Dallas Cowboys in der Sezierstunde

Überblick 2013

Record         8-8	
Enge Spiele    5-5	
Pythagorean    8.2    15
Power Ranking  0.449  20
Pass-Offense   6.4    13
Pass-Defense   7.0    30
Turnovers      +8

Management

Salary Cap 2014.

Zum Start der Sezierstunden 2014 dürfen die Dallas Cowboys herhalten, eine Franchise, die wie keine andere seit mehreren Jahren dafür steht, wie man es in der Zeit von Salary Cap und Free-Agency in der NFL nicht machen sollte: Extrem teure Vertragsverlängerungen für gute, aber nicht superbe Spieler, kopflastige Kaderstruktur ohne Kadertiefe und Draften von klingenden Namen für mäßig wichtige Positionen.

Weil in Dallas aber der Owner Jerry Jones als General-Manager fungiert, und ein Jerry Jones wie ein Plüschtier vergöttert wird, weil er seine Franchise so sehr liebt, dass er selbst die letzten Sessel im eigenen Prunktempel in Arlington wohl noch eigenhändig ein- und herausschraubt, traut sich niemand, diese Praktiken zu hinterfragen. Sollten sie aber, denn die Jones’sche Management-Philosophie ist getrieben davon, sympathische Franchise-Spieler um jeden Preis zu erhalten, sie nach ihren besten Jahren mit schweren Verträgen auszustatten und darüber hinweg zu sehen, dass zu einem Footballkader mehr als acht Superstars gehören.

Resultat: Die Cowboys sind noch immer viele Millionen über der Salary-Cap obwohl diese Salary-Cap überraschend hoch ausfällt, und sie müssen bis zum 11. März noch etliche Stellschrauben drehen um überhaupt regelkonform auf den Transfermarkt gehen zu können. „Stellschrauben drehen“ bedeutet in der NFL häufig das eine: Die teuersten Verträge des Jahres werden abgespeckt, in dem man das Grundgehalt in ein Handgeld umwandelt; Spieler X erhält die Kohle als Fixgehalt, das daraufhin auf die nächsten Jahre aufgeteilt abgeschrieben werden kann. Das ist NFL-Buchhaltung par excellence mit einem Schönheitsfehler: Du verschiebst deine Probleme auf morgen. Sie werden kommen, garantiert. In Dallas spätestens im Frühjahr 2016. Dann wird dieser Laden mit dieser Gehaltsstruktur auseinander fliegen.

Dass Jones es nicht mehr lernen wird, dafür steht die jüngste millionenschwere Vertragsverlängerung von Kicker Dan Bailey, der in den nächsten sieben Jahren (oder so) rund 3 Mio/Jahr (oder so) kassieren wird – ein No Go im NFL-Kadermanagement, aber eine unüberraschende Praktik in Dallas.

Angesichts solcher Probleme ist es fast „gut“, dass die Dallas Cowboys an Headcoach Jason Garrett festhalten, anstatt einen weiteren neuen, hoffnungsvollen jungen Coach zu verbrennen. Garrett ist kein guter in-Game Coach (Achtung Untertreibung), und er steht einem Trainerstab voller Methusalems (de facto DefCoord Monte Kiffin) und anderswo gescheiterter Existenzen (de facto OffCoord Linehan, OffCoord-Assistent Callahan) vor. Die größte Neuerung für 2014: Callahan wird das PlayCalling entzogen. Linehan wird es künftig machen – jener Linehan, der in Detroit nicht wirklich durch Spielplanung aufgefallen war, die den IQ des Durchschnittszuschauers überstrapazierte.

Das sind die Dallas Cowboys geworden: Ein liebenswerter Laden, ein Paradies für Spieler ohne sportliche, dafür mit finanziellen Ambitionen, und immer interessant zu verfolgen, da erstens das nächste Romo-Bashing nie weit ist und zweitens das festgefahrene Mittelmaß für einen Haufen an engen Spielen steht. 2013/14 waren es mal wieder deren zehn Partien, die innerhalb eines Scores endeten. So geht es seit Jahren: Die Leistungsträger in Dallas sind zu gut für einen Absturz ins Nichts, aber der Kader ist zu dünn um aus dem immergleichen Schema F der 8-8 Saison auszubrechen.

Sinnbildlich dafür steht die moderne Ausgabe der „Triplets“ in Dallas: QB Tony Romo (6.3 NY/A), RB DeMarco Murray (47% Success-Rate, 5.2 Y/A) und WR Dez Bryant. Sie alle drei gehören zur ersten oder zweiten Garde der hochklassigen NFL-Spieler. Sie alle sind nicht die allerbeständigsten, aber sie alle wären quasi im Alleingang in der Lage, ein durchschnittliches Team in die Playoffs zu hieven.

Wo es hakt, ist hinter diesem Trio: Die Offensive Line ist vor allem auf den Guard-Positionen bedenklich besetzt (LG Leary und RG Bernadeau würden in kaum einer Mannschaft Stammspieler sein), und alle Wide Receivers hinter Bryant sind entweder die klassischen Ergänzungsspieler oder wie Miles Austin vertragsbedingt kurz vor der fälligen Entlassung. Auf Tight End besitzt man hinter dem immer noch sehr guten, kompletten Jason Witten immerhin den jungen Gavin Escobar, vor einem Jahr als Rookie-Prospect hoch gelobt, aber noch immer eine Unbekannte.

Der Nachbesserungsbedarf wäre im Angriff vor allem bei den Guards und in der Tiefe bei den Wide Receivers gegeben, aber dazu wird es vielleicht gar nie kommen, denn Dallas hat die viel eklektischeren Löcher in der Defense.

Jene Defense, die spielerisch ihren Zenit bald erreicht haben wird. Die in Kürze zwar den Hundertsten von DefCoord Monte Kiffin feiern wird, aber systemtechnisch eine in den 90ern stehen gebliebene Form der Cover-2 Defense zu spielen versucht. Die 2013 die erwarteten 7.0 NY/A aufgab und damit nur unwesentlich von der schlechtesten Pass-Defense der Liga entfernt war.

Die Probleme fangen in der Defensive Line an, wo mit dem überzeugenden DT Jason Hatcher der beste Mann auslaufenden Vertrag hat. Es ist alles andere als sicher, ob Hatcher überhaupt gehalten werden kann, denn die Cowboys müssen wie eingangs beschrieben erstmal überhaupt unter die Salary-Cap kommen. Noch mehr: Auch DE Demarcus Ware, seit vielen Jahren der große Ankermann der Defense, ist so teuer geworden, dass eine Entlassung viele der dringend notwendigen Millionen sparen würde. Der über 30jährige Ware wäre eigentlich ein Fall von „Cap-Casuality“, aber wie gern lässt ein Jerry Jones seinen größten Star gehen? Noch dazu, wenn du dann mit einer Defense Line aus Selvie, Hayden und Irvin antreten musst? Das wird die große Sollbruchstelle der Cowboys 2014, und hier sind Investitionen in Form von Draftpicks zu erwarten.

Dass die größte Baustelle der Cowboys nicht die Secondary sein würde, sagt einiges über den Personalzustand dieser Abwehr aus, denn die Secondary gilt als offenes Scheunentor. Ein CB Carr (50 Mio-Mann, natürlich!) gilt noch als brauchbar, aber vom hoch gehypten 2012er-Rookie Morris Claiborne erhofft man mehr, viel mehr, aber unter der Hand beginnt man im Trainerstab bereits von einem Bust Claiborne zu munkeln. Und wie die Safety-Situation aussieht, ist in zwei Namen schnell beschrieben: Barry Church und Jay-Jay Wilcox.

Auf Middle-Linebacker ist man mit dem mehr als soliden, aber leider sehr verletzungsanfälligen Sean Lee adäquat besetzt, zumindest für die ersten drei Wochen, bis sich Lee wieder mit Kreuzbandriss auf die IR vertschüsst hat. So geht es leider immer in Dallas, und hinter Lee und vielleicht noch dem jungen Bruce Carter fehlt es bedenklich an Frischblut, das man von der Bank einwechseln könnte.

Aber immerhin hat man mit Dan Bailey den teuersten Kicker der Liga!

Ich sehe den Handlungsbedarf – rein sportlich betrachtet – in Dallas in etwa so gereiht:

  1. Defensive Tackle
  2. Defensive End
  3. Safety
  4. Zweiter Cornerback
  5. Offensive Guard
  6. Outside Linebacker

Aber „rein sportlich“ ist in Dallas mit seiner Raiders-verdächtigen Gehalts-Situation nicht. Eigentlich müsste man den Laden in die Luft jagen, aber weil der Franchise-QB Romo erst jüngst seinen Millionenvertrag bekam, gibt es kein Zurück, und nur den Weg nach vorn, bis 2016 oder 2017, wenn der Laden dann komplett an die Wand gefahren ist, und man mit neuem Head Coach den Neustart wagen kann. Bis dahin muss man hoffen, dass der alte Kern die Cowboys in einer durchschnittlichen NFC East zumindest noch zu einem oder zwei Playoff-Spielen zu führen imstande ist.

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8 Kommentare zu “Dallas Cowboys in der Sezierstunde

  1. schon unbegreilfich, dass man aus der aikman-sache nix gelernt hat…. man hat ja fast das gefühl, dass dalles an den immer noch schecks schickt…

    ich bin ja froh, dass ich kein richtiger cowboyasfan bin; eher sympathisant der franchise… is schon irgendwie nett zu beobachten das ganze….

  2. ALs Cowboys-Fan ist mir deine Betrachtungsweise dann doch etwas zu negativ. Klar, die Boys sind in der „salary cap hell“ und es wäre eine Schande, Ware entlassen zu müssen, in den letzten zwei, drei Jahren habe ich den Eindruck bekommen, dass es mit der Kaderplanung bergauf geht.

    Was die Guard-Position angeht: Ron Leary hatte letztes Jahr sein erstes Jahr als Starter, nachdem er am College und an der High School nur Offensive Tackle gespielt hat. Luft ist sicher noch nach oben, aber ich denke, dass er dieses Jahr besser aussehen wird. Bernadeau hat die Saison sehr schlecht begonnen, aber als sich Brian Waters verletzt hat und alle (mich eingeschlossen) dachten, dass die O-Line implodieren würde, hat er echt gut gespielt.

    Bei den Cornerbacks gibt es neben Brandon Carr und Mo Claiborne noch Orlando Scandrick, der letztes Jahr der beste DB im Kader war und ohne weiteres outside spielen kann. Barry Church ist nicht überragend, aber solide und bei J.J. Wilcox wusste man vorher schon, dass er Zeit brauchen wird, schließlich spielt er erst seit 2 Jahren Safety.

    Und woher hast du deine Information, dass Bailey der teuerste Kicker der Liga ist? Mit seinem durchschnittlichen Jahresgehalt von 3,2 Mio liegt er auf Platz 8 aller NFL Kicker. Klar gibt es Kicker, die deutlich billiger sind, aber es gibt eben auch viele Kicker, die deutlich schlechter sind als er. Es ist zwar fragwürdig, einem Kicker einen Vertrag über 7 Jahre zu geben, da man in der Vergangenheit gesehen hat, wie schnell es auf der Position zum Leistungsabfall kommen kann, aber was sein Gehalt angeht, ist das aus meiner Sicht in Ordnung.

    Es ist nicht alles rosarot in „Cowboys Country“, Cap-Situation, das andauernde Rumgewechsle bei den Coordinators, die auf einigen Positionen fehlende Kadertiefe. Aber in deinem Bericht klingt es so, als hätten wir ein 4-12 Team.

    Wie die Needs aus meiner Sicht aussehen:

    1. Defensive Tackle
    2. Defensive End
    3. Guard/Tackle
    4. Wide Receiver
    5. Safety
    6. Linebacker

  3. Ich weiß gar nicht, was ihr gegen unsere Defense habt, die einzige die N.Foles bei Null Punkten gehalten hat… 😉

    Meine Hoffnung ist eher, dass wir uns über sukzessive gute Drafts aus dem „Durchschnitts-Loch“ wieder rausarbeiten, da JJ zu einem größeren Cut wohl nur mit vorgehaltener Waffe zu überreden ist. Wobei mir die 2012er Generation durchaus Sorgen macht bei dem Plan. Mal schauen was man dieses Jahr an Land zieht.

  4. @maschemist: Ich denke nicht, dass 4-12 viel schlimmer wäre als das „stuck in the middle“ Phänomen bei den Cowboys, aus dem es nur schwer ein Entrinnen gibt. Wie gesagt: Gut genug um hin und wieder ein Playoffspiel zu erreichen, aber zu gut um mal richtig auf 3-13 abzustürzen und den Neuaufbau einzuleiten.

    Der Fall Dallas ist gar nicht so unterschiedlich gelagert wie der Fall Detroit, nur dass die Lions eine Spur billiger und jünger sind und mit Ansicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die besseren Coordinator haben – und dass sie schon abgestürzt sind.

  5. Ich kann mir den großen Umbruch in 2016 vorstellen. Romo könnte dann unter Einsparung entlassen werden, Ware sollte spätestens dann auch nicht mehr gehalten werden. Man sollte zusehen, Dez Bryant und Tyron Smith zu halten, dann könnte man ein Jahr abstinken und hätte anschließend ein gutes Gerüst um die beiden, Frederick, Terrance Williams, in das man einen jungen QB reinschmeißen kann.

  6. Das größte Problem der Cowboys ist, dass sie keinen GM haben.

    Mit Jerry ist es so, wie vorher bei den Raiders auch mit Al Davis. Wenn der Besitzer sich zu sehr einmischt oder alles selber machen will, geht das in die Hose. Wer erinnert sich nicht gerne an Al Davis völlig überteuerte Vertragsverlängerungen mit Bankspielern oder die“ich drafte den schnellsten Spieler in der ersten Runde“ Aktion.

    Bei Jerry Jones habe ich oft das Gefühl, dass er überhaupt keine Ahnung hat, von dem was er da macht. Bevor der Cap eingeführt wurde hatte man Erolg, weil man das Team mit Kohle halten konne. Man kann ja sagen, dass die Cowboys in der Cap Ära den Super Bowl 95 geholt haben, aber nach der Saison haben 10 Starter aus dem Super Bowl das Team verlassen, weil sie kein Cap mehr hatten. Dazu muss man aber auch sagen, dass es Buffalo, San Francisco and Washington auch so ergangen ist.

    Den Vertrag von Bailey finde ich auf den zweiten Blick nicht schlecht. Sieben Jahre ist für einen K eine lange Zeit, aber er ist einer der besten K der Liga. Nach 2017 hat er noch 800.000 $ Dead Money und danach 0 $.

    Es Wäre schade, wenn Ware das Team verlassen müssste. Die ganze Karriere bei den Cowboys gewesen und muss jetzt wohl wegen der Cap-Probleme gehen.

  7. Den Vertrag von Bailey finde ich auf den zweiten Blick nicht schlecht. Sieben Jahre ist für einen K eine lange Zeit, aber er ist einer der besten K der Liga. Nach 2017 hat er noch 800.000 $ Dead Money und danach 0 $.

    Aber auch nur, weil per Design die Boni nach fünf Jahren fertig abgeschrieben sind (sagt das CBA).

    Es Wäre schade, wenn Ware das Team verlassen müssste. Die ganze Karriere bei den Cowboys gewesen und muss jetzt wohl wegen der Cap-Probleme gehen.

    Ja, das ist etwas schade in dem Paritätsprinzip der NFL, dass es nur noch ganz selten „echte“ Franchise-Spieler gibt, die ihre komplette Karriere in einer Franchise verbringen. Aber der Preis dafür ist eine stets spannende Liga, also ein recht guter Trade-Off.

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