besten des Jahres. Die Saints beendeten die Saison mit 11-5 Siegen und dem zweiten Platz im Power-Ranking. Sie waren einen Freak-Drive der Panthers vom Divisionssieg entfernt. Sie putzten die Eagles in einem eiskalten Auswärtsspiel. Aber am Ende vermiesen die beiden leblosen Pleiten gegen die Megamannschaft in Seattle das Gesamtbild der Saints 2013/14 vielleicht mehr, als es dieses Team verdient hat.

Ein Punkt, zu dem ich noch stehe: Vielleicht ein strittiger Punkt, aber: Rebuilding-Team. Dieses Team hat noch immer diesen look’n’feel. Die Saints sind viele Millionen über der Salary-Cap und der Kader müsste eigentlich gesprengt werden, aber weil man dann die letzten Jahre Brees verliert, kannst du das nicht machen. So heißt es wursteln.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Offense war so gut wie erwartet, das LT-Problem inklusive (und darauf scheißend). Safety Vaccaro war eine immens wichtige Neuverpflichtung, deren Bedeutung man erst im All-22 Tape zur Gänze erfassen kann.

Was traf nicht ein? Der Passrush war kein allzu großes Problem (49 Sacks). Mitverantwortlich dafür waren Jungs wie DL Cam Jordan, die ihren Durchbruch schafften. Sonst eigentlich nur noch, dass die Saints die Playoffs doch erreichten. Zwar wie erwartet hinter den Panthers, aber leistungsmäßig waren sie quer durch die Bank einen Tick besser als angenommen.

Carolina Panthers

Division   NFC South
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Erster (12-4)

Ich schrieb:

Das erste ist eines der Freak-Teams des letzten Jahres, die Carolina Panthers,  zwischendurch mit 2-8 Bilanz zum selben Zeitpunkt, als sie in meinem Power-Ranking auf #5 gereiht waren. Was nach gigantischem WTF?-Moment klingt, war einfach zu erklären: Carolina hatte eine der besten Passoffenses der Liga (7.0 NY/A, #6), verlor aber gegen einen knüppelharten Schedule reihenweise knappe Spiele, teilweise eigenverschuldet durch horrende Coaching-Entscheidungen.

Prompt beendeten die Panthers danach aber das Jahr mit fünf Siegen in sechs Spielen und einer 7-9 Bilanz (4-7 in engen Spielen), und gelten nun auch unter Studiopundits als potenzieller Sleeper.

Es ist nicht schwierig, die Panthers zu hypen. Die Advanced-Metrics sind das eine: Pass-Offense, die unter QB Cameron Newton in beiden Jahren in den Top-10 war. Lauf-Offense, zwar mit hoffnungslos überteuerten Runningbacks, aber auch mit einer der besten Success-Rates in der NFL (44.4%, #9). Eine Defense, die auf wichtigen Positionen verstärkt wurde. Schwache Vorjahresbilanz in engen Spielen. Pythagorean 2012 von 0.8 Spielen unter Wert.

Auf der anderen Seiten spielen die Panthers in der NFC South, der potenziell offensivgewaltigsten Division, und haben auch 2013 einen den schwersten Schedules zu bestreiten.

Carolinas erster großer Schwachpunkt in der Defensive Line, die Tackle-Positionen, wurde via Draft relativ aggressiv angegangen mit 1st und 2nd Round-Picks (Star Lotulelei, Kawann Short). Die Ends mit Johnson und Hardy sind keine Weltstars, aber grundsolide Arbeiter. Dahinter operiert mit LB Luke Kuechly der amtierende Defensiv-Rookie des Jahres. Einzig das Defensive Backfield war schon immer eine Schwäche, und ist, kaum verstärkt, sondern gar geschwächt durch Chris Gambles Rücktritt, diesmal eine echte Sollbruchstelle.

[…]

Carolina ist trotzdem viel näher an den Playoffs dran als man meinen möchte. Die Panthers waren eines der Teams schlechthin von 2012, über das man nix wusste, höchstens, dass Head Coach Rivera ein Schisshase war, der keinerlei Gefühl für die Wahrscheinlichkeiten in 4th Downs und „Clutch“-Situationen besitzt. Ein Coach kann in der Hitze des Gefechts nicht alle Entscheidungen richtig treffen, aber 100% Fehlentscheidungen? No way. Rivera macht mir Angst. Ich wette, der Mann macht grandiose Trainings- und Vorbereitungsarbeit, ansonsten hätte er nicht aus einem Trümmerhaufen innerhalb kürzester Zeit einen wettbewerbsfähigen erweiterten Titelkandidaten gemacht. Nur allzu schade, dass seine Entscheidungen an der Seitenlinie so viels kaputt machten.

Ich bezweifle, dass Rivera sich komplett geändert hat. Der Mensch ändert sein Naturell nicht über Nacht. Manche ändern sich nie. Aber vielleicht, vielleicht hat Rivera doch Wind davon bekommen, dass es eine Spur weniger Konservativismus tut um die zwei, drei engen Spiele mehr zu gewinnen, die dann für die Playoffs und Anerkennung reichen.

Das Phänomen Rivera muss ich nicht nochmal erklären. Es hievte die Panthers im Alleingang auf den #2-Seed der NFC, jenen Seed, den sie eigentlich schon 2012 hätten erobern müssen. Rivera war die ganz große Story der Saison. Wir wissen, warum. Aber auch die Panther-Moves in der Offseason erwiesen sich als – wie erwartet – genau die richtigen.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Moves in der Defense Line erwiesen sich als die erwarteten Glücksgriffe. Die Panthers gewannen wie erwartet die Spiele ab dem Moment, ab dem Rivera die Hosen endlich (endlich!) runterließ – und sie gewannen sie im Dutzend. Der WR-Corp war eine Einmannshow, aber das war allen klar.

Was traf nicht ein? Rivera war der einzige Grund, weswegen ich den Panthers den Status eines Titelmitfavoriten entzogen hatte und sie am Ende knapp aus den Playoffs gesehen hatte. Ich hatte diesen Geisteswandel ganz einfach nicht kommen sehen. Niemand konnte ihn kommen sehen. Wenige Menschen ändern ihre Grundhaltung so stark über Nacht wie Rivera (für wie lange, wird sich zeigen). Dafür, dass ich Rivera für eine derartige Pfeife in Mathletics mit wenig Hoffnung auf Besserung gehalten hatte, bewertete ich die Panthers in der Retrospektive vielleicht sogar ein bissl zu gut, was das rein Sportliche (also die Effizienz-Stats) anging. Denn: Die Panthers-Passoffense war dieses Jahr marginaler als erwartet.

Generell waren die Panthers einfach vorherzusagen: Sie würden extrem gut sein, aber sie würden es nur dann in Siege ummünzen können, wenn sich der Headcoach ändert. Dass der sich ändern würde, war äußerst unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Am Ende zeigte sich: Unwahrscheinlich ≠ unmöglich.

Detroit Lions

Division   NFC North
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Dritter (7-9)

Ich schrieb:

Ein anderer gigantische Sleeper spielt in der Motown Detroit, und er bekam auf diesem Blog stets seine Präsenz, was aber vor allem an der Gesinnung des Autors liegt. Die Detroit Lions waren letztes Jahr eine Enttäuschung, keine Frage. 4-12 ist ein Jahr nach einer Playoff-Qualifikation zu wenig, aber man vergesse die Umstände nicht: 2.4 Spiele unter der Pythagoreischen Erwartung, zumindest durchschnittliches Team, fassungslose 3-9 Bilanz in engen Spielen. Ich schrieb letztes Jahr über die Minnesota Vikings, dass eine 2-9 Bilanz in engen Spielen (die die Vikes 2011 hatten) hausgemacht ist für eine Regression zur Mitte. Prompt marschierten die Vikes in die Playoffs. Bilanz in engen Spielen 2012: 5-1. Nuff said.

Freilich kann man nicht drauf bauen, dass sich die engen Spiele wenden, schon gar nicht um 180°. Das generische NFL-Team schafft über einen langen Zeitraum .500 in engen Spielen, und alles drüber oder drunter kann zum beträchtlichen Teil dem Zufall zugeschrieben werden, und wir werden einen Teufel tun, den Zufall zu prognostizieren. (und ganz ehrlich: Ich würde den Lesern den Spaß am Spiel verderben)

Detroit hat Potenzial für Großes im Kader, und wenn die Elemente einrasten und „klick“ machen, sind auch 13, 14 Siege denkbar. Really. Alles, was es dazu braucht, ist etwas Verletzungsglück (nicht so wie 2012, als man #24 der Adjusted Games Lost-Liste war mit 81.5 verpassten Adjusted-Games), etwas weniger Fehleranfälligkeit der eigenen Offense (2012: 30 Turnovers), die eine oder andere besser getimte Interception in der Defense (2012: nur 16 Turnovers erzwungen) und etwas Fumble-Glück. 2012 war dort unglaublich unglücklich: Nur 4/17 der Offense-Fumbles und 5/16 der Defense-Fumbles wurden erobert. Das sind in Summe 27.3%. Fumbles sind Münzwürfe, ergo ist es wahrscheinlich, dass Regression zur Mitte auch hier zuschlägt.

Ach, und es braucht noch eine Prise guter Entscheidungen des Head Coaches Jim Schwartz. Schwartz‘ Ruf als „Number’s Guy“ und Pragmatiker bekam letztes Jahr nicht bloß eine Delle. Die Kratzer wurden jede Woche mehr, und Schwartz steht mittlerweile komplett auf dem Prüfstand: Ist er wirklich so instinktgetrieben oder spürte da letztes Jahr bloß ein junger Trainer zum ersten Mal echten Gegenwind und wurde nervös? Die Entscheidungen bewegten sich jedenfalls auf Rivera-Niveau. Auf Basis seiner Vergangenheit gebe ich Schwartz einen letzten Kredit und vertraue auf seinen Verstand.

[…]

Ich schrieb oben was von gewaltigem Potenzial. Das haben viele andere Mannschaften auch, aber nur wenige erreichen es konstant. Die Lions haben trotz aller Zeichen, dass sie ein dark horse sind, ausreichend Fragezeichen, dass schon alle Würfel genau an den richtigen Ort führen müssen, um das Potenzial auszuschöpfen. Daran glaube ich nicht. Der Herbst 2012 war in Sachen Eigenfehler und Schlampigkeiten so sehr Radio Punxatawney, dass man versucht ist, eine kulturell verankerte Problematik zu wittern. Das schlimme Vertragsmanagement von GM Martin Mayhew trägt das seinige dazu bei, dass sich diese Eindrücke verfestigen.

Somit sind die Lions für mich rational betrachtet immerhin erster Anwärter auf den letzten Wildcard-Platz, sofern sie nicht durch irgendeine Freakgeschichte die Packers vom Thron der NFC North stoßen können: Der Schedule ist hart, aber machbar.

So viel Talent wie Detroit der letzten Jahre verschwendete zuletzt der FC Arsenal Mitte des letzten Jahrzehnts, als man es trotz epischer Größen wie Vieira, Henry oder Jens Lehmann (just kidding) nicht schaffte, die Fußballwelt angemessen zu dominieren (invincibles war nicht das „Ceiling“, sondern hätte die Norm sein sollen). So weit sollte man bei den Lions vielleicht nicht gehen, aber ganz ehrlich: Ein 7-9 ist schon ein etwas enttäuschender Output für einen Kader, der locker zehn Siege wert sein müsste. Er wäre es auch gewesen, wenn man sich nicht beständig durch Eigenfehler ins Knie geschossen hätte. Wenn die Eigenfehler aber in Serie gehen und sich Glücksschützen wie Tucker dazu mischen, ist es um dich geschehen: Sechs der neun Pleiten waren innerhalb eines Scores. Dass es Detroit nie schaffte, sein Potenzial zu erspielen und sich sogar vielmehr im Gegenzug eher selbst kaputt machte, ist die größte Verfehlung vom gescheiterten Head Coach Jim Schwartz und führte letztlich zur logischen Konsequenz: Seiner Entlassung.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Lions wanderten teilweise gen Mitte, was die Zufälle anging. Sie waren weniger „unglücklich“ als noch 2012: Mehr erzwungene Turnovers, mehr Fumble-Glück. Mehr Siege. Die Defense Line war mal wieder die Stärke einer lange Zeit sehr ordentlichen Defense, die trotz der überholten Schemen von DefCoord Cunningham ihre Zahlen lieferte.

Was traf nicht ein? Keine Playoffs. Kein Potenzial einer 13-Siege Mannschaft, aber wie gesagt: 10 hätten es sein müssen, rein vom Leistungsvermögen. Schwartz verspielte den letzten Kredit, zeigte Mathletics-Kompatibilität erneut nur in sehr begrenzter Dosierung. Das WR-Potenzial um Calvin Johnson herum erwies sich aus verschiedenen Gründen (Verletzungen, Stagnation) als nicht NFL-tauglich – wider Erwarten. Die potenzielle Sollbruchstelle Offense Tackle tat sich nie auf.

New York Giants

Division   NFC East
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Dritter (7-9)

Ich schrieb:

Die Giants waren zuletzt zweimal en suite ein 9-7 Team. Der Unterschied: 2011 kam man auf den letzten Drücker in die Playoffs und gewann danach überraschend die Super Bowl. 2012 verpasste man die Playoffs, weil die Würfel nicht so günstig fielen. Man kann sogar argumentieren, dass die Giants von 2012 besser waren als die Giants von 2011. Dafür sprechen würde ein sehr viel besseres Punkteverhältnis (2011 war man der erste Superbowlchamp mit negativem Punktverhältnis, 2012 hatte man dagegen die Pythagoreische Erwartung eines 10-6 Teams).

2013 gehen die Giants wieder als Favorit in der NFC East ins Rennen, aber man darf sich ruhig fragen, ob die Qualität im Kader ausreicht, um erneut den ganzen Weg ins Endspiel zu gehen. Für die Giants spricht der Fakt, dass man auch letztes Jahr eine qualitativ gute Offense hatte, die nach Drives die zweitmeisten Punkte der NFL erzielte. Dagegen spricht: New York hatte die bei weitem beste Starting Field Position (31yds-Line) in der NFL – ein Wert, der sich relativ schwankend verhält.

[…]

Ein Knackpunkt bei New York 2013: Der Schedule. Unter Coughlin ist man bekannt als Schnellstarter, aber diesmal geht es los mit @Dallas, Denver, @Carolina: Ist ein 0-3 Start völlig ausgeschlossen? Freilich kannste aber auch mit einem Auswärtssieg in Dallas am Sonntagabend gleich mal den Ton in der Division vorgeben. Der Schedule ist in der Saisonmitte besser, aber am Ende kommen noch mal ein paar Kracher. Realistisch gesehen kann man von den Giants einen Divisionssieg und den vierten Seed in der NFC erwarten. Die Giants sind nicht das viertbeste Team der Conference, aber sie spielen diesmal in einer günstigen Division.

Die Giants waren diesmal ein 7-9 Team, das aber keiner so recht wahrnahm, weil es hundesmiserable aus den Starlöchern kam und erstmal mit sechs Niederlagen eröffnete. Dann kam eine Siegesserie, die die Hater und Pats-Fans einfach mal mit „Luschenschedule“ abtaten. Am Ende war nur noch interessant, ob Eli Manning den Anti-Peyton machen würde und im Jahr, in dem der Big-Brother den TD-Rekord knackte, den INT-Rekord zu holen vermochte. Er scheiterte, so wie die Giants an den Erwartungen scheiterten. Aber mal ehrlich: So weit von ihrem seit Jahren gezeigten Leistungsvermögen waren sie eigentlich nicht weg. Hätten sie die sechs Pleiten nicht am Saisonbeginn, sondern schön verteilt kassiert, man hätte sie nicht als Mega-Enttäuschung wahrgenommen. Aber der Mensch will halt seine Geschichten erzählen, deswegen… naja. Eh klar.

Was aus der Vorschau traf ein? Laufspiel war wie erwartet banal. Starting-Field Position ging deutlich nach hinten los (von 31yds auf 27yds, von #1 auf #23), aber bei so vielen Turnovers wunderst du dich da nicht drüber.

Was traf nicht ein? Eli Manning war die Schlüsselfigur, aber nicht so wie erwartet: Er riss das Team mit einer Unzahl an INTs runter – eine derartige Zahl (27), die nicht mehr allein mit „ein paar unglücklich abgefälschte Bälle“ erklärbar ist. Die Offense Line war nicht besser, sondern deutlich schwächer. WR Nicks dürfte sich entgegen aller Prognosen entbehrlich gemacht haben. Die Defense war in etwa so gut wie angekündigt, aber aus den falschen Gründen: Der Passrush war eher mau, dafür hielt die Deckung besser als in den letzten Jahren.

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2 Kommentare zu “Sektion „CU in January“ im Rückspiegel

  1. Welches der Teams siehst du mit den größten Chancen für einen Aufstieg nach oben bzw nach unten 🙂 ?

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