Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Carolina Panthers haben eine der besten Spielzeiten ihrer noch immer jungen Franchise-Geschichte hinter sich: 12-4 in der Regular Season dank des sehr gefeierten Head Coaches Ron Rivera, der seine Unterhosen herunterließ und als erster Coach der jüngeren NFL-Geschichte die Traute hatte, konsequent unkonventionelle, aber analytisch richtige in-Game Entscheidungen zu treffen – und gewann. Rivera machte vieles richtig, was er in der Vergangenheit falsch gemacht hatte.

Dann kam die Offseason. Carolina befindet sich auf schnurgeradem Weg in die „Cap-Hölle“, seit der mittlerweile gefeuerte GM Marty Hurney im Sommer 2011 meinte, einen Mannschaftskern aus Runningbacks alten Linebackers mit dutzenden Millionen zuschütten zu müssen. Weil Carolina sich mit massiven Spielerverträgen seinerzeit selbst knebelte, konnten die Panthers in dieser Offseason nicht bloß keine Schwachstellen beseitigen; sie waren sogar gezwungen, neue Schwachstellen aufzumachen.

Für den Rücktritt des langjährigen LT Jordan Gross konnte man nichts. Aber dass hernach weder versucht wurde, die Offense Line zusammenzuhalten noch ernsthaft versucht wurde, den ikonischen WR Steve Smith mit der Gehaltsstruktur in Einklang zu bringen, dass die Secondary noch weiter geschwächt wurde: Dafür trägt die Sportliche Leitung zumindest ansatzweise die Verantwortung.

Überblick 2013

Record        12-4    DP
Enge Spiele    5-2
Pythagorean   11.7     3
Power Ranking  0.624   8
Pass-Offense   6.0    18
Pass-Defense   5.5     6
Turnovers      +11

Management

Salary Cap 2014.

Carolina ist in der Offense auf einzelnen Positionen gesattelt. Der Center Kalil passt; das Backfield mit dem Kugelblitz Tolbert sowie den – wenn auch teuren – RBs Williams/Stewart/Barner passt. TE Olsen ist ein Mann, mit dem du arbeiten kannst. Und die wichtigste Personalie: QB Cameron Newton, der zwar seine schwächste Profisaison hinter sich hat (nur 6.0 NY/A Passspiel), aber weiterhin, trotz seiner manchmal nervenden Aussetzer, der zentrale Punkt des Angriffs ist. Newton hatte letztes Jahr Probleme mit einem Offensiv-System, das nicht um seine Stärken herum konzipiert war, sondern versucht, mit I-Formationen eine Art Power-Offense zu spielen. Ein Newton stünde mit seiner Beweglichkeit eher für einen offeneren Spread-Angriff, der die Breite des Spielfelds und das offene Spielfeld zu nutzen versucht.

Aber die Power-Offense funktionierte zumindest ansatzweise, weil Newton sich auf seine Notwaffe Smith verlassen konnte: Dieser alte Haudegen sah trotz aller Abgesänge wieder einmal 115 Anspiele und machte viele 3rd-Downs. Smith wurde vom neuen GM Gettleman nahezu ohne Umstände ziehen gelassen. Smith ist 35 und kein einfacher Mensch, so viel ist klar, und oft würde man eine Trennung in solchen Fällen gutheißen, aber Carolina ist eine Mannschaft, die neben Smith nicht einen einzigen Wide Receiver von NFL-Format aufweisen kann, nachdem auch LaFell, Ginn und Dixon ziehen gelassen wurden.

Carolina ist gezwungen, sich im Draft nicht bloß nach einem Left-Tackle umzusehen, nicht bloß noch zumindest einen Offense-Guard zu suchen, sondern Carolina muss händeringend Wide Receiver draften, nicht in einfacher oder zweifacher Ausführung, sondern am besten in dreifacher. Aktuell besteht der Depth-Chart aus einem bestenfalls #3-WR in Cotchery (kam aus Pittsburgh; ist mit mittlerweile 32 auch nicht mehr der jüngste), Underwood, King, McNutt und wie sie alle heißen – die meisten sind ungedraftete Leute ohne Erfahrung.

In der Defense können die Panthers auf eine großartige Front-Seven bauen: DE Greg Hardy (zuletzt 16 Sacks) konnte gehalten werden und wird auch eine Vertragsverlängerung bekommen; Hardys künftiger Vertrag dürfte allerdings auch einer der Gründe gewesen sein, wieso Carolina auf anderen Positionen seine Spieler so schmerzlos ziehen ließ (lassen musste?). DE Charles Johnson ist im Vergleich zu Hardy der blassere Spieler, aber eine gute Ergänzung als #2.

Die jungen DT Lotulelei und Kawann Short hatten jeweils den erhofften Impact auf die Panthers-Defense und dürften auf Jahre hinaus unumstritten sein, sofern sie sich nicht ärger verletzen. Dahinter steht mit dem aktuellen NFL-Abwehrspieler des Jahres #59 Luke Kuechly sowie #58 Thomas Davis eine Mauer an Linebackers. Aber wehe, da fällt mal einer dieser Schlüssespieler über längere Zeit aus…

Die großen Fragen beschränken sich in Carolina trotzdem auf die Secondary, aber dort sind sie dafür umso lauter. Es war in Carolina ja immer schon die Denke, dass man ein schwach besetztes Defensive Backfield mit einer dominanten Front-Seven kaschieren kann; so oder ähnlich praktizieren es die 49ers auch nicht ohne Erfolg seit Jahren… allerdings ließen die Panthers heuer von jenem mittelmäßigen Backfield auch noch die wenigen Stützen wie CB Munnerlyn, CB Florence, S Mitchell oder S Mikell ziehen. Alles für sich keine allzu schmerzhaften Abgänge, aber in der Summe und gepaart mit den Alternativen im Kader ist das schon ein heftiger Abfluss von Spielern, der schwer zu kompensieren ist.

Zumal ja – wie wir gesehen haben – durchaus in Offense Line und auf Wide Receiver noch ärgere Lücken bestehen. Carolina dürfte also in Sachen Secondary noch versuchen, zumindest akzeptable Routiniers via Transfermarkt zu bekommen um zumindest die ganz große Katastrophe – den Kollaps der Pass-Defense – zu verhindern.

Die Lücken in Carolina sind also recht simpel zu identifizieren:

  1. Wide Receiver
  2. Offensive Tackle
  3. Defensive Backfield

Es steht außer Frage, dass Carolina heuer relativ nahe an das Draften nach „Need“ kommen muss, und dass man zumindest zwei oder drei Talente finden muss, mit denen man per sofort etwas anfangen kann. Der/die neue/n Wide Receiver sollte im Idealfall ein vergleichsweise NFL-bereiter Spieler sein, auch wenn gerade die Historie zeigt, dass Receiver keine Position ist, auf der die Talente dazu tendieren, den Wechsel vom College zu den Profis schnell zu schaffen. Defensive Backfield übrigens noch weniger… aber nicht vergessen: Need-Draften ist das, was man in der NFL nur im äußersten Notfall machen sollte. Carolina 2014 hat Notfälle.

Tja. Carolina hatte eine der größten Mannschaften in den letzten zwei Jahren, aber man war aus diversen uns bekannten Gründen in den großen Medien verkannt. Jetzt droht erstmals in der Ära Ron Rivera/Cam Newton ein ernsthafter Rückfall. Du kannst Schwachstellen in der heutigen NFL kompensieren, aber du kannst kaum kompensieren, wenn du in den drei erörterten Schlüsselpositionen das Äquivalent von „nicht tauglich“ bzw. „komplett unerfahren“ als Optionen hast.

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10 Kommentare zu “Carolina Panthers in der Sezierstunde

  1. Die Offseason sieht echt übel aus. Hab sie mit Hoffnung verfolgt, aber nada.

    Hoffentlich können die Probleme in der Draft gelöst werden. Leider läuft man Gefahr, zu reachen, wenn man nur nach Need draftet.

    Auch wenn sie dieses Jahr wieder einen Schritt zurück machen, können sie wieder besser investieren, wenn die Cap-Probleme beseitigt sind.

  2. Es ist schon ein Unterschied ob du mit Whitner, Brown und Rodgers oder mit Norman, Lester und ??? aufläufst….
    Also so stark deine Front 7 auch ist, wenn da nicht noch 2-3 Spieler kommen sehe ich schwarz für die Pass D.

    Ich denke am besten wäre es mal RB Stewart zu entlassen, er ist oft verletzt und verdient sehr viel Geld.
    Voriges Jahr lief es ohne ihn auch nicht schlechter, was ich so mitbekommen habe.
    Insgesamt haben sie mMn viel zu viel Geld in RB/FB investiert….

  3. Ohne die Details im Stewart-Vertrag zu kennen, aber: Der Mann ist nicht feuerbar. Eine Entlassung Stewarts kostet – acc. to Over the Cap – 18 Mio. dead-Money, also ein Vielfaches seiner Cap-Zahl.

    Ein Rauswurf oder Trade von Williams wäre nur halb so teuer: 9 Mio… Cap-Zahl von Williams 2014: 6 Mio.

    Stewart ist frühestens 2016 ein Kandidat für eine Entlassung, aber möglicherweise selbst dann noch nicht. Diese beiden RB-Verträge sind verrückt – immer angenommen, dass OTC die korrekten / zumindest annähernd korrekte Zahlen listet.

  4. Ja, aber sie könnten ja einen Post June 1 Cut machen und das damit verteilen, dann wären sie wenigstens bald davon befreit, ähnlich wie die Boys das mit Austin gemacht haben.

    Williams ist halt mMn der wichtigere Spieler, er hat auch voriges Jahr nicht schlecht gespielt…

    Aber wie du schon sagst, die 2 Verträge sind verrückt, auch Tolbert verdient ja nicht wenig.

  5. Williams und Stewart sind deshalb so „unentlassbar“, weil sie ihre Verträge drei- (Williams) bzw. zweimal (Stewart) umstrukturiert haben. Das ist eben dieses Cowboys-mäßige Aufschieben des Problems, was nun zu dieser fast aussichtslosen Lage führt.

  6. DeSean Jackson von den Eagles entlassen. Übersetzt heißt das wohl, dass das keine sportlichen oder finanziellen Gründe hatte.

    Kann Carolina da mitbieten?

  7. Wenn die Gang-Geschichten stimmen, ggf eine Sperre droht, und er daher entlassen wurde, sollte sein Preis eher niedrig sein. Dann wäre wohl jedes Team mit akutem WR-Need in der Verlosung. Frage ist dann eher wollen denn sich leisten können.

  8. Ist bei Jackson eine Sperre in der Diskussion?
    Wenn ja, wofür? Dass er mit Straßengangs rumhängt um seine Rapperkarriere zu pushen?

  9. Reine Spekulation denke ich(daher ggf :-)) Argument war, Eagles könnten Wind von Ermittlungen bekommen haben, damit auch NFL, daher drohende Disziplinarmaßnahmen.. Dieser weitgefasste ‚Conduct‘ Begriff war immer dabei. Und so Post-Hernandez Hysterie..

    Das was ich bei seriöseren Seiten gelesen habe, ging nie über Zeugenaussagen bei Polizei und Abhängen mit Snoop Dogg hinaus.. da kann wohl selbst Godell nix machen.

  10. Kann mir nicht vorstellen, dass man finanziell um Jackson mitbieten kann. Die Raiders haben ordentlich Cap-Space und scheinen recht commited zu sein.

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