NFL-Draft 2014: Die Franchise-Quarterbacks unter dem Mikroskop

Wie fast jedes Jahr entzündet sich das meiste Feuer im Vorfeld des NFL-Drafts auch diesmal um die Leuchtturm-Position im American Football, die Quarterbacks. Wie immer ist mindestens eine Handvoll Mannschaften auf der Suche nach einem neuen Stamm-Quarterback, was für gewöhnlich ein paar knackige Szenarien schon in der ersten Runde garantiert. In diesem Jahr gilt die Klasse der Quarterbacks als eher durchwachsen, mit einer zwar breit gestreuten Gruppe an guten Talenten, aber das ganz große can’t miss prospect soll fehlen.

Wie sich das Lechzen nach Quarterbacks am nächsten Donnerstag entwickelt, wird die Dramaturgie im Draft massiv beeinflussen. Ein Sturm auf die talentiertesten Jungs in den Top-Ten ist ebenso nicht auszuschließen wie ein Szenario analog dem letzten Jahr, als alle bis auf einen aus der ersten Runde fielen.

Die Quarterback-Vorschau 2014 habe ich aufgrund der Ausführlichkeit in diesem Jahr aufgeteilt. Heute beginne ich mit dem Trio, das die meisten Schlagzeilen kassiert und sich nach landläufiger Meinung als Spitzentrio herauskristallisiert hat.

Der Komplette: Teddy Bridgewater

Teddy Bridgewater - Bild: Wikipedia

Teddy Bridgewater – Bild: Wikipedia

Hätte man vor drei Monaten nach dem favorisierten Quarterback des Drafts 2014 gefragt, die Antwort wäre fast unisono „Teddy Bridgewater“ gewesen. Bridgewater kommt als Quarterback der Louisville Cardinals aus der American Athletic Conference in die NFL. Er war dort der Stamm-QB der letzten zweieinhalb Jahre.

Sein Coming-Out vor nationalem Publikum hatte Bridgewater in der Sugar Bowl 2013, als er die Monster-Defense von Florida im Alleingang und Spielzug für Spielzug blitzsauber auseinander nahm. Er ging als Nummer-1 QB in den vergangenen Herbst und enttäuschte die Erwartungen nicht.

Bridgewater gilt als reifster, komplettester Quarterback im Draft. Er strahlt eine innere Ruhe aus, die selbst in brenzligen Situation in nicht mehr als ein paar Körperzuckungen „ausartet“. Bridgewater kriegt im Angesicht eines Blitzes keine kalten Füße, sondern schmettert den großen Einschlag mit einem leichtfüßigen Schritt ab. Er kennt die NFL-Standardoffense aus dem College, wo er überwiegend West-Coast Prinzipien sah und mit eindrucksvoller Konstanz ausführte.

Bridgewaters größtes Verkaufsargument neben seinem guten Nervenkostüm sein Wissen um die Komplexität des Spiels. Er durfte bzw. musste am College recht viel auf eigene Faust an der Anspiellinie operieren. Er bekam zwar die Spielzüge durchgesagt, aber Anpassungen aufgrund Defensiv-Aufstellungen waren ihm erlaubt. Für viele Coaches am College ist solches Vertrauen in den Quarterback unerhört. Nicht für Louisville. Und Bridgewater zahlte es mit exzellenten Vorstellungen zurück.

Bridgewater ist mobil, aber er ist kein Scrambler. Seine Stärken liegen ganz klar in der Pocket und er wartet notfalls auch bis zum letzten Moment, um einen Pass anzubringen. Er lässt sich vom Druck der Defense nicht nervös machen und beginnt beim Kollabieren der Pocket nicht auf de Passrush zu starren, sondern hält seine Augen stets bei seinen Anspielstationen im Defensive Backfield. Er ist mobil genug um sich den Platz in der Pocket zu verschaffen und er kann Rollout-Spielzüge bis ins Detail präzise ausführen.

Bis zum Saisonende war er der klare QB-Favorit 2014. Erst mit Einsetzen der Scouting-Periode ab Mitte Februar wurden die Zweifel an Bridgewaters Kandidatur lauter. Das offensichtlichste Fragezeichen ist seine Statur: Der Teddy ist mit 1.84m 1.87m kein Zwerg, aber eben auch locker sieben, acht Zentimeter kleiner als der NFL-Prototyp für seine Position. Er ist klein und schmächtig und damit ein Freak in einer Liga, die nach den 1.93m, 115kg schweren Spielmachern lechzt.

Es gibt zwar „kleine“ Quarterbacks, die sich in der NFL durchgebissen haben, aber es sind nicht viele. Brees und Russell Wilson, aber sie sind eher die Ausnahme denn die Regel. Wilson profitierte zudem von einer funktionierenden Mannschaft, die sich erlauben konnte, eine konservativere Offense mit einfachen Packages zu spielen, ein Luxus, den nicht viele Quarterbacks bekommen.

Eine Figur als Hüne hilft in der NFL mit ihren immer größer werdenden Defensive Linern natürlich ungemein. Ein groß gewachsener Spieler sieht mehr, ein groß gewachsener Spieler wird weniger Bälle schon an der Anspiellinie abgefälscht sehen. Obwohl Bridgewater mobil genug ist um sich eine freie Wurfbahn zu verschaffen, bleibt es ein Wettbewerbsnachteil.

Der zweite Knackpunkt bei Bridgewater ist sein tiefer Ball. Bridgewater hat keine Rakete von Wurfarm vom Schlage eines Matt Stafford, aber sein Arm gilt als gut genug um die meisten Pässe sauber zu werfen – bis auf den einen: Den tiefen eben. Bridgewaters tiefe Pässe sind nicht nur unpräzise; sie verlieren nach 30, 40 Yards an Power und hängen merkwürdig kraftlos in der Luft. Ein fehlender tiefer Ball wird dich in der NFL immer verfolgen, weil dir eine der wichtigsten Dimensionen abgeht, und versuchst du es trotzdem, ist jedesmal Gefahr durch Abfangjäger gegeben.

Der Teddy hätte viele dieser Zweifel mit gewaltigen Offseason-Workouts widerlegen können, manövrierte sich dann aber mit schwachen Trainingseinheiten noch weiter in eine Ecke, in der er momentan von der Öffentlichkeit festgenagelt ist: So wirkt Bridgewater mit jeder Woche, die dieser Scouting-Prozess dauert, mehr wie ein zu klein geratener, einen Tick zu blasser Typ mit zu schwachem Arm aus, der auch nicht so unglaublich präzise ist wie ursprünglich angenommen.

Bridgewater, der Mensch, ist als Typ unangreifbar. Er hat sich nie auch nur Kleinigkeiten zu Schulden kommen lassen, sondern galt stets als Führungsspieler und Teamkollege der ersten Kategorie. So wirkt der ganze Blues um Bridgewater noch immer wie ein kleines bisschen wie das alljährliche Spielchen, in denen sich Scouts an ein, zwei Flauseln aufhängen und einen Spieler weiter zerreden als es notwendig ist. Warum fällt Bridgewaters schmächtiges Äußeres erst in der Combine wie Schuppen von den Augen? Wie kann ein einziger schlechter Pro-Day fast drei Jahre einwandfreies Videobeweismaterial vernichten?

Die Stelle, an der Bridgewater nächsten Donnerstag vom Tablett gehen wird, wird finales Zeugnis einer wilden Scouting-Periode sein. Sollte die sicherste Tüte im Draft tatsächlich aus der ersten Runde fallen, wäre das nichts anderes als eine riesige Sensation.

Der Aufsteiger: Blake Bortles

Blake Bortles kommt von der University of Central Florida und ist quasi Phoenix aus der Asche. Er ist der Anti-Teddy. Er war viele Jahre lang nahezu unbekannt, bis er mit einer bärenstarken Performance in der Fiesta-Bowl am Neujahrstag 2014 auf dem Radar der Meute erschien – und seither trotz vieler Unkenrufe nicht wieder verschwand.

Bortles ist ein Hüne mit Zahnpastalächeln, 1.95m groß und 120 kg schwer und damit genau die Statur von Mann, die Konkurrent Teddy abgeht. Bortles ist dabei kein unbeweglicher Zeitgenosse vom Schlage eines Byron Leftwich, sondern ein durchaus mobiler Mann, den man als besseren Scrambler im Vergleich zu Teddy Bridgewater bezeichnen könnte.

Bortles orchestrierte bei UCF eine mit dem read-option Angriff sehr nahe verwandte Offense mit dem Ziel, dem Quarterback möglichst saubere Wurfbahnen zu verschaffen. Rollouts und kurze Scrambles gehörten zu dieser Offense wie Erbsen zum Speck. Bortles erledigte diesen Teil seiner Arbeit ganz zufriedenstellend, aber ist er ein Franchise-QB?

Anfangs dachte ich, oh, Bortles ist ganz praktisch, da er der Journallie einen letztlich chancenlosen Gegenspieler für Bridgewater anbiete. Dann dachte ich, oh, seine Freundin eignet sich für den Boulevard. Dann dachte ich, warum ist er noch immer ein Mitfavorit. Und dann, wie zum Teufel konnte er Bridgewater in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit schier überholen?

Bortles‘ hat genau einmeterfünfundneunzig Vorteile gegenüber einem Bridgewater. Körpergröße ist kein Vorteil, den man negieren sollte, aber man ist versucht, ihn immer und immer wieder zu unterstreichen, wenn es der einzige Vorteil ist.

Denn: Bortles‘ Wurftechnik ist am Arsch. Er wirft die Bälle nicht, er stößt sie so merkwürdig, dass spätestens die längeren Würfe nach 20yds saftlos zu Boden fallen. Mit Passrush im Gesicht bricht Bortles auseinander und wirft viele Pässe praktisch im Rückwärtsfallen. Die Technik ist wohl selbst mit gutem Coaching nicht mehr von Grund auf zu verändern, aber zumindest eine Verbesserung sollte noch drin sein.

Diese Wurfbewegung und seine unkonstanten Leistungen sind die größten Killer bei Bortles, und so bleibt die Frage, wie ein Mann, der nur körperlich einen kleinen Vorteil besitzt, in der öffentlichen Wahrnehmung tatsächlich an einem Bridgewater gefühlt vorbeiziehen kann. Keine drei Jahre nach Gabbert gilt schon wieder ein Mann mit nur wenig Spielerfahrung und suspektem Spielverständnis, mit kaum behebbaren technischen Mängeln und nach nur zwei, drei Heldenspielen als möglicher Top-Quarterback Pick im Draft.

Der Anarch: Johnny Manziel

Johnny Manziel - Bild: Wikipedia

Johnny Manziel – Bild: Wikipedia

Johnny Manziel war der größte Star des College-Football, seit ich selbigen verfolge. Er stellte Tebow in den Schatten und er stellte RG3 in den Schatten. Johnny Football war zwei Jahre lang Quarterback der Texas A&M Aggies, und eigentlich war er mehr als ein Quarterback. Er war die Offense der Aggies, Spielmacher, Playmaker, Zirkuskünstler, Herz, Seele und Lunge einer der besten Offenses des Landes. Er brachte in der defensivstarken Southeastern Conference (SEC) selbst die per Trademark geschützte beste Defense des Landes, Alabama mit Coach Nick Saban, an den Rand der Selbstaufgabe.

Johnny Manziel ist auch mehr als ein Footballspieler. Er ist ein Popstar, dessen Possen Futter für die Yellow-Press von Texas bis New York waren. Er ließ keine Fettnäpfchen aus, von Saufgelagen im Trainingslager über Studentenfeten im Haus des größten Rivalen hin zu zweideutigen Twitter-Publikationen war alles dabei, was ein normaler Mensch sich nicht erlauben sollte, aber Manziel verzieh man alles, ja mehr, man hoffte auf den nächsten… Ausrutscher kann man es nicht nennen… Egotrip dieses Jungen aus reichem Haus.

Manziel ist ein Anarch auf wie neben dem Feld. Er hat durchaus den Arm für das tiefe Spiel, wenn auch seine Wurfbewegung nicht die konventionellste ist. Er ist mit seinen 1.85m 1.90m zirka 1.80m und 95kg nur unwesentlich größer sogar etwas kleiner als ein Bridgewater, aber während dies bei ersterem zum Problem der Nation gestylt wird, schert sich bei Johnny Football kein Mensch um solche Nebensächlichkeiten.

Mit Manziel ist alles möglich. Er hat kein Gefühl für die Pocket, kein Gefühl für Timing, Präzision im Spielzugablauf, also ziemlich genau kein Gefühl für irgendetwas, das einen klassischen NFL-Quarterback erfolgreich macht. Seine absolute Stärke ist das Improvisieren, das Schaffen von sensationellen Highlight-Plays aus dem Gar Nichts, das Entzaubern von disziplinierten Abwehrbollwerken. Manziel ist am besten, wenn das Skript in sich zusammenfällt und er von der Leine gelassen wird.

Er ist ein Messi in einem Sport, der ansonsten versucht, seinen Akteuren jegliche Kreativität soweit es geht auszutreiben. Sein Paradespielzug ist die Pirouette mit dem Defensive End in der Fresse, nein, dem Defensive End ins Leere greifend, die Drehung und der Wurf downfield. Manziel ist kein Quarterback, er ist Playmaker. Er fühlt sich überall auf dem Spielfeld wohl, nur nicht in einer unbedrängten Pocket.

Es ist schwer, sich der Magie von Manziels Footballverständnis zu entziehen, aber die Frage ist wie sich dieses mit der NFL verheiraten lässt. Er wäre der erste Quarterback seit Äonen, der nicht primär von seiner Arbeit in der Pocket lebt. Er ist kein Timing-Spieler. Manziel ist das, was Scouts see it, throw it-Spieler nennen: Der Ball wird dann geworfen, wenn der Receiver offen ist. Antizipation als Fremdwort. Aber genau diese Antizipation ist das, was die heutigen QB-Superstars in der NFL ausmacht – für gewöhnlich.

Manziel ist aber nicht „gewöhnlich“. Kein Team, das sich nicht zumindest in Ansätzen an Manziels Spielweise anpassen will, darf ihn draften. Eine sehr klare Vorstellung, was du mit ihm anfangen willst, ist von Nöten. Du musst ihm eine Spread-Offense geben, die Manziel von der Leine lässt. Eine Einengung seiner Skills á la Michael Vick in Atlanta ist mit Johnny Football ein No Go.

Manziel wird von Mike Mayock als bester Quarterback 2014 gelistet. In der landläufigen Meinung ist er das dark horse unter den Spitzen-QBs. Er ist der Spieler, der vor erst vier, fünf Jahren vermutlich niemals auch nur in der Diskussion für die erste Runde gewesen wäre, aber in einem Jahr 2014, in dem read-option, Spread-Offense und experimentelle Offense mindestens genauso Regel wie Ausnahme sind, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Platz für Manziel in der ersten Runde finden.

Die Frage ist: Wer zieht ihn? Wer zieht sie alle, Bridgewater, Bortles und Manzielwer und wann?

Die große Klasse der Wide Receiver im NFL-Draft 2014

Wide Receiver ist eine ungebremst gefragte Position in der NFL, im Jahre 2014 vielleicht mehr denn je. Das überrascht nicht, wenn man sich die Entwicklung der Liga in den letzten Jahren ansieht: Immer mehr Passspielzüge mit immer mehr Ballempfängern in der Aufstellung verlangen nach immer mehr Spielern.

Wide Receivers sind die Jungs, deren primäre Aufgabe es ist, den Ball zu fangen und danach Yards zu machen. Es ist aber eine kompliziertere Position als bloß zu laufen und das Ei runterzupflücken: Die Jungs müssen genaue und präzise designte Routen teilweise im Vollsprint laufen können, sich aus hautenger Deckung befreien und dann häufig nicht einfach geworfene Bälle fangen. Der „Catch“ verlangt dabei extrem sichere Fanghände und ist nur die Ernte; die richtige Arbeit war schon vorher. Deswegen ist bei Receivern wichtig zu schauen, ob sie überhaupt flink oder stark genug sind um einer Deckung zu entfleuchen oder sich physisch gegen einen Cornerback durchzusetzen. Wichtigste „Nebenaufgabe“ ist Physis, für das Laufspiel zu blocken.

Es gibt eine Vielzahl an Receiver-Typen: Den Wideout, der idealerweise an die 1,95m groß und sprungstark ist oder den Slot-WR, der häufig kleiner gewachsen, dafür extrem flink ist, um von Linebackers nicht verfolgt zu werden, aber es gibt auf die Slot-Bolzen der Güteklasse Boldin oder Colston, die in der Spielfeldmitte vor allem mit Physis operieren.

Receiver können Typus speedster (Hauptsache gradeaus laufen klappt) oder Typus possession receiver (wichtig ist nicht die Geschwindigkeit, sondern den Ball auf Mitteldistanzen in enger Deckung fangen zu können) sein. Viele Wege führen zum Ziel, aber am Ende finden trotzdem längst nicht alle Bälle ihr Ziel. Wide Receiver ist eine der schwierigsten Positionen geworden.

Die Große Klasse von 2014

Die Klasse von 2014 gilt als so tief besetzt, dass es historische Ausmaße annimmt. Es gibt mehr als eine Handvoll Receiver, die in der ersten Runde vom Tablett gehen könnten, und dahinter schwärmt man von unzähligen Receivern, die in anderen Jahren 1st-Rounder wären, aber heuer nur in den mittleren Runden gehen werden. Es sind so viele, dass Philadelphia-Eagles‘ Film Room gleich zwei Segmente zu den Receivern geschnitten hat: Die Topstars und die Day 2/Day 3 Prospects.

Der Draft spendierte den Receivern auch schon ein langes Segment: Draftcast zu den WR.

Der Superstar

Sammy Watkins - © Parker Anderson

Sammy Watkins – © Parker Anderson

Man sagt, es gibt drei Dinge, die notwendig sind um Manndeckung in der NFL zu schlagen: Größe, Geschwindigkeit und Präzision im Routenlaufen. Sammy Watkins von der Clemson University ist mit 1,84m zwar nicht wirklich „groß“, aber alle anderen Facetten in seinem Spiel sind so ausgereift, dass er als unumstrittener Top-WR in diesem Mega-Draft gilt. Watkins wird von den meisten Experten auf einer Stufe mit einem A.J. Green gesehen, der vor drei Jahren an #4 gedraftet wurde uns sich quasi über Nacht zu einem Elite-Spieler entwickelte.

Watkins ist noch keine 21 und schon ein nahezu komplettes Paket: Er hat die Power um Linebacker und Safetys abprallen zu lassen, er ist schnell und sprungstark genug um Cornerbacks auf und davon zu laufen, er kann blocken, er hat sensationelle Fanghände und die Koordination, auch die ganz schwierigen Catches zu machen.

Beim Studium der Clemson-Aufzeichnungen fällt auf, wie wichtig Watkins für den oft unpräzisen Tadj Boyd ist, wie oft er auf engstem Raum Adjustments macht um einen überworfenen Ball noch unter Kontrolle zu bekommen. Watkins kann im vollen Lauf die Bälle fangen und hernach noch einmal den Nachbrenner zünden um durchzulaufen. Watkins läuft saubere Routen und getraut sich, in die dicht bemannten Zonen zu gehen um auch die schwierigen Dinger runterzupflücken.

Schon vor drei Jahren sprach halb Amerika über seine Vorzüge, als er – damals Freshman – frisch aus der Highschool kommend sofort ein Anwärter auf die Heisman-Trophy war. In seinem zweiten Jahr hatte Watkins Probleme mit der Justiz, als er wegen illegalem Drogenbesitz suspendiert wurde, aber er konnte die Zeit hinter sich lassen, kam im abgelaufenen Herbst stärker denn je zurück und pulverisierte ganze Abwehrreihen im Alleingang.

Auf der anderen Seite wird Watkins in der NFL nicht nahezu die Hälfte seiner Pässe in Form von bubble screens annehmen können und dann haufenweise Yards nach dem Catch generieren. Er wird häufiger in die schwierigen Routen geschickt werden und man wird von ihm verlangen, regelmäßig Manndeckung zu schlagen. Da bleibt aufgrund seiner vergleichsweise eher geringen Körpergröße die Frage, wie hoch seine Leistungsdecke („Ceiling“) sein kann.

Auf alle Fälle ist er ein spannender Spieler, der richtungsweisend für kommende Receiver-Generation sein kann.

Die Hünen

Größe, Geschwindigkeit und Präzision sind die drei primären Eigenschaften. Beginnen wir mit den Hünen, den Receiver-Anwärtern über 1.90m. Der weiße WR Mike Evans von der Texas A&M University ist mit seinen 1.96m und 102kg der am höchsten eingestufte dieser großen Ballfänger. Evans wird wegen seiner Hautfarbe gerne unterschätzt, aber er ist schon ein sehr guter Athlet. Evans kennt eine Menge vertikaler Routen (tiefes Spiel), aber ist noch eher ungeschliffen auf den kurzen Dingern.

Evans ist ein guter Springer, der in Kombination mit seiner Körpergröße auch sehr, sehr hoch eingespielt werden kann. Er ist schnell, aber kein Weltklassesprinter (4.53sek über 40yds). Er ist nicht so physisch wie Watkins im Zweikampf, aber ein sehr, sehr guter Vorblocker. Problematisch an Evans ist sein hitziges Gemüt, das in nur zwei Jahren am College mehrfach zu Schubserein und dummen Penaltys führte – etwas, was man in der NFL hasst wie die Pest. Evans ist in Summe aber vermutlich nach Watkins der zweite Receiver, der gedraftet werden wird.

Auch Kelvin Benjamin, der BCS-Matchwinner der Florida State Seminoles, definiert sich vor allem über seine 1.95m und für seine schlaksige Statur überraschen mich seine 110kg Kampfgewicht doch etwas. Benjamin ist vielleicht noch quicker als Evans, noch dynamischer, aber er war am College auch viel volatiler, hatte neben seinen lichten Momenten auch immer wieder ganze Spielabschnitte, in denen er abtauchte. Benjamin hat noch kein ganzes, konstant gutes Jahr als Footballer vorzuweisen und das wird ihn eher runterziehen in die zweite Runde. Aber klar: Groß, kampfstark – das ist eine wichtige Voraussetzung um NFL-Manndeckungen zu schlagen, und die hat Benjamin.

Ein ganz heißer Name in den letzten Wochen war der von Cody Latimer, ein bis dato nahezu unbekannter Mann. Latimer ist ein groß gewachsener, enorm kräftiger Spielertyp, aber er spielte bei den Indiana Hoosiers, die kaum nationale Presse im Football kriegen, und er war bei der Combine verletzt. Er versuchte sich dann noch immer noch 100%ig fit an seinem Pro-Day und fuhr sensationelle Werte ein.

Latimer ist ein Spieler, der erst fünf Jahre Footballerfahrung hat. Er ist noch ein sehr ungeschliffener Routenläufer und vertraut bisweilen zu stark auf seine Sprungkraft und seine Power um der Deckung des Cornerbacks zu entkommen. Er begeht noch technische Fehler wie Tippelschritte, die ihm ein hartnäckiger Positionscoach erst ausmerzen muss. Auf das Habenseite stehen bei Latimer aber neben seinen körperlichen Grundvoraussetzungen auf phänomenale Fähigkeiten als Blocker. Latimer könnte in der ersten Runde gehen. Er wird kein extrem hoher Pick sein, weil er dafür noch zu viele technische Mängel hat, aber zwischen 25 und 45 könnte er tatsächlich einberufen werden.

Devonte Adams von Fresno State ist auch so ein Typ für die mittleren Runden, kein wirklich pfeilschneller Mann, aber einer mit extrem sicheren Fanghänden. Adams ist dann am besten, wenn er den Ball in den Händen hat. Er ist ein exzellentes Prospect für eine Offense, die gerne mit kürzeren Pässen und Bubble-Screens operiert, denn dann kann Adams im Lauf nach dem Catch seinen Körper einsetzen.

Allen Robinson von Penn State gilt als noch geschmeidiger im Vergleich zu Adams. Robinson ist ein Spezialist für die ganz spektakulären Plays, hat ein extrem eindrucksvolles Highlight-Tape vorzuweisen. Cosell betonte mehrfach, dass er Robinson für einen Spieler mit viel Upside hält.

Martavius Bryant ist der Teamkollege von Sammy Watkins bei Clemson, mit 1.94m und 215 Pfund eine furchteinflößende Gestalt. Bryant gilt als noch sehr ungeschliffen in seiner Technik und als etwas grobmotorisch in seinen Bewegungen, aber er ist schnell und deshalb für risikofreudige Trainerstäbe sicher einen mittleren Draftpick wert.

Mississippis Donte Moncrief ist unter 1.90m, aber sprungstark und von seiner Spielanlage ein intelligenter Mann, von dem ein Greg Cosell immer wieder schwärmte.

Jordan Matthews von Vanderbilt ist ein sehr bekannter Name, weil er in der SEC spielte und Vanderbilt in den letzten Jahren viel und gute Presse bekam. Matthews hat eine hohe Zahl an Catches über die letzten Jahre vorzuzeigen, aber bei genauem Hinsehen kamen diese überwiegend durch kurzes Screenpass-Spiel zustande. Manndeckung bekam Matthews selten gut; er wurde gar von drittklassigen Cornerbacks pulverisiert. Einige sehen in ihm wegen seiner einsneunzig trotzdem guten Value als Draftpick, aber man muss bei solchen Spielern durchaus vorsichtig sein.

Ein Kevin Norwood von den Alabama Crimson Tide bewies immer wieder sagenhafte Sprungkraft und sehr sichere Hände, aber er ist vielleicht den Tick zu langsam. Cosell wunderte sich oft, weswegen Norwood kaum Presse kriegt. Norwood sei ein smarter Spieler, der in der NFL ein langes Leben als Slot-Bolzen á la Boldin führen könne.

Brandon Coleman von Rutgers ist mit 1.98m vermutlich der größte der 2014er-WRs im Draft. Coleman ist aber nach einem sehr schwachen Herbst 2013 mittlerweile in der Gunst der Scouts unten durch. Er gilt maximal als Pick für die späten Runden.

Die Sprinter

Wer nicht um die 1.90m ist und trotzdem NFL-Receiver spielen will, der sollte lieber mal flott auf den Füßen sein. Brandin Cooks ist dieses Jahr vielleicht das Paradebeispiel für den kleinen Receiver mit Sprinterqualitäten, der es in die hohen Runden des NFL-Drafts schaffen kann. Cooks kommt von den Oregon State Beavers und definiert sich in erster Linie über seine Geschwindigkeit. Cooks ist aber trotz seiner nur 1.76m ein harter Knochen. Er hat keine Scheu, im Gewühl schwierige Bälle zu fangen. Am College spielte er eher mit Schrotflinten denn Präzisionsgewehren auf Quarterback, und entsprechend viel Beweismaterial gibt es für Cooks‘ Fähigkeit, sich an Eierwürfe aller Art anzupassen.

In der Combine lief Cooks eine 4.33sek über 40yds, was zu den besten Zeiten gehört. Seine Trumpfkarte ist das Geradeaus-Laufen nach einem schnellen Move an der Line-of-Scrimmage. Damit kann er Defenses im Optimalfall auseinander ziehen. Wenn ein Team glaubt, hier eine Art neuen DeSean Jackson heranziehen zu können, wird Cooks in der ersten Runde gedraftet werden. Im schlimmsten Fall wird er gut genug sein um im Slot zu operieren und einige Puntreturns gefährlich zurückzutragen.

Auch Colorados Paul Richardson ist so ein Knabe, der am liebsten geradeaus läuft. Von Richardson gibt es hinreichend Beweise, dass seine sehr gute Combine-Zeit (4.40sek) auch im laufenden Spiel zu spüren ist. Er ist ein typisches deep threat, kann Cornerbacks aber auch an der Line-of-Scrimmage verarschen um frei zu werden. Sein bestes Verkaufsargument ist dietiefe Wheel-Route, wo der Receiver im Slot aufgestellt erst ca. 45° nach außen oder innen läuft und nach einigen Metern vertikal abbiegt und geradeaus gen EndZone läuft. Hier rauscht Richardson allen davon.

Was Richardson nicht kann, ist horizontale Tänze aufzuführen und fünf Leute aussteigen zu lassen. Er gehört zur Sorte der Spieler, die gerne mal ihre Fokus verlieren und scheinbar einfache Bälle durch die Hände gleiten lassen. Auf der anderen Seite zaubert Richardson dir in lichten Momenten sensationelle Catches für die Wochenshow aufs Feld. In Summe dürfte Richardson in dieser guten Receiver-Draftklasse eher später als früher gedraftet werden. Typ vierte Runde.

Ein Jalen Saunders von Oklahoma wiegt nur ganze 77kg, was für Footballerverhältnisse Fliegengewichtsklasse ist. Saunders ist so klein, dass er nur im Slot operieren kann, weil die Outside-CBs für ihn zu groß gewachsen sind. Das ist ein Manko. Dafür ist Saunders so beweglich, dass er auf kurzen Distanzen im Slot allen durchfluscht. Serviere ihm den Ball auf einer kurzen Route und Saunders wird dir mit exzellenten Yards nach dem Catch danken. Ist im schlimmsten Fall ein brauchbarer Puntreturner.

Ein Bruce Ellington von South Carolina ist mit 1.75m und keinen 90kg eher wie ein schmächtiger Runningback denn ein Wide Receiver gebaut. Ellington ist ein wuseliger Slot-Receiver mit hoher Motivation als Vorblocker. Er wurde am College sogar als Tight End aufgestellt, was bei einem Zwerg seiner Güte bizarr aussieht. In der NFL wird er vermutlich nur im Slot spielen. Ellington ist ein vielseitig begabter Sportler, spielt auch Basketball (als 1.75er!) und dürfte als recht guter Werfer auch eine Option für Trickspielzüge in der NFL sein.

Wyomings Robert Herron ist für seine nur 1.77m Körpergröße ein richtiges Bröckerl. Herron ist ein Klassesprinter und sehr beweglich auf engstem Raum. Er hat viel Erfahrung in Spread-Offenses und gilt nicht als Spieler, der aufgibt, wenn mal ein Ball nicht optimal geworfen ist. Herron wird in diesen Fällen kämpfen, aus einer fast sicheren Incompletion doch noch einen Catch zu machen. Seine Schwäche ist eindeutig sein Start, der zu langsam kommt. Er hat zudem schon eine Geschichte mit Gehirnerschütterungen und wird deswegen eher nicht vor dem dritten Tag, sprich ab vierte Runde, gedraftet werden.

Tevin Reese von Baylor war in der Spread-Offense von Baylor eine Superwaffe. Er kann vertikale Routen laufen, aber für die NFL wohl ohne viele Zusatzschichten erstmal nicht mehr. Reese ist auch so ein Spielertyp, dem einige eine DeSean-Jackson Rolle zutrauen, aber die meisten sehen ihn eher als Entwicklungsspieler für die späten Runden.

Jeff Janis kommt von einem abartig kleinen College: Saginaw Valley State. Janis hat körperlich prächtige Voraussetzungen, aber die Tapes aus den unteren Ebenen des College-Football sind praktisch wertlos. Bei ihm stützt man sich auf eine sehr gute Performance in der Senior Bowl, wo er sich empfehlen konnte. Es ist immer schwierig, Spieler von so kleinen Unis für den Draft einzuschätzen, aber Janis trauen einige zu, dass er vor der siebten Runde gedraftet wird.

Und, gestern hatten wir ihn schon bei den Runningbacks: Dri Archer von Kent State. Archer wird vermutlich eine Art Zwitterrolle zwischen Back und Receiver geben, aber vielleicht ist er, der College-RB, in der NFL in der Receiver-Rolle sogar besser. Archer ist mit 4.26sek über 40yds ein Mann, der um ein Haar den Combine-Rekord aufgestellt hätte. Er hat einige spektakuläre Moves drauf, die ihn zum Hingucker machen.

Die Possession Receiver

„Possession Receiver“ ist ein oft etwas despektierlich gebrauchter Begriff für Receiver, die gut, aber nicht großartig sind. Denen das gewisse Etwas beim Zuschauen fehlt. Die aber oft als sehr gute zweite Anspielstationen gelten. Cosell taufte diese Kategorie grob die „Präzisionstypen“, die, die das Route-Running besonders präzise erledigen und sich hierüber den Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Marquise Lee - Bild: Neon Tommy

Marquise Lee – Bild: Neon Tommy

Marquise Lee von der University of Southern California gilt als Parade-Receiver dieser Güteklasse. Lee fuhr in der Westcoast-artigen Offense der Trojans teilweise extreme Statistiken ein, die ihm in der Saison 2012 fast die Heisman-Trophy gebracht hätten. Im letzten Herbst ließ er es etwas gemütlicher angehen, wobei auch die Quarterback-Situation instabil genug war, dass keine 2000yds mehr drin waren.

Lee passt eigentlich perfekt in die Überschrift: Er kann nix herausragend, ist aber vielseitig. Er wurde bei USC in allen erdenklichen Positionen eingesetzt und konnte überall überwiegend überzeugen. Seine Bewegungen sind sehr flüssig, er kennt alle Routen. Er ist antrittsschnell und kann Cornerbacks überlaufen. Die Frage ist aber, ob er eine einwandfreie Nummer 1 geben kann oder für immer darauf angewiesen sein wird, dass er zumindest einen richtig starken Mitspieler hat, der die Aufmerksamkeit der Defense auf sich zieht und Lee entlastet.

Lee gilt als relativ sicherer 1st-Rounder. Die beiden LSU-Receiver Odell Beckham und Jarvis Landry sind Wackelkandidaten, die je nach Verlauf in die zweite oder dritte Runde fallen könnten.

Beckham gilt dabei als der richtige Wide-Out, der vor allem außen operiert. Landry ist eher der Typ, der im Slot operiert. Landry ist ein harter Hund, der sich während des Catch-Prozesses nicht von Hits und anderweitigen Fummeleien von Gegenspielern beeindrucken lässt. Er ist körperlich stark und zieht dir den Nerv, wenn er zum dritten Mal im Spiel ein 3rd-Down über die Spielfeldmitte trotz guter Deckung verwertet.

Ein toller Spieler, dem man gerne Erfolg wünscht, ist auch Wisconsins Jared Abbrederis. Abbrederis ist mit 1.85m so mittlere Größe. Er definiert sich vor allem über seine feine Klinge im Route-Running. Er weiß, wie man die verschiedenen Techniken einsetzt um Cornerbacks für die entscheidenden Zehntel in die Irre zu führen. Er versteht alles über seien Routen und wird somit als wertvolle Ergänzung als zweiter oder dritter Mann in einer Pass-Offense wahrgenommen. Damit dürfte Abbrederis spätestens in der dritten Runde vom Tablett sein.

Die Running Backs im NFL-Draft 2014

Der Running Back war einst der größte Star einer Footballmannschaft. Er war noch vor wenigen Jahren die Nummer 2 hinter den Quarterbacks, und der Topkandidat auf den Publikumslieblings-Preis in fast jeder Footballmannschaft. Heute ist der Running Back in vielen Mannschaften zu einem Rollenspieler verkommen. Es gibt nur noch sehr wenige Mannschaften, die wirklich um ihr hartes Laufspiel gebaut sind. Es gibt nur noch wenige klassische Arbeitstiere, die durchschnittlich 20 Carries pro Spiel bekommen. Dafür ist die Runningback-Position viel variabler geworden: Skills im Pass-Blocking zählen heute ebenso wie die Möglichkeit, Bälle zu fangen, und die Möglichkeit, verschiedene Systeme zu laufen.

Viele Mannschaften setzen heute eine Runningback-Rotation mit zwei oder drei verschiedenen Optionen ein. Das hat den Vorteil, dass man variable Spielertypen im Kader halten und einsetzen kann. Der größte Vorteil ist aber der Preis: Man kann durchaus argumentieren, dass der langsame Schritt weg von den Jamal Lewis, den Tomlinsons, den Shaun Alexanders, den Larry Johnsons hin zu den RB-Rotationen vor allem gekommen ist um den Preis der Backs zu drücken. Das scheint gelungen: In der heurigen Free-Agency zum Beispiel lag der Wert von Runningbacks nur noch marginal über jenen der Kicker.

Aber es gibt auch noch die Teams mit lauflastiger Offense. Rein zufällig sind zwei der besten Mannschaften der letzten Jahre um Power-Laufspiel gebaut: Seattle und San Francisco. Das kann Erfolg haben, aber es braucht dafür auch den entsprechenden Quarterback und eine entsprechende Offensive Line. Und darin liegt oft die Krux in der Bewertung von Backs: Wie kann man ihren Wert von jenem der Offense Line trennen?

Running Backs bewerten

Prospects 2014

Name                Rd
Carlos Hyde         1-2
Bishop Sankey       2-3
Jeremy Hill         2-3
Tre Mason           2-3
Charles Sims        2-4
Lache Seastrunk     2-4
Ka’Deem Carey       2-4
Andre Williams      3-4
Terrance West       4-7
Dri Archer          4-7
De’Anthony Thomas   4-7
Storm Johnson       4-7
James White         4-7
Devonta Freeman     4-7
Marion Grice        4-7
Jerick McKinnon     4-7
James Wilder Jr.    7
Ben Malena          7
Henry Josey         7

Links

Mayock Top-5

  1. Sankey
  2. Hyde
  3. Hill
  4. Mason
  5. Williams

Die erste Zahl, auf die man beim Runningback verlockt ist zu schauen, ist natürlich die 40yard-Sprintzeit aus der NFL-Combine, dabei sagt diese Zahl bei Runningbacks vergleichsweise gar nichts aus. Wichtig für den Runningback der Gegenwart ist die Beweglichkeit auf der horizontalen Achse des Spielfeldes, sprich parallel zur Line-of-Scrimmage (LOS = Anspiellinie), und die Explosivität. Sprintqualitäten sind brauchbar, wenn du häufig im offenen Spielfeld operierst um 60yds-TD zu erzielen, aber du hast nur in 2-3% der Plays die Chance, überhaupt solche langen Läufe zu scoren – yup, Speed ist ein Skill, aber nicht der wichtigste.

Du musst als Runningback den Blick für deine Vorblocker haben („wo wird sich gleich die Lücke öffnen“) und dann entschlossen (!) diese Lücke attackieren. Das ist für die Scouts jedoch gar nicht so einfach zu bewerten, da viele Backs am College diesbezüglich überhaupt nicht getestet werden: Sie kriegen richtige Waale frei geblockt und sehen erst in der Linebacker-Zone den ersten Gegenspieler.

Was heute auch immer wichtiger wird: Qualitäten als Ballfänger, damit du zumindest eine glaubwürdige Alternative für Pässe z.B. bei 3rd-Downs bist, und wenigstens minimale Qualitäten und Einsatzbereitschaft im Pass-Blocking – Aufnehmen von Blitzes als Paradebeispiel.

Die klassischen Arbeitstiere sind wie schon erwähnt nicht mehr so stark gefragt. Selbst Scouts der alten Schule haben eingesehen, dass die Tendenz gen vielseitige Backs geht. Das heißt natürlich nicht, dass die Backs der Güteklasse Peterson oder Lynch, diese alten Arbeitstiere mit ihrer Power in der Spielfeldmitte, komplett aus der Mode sind.

Greg Cosell spricht in seinen Podcasts oft von foundational backs, wenn er über die Arbeitstiere spricht. „Foundational“ im Sinne von „kann ich einen wichtigen Teil meiner Offense-Philosophie um die Laufspielqualitäten meines Runningbacks bauen?“. Und so einen richtigen system-schaffenden Back gibt es im Draft 2014 nicht. Viele Backs sind ziemlich durchschnittlich oder echte „Systemspieler“, die man am besten in ein vordefiniertes System steckt, zum Beispiel eine Spread-Offense.

Die Arbeitstiere

Carlos Hyde von der Ohio State University gilt am ehesten als potenzielles Arbeitstier, dem man permanent um die 20 Carries geben kann. Hyde ist nicht der ganz große Speedster, kann Gegner nicht so mir nichts, dir nichts aussteigen lassen. Er hat aber gute Beschleunigung, gute Körperbalance und ist ein harter Knochen. Er gilt als Spielertyp mit sehr leichtfüßigen Bewegungen und soll auf engstem Raum eine Art explosiverer Eddie Lacy sein – das läse sich nach einer eher guten Stellenbeschreibung. Allerdings ist Hyde kein wirklich guter Receiver, und sein Pass-Blocking gilt als extrem ausbaufähig, um es vorsichtig zu beschreiben.

Aufgrund seines Körperbaus könnte auch noch Jeremy Hill von Louisiana State als potenzieller foundation back durchgehen: Hill ist wie Hyde über 105kg schwer und gilt für einen so gewichtigen Back als erstaunlich wendig. Hill hat den Vorteil, dass LSU in den letzten Jahren schon eine sehr NFL-nahe Offense gespielt hat (u.a. weil dort zuletzt Cam Cameron Offense-Coordinator war), inklusive der auch in der NFL oft verwendeten I-Formation.

Hill ist auch noch kein verbrauchter Back: Er hatte nie die ganz große Arbeitslast zu tragen, weil er nicht immer spielberechtigt war… und da sind wir beim großen Fragezeichen: Was ist Hill für ein Typ? Am College wurde er zweimal eingebuchtet (ein Sexualvergehen, eine Schlägerei) und bereitete dem Trainerstab immer wieder Kopfzerbrechen („wie viel negative Presse kriegen wir, wenn wir den Typ schon diese Woche wieder aufstellen?“). Hill soll sich schon proaktiv an die 32 NFL-Teams gewandt haben um sich zu erklären, aber das ändert die Faktenlage nicht.

Eine Art Hyde/Hill für Arme soll der Rekord-RB von Boston College sein, Andre Williams, der im abgelaufenen Herbst über 2100yds und 18 Touchdowns machte. Williams ist ein sehr eigener Typ, ein nachdenklicher Knabe, für den es auch neben dem Footballfeld eine Welt gibt. Auf dem Feld sieht man das nicht immer: Dort ist Williams meistens sehr straight downhill orientiert. Kein langes Fackeln, sondern sofortiges Abbiegen gen Süden. Williams ist allerdings weder explosiv genug für einen richtig hohen Pick, noch hat er die nötige Geduld. Man geht davon aus, dass er bestenfalls in den mittleren Runden gedraftet wird.

Terrance West von der kleinen Towson University soll ein dark horse in den letzten Runden für ein mutiges Team sein: Ein eher kleiner, kompakt gebauter Back. Er sieht lustig aus, weil sein Körperschwerpunkt nur zirka 10 Zentimeter überm Spielfeld liegt. Nachteil bei solchen Jungs: Sie sind nicht die beweglichsten. Weil West aber genug Geschick angedeutet haben soll und zumindest die Eier bewiesen hat, immer wieder das eine oder andere Yard zwischen den Menschenbergen in der Spielfeldmitte herauszuwringen, gilt West NFL-gebräuchlicher Spielertyp.

3rd-Down Backs

Ein 3rd-Down Back ist in Kurzbeschreibung das, womit man die eher fangstarken Runningback-Typen bezeichnet: In 3rd-Downs ist es häufig für die Quarterbacks wichtig, eine Art Sicherheitsoption zu haben, und das ist oft der fangstarke Back. Ein Charles Sims (West Virginia) oder Marion Grice (Arizona State) gelten als solche Backs, die auch mal Bälle via Reception über die gelbe Linie tragen können. Beide sind nicht explosiv genug um wirkliche zentrale Bausteine einer Offense zu werden, aber sie sollen als Ballträger intelligent genug sein um hin und wieder das eine Extrayard am Ende des Spielzugs herauszuwürgen und somit in 150 Carries pro Jahr vielleicht 70, 80 Yards mehr zu machen als der komplett durchschnittliche Back.

Ein interessanter Spieler, dem man anfangs seiner NFL-Zeit eine Rolle als 3rd-Down Back zutraut, ist Storm Johnson von der University of Central Florida. Das ist die Uni, von der auch der gehypte Quarterback-Prospect Blake Bortles kommt. Es hat sich zum gängigen Witz unter Draft-Scouts entwickelt, dass sie sagen „wir wollten uns Bortles anschauen, aber beeindruckt hat uns bei UCF Storm Johnson“.

Alle sagen: Johnson ist gut, aber du siehst es erst, wenn du ihn dir tausendmal angeschaut hast. Johnson ist weder super gebaut noch superschnell noch ein superstark, aber er spielt intelligent, kann Bälle fangen und sollte zum Beginn seiner Karriere zumindest in dieser Rolle eingesetzt werden können.

Die Kampfzwerge

Tre Mason ist jedem Fan des College Football, der die abgelaufene Saison mit mehr als einem halbwachen Auge verfolgt hat, ein Begriff: Mason war der Mann, um den die Auburn Tigers ihre sensationelle Saison gebaut haben, die um ein Haar zum unbegreiflichsten BCS-Titel ever geführt hätte. Mason ist kein großer Spieler. Er ist nur zirka 1.73m und 94kg. Das sind normalerweise nicht Maße, mit denen du in der NFL bei 300 Carries durchstehst.

Mason kennt aber eine solche Workload: Er hatte in der abgelaufenen Saison in nur 14 Spielen 317 Carries. Es gab vor allem gegen Saisonende Partien, in denen Auburns Trainerstab Mason 30 Mal, ja 40 Mal den Ball tragen ließ. Und Mason war effizient: Fast 2000 Yards holte er in der SEC, er verglühte gegen eigentlich starke Defenses wie Alabama, Mizzou oder Florida State fast vor lauter Energie.

Bei so vielen Carries siehst du auch recht viele unterschiedliche Spielzugdesigns: Mason kennt sie alle. Er kennt Power-Runs, er kennt den Jet-Sweep, er kennt das Counter-Play, er kennt natürlich die Zonen-Offense, und sein Output war überall gleichermaßen positiv.

Mason hat einen sehr markanten Laufstil: Sein Körperschwerpunkt ist sehr „bodenständig“ und er nimmt nicht viele harte Hits. Er schafft es, mit simplen Moves dem großen Knall soweit auszuweichen, dass er noch 1-2 Gratis-Yards am Ende des Laufes mitnimmt, was sich über die Zeit summiert. Mason ist kein überaus geduldiger Back: Er guckt sich zwar schon die Lücke bei den Vorblockern aus, aber bricht dann schnell entschlossen durch, was bei funktionierender Offensive Line wie ein Wunder der Natur aussieht.

Mason ist trotz der vielen Carries 2013 nicht überarbeitet, denn 2013 war sein erstes Jahr als Stammspieler. Negativer sind da schon seine fehlende Erfahrung als Ballfänger und Pass-Blocker, denn – es wurde schon bei Greg Robinson im Eintrag der Tackles diskutiert – Auburn und Passspiel war wie Puff und Vatikan. Mason dürfte für einige Teams ein sehr attraktiver Back sein, und er wird möglicherweise spätestens Ende zweite Runde vom Tablett sein.

Für viele ein noch NFL-reiferer Back ist Ka’Deem Carey von Arizona, wie Mason ein eher kleiner Back. Carey ist ein extrem harter Knochen, der in jedem Spielzug den Kontakt sucht und trotz seines ranken Äußeren lieber über den Gegner drüberläuft als drumherum. Er ist ein Mann, der sich im Pass-Blocking nicht scheut, mit der Schulter voran den Blitz abzuwehren – technisch arg verbesserungswürdig, aber Zeugnis seines Enthusiasmus für den Footballsport der alten Schule.

Bei Scouts hat die Kombination aus Careys Körperbau und seiner Workload Skepsis hervorgerufen: Carey bekam in den letzten zwei Jahren über 700 Carries und steckte entsprechend viele Hits ein. Für große, schwere Spieler ist das vielleicht noch tragbar, aber Careys Kampfgewicht ist weit unter 90kg. Er hat sich nach der Saison rund 10kg angefressen um die Scouts zu beeindrucken, aber die ließen sich dann nicht blenden und sehen in Carey keinen 210-Pfund Bolzen.

Spielerisch ist er unumstritten und dank seiner Erfahrung als Ballfänger flexibel, aber weil man ihm aufgrund der fehlenden realen Kilos nicht zutraut, eine richtig tragende Rolle zu übernehmen, wird Carey wohl eine Runde weiter fallen als gedacht – zumindest in die dritte, glaubt man den Auguren.

Mindestens dorthin fallen wird auch James White von Wisconsin. White war dort super-effizient in einem lateral angelegten Zonensystem. Er teilte sich viele Jahre mit Montee Ball die Carries auf, hatte aber stets bessere Effizienz-Stats als Ball, der letztes Jahr in den mittleren Runden von Denver gedraftet wurde. White wird Probleme haben, sich gegen die RB-Konkurrenz 2014 zu erwehren, weil es viele ähnliche Backs gibt, die etwas schneller, etwas explosiver sind, aber White hat ein großes Plus: Er ist ein famoser Pass-Blocker. Er killte die Linebacker am College gleich reihenweise.

Guter Blocker ist auch Devonta Freeman von der Florida State University, ein Back, der jahrelang in der Rotation der Seminoles mitspielte, aber immer im Schatten vom Teamkollegen James Wilder jr. (ebenso ein Prospect 2014) stand – bis zu den letzten Wochen der letzten Saison, wo Freeman seinen Durchbruch hatte. Er ist zwar nur 1.72m groß, aber mit seinem kompakten Körperbau gilt er als sehr schwer zu Boden zu bringen. Freeman ist kein „Stratege“ im Play, der visionär arbeitet und sich die Lücken ausguckt; Freeman ist eher der Brecher, der seinen Gegner mit Physis zu überlaufen versucht. Er ist ein kompletter Spieler, aber er ist fumble-anfällig. Die Frage ist, ob ein paar Spiele „Breakout“ mehrere Jahre des Ergänzungsspielers übertünchen können.

Die Spread-Runningbacks

Bishop Sankey von der University of Washington ist in vielen Big-Boards ganz weit oben gereiht, aber der Kampfgnom Sankey ist bei genauerem Hinsehen ein ziemliches one trick pony, das zum Überleben viel Platz braucht. Sankey wurde in den letzten beiden Jahren in Washington als echtes Arbeitstier mit über 600 Carries eingespannt und machte dabei fast 5.5yds/Carry, aber es waren fast alles Läufe, die nicht in das klassische NFL-Schema über die Spielfeldmitte passen.

Sankey ähnelt dabei stark dem Baylor-Runningback Lache Seastrunk, auch so ein 1.75m-Wurstler. Seastrunk kennt zwar die inside-Läufe besser als Sankey, ist aber auch kein Back, den du als Arbeitstier einspannen kannst. Sankey und Seastrunk gelten beide als explosiv und recht gute Ballempfänger. Beide werden keine effizienten Inside-Power Läufer sein, aber sie werden im offenen Feld einigen Schaden anrichten. Damit passen beide in eine Spread-Offense – und weil sie dort hohes Potenzial haben, könnte es durchaus das eine oder andere NFL-Team geben, das einen der beiden in den hohen Runden zieht.

Die Irrwisch-Fraktion

Zum Abschluss zwei Irrwische, die nur mit sehr weitgefasster Definition als „Running Backs“ durchgehen. Der eine ist The Black Mamba, De’Anthony Thomas von der University of Oregon, der uns am College viele schöne Stunden mit seinen spektakulären Plays bereitete. Thomas war eine Art Universalwaffe im System der Ducks: Change-of-Pace Back, Slot-WR, Empfänger von Jet-Sweeps, Kickreturner, Puntreturner, deep threat-WR. Oregons Trainerstäbe hatten ihre hellsten Freuden mit diesem schmächtigen, nur 79kg schweren 1.74m-Stäbchen.

Thomas ist eine Art Tavon Austin für Arme. Er hat bis an die Grenzen des guten menschlichen Geschmacks drehbare Hüften, eine extreme Beschleunigung aus dem Stand, und kann schonmal zwei, drei Linebacker aussteigen lassen. Thomas gilt nicht als kontaktscheu, wird sich aber in der NFL mit seinem stiff arm eher selten durchsetzen.

Die Negativen bei ihm sind seine erstaunlich langsame 4.60 Zeit im 40yds-Sprint, die Fragen ob seiner Sprinterfähigkeiten aufwarfen, sowie sein Durchhaltevermögen: Thomas hatte praktisch nie mehr als 11, 12 Ballberührungen pro Spiel. Die aber hatten es in sich.

Ein ähnlicher Spielertyp ist Dri Archer von Kent State, dessen Verkaufsschlager am College der Jet-Sweep war, eine Art Trickspsielzug, die versucht, einen sehr schnellen Offensivspieler ums Eck (Defensive End) zu schicken, wo viel grünes Gras wartet. Einen berühmten Jet-Sweep hatte Percy Harvin zum Beispiel zu Beginn der Superbowl gegen Denver. Archer ist so ein schneller Mann, für den dieser Typ Spielzug wie gemacht ist.

Archer ist wie Thomas und einige andere schon Aufgezählte ein Mann, der nur im offenen Feld erfolgreich sein wird. Er wird in einer horizontal angelegten Offense spielen müssen und den Ball schon in Bewegung aufnehmen müssen um seinen Output zu maximieren, denn Archer kann nicht so gut beschleunigen wie Thomas. Archer ist aber Ballfänger genug, dass ich ihn morgen vielleicht noch einmal unter die Lupe nehmen werde… bei den Wide Receivern.

Offensive Guard und Center im NFL-Draft 2014

Wenn wir gestern bei den Tackles schon die Anonymität hatten, was soll man dann noch über Guard und Center schreiben? Center als Mittelmann der Offensive Line, und als der Mann, der alle paar Spiele mal einen Snap vergeigt geht ja gerade noch, aber die Guards sind schon kaum mehr zu bewerten. Lass uns doch mal einen genaueren Blick auf die beiden Top-Guards des Jahrgangs werfen.

Nach common sense wird entweder David Yankey von der Stanford University oder Xavier Su’a-Filo (abgekürzt mit XSF) von den UCLA Bruins als erster Guard vom Tablett gehen. Beide sind grundverschiedene Spielertypen, und wir können hier unseren gestrigen Diskurs von „Player“ und „Prospect“ fortführen, wenn wir wollen. Hauptquelle meiner Recherche sei natürlich auch genannt: Mike Tanier, Ultimate Guard Showdown: XSF vs. Yankey. Im Prinzip sagen die Expertenquellen aber alle mehr oder wenige ähnliche Sachen.

Prospects 2014

Name                Rd
XSF                 2-3
David Yankey        2-3
Gabe Jackson        2-3
Brandon Thomas      3-5
Trai Turner         3-5
Cyril Richardson    4-7
Chris Watt          4-7
Ryan Groy           4-7

Links

Mayock Top-5

  1. Yankey
  2. Su’a-Filo
  3. Thomas
  4. Trai Turner
  5. Jackson

Yankey ist dabei eher der „Spieler“, XSF das „Prospect“, aber so klar wie gestern sind die Rollen nicht mehr verteilt. Das liegt schon daran, dass die Guard-Position im Vergleich zu Offensive Tackle sehr viel schemen-neutraler ist. Es ist zwar nicht komplett das gleiche, ob du Power-Offense oder Zonen-Offense spielst, aber im Vergleich zum Tackle hast du weniger Nuancen, die anders gespielt werden – sagen die Auguren.

Beide sind fast gleich groß und gleich schwer. XSF gilt als beweglicher und stärker, hat aber weniger Erfahrung, weil er mehr als eine Saison verpasste als er in Florida und Süd-Alabama Missionsarbeit leistete: XSF kommt aus Utah und ist Mormone, und viele mormonische Studenten leisten Missionsarbeit und kommen entsprechend als etwas ältere Semester in die Liga.

XSF gewinnt dafür eine Reihe an direkten Vergleichen. Er ist der flexiblere der beiden Spieler. Er hält seinen Körperschwerpunkt meistens so niedrig, dass ihm mit purer Gewalt nicht beizukommen ist. Mit seiner Power kann XSF in guten Momenten unwachsame Gegner zum Pfannkuchen plätten.

XSF gilt auch als variabler in seiner Einsatzbarkeit, weil er besser horizontal blocken kann als Yankey: Es sind nicht nur die „Pull“-Blocks (pulling guard), die er besser kann, es sind auch die klassischen Zone-Plays, die XSF besser drauf haben soll. Yankey gilt eher als der Typ, der fast nur straight geradeaus kennt, und sich im offenen Feld überhaupt nicht auskennt. Manche Scouts wollen ihn schon als one trick pony ausgemacht haben.

Aber: Yankey gilt als der bessere Pass-Blocker von beiden, was nicht zuletzt von seiner Erfahrung als Left-Tackle kommt, den er vor Jahren bei Stanford aushilfsweise gab. Bei XSF zeigt sich in Pass-Situationen manchmal seine Unreife, wenn er mal wieder einen Blitz verpasst, den andere Guards mit der Mütze genommen hätten. XSF kann solche Fehler in lichten Momenten mit seiner rohen Kraft wettmachen, aber besser ist natürlich, wenn du wie Yankey die brenzligen Momente erst gar nicht aufkommen lässt.

XSF gilt in fast allen Kreisen als superiore Option im Vergleich zu Yankey. Nichtsdestotrotz ist Yankey als möglicher später 1st-Rounder oder 2nd-Rounder nur ein weiterer dieser erstklassigen Offense Liner, die die Stanford University in den letzten Jahren in den Draft geschickt hat. Nicht alle seiner Vorgänger konnten bisher in der Liga einschlagen, aber allein die schiere Masse an Blockern und sehr guten, vielseitigen Tight Ends von Stanford ist bemerkenswert.

Lange Zeit hielt sich bei mir im Hinterkopf auch der Name von Baylors Cyril Richardson im Hinterkopf: Richardson war mit seinen 330 Pfund Kampfgewicht als prototyischer Guard in den Scouting-Prozess gegangen, soll sich aber mittlerweile mit seiner Hüftsteifheit und seiner katastrophalen Senior Bowl selbst etwas disqualifiziert haben. Richardson gilt als gebräuchliche Option für ein Power-Laufsystem wie zum Beispiel Seattle, aber das war’s dann auch. Die Legende sagt, dass ein Richardson in allem, was nicht bloß geradeaus laufen kennt, verloren ist.

Center

Prospects 2014

Name                Rd
Weston Richburg     2-3
Travis Swanson      2-4
Marcus Martin       3-4
Tyler Larsen        4-7
Gabe Ikard          4-7

Mayock Top-5

  1. Martin
  2. Richburg
  3. Swanson
  4. Bryan Stork
  5. Ikard

Bei den Centern gibt es keinen klaren Favoriten dieses Jahr. Der bekannteste Name ist Travis Swanson, der seit vielen Jahren Stammspieler bei den Arkansas Razorbacks ist und dort zuletzt von einem O-Line Guru gecoacht wurde: Bret Bielema, der von der *****PLLLINGGGG it’s OLine Time!***** University of Wisconsin nach Arkansas gewechselt war.

Der Rest auf Center ist… nun ja. Die Auguren sprechen von einer Latte an möglichen 4th-Roundern und 5th-Roundern und vielen Allgemeinplätzen, über die es sich nicht lohnt, viele Zeilen zu verlieren.

Die Offensive Tackles im NFL-Draft 2014

Die Offensive Line ist die anonymste Position im American Football, weil sie mit dem Spielgerät, der Schweinehaut, quasi gar nie in Berührung kommt, weil ihr Einfluss statistisch schwierig zu erfassen ist. Die wichtigste Aufgabe der Offensive Line, der Schutz des Quarterbacks, ist dann auch noch eine eher „defensive Aufgabe“ im Sinne von Abwehren von des Gegners Ansturm. Trotzdem ist eine gute Offensive Line die Basis für eine jede funktionierende Offense im American Football. Nur wenige Teams überleben mit wackeliger Protection.

Die am ehesten noch glorifizierte Position in der Offensive Line ist diejenige des Offensive Tackles, und wenn wir ehrlich sind, dann auch nur die des Left Tackles, des Mannes an der linken Flanke der Line. Die linke Seite ist die „Blind-Side“ (blinde Seite) des rechtshändigen Quarterbacks.

Was den Tackles an öffentlicher Wahrnehmung abgeht, kompensieren diese Männer mit dem Gehaltszettel: Left-Tackles gehören zu den bestbezahlten Footballspielern, und ihre Gegenüber, die Right Tackles, liegen mittlerweile nicht mehr allzu weit hinten.

Prospects 2014

Name                Rd
Greg Robinson       1
Jake Matthews       1
Taylor Lewan        1
Zack Martin         1-2
Cyrus Kouandjio     1-2
Morgan Moses        2-3
Cameron Fleming     2-3
Antonio Richardson  2-4
Jawuan James        3-4
Brandon Thomas      4-7
Seantrel Henderson  4-7
Joel Bitonio        4-7
Cornelius Lucas     4-7

Links

Mayock Top-5

  1. Robinson
  2. Matthews
  3. Lewan
  4. Martin
  5. Bitonio

Es gibt mittlerweile Indizien, dass es sowieso zu einer Verschmelzung der beiden Positionen kommt. Defensive Coordinators haben in den letzten Jahren immer stärker versucht, von allen Seiten Druck auf die Pocket auszuüben, weswegen es für eine Mannschaft nicht mehr bloß reicht, die linke Seite zu schützen. Das mindert den Wert des linken Tackles, aber es tendenziell bleibt er der Ankermann der Line, und sei es bloß aus Matchup-Gründen: Hast du an den Flanken einen Mann, den du 1-vs-1 allein gegen den Passrush des Gegners stellen kannst, kannst du der anderen Seite zusätzliche Unterstützung in Form eines Tight Ends zur Seite stellen. Auf beiden Seiten Zusatzblocker hinstellen? Du hast nur 11 Spieler zum Arbeiten. Irgendwann gehen die die Anspielstationen flöten.

Was den Wert des Right Tackles angeht: Er gewinnt durch die neuen Einflüsse der Zone-Runs und Read-Option etwas an Wert, weil diese Läufe ergonomisch bedingt tendenziell eher über die rechte designt werden.

Die Klasse von 2014

Die Experten sind sich einig: Sehr guter Jahrgang für Offensive Tackles. Es gibt high end-Talent, und sehr gute Tiefe für die mittleren Runden im Draft. Ausführlich diskutiert werden die Tackles im DraftCast von Roman John und Christian Schimmel, wo sie auf mehr als zwei Handvoll Tackles eingehen.

Visuell untermauert gibt es in der famosen Videodatenbank von Philadelphia Eagles.com den „Film Room“ zur Offensive Line mit Greg Cosell und Bo Wulf.

Kulturkampf: Spieler gegen Prospect

In den Beiträgen von Greg Cosell bin ich auf einen interessanten Diskussionspunkt gestoßen: Player vs Prospect. Cosell betitelt damit mehrfach den Vergleich zwischen den beiden nach landläufiger Meinung besten Offensive Tackles im Draft-2014: Greg Robinson von der Auburn University und Jake Matthews von Texas A&M. Beide gelten als relativ sichere Top-10 Draftpicks, aber ihre Ausgangssituationen könnten nicht viel verschiedener sein.

Matthews ist der „Spieler“. Er kommt als ausgesprochen kompletter Draft-Anwärter in die NFL. Matthews ist der Sohn eines Hall-of-Fame Offensive Tackles (Bruce Matthews), der zirka zwanzig Jahre lang bei den Houston Oilers und Tennessee Titans die Blocks gesetzt hat. In diesem Kontext muss man sich die Kindheit von Jake extrem spannend vorstellen: Wo andere Fußbälle gegen die Stadeltüren knallte oder sich gegenseitig Basebälle um die Ohren fetzten, durfte Jake Kniebeuge-Übungen machen.

Immerhin war es nicht umsonst: Matthews gilt nach mehreren Jahren als Stammspieler bei Texas A&M als technisch extrem reifer Offensive Tackle. Er auch schon Blitzes richtig einschätzen und erkennt intuitiv viele Intentionen der Defense. Prinzipiell gibt es laut Cosell keine fertigen Draft-Anwärter, aber Matthews kommt dem Ideal des schnell einsatzbereiten Spielers schon sehr nahe. Soll von Woche 1 an einsetzbar sein, und sowohl links als auch rechts auflaufen können.

Matthews ist 30 Pfund leichter als der Mann, den Cosell das „Prospect“ nennt, das Talent, das der weniger fertige Spieler ist, aber das mehr Potenzial als Matthews hat: Wir wären da bei Greg Robinson. Während man Matthews schon sehr weit in der Entwicklung sieht (und somit auch weniger Entwicklungspotenzial), gilt Robinson als spannender Kandidat. Robinson ist für seine 1.96m und 151kg fassungslos leichtfüßig, wie man sofort in den Videoclips (siehe Film Room) erkennt. Robinson ist in gewissen Belangen schon sehr weit, aber er hat auch etliche Fragezeichen, bei denen man sich fragt, wie einfach oder schwierig es für die Coaches wird, ihm diese Flauseln auszutreiben.

Punkt Nummer 1: Robinson kennt vom College fast ausschließlich Lauf-Offense. In dieser Hinsicht war er eine Wucht, schob Gegner teilweise meterweit über das Spielfeld und räumt seinen extrem erfolgreichen Runningbacks alles aus dem Weg. Im Passspiel dagegen ist Robinson ziemlich unbeleckt. Spiele mit, sagen wir 14 Pässen, waren bei Auburn schon passlastige Dinger – aber von denen waren die Hälfte designte Rollouts für den QB Nick Marshall. Entsprechend verloren sah Robinson in manchen Pass-Drills dann auch aus.

Punkt Nummer 2: Unabhängig von seiner Unerfahrenheit im Pass-Blocking begeht Robinson von Zeit zu Zeit mentale Fehler, weil er Blitzes oder anderweitige Abwehr-Tricks nicht richtig einschätzen kann. Am College konnte er dies manchmal mit seiner schnellen Fußarbeit noch kaschieren, aber in einer NFL führen Denkfehler schnell zu Fumbles, Negativ-Läufen und Sacks.

Punkt Nummer 3: Im verlinkten DraftCast wird eine technische Schwäche bei Robinson angesprochen: Overextending. Für gewöhnlich wollen Offense Tackles immer vor dem Gegner bleiben, aber bei Unachtsamkeiten kann der Gegner schon mal zu schnell sein und vorbeirauschen. In diesem Fall hilft dem Tackle nur das Hinauslehnen nach links oder rechts, was zu Körperstreckung (extending) und in der Folge häufig zum Gleichgewichtsverlust führt. Punkt 3 dürfte bei Robinson relativ eng mit Punkt 2 zusammen hängen.

Wir können zusammenfassen: Matthews ist der komplettere Spieler für die kurzfristige Zukunft. Robinson ist der Mann, mit dem man in drei Jahren möglicherweise schematisch mehr anfangen kann, aber Robinson ist risikobehafteter. Grundsätzlich willst du in der heutigen NFL in erster Linie mal einen grundsoliden Passblocker haben. Trotzdem sehen momentan fast alle Robinson als den Tackle, der als erster vom Tablett geht.

Die 1B-Alternativen

Hinter dem Top-Duo hat sich eine Art Trio herauskristallisiert, das ebenso in der ersten Runde vom Board gehen könnte. Der bekannteste der drei „1B“-Optionen ist Taylor Lewan von der University of Michigan. Lewan ist dort seit Jahren eine Art Kultfigur wegen einem seiner mittlerweile vielen Tattoos. Zuletzt schrieb er aber auch anderweitige Schlagzeilen, die in den Fließtexten mit „Schlägerei“ und „angedrohten Körperverletzungen“ näher ausgeführt wurden. Was genau dran ist, ist nicht ganz klar.

Sache ist: Lewan wäre letztes Jahr möglicherweise als Nummer 1 gedraftet worden, aber er entschied sich damals, am College zu bleiben. Lewan ließ dann aber ein eher enttäuschendes letztes Jahr am College folgen und fiel in der Gunst der Scouts etwas nach unten.

Lewan ist zuallererst und vor allem anderen Dingen dieser Welt eines: Wuchtiger Körperbau. 140 Kilo verteilt auf 2.03m und Vollkörpertätowierung, das ist schon einschüchternd qua Erscheinung. Aber es steckt auch was dahinter bei Lewan: Er gilt als Kraftlackel, der es sich auf die Stirn geschrieben hat, möglichst viele Gegenspieler bis zum Spielzugende zu quälen. Motto: Bloß keine Zehntelsekunde zu früh abbrechen. Wenn der Gegner unverletzt rauskommt, okay. Wenn nicht, auch gut. Das sind Eigenschaften – so makaber es klingt – die ein Footballcoach schätzt.

In seiner Beweglichkeit soll er fast wie ein Tight End aufgestellt sein, relativ leichte Füße haben. Das macht ihn zu einer exzellenten Option für Power-Schemes, aber fast noch mehr für Zonen-Blocksysteme, die etwas horizontaler angelegt sind, zum Beispiel alles, was mit entfernt mit „Gary Kubiak“ zu tun hat.

Die anderen 1B-Optionen sind laut Cosell leicht blasse Farbkopien der beiden Top-Draftees. Cyrus Kouandjio von Alabama spielt dabei eher den Prospect-Part, gilt als extrem talentierter Tackle, der in lichten Momenten alles pulverisiert, aber viel zu viele Aussetzer hat – mehr as Robinson – um in der NFL ernsthaft als Top-Pick vom Tablett zu gehen.

Kouandjio kannst du aufgrund dieser Bedenken möglicherweise noch nicht als Left-Tackle aufstellen, aber du kannst ihn Tyron-Smith like auf der rechten Seite einlernen und hoffen, in zwei Jahren deinen Left-Tackle zu haben.

Zack Martin von Notre Dame spielt eher den Part der Mathews-Kopie, gilt in seiner Entwicklung auch schon als sehr weit. Martin kennt NFL-artige Spielsysteme vom College und brilliert vor allem durch dauerhafte, fast fehlerfreie Spielzugausführung. Das erzwingt aktuell keine nassen Höschen bei Scouts, aber die Trainer lieben solche Spieler.

Die Fettsäcke

Hinter diesen sehr guten Toptalenten bietet der Draft-2014 eine große Anzahl an Jungs, denen man aus verschiedenen Gründen den Durchbruch früher oder später zutraut. Ein Quartett soll sich dabei vor allem über seinen Körperbau definieren: Größe und Gewicht. Größe und Gewicht sind wichtig für Offensive Tackles, denn je schwerer, desto schwieriger bist du durch die Gegend zu schieben. Ein 150kg-Bolzen mit einigermaßen beweglichen Füßen muss nicht der Filigrantechniker sein, denn an ihm kommen die Defensive Ends schon allein wegen der Höhe und Breite nicht vorbei, und so einfach schiebste den auch nicht zwei Meter zurück ins Backfield.

Morgan Moses von Virginia, Antonio Richardson und Jawuan James (beide Tennessee) gelten als solche Spieler. Alle drei sind schon aufgrund ihrer Masse sofort einsetzbare Right Tackles, wo sie noch nicht so viel Pass-Blocking betreiben müssen, aber schon allein durch ihre Wucht als gute Lauf-Blocker aufmarschieren können. Vor allem James soll ein sehr guter Lauf-Blocker auf der Strong-Side sein – also dort, wo ihm ganz gerne auch mal ein Tight End mithilft.

Richardson gilt als eher umstrittenes Prospect: Er soll sich zu häufig und zu schnell auf seine Kraft verlassen und dabei ganz gerne mal die Körperspannung verlieren. Seine Fußarbeit lässt zu wünschen übrig, seine langen Arme werden ihn nicht immer aus der Scheiße reiten. Richardson soll sich zudem 2013 zurückentwickelt haben, was bei Scouts nie gut ankommt.

Cornelius Lucas von der Kansas State University ist auch groß und breit, aber er ist eine Spur anders gelagert: Er kennt vom College fast nur Lauf-Offense, soll aber seine Stärken zu allererst im Pass-Blocking haben. Er ist ein sehr unfertiger Spieler, der erst in den späten Runden vom Board gehen wird, aber weil er zirka dreieinhalb Meter Armspannweite hat und sich in den letzten Jahren exzellent entwickelte, wird ein geduldiges Team hier wahrscheinlich wenigstens einen wertvollen Ergänzungsspieler haben – im besten Fall einen neuen Stamm-LT.

Die Techniker

Brandon Thomas von Clemson gilt als Spielertyp, den man erst zu schätzen lernt, wenn man erstmal alle Spiele der Tigers durchgespult hat: Macht kaum Fehler, aber ist mit unter 1,90m eher klein gebaut – zu klein für die NFL? Fakt ist, dass es am College gerade reichte, weil er über sehr solide Technik verfügt. Er ist kompakt gebaut und hat einen niedrigen Körperschwerpunkt, was bei Thomas dafür spricht, dass er, falls es zum Tackle nicht reichen sollte, möglicherweise eher früher als später zum Guard umgeschult wird.

Thomas kann für seine Bewerbung aber ganz dick auftragen, dass er als einer von wenigen Offense Tackles den sensationellen DE Jadeveon Clowney im Alleingang unter Kontrolle hatte. Wenn du böse bist, sagst du, na gut, Clowney war nicht motiviert. Aber beeindruckend ist das allemal, denn auch ein demotivierter Clowney machte viele andere Tackles nass.

Ein Mann, den Mike Mayock sehr hoch einschätzt: Joel Bitonio von Nevada. Bitonio ist auch eher ein Mann mit schmächtigem Körperbau, aber er macht mit viel Einsatz und bereits relativ guter Technik vieles wett. Bitonio spielte mit Nevada im letzten Jahre unter anderem gegen UCLA und Boise State, und er machte sich dabei gegen zwei der meist gehypten Pass Rusher sehr gut: Barr von UCLA und Lawrence von Boise, die beide in einem eigenen Eintrag noch unter die Lupe genommen werden.

Die Tight Ends im NFL-Draft 2014

Keine zwei Wochen mehr bis zum Highlight der NFL-Offseason, dem NFL-Draft 2014, und entsprechend Zeit, mit der ausführlichen Einstimmung zu beginnen. Bis vor wenigen Tagen war ich noch fast komplett unbeleckt von der Draftmaterie dieses Jahr, aber ich habe mich mittlerweile eingearbeitet in die Thematik. Das Feld ist bereitet für zwei Wochen Groove, oder wie es Mike Tanier nannte: Draftathon. Draft-Vorfeld ist gekennzeichnet von einer ganzen Latte an Stereotypen, die im Falle eines jeden Drinking-Games zum unvermeidlichen Vollrausch führen.

Abseits von Mock-Drafts und Gemeinplätzchen ist der NFL-Draft aber immer wieder eine sehr gute Gelegenheit, über spielerische Trends in der NFL zu sinnieren und einen neuen Jahrgang an Spielern, sprich Individualisten, kennenzulernen.

Let’s begin mit einer der Positionen, die sich in den letzten Jahren am meisten gewandelt hat: Tight End. Ich schrieb schon im Februar über die neuen Trends auf dieser Position und verlinkte auf dieses sehr schöne Video von Philadelphia Eagles.com, das die neue Bedeutung der Tight Ends ganz gut zusammenfasst.

Der Wandel in der Bedeutung des Tight Ends

Früher war der Tight End ein – eben – tight end, am Rande der Offensive Line aufgestellt, mit der Hauptaufgabe als Blockunterstützung zu wirken und gelegentlich mal als Ballfänger in Aktion zu treten. Das waren die 115kg schweren, 1.93m großen Bolzen, gebaut wie etwas athletischere Offensive Tackles. Schwere Jungs, die gegen Linebacker gegenhalten konnten. Sie haben fraglos auch heute noch ihren Platz im Footballsport, aber der Hauptfokus auf dieser Position hat sich über die letzten Jahre hin zu den fangstärkeren TE gewendet – Leute, die gerne mal auch in klassischen, früher ausnahmslos Wide Receivern vorbehaltenen Plätzen aufgestellt werden.

Prospects 2014

Name                 Rd
Eric Ebron           1
Jace Amaro           1-2
A. Seferian-Jenkins  2-3
Troy Niklas          2-3
C.J. Fiedorowicz     2-4
Arthur Lynch         3-5
Crockett Gillmore    3-5
A.C. Leonard         3-5
Richard Rodgers      4-6
Trey Burton          5-7

Links

Mayock Top Five

  1. Ebron
  2. Seferian-Jenkins
  3. Amaro
  4. Niklas
  5. Fiedorowicz

Leute wie Tony Gonzalez, Antonio Gates, Jimmy Graham oder Rob Gronkowski sind in erster Linie große, schlaksige Athleten, die Bälle wie ein Wide Receiver fangen können, aber zeitgleich noch gut genug als Blocker sind um damit ein Upgrade über jeden konventionellen Wide Receiver zu sein. Blocken ist immer noch für die meisten Tight Ends eine wichtige Aufgabe, die sitzen muss, aber in der Pass-Liga NFL ist die Eigenschaft des Fangens mittlerweile höher eingestuft als die des Blockens.

Wie man einen jungen, groß gewachsenen Tight End mit guten Fanhänden einsetzen kann, zeigt das Video anhand des jungen Eagles-TE #86 Zach Ertz: Ein Mann, der zu groß ist für einen Safety oder Cornerback und zu schnell für einen Linebacker. Das sind genau die Mismatches, die die Coaches von heute suchen – nicht, dass der Mann zwangsläufig jedes Spiel zehn Catches für 150yds machen muss, nein: Er muss „nur“ eine zusätzliche Option stellen, für die der gegnerische Coaching-Staff wertvolle Vorbereitungszeit investieren und im laufenden Spiel im einen oder anderen Play einen zusätzlichen Mann abstellen muss.

Ein fangstarker Tight End mit einigermaßen brauchbaren Block-Skills hat heutzutage eine gute Chance, in der ersten oder zweiten Runde gedraftet zu werden. Ein bockstarker Blocking-TE mit mäßigen Fanghänden geht dagegen garantiert nicht mehr vor der dritten oder vierten Runde vom Tablett.

Die Klasse von 2014

Der NFL-Draft 2014 hat von allen Sorten ein paar Optionen zu bieten. Der Jahrgang gilt nicht als überragend besetzt, aber die besten fünf, sechs Optionen sollen schon recht sichere Tüten mit Pro-Bowl Potenzial sein. In der sehenswerten Film-Room Session von Philadelphia Eagles.com diskutierten Bo Wulf und Greg Cosell in einem knackigen 10min-Video über die Vorzüge und Unsicherheiten der heurigen Klasse.

New Generation

Beginnen wir mit der Sorte „neue Tight Ends“, also denen, die sich in erster Linie über das Pass-Fangen definieren. Als Star des Jahrgangs gilt North Carolinas Eric Ebron, der bei den Tar Heels am College häufig als verkappter Wide Receiver aufgestellt wurde. Als Fachbegriff für Ebron könnte man detached Tight End einführen, also eine Art Spielertyp, der losgelöst von der klassischen Tight End-Positionierung am Rand der Offense Line operierte – meistens im Slot zwischen Line und Hash Marks.

Ebron sieht auf den ersten Blick auch aus wie ein klassischer, richtig monströs gebauter Wide Receiver. Er ist pfeilschnell und in der Lage, auch einem Cornerback auf und davon zu laufen. Ebron gilt noch als eher schlampiger Routenläufer, aber er ist mit seiner Statur, seinem Speed und seiner Physis in der Lage, Safetys zu schlagen, und mit gutem Coaching traut man ihm auf alle Fälle auch zu, die schwierigeren Routen, die von Cornerbacks verteidigt werden, zu laufen.

Ebron gilt als durchaus unterschätzter Vorblocker. Er wurde nicht oft für das Blocken einsetzt, soll aber in den wenigen Szenen sehr brauchbar ausgesehen haben und nur ein paar Feinheiten davon entfernt sein, zumindest ein „brauchbar“ für NFL-Verhältnisse auf diesem Feld ins Zeugnis geschrieben zu bekommen.

Gelegentlich schlampiger ist Ebron in seiner eigentlichen Paradedisziplin, dem Fangen. Von Zeit zu Zeit hat Ebron Aussetzer, lässt simple Bälle durch die Finger flutschen. Er streut oft genug die sensationellen Catches ein, dass man als Coach geneigt ist, diese Unssauberkeiten als Konzentrationsschwierigkeiten abzutun, aber in der Tat ist eine der großen Fragen, wie einfach man Ebron diese Flauseln austreiben kann.

Eine der weiteren Fragen bei Ebron wird sein, wie man ihn an der Anspiellinie attackiert: Am College wurde er nur selten mit einem jam (Wikipedia) angegangen, weil keine ausreichend kräftigen Gegenspieler gab und er sie überlaufen hätte. In der NFL hat mittlerweile fast jede Mannschaft Linebacker, die diesbezüglich zumindest temporären Schaden bei einem gegnerischen Tight End anrichten können und das Timing im Passspielzug empfindlich stören können.

Kommt Ebron sauber in die Route und fängt den Ball, ist er konkurrenzlos mit Hinblick auf die Klasse von 2014: So schnelle, fluide Bewegungen macht sonst kein Tight End, und er ist in vollem Lauf nur schwer zu Boden zu bringen.

In Summe ergibt das den Tight End mit dem höchsten „Ceiling“, also dem größten Potenzial, des Jahrgangs. Die geschilderten Fragezeichen und einige nur bedingt erbauliche Offseason-Workouts verhindern möglicherweise, das Ebron als sicherer Top-10 Pick in den Draft geht, aber er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bis spätestens Mitte-Ende der ersten Runde vom Tablett gegangen sein.

Als zweiter möglicher 1st-Rounder gilt Jace Amaro von der Texas Tech University. Amaro war in der teilweise kompromisslosen Pass-Offense der Red Raiders noch häufiger als ein Ebron als Wide Receiver unterwegs, und es gab Spiele, in denen Amaro die TE-Position nur vom Hörensagen kannte. Er operierte phasenweise als echter Slot-WR der Güteklasse Boldin. Von seiner Spielweise ist Amaro aber weniger mit einem Ebron vergleichbar, sondern mehr mit einem Jason Witten von den Cowboys: Er ist nicht überaus explosiv, sondern mehr der Techniker, der einfach seinen Job präzise erledigt und nicht versucht, mehr aus dem Play zu machen als es das Playbook vorschreibt – das mögen Coaches für gewöhnlich.

Amaro wird aber trotz dieser Eigenschaften und trotz seiner 1,95m von den meisten Experten aber als inferiore Option im Vergleich zu Ebron angesehen, weil er schlicht keine Erfahrung als Blocker an der Line of Scrimmage hat. Er wird das in der NFL lernen müssen, und das wird einige Zeit brauchen.

Auch so ein sehr stark auf seine Rolle des Fängers festzunagelnder Spieler ist Richard Rodgers von Cal: Groß gewachsen und somit ein Mismatch für sowohl Linebacker als auch Cornerback. Rodgers gilt als schwacher Blocker, aber als durchaus lernfähiger TE mit mittelfristigem Fokus. Man sagt, er geht irgendwann zwischen der dritten und fünften Runde vom Tablett.

Die Vielseitigen

Austin Seferian-Jenkins von der University of Washington sieht mit seinen 1,96m und 270 Pfund wie ein abgeschlankter Left-Tackle aus, und dürfte eine furchterregende Erscheinung sein. Er ist zwar ein guter Routenläufer und Ballfänger, der schon Cornerbacks geschlagen hat, aber seine wahre Stärke ist seine Vielseitigkeit: Seferian-Jenkins sagt man nach, ein ähnlicher Spielertyp wie letztes Jahr Zach Ertz (wurde an #36 gedraftet) zu sein, einer, der den Lauf-Blocker, Mitteldistanz-Ballfänger für die RedZone und die massige Statur für die GoalLine Offense in sich vereint.

Er wird kaum vor einem Ebron oder Amaro vom Board gehen, aber Seferian-Jenkins dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit als dritter oder vierter Tight End gedraftet werden.

In etwa die gleiche Region wie Seferian-Jenkins ist Troy Niklas von Notre Dame. Niklas ist auch so ein Hüne. Er sieht auf den ersten Blick ziemlich hüftsteif aus und bewegt sich längst nicht so grazil wie andere Artgenossen, aber bei genauerem Hinsehen gilt er als beweglicher als angenommen. Niklas‘ große Stärke ist die Zone in der Spielfeldmitte: Downfield kann er mit seiner Größe Safetys schlagen. Er gilt noch als entwicklungsfähig, wird zumindest ein oder zwei Jahre brauchen um sein Potenzial erschöpfen zu können.

Als sehr spannende Option gilt der schwer aussprechbare C.J. Fiedorowicz von Iowa, den der konservative Trainerstab um Kirk Ferentz dort nur sehr widerwillig als Pass-Catcher einsetzte, und wenn, dann meistens auf sehr kurzen Routen, wo nicht viel schief gehen kann. Fiedorowicz soll allerdings – und da wird es heiß – bei den wenigen längeren Spielzügen gigantisch ausgesehen haben. Die Frage ist hier Zufall oder Methode? Kannst du aus einer sehr kleinen Stichprobe an Tapes darauf schließen, dass Fiedoroqicz tatsächlich eine Art 360° Spielertalent ist?

Cosell meinte in einem seiner Podcasts, Fiedorowicz habe in seinen Bewegungen etwas Gronkowski-mäßiges. Sein Blockspiel ist kompromisslos, sein Fangen wie gesagt gut, aber schwierig zu bewerten. Viele glauben, dass er in der zweiten oder dritten Runde vom Tablett geht, aber ein mutiger Trainerstab könnte ihn auch schon früher ziehen.

Weniger Upside, dafür ein grundsoliderer Spieler ist Georgias Arthur Lynch. Bei ihm ist es ähnlich wie Fiedorowicz: Man vermutet viel unausgelotetes Potenzial im Spiel als Ballfänger. Lynch wurde nur für wenige wirklich spektakuläre Passspielzüge in Szene gesetzt, hatte überwiegend traditionelle TE-Übungen zu absolvieren. Das machte er wunderbar. Gilt als Option für die mittleren Draftrunden.

Ein komplettes dark horse ist der fürchterlich tätowierte Colt Lyerla, ein spielerisch unumstrittener, aber menschlich schwieriger Mann von der University of Oregon, oder besser: Von keiner Universität. Lyerla wurde in Oregon wegen wiederholter Drogenprobleme halb geschasst, halb ging er aus freien Stücken. Zurück blieb üble Nachrede von wegen Weichei und kaum zu kontrollierender Typ.

Rein von den sportlichen Voraussetzungen wäre Lyerla vermutlich der beste Tight End neben Ebron. Er ist ein 1.96m großer Hüne, der sich bewegt wie ein Einssiebziger. Diese Kombination aus Beweglichkeit und körperlicher Überlegenheit macht gewöhnlich einen 1st-Rounder auf dieser Position, aber nur, wenn es ein astreiner Charakter ist.

Für ein Team, das glaubt, ihn unter Kontrolle zu haben, wird er einen Draftpick wert sein. Lyerla kann per sofort als Waffe in der RedZone eingesetzt werden. Alles weitere muss man sehen: Da er 2013 kaum oder keinen Football spielte, hat er noch einiges in seiner Entwicklung nachzuholen.

Schließlich gibt es noch den schwer einzuschätzenden Trey Burton von Florida. Burton wurde bei den Gators hauptsächlich als „X-Faktor“ eingesetzt, sprich als positionsübergreifendes Asset in der Offense. Mal war er der Runningback, der die Pässe aus dem Backfield entgegen nahm. Mal war er der klassische Slot-Bolzen. Mal war er ein echter Tight End. In der Combine war er der TE-Gruppe zugewiesen, also bleibe ich hier mal bei dieser Einschätzung. In Wahrheit dürfte er eher das sein, was früher Chris Cooley in Washington war: Ein H-Back. Burton gilt aufgrund seiner undefinierten Position als Kandidat für einen mittleren Draftpick so um die vierte oder fünfte Runde.

NFL-Saison 2014/15 – Der Spielplan steht

Heute Nacht ist der NFL-Schedule 2014/15 bekannt gegeben worden. Die Regular Season wird schon am Donnerstag, 4. September beginnen und läuft bis 28. Dezember. Das Eröffnungsspiel ist die Neuauflage des berühmten Fail Mary-Spiels vom September 2012, Seattle SeahawksGreen Bay Packers, diesmal garantiert mit echten Referees. Das Auftaktwochenende ist auch danach mit fetten Ansetzungen aufgestellt, u.a. Denver vs Indianapolis (Peyton Manning vs sein altes Team und Luck) und einem MNF-Doubleheader mit Detroit vs NY Giants sowie Arizona – San Diego plus gar einigen Divisionsduellen am Sonntag. In Woche zwei eröffnen die 49ers ihr neues Stadion im Sunday Night Game gegen die Chicago Bears.

Den ganzen Schedule in sehr kompakter und dank farblicher Markierung auch gut zu lesender Form hat Chase Stuart von Football Perspective in einem downloadbaren Excel-File zusammengestellt: NFL-Schedule 2014.

Markant im neuen Schedule sind die Donnerstagsspiele, die bekanntlich ab kommende Saison von CBS produziert werden. Die Donnerstagsspiele in der ersten Saisonhälfte Stück werden von auch von CBS ausgestrahlt, und es sind die fetten Dinger dabei, mit Pittsburgh vs Baltimore, Washington vs Giants, Minnesota vs Green Bay, New England vs Jets, Denver vs San Diego. Erst in der zweiten Saisonhälfte, wenn die Spiele dann vom NFL Network ausgestrahlt werden (aber CBS produziert), kommen kleinere Franchises wie Buffalo oder Cleveland in den TNF-Schedule.

Das Thanksgiving-Wochenende ist massiv: Ab 18h30 Detroit – Chicago, ab 22h Dallas – Philadelphia und das Nachtspiel Seattle – San Francisco. Dabei fällt auf, dass nur NFC-Mannschaften dabei sein – ein Novum, aber im neuen TV-Vertrag ist offenbar festgeschrieben, dass künftig auch mehr Spiele zwischen FOX (überträgt NFC-Auswärtsspiele) und CBS (überträgt AFC-Auswärtsspiele) hin- und hergeschoben werden können. Mehr zu den Hintergründen gibt es bei Kai Pahl in Screensport Zwo.

Seattle hat als Titelverteidiger vier Primetime-Spiele, aber nur eines – besagtes Saisoneröffnungsspiel – zuhause. Der Grund soll tatsächlich sein, dass Seattles Heimspiele in den letzten Jahren zu oft in Blowouts mutierten, die für die Zuschauer nur allzu schnell unansehnlich wurden. Zu gut darfste eben nicht sein.

Was schon bekannt war: Das Wembley-Spiel am 26.10., Atlanta vs Detroit, wird bereits um 14h30 Ortszeit angepfiffen, sprich 9h30 amerikanischer Ostküstenzeit (oder 6h30 Westküste) – so früh wie vermutlich noch kein NFL-Spiel. Und ebenso bereits bekannt: ESPN wird diese Saison erstmals ein Playoffspiel übertragen – ein Wildcardspiel am ersten Wochenende.

Eine Playoff-Erweiterung auf 14 Mannschaften bereits für die kommende Saison ist dagegen eher unwahrscheinlich. Im März wurde der Vorschlag schon abgeschmettert, und auch bei der zweiten Abstimmung im Mai stehen die Chancen auf eine schnelle Erweiterung eher schlecht.

Wollen Obduktionsbericht?

Es hat sich zur Frühjahrstradition auf diesem Blog entwickelt, dass bis zum Vorfeld des NFL-Drafts alle 32 NFL-Mannschaften in einer „Sezierstunde“ durchleuchtet werden, sozusagen als Vorbereitung auf den Draft und als generelle Rundschau durch die Liga. 2014 war das vierte Mal, und es war das bisher ausführlichste. Ich fühle mich nun „ge-updatet“, was die National Football League angeht. Alle 32 Sezierstunden dieses Frühjahrs kann man unter dem Tag Sezierstunde 2014 aufrufen. Auf dass man sich im nächsten Leben Jahr wieder liest.

Seattle Seahawks in der Sezierstunde

Abschluss der Sezierstunde-Serie wie immer mit dem amtierenden Superbowl-Champion, dem überzeugendsten NFL-Titelträger seit langer Zeit, den Seattle Seahawks. So sehr ich den Zufall in dieser Sportliga NFL liebe, so angenehm ist es, mal wieder einen überzeugenden, über allen stehenden Meister zu sehen. Es gab auch in den letzten Jahren immer wieder bockstarke Siegermannschaften, aber selten in der Kombination: Qualität, Siege, Superbowl-Blowout. Wie Seattle den bedauernswerten Endspielgegner Denver platt wie eine Scheibe Toastbrot machte, das hatte was Episches, von dem man sich auch drei Monate hernach nicht so recht lösen kann.

Den Weg der Seahawks in den letzten Jahren habe ich schon im Vorfeld der Superbowl 48 nachzuzeichnen versucht: Philosophie trifft Pragmatismus. Ein jahrelang fast wie zufällig aussehendes Hin- und Herverschieben von Spielern und Draftpicks als verzweifelter Versuch des Head Coaches / quasi-GMs Pete Carroll, seine Trainerkarriere zu retten, ergab in Seattle erst dann einen Sinn, als man in der dritten Runde des NFL-Drafts die QB-Granate Russell Wilson fand. Mit dem richtigen Quarterback im Line-Up fügten sich die entscheidenden Teile der Mannschaft plötzlich zusammen.

2011 hatte man eine fantastische, aber nahezu unbekannte Defense, die unbemerkt blieb, weil die Offense nix war. Ein Jahr später hatte man mit Frontmann Wilson dann auch die Feuerkraft im Angriff, scheiterte aber extrem unglücklich in den Playoffs. 2013 fügte sich alles zusammen: Dank der billigen jungen Superstars hatte man Geld genug um auf kritischen Positionen einen enorm breiten Kader zusammenzukaufen, der quasi von der Nummer 1 bis zur Nummer 4 im Depth-Chart keinen Qualitätsverlust hatte.

Der Titelsturm hatte noch ein weiteres Gutes: Carroll konnte seine Assistenten halten. Galten OffCoord Bevell und DefCoord Dan Quinn lange Zeit als potenzielle Headcoach-Kandidaten z.B. in Cleveland, verhinderte die lange Playoffserie ein Abwerben der Co-Trainer. Bis Anfang Februar warten heutzutage nur noch ganz wenige Mannschaften – ad hoc fielen mir nur noch die Browns ein, die vor zehn Jahren nach dem letzten Patriots-Titel in New Englands Stab wilderten.

So haben wir in Seattle in diesem Frühjahr fast unveränderte Rahmenbedingungen: Ein Head Coach Carroll, der es auch weiterhin allen Kritikern zeigen will. Einen Trainerstab, der beisammen blieb. Einen sehr jungen Mannschaftskern, der nur wenige Abgänge zu verzeichnen hat. Und höchstens ein paar Fragezeichen mit mittelfristigem Fokus.

Überblick 2013

Record        13-3    SB
Engeö Spiele   5-3
Pythagorean   12.9     1
Power Ranking  0.760   1
Pass-Offense   6.8     8
Pass-Defense   5.1     1
Turnovers      +20

Management

Salary Cap 2014.

Freilich sind aber selbst die Seahawks nicht ohne Schwachstellen. Die Offensive Line zum Beispiel war das ganze Jahr über ein Fragezeichen, und sie zwang QB Wilson zeitweise, noch stärker zu improvisieren als gewohnt. Nun ist Wilson kein QB, der sich irgendwelche Anflüge von Nervosität anmerken lässt, wenn der Druck von allen Seiten auf die Pocket hereinprasselt, aber 51 Sacks in 526 Drop-Backs sind dann doch eine Hausnummer. Fast 10% Sack-Quote kassieren nur wenige NFL-Spielmacher.

Es war für Seattles Offense egal, weil sie eh primär versucht, ein hartes, staubtrockenes Laufspiel aufzubauen. Weil sie auf die Qualität der Defense bauen kann. Und weil sie darauf bauen kann, dass Wilson genügend Plays – zu Fuß oder mit aufregenden tiefen Bomben – macht um die Spiele trotzdem locker zu gewinnen.

LT Russell Okung gilt als Anker der Offensive Line, aber er verpasste Teile der 2013er-Saison mit Verletzungen und war ganz generell in seiner Karriere nie einer der Spieler, auf die du für alle 1200 Offense-Snaps pro Jahr bauen konntest. Der zweite Klassemann der Offense Line ist C Max Unger. Aber alle anderen Stamm-Vorblocker bekamen heuer auf die Fresse: LG Carpenter wird als 1st-Round Bust beschimpft, RG McQuistan wurde ohne mit der Wimper zu zucken nach Cleveland abgeschoben, und RT Giacomini stabilisierte sich erst Ende der Saison, wurde dann aber auch in der Free-Agency fortgeschickt.

Es gilt als hausgemacht, dass Seattle einen seiner hohen Draftpicks für einen Offense Liner spendieren wird – entweder für einen Guard oder einen Tackle, vielleicht werden es sogar je eins und eins. Seattle pickt erst zum Ende der ersten Runde, aber das ist kein Problem, wenn haarklein die OT-Position als eine der bestbesetzten im Draft 2014 gilt.

Eine weitere potenzielle Stelle zum Nachbessern in der Offense wurde auf Wide Receiver aufgemacht, wo man Golden Tate nach Detroit ziehen ließ. Man konnte sich zwar letzte Woche sozusagen als verführtes Ostergeschenk die Dienst von Sidney Rice erneut sichern (man hatte sich Rices teuren Vertrags im Februar entledigt, bekam ihn nun für Minimalgehalt und Einjahresvertrag wieder), aber ein Rice allein macht keine Kadertiefe hinter dem Stamm-Trio, und sei das noch so gut.

Dieses Trio Baldwin / Kearse / Harvin hat seine Schwächen – der klassische Wideout, der die Manndeckungen im Alleingang schlägt, fehlt – aber es reicht eigentlich potenziell aus. Harvin ist dabei der Star, der einzige Slot-WR der Liga, der wirklich aus eigener Kraft dem Gegner seinen Willen aufzwingen kann, aber Harvin ist halt oft verletzt. Letzte Saison hatte man sogar Glück, dass sich Harvin schon in der Vorbereitung die Bänder riss und somit erst zum Saisonende wieder fit wurde und nicht mehr genug Plays hatte um sich nochmal ernsthaft für das Endspiel zu verletzten; vielleicht sollte er es noch einmal so machen, aber dann gehen den Hawks die Optionen aus.

Kearse gilt als echter Kämpfer. Er hat schon in Seattle studiert (University of Washington) und sich als ungedrafteter Rookie durchgesetzt. Seine absolute Stärke ist das Blockspiel, ungewöhnlich für einen Receiver. Baldwin kann alles ein bisschen und nix hervorragend – das reicht zu einer sehr, sehr brauchbaren Nummer 2, aber wie gesagt: Sollte Harvin ausfallen, könnte das diesem Passspiel schon einen Knacks geben. Rice ist schließlich auch bis auf sein Ausreißer-Jahr 2009 in Minnesota auch bestenfalls ein mittelklassiger Mann.

Soll ich erwähnen, dass auch Wide Receiver als außerordentlich tief besetzte Position im Draft 2004 gilt?

Tight Ends: Check. Miller ist zwar kein Star, aber für 2-3 Catches pro Spiel und den einen oder anderen tiefen Ball immer zu haben. Der junge Luke Willson hatte zwar nur einen bestenfalls soliden Einstand in der Liga, aber er wird es erstmal tun.

Running Backs: Check. Marshawn Lynch ist einer der ganz wenigen Runningbacks der NFL 2014, um die du wirklich versuchen kannst, deine Offense zu bauen. Auch ein Lynch kann zwar die Offense nicht allein tragen, aber allein Lynchs Power reichen aus, um für Seattle die Balance im PlayCalling zu halten. Das kannst du sonst heute nur noch von einem Peterson in Minnesota oder einem Doug Martin in Tampa behaupten – und da drücken wir schon bei Letzterem ein Auge zu. Lynch ist zwar nicht außerordentlich effizient (41.6% Success-Rate ist Liga-Durchschnitt / 4.2yds/Carry sind auch nicht weltbewegend), aber er zwingt mit seiner Konstanz jeden Gegner, ein Auge auf das Laufspielzu halten. 1545yds, 16 Rush-TDs, und 37 Catches für 319yds und 3 TD-Catches sind Zeugnis für einen kompletten Spieler.

Sein Backup Turbin hatte zuletzt ein eher schwaches Jahr. Aber in der Hinterhand wartet noch RB Christine Michael, vor einem Jahr gedraftet als einer der herausragenden Zukunftstalente auf der RB-Position. Michael war letztes Jahr einer der großen Favoriten von Mike Mayock im Draftprozess, und bei Texas A&M am College ein extrem auffälliger, explosiver Back.

In der Defense kamen einige Leistungsträger für die Kadertiefe abhanden, aber die für die Spielidee zentralen Spieler sind alle noch da: Die Achse der Legion ist Boom ist noch komplett, der großartige DT MeBane ist noch da, LB Bobby Wagner ist noch da. Sogar die beiden Star-DE Michael Bennett und Cliff Avril, die besten und wichtigsten Spieler beim Superbowl-Blowout, bleiben in Seattle. Bennett konnte für einen nicht billigen, aber auch nicht überteuerten Vertrag gehalten werden. Er ist vielleicht mit nur rund 600 Snaps/Jahr kein klassischer Stammspieler, aber als Rotationsspieler ist er unersätzlich, und in den Snaps, in denen er spielt, gibt es kaum vielseitigere Leute.

Aus der Defense Line wurden nur DE Red Bryant und DE Clemons ziehen gelassen; beide gingen zum ehemaligen DefCoord der Hawks, Gus Bradley, nach Jacksonville. Dafür konnte Rotations-Tackle McDaniel (530 Snaps letztes Jahr) gehalten werden. Damit ist die Front-Four der Seahawks aktuell wie folgt besetzt:

  • DT: Brandon Mebane, Tony McDaniel, Jordan Hill, Jesse Williams
  • DE/LEO: Michael Bennett, Cliff Avril, Bruce Irvin

Es braucht nicht zwingend eine Neuverpflichtung, aber man darf trotzdem darauf tippen, dass der Stab der Seahawks versuchen wird, in den mittleren bis späten Runden (Seattle hat allerdings keinen 3rd-Rounder) einen neuen Defensive Liner zu holen, der langsam eingelernt werden kann.

Ein Irvin kann auch als Outside-Linebacker spielen, gilt dort jedoch als Sicherheitsrisiko, wenn der Gegner überraschend mit einem Laufspielzug daher kommt. Selten, dass Spieler deplatzierter aussehen wie ein Irvin in der Run-Defense, aber dafür wurde er ja auch nicht geholt. Die anderen Linebacker sind alle komplette Jungs: Wagner, der gerne unterschätzte K.J. Wright, und auch der offizielle Superbowl-MVP Malcolm Smith hat eine Wandlung hin zu einem gebräuchlichen three down Verteidiger gemacht.

Die Achse der Legion-of-BoomCB Sherman, FS Thomas, SS Chancellor – steht und muss nicht weiter diskutiert werden. Das vierte Gründungsmitglied Browner wurde nach New England ziehen gelassen, aber der verpasste eh die meiste Zeit mit Drogenproblemen. Browners Ersatzmann 2013, CB Thurmond, musste auch ziehen gelassen werden, sodass mittlerweile der CB Byron Maxwell die legendäre Seahawks-Secondary vervollständigt.

Maxwell und Slot-CB Jeremy Lane machten aber beide ihre Jobs im letzten Jahr sehr ordentlich, und man kann ihnen durchaus vertrauen. Brutal schwierig ist ihre Arbeit auch nicht: Die meisten Top-Receiver beim Gegner werden eh durch Sherman und der Scheming weggenommen, und wenn der Passrush wie gewohnt zündet, haben sie auch lange genug Zeit um ihre Gegenspieler halbwegs abzudecken. Zu schauen ist höchstens, ob und wie die Jungspunde SS Jeron Johnson (einst Boise State) und CB Tharold Simon (einst Problemkind bei LSU) besser eingebunden werden.

Wir haben also in Summe Needs in der Offensive Line (vermutlich Guard und Tackle), Spots für verbesserte Tiefe auf Wide Receiver, Defensive Line und vielleicht noch im Defensive Backfield, aber das sind Luxusprobleme vergleichen mit auch unmittelbaren Konkurrenten.

Fazit: Der Titelverteidiger ist schon vor dem Draft gut aufgestellt für die Titelverteidigung. Die sollte man zwar nicht erwarten – in einer NFL solltest du nie etwas „erwarten“ – aber der Kader ist schon wieder eine der komplettesten von allen.

In Offense und Defense greifen so fassungslos viele Rädchen ineinander, dass er bei Seattle gar nicht den „einen“ Mega-Spieler braucht, um den sich alles dreht. Die Offense ist ums Laufspiel gebaut, aber das Laufspiel hat nur deswegen eine Chance, weil der Quarterback ein Goldstück ist. Umgekehrt funktioniert dieser Quarterback vermutlich auch deswegen so fassungslos gut, weil er die Unterstützung von einem brachialen Run-Game hat.

Ähnlich die Defense: Die Secondary wäre vermutlich auch ohne Passrush in der Lage, jeden Gegner unter 6.0 NY/A zu halten, aber erst in Kombination mit dem Passrush ist sie total dominant. Deckt der Cornerback den Gegner 0.3 Sekunden länger als der durchschnittliche Corner, hat der Passrush 0.3sek mehr Zeit durchzubrechen. Bricht dieser Passrush dann noch aus eigener Kraft 0.2sek schneller durch als der durchschnittliche Passrush, hast du die dominanteste Defense seit mindestens zehn Jahren beisammen.

Es ist diese ausgeglichene, mannschaftliche Geschlossenheit, die mich bei allen famosen Einzelkönnern wie Wilson oder Earl Thomas seit gut zwei Jahren so fasziniert die Seahawks beobachten lässt. Es ist dieser Mannschaftsgedanke, der dazu führt, dass diese Mannschaft nicht einmal den Titel gebraucht hätte um mich für sie zu begeistern. Selten, sehr selten, dass solche Naturgewalten so perfekt ineinander verschmelzen – und schon allein deshalb ist auf die Seattle Seahawks schon wieder zu achten.

San Francisco 49ers in der Sezierstunde

Drei Jahre Jim Harbaugh, drei Jahre „eine Hand an der Trophäe“, dreimal knapp gescheitert – das sind die San Francisco 49ers dieser Tage. Eine Franchise, die ganz nahe dran ist, den Ruhm der glorreichen 80er wiederherzustellen, aber bisher jedesmal knapp vor der Erfüllung aller Träume gescheitert ist. Vor zwei Jahren zerstörten zwei Fumbles des Ersatz-Returners den Endspieltraum, und dieses und letztes Jahr scheiterte man jeweils in der Schlussminute von Semifinale und Finale mit einem Pass in die Endzone hinein. In anderen Worten: Die 49ers sind „dran“, aber sie konnten sich noch nicht belohnen. Viel schlimmer: Belohnt hat sich in der Zwischenzeit der lange Zeit nahezu völlig unbekannte Erzrivale, die Seattle Seahawks.

Da passt es doch wie angegossen, dass man sich GM Trent Baalke nach der Saison erstmal in einen Vertragsstreit mit Harbaugh begab, der zumindest Gespräche über einen möglichen Abgang Harbaughs entfachte. Wie viel an den Trade-Gerüchten „Harbaugh nach Cleveland“ dran war, ist nicht ganz klar, aber allein der Gedanke ist verrückt. Die Crux ist: Baalke will Harbaugh erst dann wie einen Superbowl-Coach bezahlen, wenn er eine gewonnen hat. Die alte Leier der Management-Fehler.

Trotzdem ist das Potenzial der 49ers da, und es ist sogar ziemlich gut: Für 2014 ist der Salary-Cap Raum zwar recht begrenzt, aber viel muss man auch nicht mehr bewegen, und ab 2015 hat man wieder einige Cap-Flexibilität. Baalke hat hier einen sehr guten Job gemacht – das neue CBA half ihm bei Leuten wie QB Colin Kaepernick natürlich, aber Baalke hat bislang seine Topspieler auch unabhängig vom CBA nicht mit horrende Verträgen beglückt.

Es gibt zwar auch junge, begabte Spieler mit auslaufenden Verträgen wie OLB Smith, WR Crabtree, OG Iupati, Kaepernick, aber das sind dann auch schon die meisten der Stützen. Die meisten anderen Free-Agents betreffen Mittelklassespieler wie DT Dorsey oder Altstars wie RB Gore. Dazu kommt, dass die 49ers mal wieder extremst viele Draftpicks für 2014 zur Verfügung haben – vor allem jene in der Zone, wo die Draftklasse 2014 am besten ist: Zwischen den Picks #20 und #70. San Francisco hat zwischen #30 und #100 gleich sechs Draftpicks im Sacko, und insgesamt 12 Stück.

Zur Kaderschau.

Überblick 2013

Record        12-4    CC
Enge Spiele    3-2
Pythagorean   11.6     4
Power Ranking  0.645   6
Pass-Offense   6.5    11
Pass-Defense   5.8     9
Turnovers      +12

Management

Salary Cap 2014.

Die 49ers-Offense der letzten Saison krankte über viele Wochen an einem zu wechselhaften Passspiel. Das lag zum Teil am mangelhaften Spielermaterial, zum Teil an Verletzungen, zum Teil an einer anfangs schwachen Offensive Line, aber es lag wohl auch am generellen Spielzugdesign und der Unerfahrenheit des jungen QBs Colin Kaepernick, 2012 wie Phoenix aus der Asche gestiegen, der 2013 aber doch einiges Lehrgeld zahlte.

Einvakuumiert lesen sich Kaepernicks Zahlen nicht völlig neben den Schuhen: 6.5 NY/A ist ein sehr anständiger Wert für eine Pass-Offense, nicht überragend, aber überdurchschnittlich für die starken Defenses, die San Francisco sah. Kaepernick hatte auch bloß 11 Interceptions in der Regular Season, insgesamt eine 2.2% INT-Quote – auch dies ist besser als der Durchschnitt, und für den Hopp-oder-Topp Stil der Niners sogar anständig.

Aber da sind auch nur 58% Completion-Rate und Kaepernick kassierte in 543 Passversuchen üble 45 Sacks, und es waren einige sehr sterile Performances von Kaepernicks Offenses mit dabei. Waren es die Wehwehchen des Lernenden? Viel Erfahrung hat Kaepernick ja nicht gerade. Auf alle Fälle war es eine zeitlang mau genug, dass San Francisco sich noch nicht traut, Kaepernick die geforderte 20 Mio/Jahr Vertragsverlängerung unterzujubeln.

Zu verlieren hat man nicht allzu viel: Ob Kaepernick auftrumpft oder nicht, viel teurer wird er in einem Jahr nicht sein. Kollabieren seine Leistungen, kriegt man ihn sogar billiger oder kann sich nach Alternativen umschauen. Hat er weiter Probleme mit fickfreudigen Sternchen, kann man über seine Nachfolge nachdenken.

Für das kommende Jahr steht Kaepernick, diese Naturgewalt, erstmal unter Beobachtung. Er zeigte letzten Herbst Ansätze, dass er auch Geduld in der Pocket entwickeln kann und auch mal 3sek auf seine Anspielstation warten kann – manchmal zu lange (die vielen Sacks!). Er ist in einer Findungsphase.

Man sollte sich darauf konzentrieren, ihm kurz- und mittelfristig einen besseren Receiving-Corp zur Seite zu stellen, der auch mal den Ausfall eines Leistungsträgers aushält.

WR Michael Crabtree wird kommenden Herbst fitter sein: Er verpasste den Großteil des letzten Jahres mit Achillessehnenriss und humpelte hernach auch mehr herum als er sprintete. Trotzdem war er nach seiner Rückkehr mit 30% tiefen Anspielen und 34 Catches wieder der Mann für die schwierigen Plays. Man kann ihn fast als Neuzugang werten, und ein Crabtree in 2012er-Form wäre einer der besten Receiver der Liga, plus er spielt um einen neuen Vertrag.

Zuletzt noch wertvoller als Crabtree war der Oldie-Bolzen WR Anquan Boldin, ein Brocken von Mann für die Spielfeldmitte, der die Offense fast eine halbe Saison lang allein auf seinen Schultern trug und unendlich viele kritische Plays hatte. Boldin geht auf die Mitte 30 zu und man sollte nicht drauf wetten, dass seine Leistungskurve stabil bleibt, aber vielleicht hat er noch ein gutes Jahr im Tank.

Dazu kommt der sehr komplette TE Vernon Davis, der fantastische Mann, der in der wenig passfreudigen Offense der 49ers 98x angespielt wurde, in 36% der Fälle davon tief über die Spielfeldmitte für 57 Catches, 904yds und 15 TD. Allein, bei Davis ist oft die Frage, wie motiviert er auftritt. Er hatte Bombenjahre, aber er hatte auch magere Jahre.

Hinter diesem Trio ist wenig, mit dem man arbeiten kann. Der junge WR Quinton Patton hat im Trainerstab noch was gut, weil er sich sofort nach dem Draft als Motivationsbündel allererster Güte erwies und mit seinem Trainingsfleiß alle mitriss, aber am Ende des Tages sprangen in 6 Einsätzen nur 7 Anspiele und 5 Catches bei raus. Patton wird sich verbessern müssen. WR Baldwin ist als Flop abgestempelt, und WR Manningham wurde zu den Giants zurückgeschickt – es ist also Platz da für den einen oder anderen Neuzugang für ein Team mit viel Holz zum Arbeiten in einer Draftklasse mit vielen WR-Talenten.

Bei den Ballträgern hatte man zuletzt ein eher schwaches Jahr: San Franciscos Offense ist immer noch um ein sehr variantenreiches Laufspiel aufgebaut, aber man war mit nur noch 40% Erfolgsquote bei Lauf-Downs nur noch unterdurchschnittlich (#20), und wenn man die Scrambles von Kaepernick rausrechnet, war man nur noch #24 der Liga nach Laufspieleffizienz – schwache Werte. RB Frank Gore wird nicht jünger, bekam aber zuletzt immer noch 324 Carries. Gore ist kein guter Ballfänger, aber er ist stark darin, sofort downfield abzubiegen und die notwendigen Yards herauszupressen.

Er ist nächstes Jahr wie eingangs beschrieben Free-Agent, und ob man dann mit einem 30jährigen noch verlängern will – who knows? Seine Backups sind alle junge Spieler: Kendall Hunter ist Draftklasse 2011, hat aber nie richtig überzeugen können, obwohl er 2012 sehr gute Ansätze hatte. Lamichael James ist Draftklasse 2012 und hätte eigentlich letztes Jahr eine größere Rolle bekommen sollen, aber es scheint mittlerweile so zu sein, dass ihn der Trainerstab aufgegeben hat und ihn verkaufen will. Und dann wäre da noch Marcus Lattimore, Draftklasse 2013, den sich die 49ers vor einem Jahr als Art Luxus leisten konnten; Lattimore, der schon einige schwere Verletzungen am College erlitt, galt immer schon als Mega-Back, und er war auch einer meiner Lieblingsspieler am College. Er ist wieder fit, und dürfte dieses Jahr sein NFL-Debüt geben. Vom Talent her wäre er ohne Verletzungen ein 1st-Rounder gewesen, eine Rarität in der heutigen NFL.

Tja, und Offensive Line: Hier wurde jahrelang geklotzt in San Francisco. Immer und immer wieder wurden 1st-Rounder ausgegeben, aber erst 2012 wirkte die Line zum ersten Mal richtig massiv. Letztes Jahr gab es einige Probleme mit Pass- und Lauf-Blocking, aber mit zunehmendem Spielverlauf kam immer besserer Drive in diese Unit. Vom Spielermaterial her ist man auf allen Positionen außer Center (Goodwin ist 35 und bekam noch keine Vertragsverlängerung) exzellent besetzt. Als Ergänzung für die Tackle-Positionen wurde Jonathan Martin aus Miami geholt, ein Harbaugh-Schützling am College, und das Mobbing-Opfer Martin soll sich in San Francisco wohler fühlen als im Haifischbecken bei den Delfinen.

Auch die Defense hatte letztes Jahr anfängliche Schwierigkeiten, sah mehrere Wochen lang wie es ist, wenn sich Schlüsselspieler mit Verletzungen plagen. Gebaut ist sie um ihre aufgeblasene Front-Seven, die eine zumeist suspekte Secondary übertünchen kann, weil der Passrush extrem ist und Laufspiel nicht zu machen ist. 5.8 NY/A gegen den Pass sind ein starker Wert, aber es war auch schon mal besser in San Francisco.

Stichwort Passrush, wo die Frage der Fragen OLB Aldon Smith betrifft: Smith ist wenn fit einer der besten, wuchtigsten Passrusher in der NFL. Er kann locker 15-20 Sacks fabrizieren und für endlosen Terror im gegnerischen Backfield sorgen, aber er ist auf der anderen Seite ein Mann, der noch nicht begriffen hat, dass die Pubertät vorbei ist. Er hatte in den letzten Monaten von Alkohol- über Drogenprobleme über nervliche Probleme hin zu Gewaltausbrüchen so ziemlich alle Phasen, die eine Bilderbuchkarriere des stereotypischen Ghettoproblemkinds ausmachen, und die 49ers scheinen mittlerweile die Geduld mit ihm zu verlieren. Sein Vertrag läuft nächstes Jahr aus; unter dem neuen CBA haben NFL-Teams die Chance, eine Option auf ein fünftes Profijahr zu ziehen, und die Niners werden es möglicherweise bei Aldon nicht ziehen – und wenn schon, dann gilt es aktuell als wahrscheinlich, dass er getradet wird.

Es wird also Passrush von den Flanken brauchen – vielleicht via Draft. „innen“ ist man 100%ig gesattelt, wenn ILB Navorro Bowman nach seinem ganz üblen Kreuzbandriss aus dem NFC-Finale fit sein sollte; ein Backup-Plan für Bowman schadet vielleicht nicht, aber das Trainerteam wird darüber mehr Bescheid wissen. Bowmans Nebenmann ist der universellste Inside-LB, den man sich ausmalen kann: Patrick Willis.

In der Defensive Line ist nicht mehr alles nur um den famosen Altstar DE Justin Smith konzipiert. Justin ist mit 34 auch nimmer die körperliche Wucht vergangener Tage, aber er wird weiterhin ein wertvoller Spieler für die Rotation sein. Er bekommt für dieses Jahr einen neuen Schützling zum Einlernen zur Seite gestellt: DE Tank Carradine, Björn Werners Teamkollege am College, den San Francisco letztes Jahr ähnlich wie Lattimore als eine Art „Redshirt“-Rookie draftete. Carradine war ein 2nd-Round Pick, der sicher ganz weit vorne gedraftet worden wäre, hätte er sich nicht schwer am Knie verletzt. Carradine wird dieses Jahr fit sein, und er gilt als extrem gutes Talent. Er ist quasi ein weiterer Gratis-1st Rounder, den San Francisco in den Kader zu integrieren versucht.

Die weitere Genossen in der Line sind der DT/DE Glenn Dorsey, der letztes Jahr teilweise Nose-Tackle spielte, und DE Ray McDonald, dessen 2013er Saison hymnisch besungen wird. McDonald hatte irgendwie nie jemand über den Weg getraut, aber er scheint sich zu einem kompletten Spieler entwickelt zu haben.

Kurzum: „Da vorne“ in der Niners-Defense ist geballte Wucht vorhanden. Die Frage ist eher: Ist die Tiefe da, oder soll man mit dem einen oder anderen Pick nachladen? (Eher ja)

In der immer schon eher schwachen Secondary muss man gleich drei „Leistungsträger“ ziehen lassen: CB Brown, CB Rogers und S Whitner gingen, hinterlassen aber keine nicht zu schließende Lücke. S Bethea wurde aus Indianapolis geholt und dürfte mit seiner grundsoliden Spielweise eh ein Upgrade gegenüber Whitner sein, und auf Cornerback brauchst du in dieser Defense nur so gut sein, dass du nicht nach 1.5sek blank stehst. Den Rest macht der Passrush.

Der homophobe CB Culliver und CB Brock gelten aktuell als Stamm-CBs, während der zuletzt in Detroit und Tampa stets schnell gefeuerte CB Eric Wright auch eine Vertragsverlängerung sah und zumindest mehrere hundert Snaps Spielzeit sehen könnte. Hier könnte es angebracht sein, mit mittelfristigem Fokus auch mal einen der höheren Picks zu investieren.

Viele Lücken gibt es in San Francisco nicht. Der Kader ist relativ komplett. Auf den Positionen, auf denen man mit alternden Spielern besetzt ist, hat man schon die jungen Talente im Käfig. Für meine Begriffe sollte man sich nach einem Passrush-Talent umsehen. Aldon Smith scheint keine sichere Tüte zu sein und möglicherweise eher früher als später im Knast schmoren. Und so dominant die Front-Seven mit ihm ist: Ohne Aldons Skills ist das statt Lamborghini hat schnell nur noch Ford Focus – sehr gute Leistung, aber kein geraubter Atem mehr.

Dazu Wide Receiver/Tight End, Cornerback und für die Tiefe ein Defensive Liner – so zumindest könnte man die „Baustellen“ für 2014 bezeichnen. Bleibt aus Niners-Sicht zu hoffen, dass Kaepernick den „richtigen“ Druchbruch, also den Sprung in die QB-Elite, schafft. Oder sich zumindest als 1B-Klasse herausstellt – dann bleibt dieses Team auch nach den ersten schweren Vertragsverlängerungen für die noch immer billigen Jungstars ein Titelkandidat auf 2-3 Jahre hinaus.

Cincinnati Bengals in der Sezierstunde

Das einstige hässliche Entlein der Liga, die Cincinnati Bengals, hat sich in den letzten Jahren zu einer der bestgeführten Franchises entwickelt – ein Wahnsinn, wenn man sich zurückerinnert an die Zeiten, in denen fünf Saisonsiege gefeiert wurden wie die Weltmeisterschaft. Zu verdanken ist das in erster Linie der ruhigen Hand von Head Coach / GM Marvin Lewis, aber – Cincinnatis Ureinwohner geben das ungern zu – wohl auch dem Franchise-Owner Mike Brown, der es in der letzten schweren Krise vor drei Jahren vermied, Lewis zu feuern, und ihm sogar zusätzliche Komptenzen zuschusterte. Das Resultat kann sich sehen lassen: Drei Playoff-Qualifikationen en suite für die Bengals und ein Kader, der minimum 25 Kontrahenten vor Neid erblassen lässt – allein, der letzte Durchbruch wurde noch nicht geschafft: Lewis hat noch immer keinen Playoffsieg vorzuweisen.

In dieser Offseason musste Lewis dann auch erstmals seit Jahren seinen Trainerstab größer umbauen: OffCoord Jay Gruden wurde Headcoach in Washington, DefCoord Mike Zimmer in Minnesota. Beide gelten als ersetzbar, aber ein Coordinatorwechsel in beiden großen Units ist nie zu unterschätzen. Vermutlich wird Marv, der Defensiv-Guru, wieder mehr Hand in der Tagesarbeit anlegen müssen. In der Offense kann man nur hoffen, dass der neue OffCoord Hue Jackson besser ist als sein Ruf: Jacksons bisherige Positionen mit viel Verantwortung (OffCoord Atlanta, Headcoach Oakland) gingen beide eher in die Hosen, auch weil beide Male unter zugegeben fast unmöglichen Umständen.

Überblick 2013

Record        11-5    WC
Enge Spiele    5-3
Pythagorean   11.2     5
Power Ranking  0.711   4
Pass-Offense   6.7     9
Pass-Defense   5.1     2
Turnovers       +1

Management

Salary Cap 2014.

Dass der Bengals-Kader eine Wucht ist, muss nicht mehr öfters betont werden. Er wird auch gleich anschließend noch in aller Länge und Breite diskutiert, aber widmen wir uns gleich dem wichtigsten Thema bei den Bengals in dieser Offseason: Quarterback. Der Rotschopf Andy Dalton, Zweitrundenpick von 2011, hat mittlerweile drei Jahre Erfahrung als Stamm-QB auf dem Buckel – drei Jahre, die nicht jeden – besser: Nur wenige – überzeugt hinterließen.

Dalton hat immer wieder gute Momente. Er sieht bei gegebenen Rahmenbedingungen sogar wie ein richtig Guter aus, aber dann lässt er wieder Spiele zum Haareraufen folgen. Dalton ist kein mittelmäßiger boom or bust-QB. Dalton ist eher der Typ Quarterback, der wegen seines limitierten Wurfarms zwar sehr effizient sein kann, wenn der Gegner den GamePlan nicht überreißt, aber der keine Antworten mehr weiß, wenn der Gegner ihm seine paar Routen wegnimmt, die er werfen kann. So geschehen zuletzt in der seelenlosen Playoffpleite gegen San Diego, als Dalton sogar gegen die mittelmäßige Chargers-Defense kein Bein in den Boden bekam.

Es ist das stuck in the middle-Phänomen, das BWL-Studenten aus dem Erstsemesterkurs kennen, und das auch für die NFL in ihrer heutigen Struktur gilt: Wenn der Quarterback gut, aber nicht hervorragend ist, riskierst du, immer und immer wieder auf dreiviertel Weg stecken zu bleiben. Zu gut, um per Absturz den Umbau zu probieren, zu schlecht, um ohne viel Glück die Lombardi Trophy zu holen.

Aus meiner Sicht ist es unerlässlich, dass Cincinnati einen Quarterback draften muss. Mike Tanier von Sports on Earth hat in einem sehr stimmigen Eintrag den Standpunkt vertreten, wieso Zach Mettenberger die Wahl der Bengals sein muss: Mettenberger gilt mit seiner Rakete von Wurfarm als großes Talent, kommt aber von einer schweren Verletzung und ist möglicherweise für 2014 keine gute Option für Teams mit dringendem QB-Need.

Mettenberger würde es Cincinnati erlauben, Dalton noch ein Jahr Zeit zu geben ohne den Druck, ihn nach dem nächsten schwachen Spiel ersetzen zu müssen, wie es bei einem großen Namen wie Bridgewater der Fall wäre. Mettenberger böte aber gleichzeitig die Option an, ihn ein Jahr Lernen zu lassen und im Falle eine Scheiterns Daltons nächstes Jahr nicht auf einen komplett grünen Rookie angewiesen zu sein.

Soweit alles stimmig. Cincinnati hat keine dringenden Löcher im Kader, die man mit dem Erstrundenpick angehen muss. Es ist bloß der Fakt, dass das Management, sprich Lewis, schon verlauten ließen, mit Dalton möglicherweise schon im Sommer den Vertrag zu verlängern um ihm das volle Vertrauen zu schenken.

Das kann gut gehen – auch ein Flacco explodierte zum rechten Zeitpunkt, auch wenn er ein anderer Spielertyp ist. Aber Punkt ist: Auf eine Explosion bei Dalton zu hoffen, ist Hoffen auf den Zufall. Den Zufall, dass er genau im kritischen Moment den Durchbruch schafft.

Der Rest im Kader passt. Der Schlüsselspieler der Offense ist WR A.J. Green, der sich innerhalb kürzester Zeit zum Mega-Wideout entwickelt hat. Den fantastischen Green kannst du jederzeit 1-gegen-1 gegen die besten Cornerbacks der Liga schicken. Er sieht 30% der Anspiele der Bengals, und davon 30% tief. Er fabrizierte zuletzt wieder 101 Catches für 1460yds und 11 Touchdowns, und das als oft isolierte Waffe downfield.

Auf der anderen Seite konnte sich WR Marv Jones (59 Catches, 842yds, 10 TD) als Mitteldistanzwaffe etablieren, während der geschwindige WR Sanu ganz gerne im Slot operiert. Als zusätzliche Waffe für die Spielfeldmitte wurde der wenige WR Hawkins ausfindig gemacht, während der junge TE Eifert nach seniem Rookiejahr auch schon auf 39 Catches und 445yds zurückblicken kann.

Etwas umstritten ist TE Jermaine Gresham, der jedes Jahr um die 50 Catches macht, aber mit seiner Anfälligkeit für Fumbles, seinem schlamigen Routenlaufen und seiner gelegentlichen Faulheit, Blocks zu setzen, ein Ärgernis ist. Gresham passt aber als Hüne für die Spielfeldmitte auch wie Arsch auf Eimer in das bisherige Spielsystem in Cincinnati.

Von „hinten“ soll künftig verstärkt der extrem explosive RB Gio Bernard kommen, als Rookie mit 182 Carries und 63 Catches für insgesamt 1327yds und 8 TD in Erscheinung getreten. Es sind Zweifel angebracht, ob es Bernard als Arbeitstier schaffen kann, aber sollte das nicht der Plan sein, kannst du immer noch einen Back in den mittleren bis späten Runde als Ergänzung draften. Sollte das passieren, ist der komplett durchschnittliche Green-Ellis wohl weg vom Fenster.

Sie alle werden hinter einer sehr soliden Offensive Line operieren können. Der „Swing-Tackle“ Collins, der so ziemlich alles spielen konnte, musste zwar ziehen gelassen werden, aber es bleibt immer noch eine rundum komplette Line ohne die ganz großen Schwachpunkte: LT Whitworth und RT Andre Smith gelten als Pro-Bowl Kaliber, während die beiden Guards Zeitler und Boling durchaus gehobenen Ansprüchen genügen – und beide sind noch jung und entwicklungsfähig.

Bleibt eine Offense, die insgesamt ihr Potenzial nicht ganz ausschöpfen kann, weil der Quarterback zwar ein Sympath zum Knuddeln ist, aber eben zu limitiert für das ganze Arsenal. Dalton hat noch eine Chance verdient. Dalton kann, wenn er seine guten Tage hat, durchaus diesen Kader zum Titel führen. Aber es ist wahrscheinlicher, dass er sich als zu durchschnittlich entpuppt, und in diesem Fall wäre es nicht schlecht, eine Notfalloption in der Hinterhand zu halten.

Die Defense war letzte Saison eine Offenbarung: Obwohl sie mit DT Geno Atkins und CB Leon Hall die beiden wichtigsten Verteidiger fast das ganze Jahr lang vermisste, sprangen überragende 5.1 NY/A heraus – Werte, für die viele DefCoords killen würden. Zimmer ist nun eben abgesprungen und was sein Nachfolger Guenther draufhat, ist nicht ganz klar, aber es ist immer noch Marv Lewis da, und es ist immer noch eine fast kompletter Abwehrkader da.

Die potenziellen Lücken sind „up front“. DE Michael Johnson folgte dem Ruf des Geldes und unterschrieb für 8.5 Mio/Jahr in Tampa, weswegen möglicherweise Defensive End eine Position auf dem Wunschzettel wird. Man hält dort in Carlos Dunlap zwar einen sehr brauchbaren Passrusher, aber ansonsten ist wenig geprüftes Material vorhanden. Letztes Jahr wurde der estnische Bär DE Margus Hunt (2.03m, 127kg) gedraftet, aber Hunt ist bald 27 und möglicherweise nicht mehr so entwicklungsfähig. DE Gilberry hat sich in seiner Karriere bisher als eher situativ gebräuchlicher Spieler erwiesen, und nicht als einer, den zu 800 Snaps spielen lassen willst.

DT Atkins ist nicht der allerschwerste, allerbreiteste Tackle für heutige Standard-NFL Körpermaße, aber er ist so quick, so beweglich, dass er damit alles wettmacht und für unerlässlichen Passrush über die Mitte zu haben ist. Er spielt meistens den 3-technique Tackle, und man versucht, ihm 1-vs-1 Situationen zu geben. Das heißt wiederum viel Arbeit für seinen Nebenmann, der in den letzten Jahren der struwwelige Domata Peko war – Peko gilt als allerdings durchaus upgradewürdiger Stammspieler. Ist der kürzlich gedraftete DT Brandon Thompson eine alternative Option?

Dahinter war der junge LB Vontaze Burfict zuletzt eine Offenbarung: Burficts spielerische Klasse war nur von wenigen jemals ernsthaft bestritten worden; bei ihm hatte man stets mehr Angst ob seiner Unkontrollierbarkeit: Burfict galt stets als unbeherrscht nach Spielzugende, immer eine Tätlichkeit vom 15yds-Penalty oder Spielausschluss entfernt, und auch im Privatleben ein Mensch, der seine Vita nicht unter Kontrolle bekam. Solche Leute waren für Cincinnati noch nie ein Hindernis, und auch Burfict konnte allem Anschein nach hingebogen werden. Burfict hatte von einer schwierigen Position aus sensationelle 92 Successes (Success = Sacks, Tackle für EPA-Verlust, Interceptions, Fumbles).

Er dürfte als Fixstern eingeplant sein. Sein Nebenmann ILB Maualuga tut es gerade, auch wenn man seine Hüftsteifheit schon seit Jahren versucht zu ersetzen. Der 36jährige OLB Harrison wurde trotz guter Saison entlassen – sofern der junge DE/OLB Dontay Moch aus Arizona als sein direkter Nachfolger gekauft wurde, gut. Ansonsten wird es hier für Cincinnati Nachhilfe brauchen.

In der Secondary ist zu hoffen, dass CB Hall sich nicht erneut verletzt; Hall ist der Mann, der als eine Art „Standard-Nickelback“ im Slot operiert. Die Außen-Cornerbacks sind mit Pacman Jones und Terrance Newman ansprechend besetzt – immer im Hinterkopf zu halten, dass diese Jungs einen funktionierenden Passrush brauchen. Vielleicht sieht der vom Runningback zum CB umgeschulte junge Onterrio McCalebb (Sprintstar bei Auburn) auch erste Snaps im regulären Spielbetrieb. Die Safetys waren in Cincinnati noch nie ein großes Problem: Iloka, Reggie Nelson und der junge Shawn Williams (galt als gute Führungsfigur an der University of Georgia) dürften Arbeitsteilung betreiben.

Zusammenfassend: Quarterback ist die Position, die für die Bengals über Wohl und Wehe entscheidet. Dalton ist keine zwingende Katastrophe, aber er ist trotzdem einer der wenigen unterdurchschnittlichen Stammspieler in Cincinnati auf der Position, auf der man es sich am wenigsten leisten kann. Die Mettenberger-Lösung gefiele mir außerordentlich von der Idee.

Andere Stellen, die man angehen könnte: Defensive End, Outside Linebacker, Center, Tiefe bei den Cornerbacks, Wide Receivers und Runningbacks. Viele eklatante Lücken gibt es nicht. Prinzipiell ist man wie Seattle, San Francisco oder Tampa Bay aufgestellt, was die Qualität der Positionen abseits der Quarterbacks angeht, sprich: Man ist schon wieder einer der Superbowl-Anwärter in der AFC. Dalton oder sein Nachfolger müssen es halt überreißen. Und die Coordinator-Wechsel dürfen sich nicht als zu große Umstellung herausstellen…

Cleveland Browns in der Sezierstunde

Die Cleveland Browns haben mehr oder weniger offiziell die Raiders als Komödiantenstadel Nummer 1 in der NFL abgelöst – Pate steht dafür der verrückte Start in die Offseason 2014, als man nacheinander Head Coach Rob Chudzinski nach nur einem Jahr feuerte, sich wochenlang auf der Suche nach einem Nachfolger nur Watschen holte, eine gefühlte C-Lösung präsentierte und schließlich die Bomben zündete in Form von Hausreinemachen mit Entlassung von CEO und General Manager. Zurück bleibt ein Club, bei dem man sich fragen muss, ob der Owner Jimmy Haslam – rein zufällig noch immer in FBI-Ermittlungen steckend – ihn überhaupt noch unter Kontrolle hat.

Es ist also viel passiert, und über die Hintergründe kann man weiter nur spekulieren. Als Positives bleibt festzuhalten: GM Michael Lombardi ist entsorgt. Lombardi ist zwar der Magier, der für RB Trent Richardson noch einen 1st-Rounder via Trade herausholen konnte, aber

a) war sein Vertragspartner Jim Irsay, und
b) irgendwas Positives bewirkt jeder.

Lombardi darf nun in New England wieder Praktikant Belichicks spielen und wird dort keinen weiteren Schaden anrichten. Als sein Nachfolger wurde das Eigenbauprodukt Ray Farmer installiert, ein Mann, von dem man sagt, er sei in der Trainersuche auf Weisung Lombardis überhaupt nicht involviert gewesen. Na denn. CEO Joe Banners Posten wurde erstmal nicht nachbesetzt.

Zum Schreien ist dabei tatsächlich: Die Browns haben einiges Potenzial im Kader, und der neue Headcoach, so unglücklich die Suche nach ihm verlief, ist durchaus ein spannender: Mike Pettine, ehemaliger Defensive Coordinator der Jets und Bills, einer, der schon bewies, dass ihm längerfristige Planung kein Fremdwort ist.

Und er ist mutig, holte sich den ligaweit verpönten OffCoord Kyle Shanahan in den Trainerstab, der nach dem Fiasko in Washington erstmal einigen verspielten Kredit wieder aufnehmen muss. Shanahans Ankunft wird vermutlich für die Browns auch die Umschulung auf eine zonen-basierte Offense bedeuten, die schon sein Vater in Denver kultivierte, und die er selbst schon in Houston kultivierte, und die beide gemeinsam in Washington… kultivierten kann man es vielleicht nicht nennen, aber damit kurzzeitig großen Erfolg hatten.

Pettine nahm einen Posten an, den sonst keiner wollte, denn wer will schon wie Vorgänger Chudzinski nach nur einem einzigen Jahr abgesägt werden? Noch dazu, wenn man Chudzinskis Rahmenbedingungen berücksichtigt – oder die Tatsache, dass die Cleveland Browns 2013/14 durchaus recht fetzige „Upside“ andeuteten: Mit .507 Sieg-Wahrscheinlichkeit gegen den Ligaschnitt war man #18 der NFL nach meinem Power-Ranking, und so ziemlich der klassische Mittelfeldläufer. Die Pythagoreische Erwartung, und überhaupt alle punktbasierten Rankings sehen Cleveland etwas schlechter als die reinen Effizienz-Stats Down für Down, aber no way, dass Cleveland im kommenden Herbst noch einmal bloß vier Siege holt.

Überblick 2013

Record         4-12
Enge Spiele    2-5
Pythagorean    5.4    26
Power Ranking  0.507  18
Pass-Offense   5.5    27
Pass-Defense   5.5     4
Turnovers       -8

Management

Salary Cap 2014.

Das heißt nicht, dass der Einstand der neuen Führungsriege besonders optimistisch stimmte: Cleveland hatte so ziemlich genau drei oder vier echte NFL-Spitzenspieler. Einen davon – S T.J. Ward – ließ man trotz vieler Millionen Cap-Space ziehen. Einen anderen – C Alex Mack – hielt man unnötig lange hin, vergrämte ihn mit einer „Transition-Tag“ Klausel, die zu seinem Abgang hätte führen können.

Es wurden aber auch gute Moves gemacht. QB Brandon Weeden, gescheiterter 2012er-Erstrundendraftpick, wurde nach Dallas ziehen gelassen und somit ein Neuaufbau auf der zentralen Footballposition schlechthin ermöglicht. Weedens Backup Brian Hoyer ist Stand heute die Nummer 1 im Kader, ein blasser Mann, der bisher in New England und Arizona nur als Karteikartenhalter in Erscheinung getreten war, aber letztes Jahr in seinen wenigen Einsätzen zwischen Weedens Demontage und Campbells Verletzung sehr, sehr brauchbar ausgesehen haben soll.

Da folgt die klassische Frage: Sollen wir ihm das abnehmen? Sind drei Wochen Brian Hoyer aussagekräftig genug um 28 Jahre Brian Hoyer vergessen zu machen? Sollen wir ihm eine Chance geben um drauf zu kommen, dass er Matt-Moore-like nach drei weiteren Spielen ausgeguckt ist oder kann er es wirklich packen?

Fakt ist: Cleveland hat mal wieder ernsthafte Fragezeichen auf Quarterback. Lösung a) ist Hoyer zu glauben und eventuell in einem Jahr sicher zu sein, keine Lösung oder die Lösung zu haben. Lösung b) ist, sofort einen neuen Quarterback zu draften. Von Manziel bis Carr geisterten denn auch schon alle möglichen Namen von bekannten Talenten aus dem Draft durch die Gazetten.

Wer auch immer neuer Quarterback wird: Er kann mit Material arbeiten. Bei den Wide Receivers hatte Josh Gordon seinen Durchbruch mit 1646yds aus nur 86 Catches. Von Gordon sind noch nicht alle überzeugt, dass er der neue beste Receiver der Liga ist, aber er sah auf alle Fälle phasenweise brillant aus. Gegen echt gute Manndeckung hat er noch Probleme, aber das haben viele andere auch.

Der groß gewachsene TE Jordan Cameron hat auch Potenzial zuhauf angedeutet, und die große Schwachstelle des Receiving-Corps hinter diesen Jungs wurde in der Offseason mit den Verpflichtungen von Andrew Hawkins aus Cincinnati und Nate Burleson aus Detroit angegangen – zwei wenig spektakuläre Neuzugänge, beide mit Verletzungssorgen, aber sie sind billig und sie bringen neben etwas Routine wohl auch die erhoffte kurzfristige Lösung für 2014 – eigentlich ideal, um noch einen jungen Wideout zu draften und den dieses Jahr einzulernen.

Bei den Runningbacks ist man schon qua Verkauf von Richardson besser aufgestellt als letzten Sommer, sagen die Spötter. Ganz so wird es nicht sein: Richardson war schon ein sehr spezielles Talent – aber einen 1st-Round Draftpick zu haben ist besser. Aus Houston wurde für relativ satte RB-Kohle (3.5 Mio/Jahr) Ben Tate eingekauft, der dort immer wieder kurz vor dem Durchbruch stand, ihn aber nie ganz schaffte. Tate gilt als kräftiger und explosiver Back, soll aber nicht rundum komplett sein, sprich Probleme haben, kurze Pässe aus dem Backfield heraus aufzunehmen. Tates Backups sind allesamt völlig unbeschriebene Blätter, bei denen man wohl auf den Shanahan’schen Effekt hofft.

Wo es nicht ganz übel hapern sollte: Offensive Line. Das Talent ist durchaus da. LT Thomas und C Mack gelten als möglicherweise beste Spieler ligaweit auf ihren Positionen, und beide sollten keine Probleme haben, die Umstellung auf die eher laterale Zonenoffense Shanahans haben. RT Schwartz gilt auch als aufstrebender Spieler, aber auf beiden Guard-Positionen könnte es noch Nachschub in Form von Draftpicks geben – hier ist Cleveland eher suboptimal besetzt.

Die Defense wurde zuletzt zwar ordentlich kritisiert, aber nach NY/A hatte sie eine Top-Passdefense: 5.5 NY/A, viertbester Wert der Liga. Das Personal ist gut für eine 3-4 Defense, die Pettine so liebt, aufgestellt, und mit DefCoord O’Neil holte sich Pettine auch einen alten Weggefährten in den Stab, der seine Denke teilt. Pettine ist bekannt dafür, dass er nicht häufig blitzt, sondern versucht, mit komplizierten „Zone-Wechseln“ zwischen den Outside Linebackers und Defensive Backs Druck auf das Offensive Backfield hinzukriegen. In New York bei den Jets sowie in Buffalo hatte er damit großen Erfolg.

Ganz vorne drin stehen mit den Tackle/Ends Rubin und Bryant sowie dem monströsen Nose Tackle Phil Taylor drei sehr potente, noch relativ junge Line-Spieler, die schon in den letzten Jahren gute Gegenwehr auch gegen bessere Offensive Lines leisteten. Sie sollten als Combo imstande sein, den Linebackers den Rücken frei zu halten, auch wenn sie in Sachen Tiefe Probleme bekommen könnten, wenn nicht noch der eine oder andere Rotationsspieler hinzugefügt wird.

Auf Linebacker ergänzte man den Oldie Karlos Dansby, der zuletzt einen eigenartigen Karriereverlauf hatte: In Arizona kurz nach dem Superbowl-Run 2008 entbehrlich geworden, ging Dansby nach Miami, wo er kurzzeitig mächtig aufgeigte, aber dann als zu alt abgeschrieben gefeuert wurde. Kehrte letztes Frühjahr für einen Minimalvertrag nach Arizona zurück und revitalisierte seine Karriere mit einer All-Pro würdigen Saison. Dansby ist 32 und folgte in dieser Offseason dem Ruf des Geldes, solange er noch konnte. Er unterschrieb für einen zweistelligen Millionenbetrag an Handgeld in Cleveland und ist als neuer Middle-Linebacker angedacht.

Dansby ersetzt den geschassten D’qwell Jackson, aber wer sein Nebenmann werden soll, ist nicht ganz klar: Es gibt kaum bekannte Alternativen. Ein Tank Carder, ehemals Abwehr-Hero bei TCU am College, gilt nicht als robust genug um als mehr als Ergänzungsspieler durchzugehen. Die meisten der weiteren Optionen sind eher Typus „Edge Rusher“ für die OLB-Positionen.

Zum Beispiel Paul Kruger, vor einem Jahr mit dem Nimbus des Superbowl-Champs für obszönes Geld aus Baltimore gelockt, und hernach klarerweise eine Ernüchterung. Oder Jabaal Sheard, der nach zwei sehr guten Einlernjahren schon eher als Wirbelwind an Passrush durchgeht; Sheard war nun zwei Jahre lang die beste Passrush-Waffe der Browns.

Das könnte sich ab heuer ändern, denn der 2013er-Draftpick, Barkevious Mingo, gilt als exzellentes Talent kurz vor seinem Durchbruch: Mingo hatte als Rookie seine Schwächephasen, sogar mehr Schwächephasen als gute Phasen, aber die Lichtblicke die er zeigte, sollen sehr hell gewesen sein. PFF.com charakterisiert den boom or bust-Spieler Mingo zudem schon als eine Art recht kompletter Edge-Spieler.

Wo es berechtigte Fragen gibt: Secondary. Dort wurde der Strong-Safety Ward durch den Hitter Whitner (oder Hitner) ersetzt. Es gibt wenige heftigere Downgrades als Whitner für Ward, wenn man solide Abwehrarbeit schätzt; Whitner steht für eine Handvoll Interceptions und zwei Handvoll blaue Flecken pro Jahr, wandelt aber stets am Rande eines aufgegebenen Big-Plays, weil er nicht flink genug ist um seine Rolle zur vollsten Zufriedenheit aller auszufüllen. Wenn Pettine denkt, er hat hier seinen neuen Super-Safety, könnte er sich getäuscht haben.

Auf Cornerback gibt es mit Joe Haden einen sehr guten Manndecker mit immensem Potenzial, aber Haden sah letztes Jahr manches Mal auch gegen mittelprächtige Receiver sehr, sehr durchschnittlich aus. Hadens bisherige Zeit in Cleveland verspricht allerdings Regression zur Mitte, sprich zur Mitte nach oben. Die restlichen Optionen im Backfield sind eher die Ergänzungsspieler, die du durchrotieren lässt – möglich, dass man bei vorhandenem CB-Talent im Draft nachbessert.

Ich sehe bei den Browns extrem viel schlummerndes Potenzial. Dieser Kader ist viel besser aufgestellt als es die vielen 4-12 und 5-11 Saisons der letzten Jahre befürchten lassen. Er ist halt bisher gescheitert, weil kein einziger der Quarterbacks sich als Glücksgriff erwies. Ob sich daran 2014 was ändern wird? Ob man überhaupt versuchen wird, den QB zu finden? Nix ist fix, aber Punkt ist auch, dass z.B. Seattle auch jahrelang wie eine unaufgeräumte Baustelle aussah, ehe mit Russell Wilson eher zufällig als geplant der QB-Superstar kam und plötzlich alles einen Sinn ergab.

Deswegen folgende Needs:

  1. Quarterback
  2. Defensive Backfield
  3. Inside Linebacker
  4. Offensive Guard
  5. Wide Receiver

Cleveland hat alle Optionen offen. Man hält zwei Picks in der ersten Runde (#4 und #26), man hält den Pick #35, dann zweimal dritte Runde und zweimal vierte Runde. Das ist mächtig Holz zum Abfackeln eines Feuerwerks – eine doch beachtliche Hinterlassenschaft eines ex-GMs wie Lombardi. Es ist noch etwas hin zum Draft, aber so wie es sich momentan zu entwickeln scheint, könnte es sogar sein, dass die Browns mit dem ersten Pick nichtmal einen Quarterback ziehen müssen, sondern eher eine Granate wie WR Watkins oder LB Mack in Angriff nehmen können. Quarterback für die späte erste oder frühe zweite Runde… oder, Cleveland? Oder hast du, Cleveland, noch die Gespenster von Brady Quinn (#22 Pick 2007) und Weeden (#22 Pick 2012) im Hinterkopf?

Miami Dolphins in der Sezierstunde

Konsolidierungsphase in Miami nach einer Saison des Grauens: Sportlich verpasste man nach einer großen Einkaufstour die Playoffs und geriet abseits des Spielfeld durch eine sehr üble Mobbing-Geschichte in die Schlagzeilen – eine Geschichte, bei der es am Ende einen Haufen Verlierer gab und die den Eindruck erweckte, dass der Trainerstab den Laden nicht mehr unter Kontrolle hatte bzw. ganze Mannschaftsteile aus Asozialen zusammengefügt wurden.

Das alles hätten die Dolphins etwas übertünchen können, hätten sie die gute Ausgangslage die Post-Season geschafft, aber die verspielten sie mit einer aseptischen Vorstellung im Saisonfinale gegen die Jets – zuhause, gegen einen eigentlich hilflosen Gegner.

Ganz so Trümmerhaufen ist Miami ein gutes Vierteljahr später nimmer. GM Ireland wurde gefeuert und durch GM Dennis Hickey ersetzt. Hickey behielt Headcoach Joe Philbin und Großteile des Trainerstabs, aber er entsorgte sich einiger Kopfschmerzen, indem er dem weißen Offensive Guard Richie Incognito, dem Mann im Zentrum der Mobbenden, eine Rückkehr verweigerte, und OT Jonathan Martin, den Gemobbten, nach San Francisco verschiffte.

Überblick 2013

Record         8-8
Enge Spiele    6-4
Pythagorean    7-5    19
Power Ranking  0.433  22
Pass-Offense   5.5    28
Pass-Defense   6.0    11
Turnovers       -2

Management

Salary Cap 2014.

Hickey hat noch einige PR-Arbeit zu leisten, aber er verhinderte zumindest ein weiteres Aufblasen der Zustände und richtete hernach seinen Fokus auf das Sportliche, wo er viele Transaktionen machte.

Absolute Priorität Nummer 1 in dieser Offseason war und ist die Offensive Line, letztes Jahr ein Torso allererster Güte, nicht bloß wegen der internen Streitereien, die zum Abgang Martins und zum Rausschmiss Incognitos führten: 58 Sacks gegen den bemitleidenswerten jungen QB Ryan Tannehill, der abseits des ständigen Passrushes sogar ganz passabel aussah.

Tannehill ist ein sehr schwierig zu bewertender Quarterback: Als Rookie 2012 hatte er die Entschuldigung der fehlenden Skill-Players. 2013 kann man ihm attestieren, keinen Schutz genossen zu haben und ein seelenloses Offensiv-Konzept durchschleifen zu müssen. Tannehill sieht in einem Vakuum wie ein sehr brauchbares QB-Talent aus: Mobilität, rattenscharfer Wurfarm, die Traute, auch die schwierigen Pässe zu nehmen – das alles ist höchst NFL-reif. Aber Tannehill baut dann immer wieder die Grottenspiele ein. Die Frage für Miami ist, ob diese mit der bisherigen O-Line Katastrophe zusammenhängen oder nicht.

Auf alle Fälle sind die ersten Moves bereits gemacht: LT Branden Albert wurde in einem lange erwarteten Move für einen schweren Fünfjahresvertrag (rund 9 Mio/Jahr) aus Kansas geholt um die Blindside des Quarterbacks zu beschützen. Der zuletzt bei den Rams sehr gelobte OG Shelley Smith wurde aus St Louis geholt und könnte durchaus einen der Stammplätze besetzen – Smith ist halt noch relativ unerfahren trotz seiner bereits 27 Lenze, und er war noch nie mehr als Ergänzungsspieler (letztes Jahr 372 Snaps). Aus Detroit holte man OT Fox, bei dem es mich überrascht hinterlassen würde, wenn er wirklich zum Starter ernannt wird. Dagegen wurde eine Latte an enttäuschenden Recken fortgeschickt: OT Clabo, OT Bomber McKinnie plus Martin und Incognito.

Das heißt summa summarum: Mit LT Albert und C Pouncey sind immer noch erst zwei Stammplätze fix besetzt. Smith könnte als „halber“ Starter durchgehen, während zumindest noch die rechte Seite Offensive Line unbesetzt bleibt: Hier sind die Wettquoten unter 1:1.5, dass Miami nicht zumindest einen seiner ersten beiden Draftpicks für Offense Liner rausgibt. Eher sind es zwei in einem Draft, der recht gut aufgestellt sein soll bei Tackles, und auch zwei hervorragende Guards hat. Vielleicht ist gar der Offense Guard der erste, der gezogen wird.

Passt die Line, kannst du am Konzept deiner Offense feilen, und dafür wurde OffCoord Bill Lazor aus Philadelphia geholt. Lazor war auch bei den Lions im Gespräch, und ich hätte nichts lieber gesehen als einen OffCoord Lazor in Detroit, aber der Mann entschied sich dann doch für Miami, wo er einen recht zufällig zusammengewürfelten Haufen auf eine Richtung trimmen soll.

Nur welche Richtung wird es sein? Lazor sah schon alles, was es an profitauglichen Offenses in den letzten Jahren so gab: Er war schon Assistent unter Mike Holmgren und Joe Gibbs, und zuletzt QB-Coach unter Chip Kelly in Philadelphia. Dazu gibt es einen Headcoach Philbin, der selbst eine eigene Agenda mitbringt und die klassische Packers-Offense intus hat. Ich sehe hier viel Kreativitätspotenzial, aber durchaus auch Bust-Chancen, wenn sich die Riege nicht auf etwas Kohärentes einigen kann.

Fakt ist: Miami hat den Quarterback. Miami wird vermutlich auch sowas wie eine Offensive Line haben, und dann kannst du plötzlich mit dem Spielermaterial anfangen zu arbeiten. Dann kannst du einen WR Mike Wallace öfters tief schicken als zuletzt, wo Tannehill längst in den Boden gerammt war, bis Wallace die 20yds tief ins Herz der Secondary gerannt war. Wallace wurde zwar immer noch in 31% der Fälle tief angespielt, aber seine Stats lesen sich gemessen an seinem Vertrag ernüchternd: 73 Catches, keine 1000yds, und das, obwohl er 141 Mal angespielt wurde und damit ein Viertel der Dolphins-Pässe sah.

Wallace ist gewiss das größte WR-Talent im Kader. Das zweite Talent ist WR Gibson, der immer wieder wie der angehende Superstar aussieht ehe er sich mit Kreuzbandriss auf die IR verabschiedet. Ein typischer #2-Receiver ist Brian Hartline. Dazu gibt es WR Matthews, der gutes Potenzial angedeutet hat, und den halben TE/HB Charles Clay, letztes Jahr berühmt geworden durch einen faszinierenden Catch/Lauf in der Crunch-Time gegen New England. Clay ist ein ungewöhnlicher Spieler, wird häufig für Hopp-oder-Topp Spielzüge eingesetzt.

Für das Backfield wurde RB Moreno aus Denver geholt. Moreno ergänzt die Rotation, die sich bisher RB Lamar Smith Miller und RB Dan Thomas teilten, beides Spieler, denen man einst gutes Potenzial bescheinigte, die aber als Enttäuschungen gewertet wurden. Moreno ist bei weitem der vielseitigste von all diesen Backs, da er zumindest auch mal einen Ball zu fangen imstande ist und somit eine Dimension in die Offense bringt, die überall Standard ist, nur in Miami bisher nie war (alle Runningbacks brachten letztes Jahr gemeinsam 40 Catches für ganze 230yds zustande).

Mit diesem Material muss Lazor arbeiten können, sofern die Offense Line passt. Es ist vorstellbar, dass man einen Tight End oder Wide Receiver ergänzt, sollte in den mittleren Runden gerade einer auf dem Präsentierteller liegen, der ins Konzept passt. Aber Prio 1 und 2 (und vielleicht sogar 3) in der Offense ist Offensive Line.

Die Defense ist eh nicht so schlecht: Überdurchschnittlich gegen Lauf und Pass, und wenn auch kein absolutes Kaliber, so erwiesen sich die meisten Zweifel an DefCoord Kevin Coyle doch als unbegründet. Man musste mit DT Soliai (nach Atlanta) und CB Carroll (nach Philadelphia) zwar zwei Stützen ziehen lassen, aber dafür wurden mit CB Grimes und DT Starks zwei Stützen gehalten.

Ganz klar ist noch nicht, was man denn eigentlich spielen will: 4-3 oder 3-4, oder ein Mischmasch. Es gerüchtelte auch schon, dass man den erst letztes Jahr für teures Geld und hohe Kompensation an #3 gedrafteten DE/OLB Dion Jordan schon wieder via Trade loswerden wollte – ein bizarrer Move, weil man normalerweise solche Talente nicht so schnell aufgibt. Das bedeutet entweder: Jordan ist eine Flasche, oder Jordan passt nicht ins System. Aber hätte man das nicht schon letztes Jahr wissen müssen?

Das Material für beide Defensive-Fronts ist jedenfalls da: DE/OLB Cameron Wake kann alles spielen was man ihm anvertraut, und er gilt in beiden Passrush-Positionen als absolute Ligaelite. Über Wake und sein Spielgefühl habe ich schon letztes Jahr mal geschrieben. Die Tackles wären mit Starks und Odrick auch ganz ordentlich besetzt, und für die Tiefe und Rotation könnte man durchaus einen mittleren Draftpick aufwenden. Als zweiter End/OLB kannst du immer Vernon mit seinen mehr als 10 Sacks aufstellen, oder eben hoffen, dass Jordan doch noch was wird.

Bei den Linebackers ist man nach der missglückten Einkaufstour letztes Jahr zwar mit Wheeler und Ellerbe nur suboptimal besetzt, aber zumindest kennen beide Spieler beide Systeme, und sind in der Lage, mehrere Positionen zu spielen. Hinter den beiden und LB Misi wird es allerdings bedenklich schnell gaaaaaaaaaaanz dünn.

Die Secondary muss den Abgang von CB Carroll und CB Patterson verkraften, die beide zuletzt gut gespielt haben sollen. Dafür konnte der Oldie CB Grimes gehalten und CB Cortland Finnegan aus St Louis geholt werden. Grimes galt letztes Jahr als Offenbarung. Finnegan, bekannt geworden als sehr nickeliger, teilweise unfairer Spieler, galt viele Jahre lang als Pro-Bowler, soll aber in St Louis extrem abgebaut haben. Finnegan ist 30 und dürfte zumindest noch 1-2 Jahre im Tank haben. Er ist ein klassischer Slot-Cornerback, und wenn 2013 nicht bloß ein einmaliger Ausreißer nach unten war, könnte er eine gute Verstärkung sein.

Für außen gibt es mit CB Jamar Taylor (2013-Draftpick) und Will Hill zwei junge, noch wenig erprobte Spieler, denen man aber gutes Potenzial nachsagt. Die Safety-Positionen sind mit Reshad Jones und dem aus Detroit geholten Louis Delmas auf dem Papier gut besetzt, auch wenn du immer bedenken musst, dass Delmas trotz seiner verletzungsfreien 2013er-Saison ein wandelndes Risiko ist: Guter Spieler, aber selten für mehr als 10 Spiele/Saison einsatzbereit.

Zwei der hohen Draftpicks dürften wie geschrieben der Offense Line gehören. Weitere Positionen kann man immer angehen, ohne dass eine Nichtbeachtung ihrer gleich einen Zusammenbruch des ganzen Gerippes bedeuten würde: Linebacker, Cornerback, Wide Receiver, Tight End. Ein bisschen dürfte es von den verfügbaren Spielern abhängen, ein bisschen von der Spielidee Lazors. Auf alle Fälle ist Miami rein sportlich ganz gut aufgestellt um in der lauen AFC mitzusprechen. An New England wird man nicht herankommen, aber vielleicht kann man den Ansturm der Bills verhindern und somit im Wildcardrennen bleiben.

Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Die Arizona Cardinals waren eine der positiven Überraschungen des abgelaufenen Jahres mit ihrer verdienten 10-6 Bilanz in der knüppelharten NFC West. Sie verpassten die Playoffs aufgrund eben dieser Divisionsstärke, aber sie hinterließen trotzdem einen extrem starken Eindruck, und jede Wette: Es waren fünf oder sechs Teams froh, dass die Cards letztlich nicht in die Post Season kamen… zu mächtig wirkten sie in der Saisonschlussphase.

Die Cardinals waren viele Jahre unter dem Headcoach Ken Whisenhunt berüchtigt dafür gewesen, eine unterirdische Pass-Offense durchschleppen zu müssen, in der sich niemand entscheiden konnte, ob die Qualität des Quarterbacks oder jene der Offensive Line schlechter war. Letztlich wurde Whisenhunt genau deswegen gefeuert und im letzten Winter durch Bruce Arians (ex-OffCoord der Steelers und Colts) ersetzt.

Überblick 2013

Record        10-6
Enge Spiele    5-3
Pythagorean    9.5     9
Power Ranking  0.633   7
Pass-Offense   6.5    10
Pass-Defense   5.5     7
Turnovers       -1

Management

Salary Cap 2014.

Die zweite wichtige Neuerung: QB Carson Palmer wurde aus Oakland geholt. Palmer, ein ehemaliger 1st-Draftpick der Cincinnati Bengals, ist einer der NFL-Profis mit diesen einzigartigen Karriereverläufen, über die du Bücher schreiben könntest. Gekommen als große Hoffnung, die siechenden Bengals zu revitalisieren, und schon im zweiten Jahr als Starter dort ein All-Pro würdiges Kaliber mit dem ersten Playoffeinzug der Mannschaft seit zwei Jahrzehnten. Es ging zuhause gegen den Erzfeind Steelers, und im allerersten Offense-Spielzug brachte Palmer einen 70yds Pass downfield an den Mann. Ein Traumstart… bis die Kamera ins Backfield schwang. Dort lag Palmer mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden. Er war von einem Steeler lang genug am Bein festgehalten worden, dass Palmers Knie sich verdrehte und so ziemlich alle wichtigen Bänder im Knie rissen.

Der Anfang vom Ende Palmers als Superspieler: Er kam zwar zurück, aber er ward nie mehr so gut. Zwei Jahre später musste er seine Sehnen im Wurfarm via Tommy John-Operation flicken lassen. Später zerstritt er sich mit dem Owner Mike Brown in Cincinannti und bestreikte frustriert vom Misserfolg der Bengals-Franchise seine Mannschaft. Wurde für einen behämmerten Tauschhandel nach Oakland verschifft, wo er die Raiders (!) trotz einer Orgie an Interceptions um ein Haar in die Playoffs geführt hätte. Wurde in Oakland rausgeschmissen, und ging in seinem dritten Frühling nach Arizona.

Kein Mensch hält Palmer mehr für einen Elite-QB, aber er ist ein gigantisches Upgrade über alles an Quarterbacks, was die Cards seit dem Karriereende Kurt Warners nach der 2009er Saison so durchschleppen mussten. Palmer warf zwar auch 2013 viele Interceptions (22 an der Zahl), aber im Verlauf der Saison stabilisierte sich die Offense unter seiner Führung immer besser. Palmer warf über den Saisonschnitt nur 23% tiefe Pässe, komplettierte dabei 63% für insgesamt 6.5 NY/A – ein Wert, der für Cards-Verhältnisse Sektkorkenknallen bedeutet.

Palmer ist 34, und eigentlich muss Arizona somit schon mittelfristig an seine Nachfolge denken. Fällt dieses Jahr der richtige Quarterback in den Slot, sollte Arizona im Prinzip schon zugreifen. Wer kann schon garantieren, wie lange Palmer noch halten wird?

Auf der anderen Seite: Auch Headcoach Arians ist kein Jungspund mehr. Mit 62 Lenzen wird Arians auch nimmer so langfristig planen können, will er seinen ganz großen Wurf noch schaffen.

Wenn Arizona kurzfristig denkt, geht es andere Baustellen als Quarterback an. Die allergrößte adressierte man schon in der Free-Agency mit dem Einkauf von LT Jared Veldheer aus Oakland. Veldheer ist erst 26 und gilt als großes Talent, und er konnte dank seiner Verletzung in der letzten Saison auch vergleichsweise billig für 7 Mio/Jahr eingekauft werden.

Veldheer als Anker der linken Seite, und als sein Nebenmann wird LG Jonathan Cooper einrücken. Cooper war vor 12 Monaten der #7-Draftpick des Jahrgangs, gefeiert als eines der größten Talente seit Äonen, aber er erlitt dann einen komplizierten Fußbruch und fiel die ganze Saison aus. Schienbeinbrüche sind für so schwere Jungs wie Cooper (140 Kilo) oft unangenehmer als man denken würde, aber denk mal positiv drüber: Arizonas Monster-Team wird dieses Jahr quasi um einen Gratis-First Rounder verstärkt. Mit Veldheer und Cooper kriegst du zwei potenzielle Ankermänner für die größte Baustelle des Teams.

Der Rest der Offense Line ist mit C Sendlein, RG Sendlein und RT Bobby Massie okay, aber nicht hervorragend besetzt. „Okay“ ist dabei gemessen an den Katastrophen von 2010-2012 ein Kompliment. Vor allem Massie soll auf der rechten Seite enormes Potenzial gezeigt haben. Center und Right Guard könnten aber noch via Draft durch Upgrades ersetzt werden.

Auf Tight End gibt es derzeit in Arizona nicht allzu viel, mit dem man arbeiten kann. TE Rob Housler wird von PFF.com als einer der schlimmsten Stammspieler der NFL beschimpft, aber Fakt ist: Andere sahen schon viel Potenzial in Housler: Noch ein junger Spieler, durchaus athletisch genug, aber noch etwas unreif. Arians liebt vielseitige Tight Ends, die gut fangen und blocken können. Er coachte einst Heath Miller in Pittsburgh, über den er immer wieder in Interviews schwärmt. Er (respektive seine Führungskräfte) draftete in Indianapolis zwei Tight Ends in hohen Positionen – alles andere als auszuschließen, dass Arizona resp. Arians diesmal spätestens in Runde 2 nach einem Tight End á la Jenkins aus Washington greifen.

Nicht direkt eine Schwachstelle für 2014, aber durchaus nicht unheikel mit Blick 2015 und darüber hinaus ist die Situation auf Wide Receiver: Dort schaffte Michael Floyd zuletzt endlich den Durchbruch. 20% der Anspiele des Jahres gingen auf Floyd, 34% davon tief. Floyd häufig Doppeldeckungen, und fing trotzdem 66 Bälle für über 1000yds. Auf Floyd wird man längerfristig bauen können, aber die große WR-Legende in Arizona, Larry Fitzgerald, könnte diesmal ihr letztes Halali in der Wüste sehen. Nicht, dass Fitzgerald großartig abgebaut hätte; er ist immer noch einer der effizientesten Wide Receivers, nur eine Spur unter der absoluten Elite, zu der er selbst auch früher gehörte.

Es ist sein Vertrag. Fitzgeralds Vertrag ist so gebaut, dass es in einem Jahr möglicherweise zur Trennung kommen muss: Fitzgerald wird dann zwar immer noch 14 Mio. dead-money anschreiben, aber das ist vielleicht für Arizona immer noch besser als einen 8-Mio. Roster-Bonus zu zahlen und sich somit auf Jahre hinaus weiter zu kastrieren. Für Fitzgerald selbst hat eine Neustrukturierung auch nicht wirklich viel Sinn – er könnte höchstens auf Gehalt verzichten. Verzichten deswegen, weil er andernorts kaum mehr einen Vertrag der Güteklasse Arizona bekommen wird, und somit auch nach einem samaritanischen Moment immer noch mehr einstecken würde als sonst. Nur: Wie viele NFL-Profis verzichten? Wie viele Menschen verzichten?

So oder so sind die Cards nach dem Abgang von Slot-WR Roberts gezwungen, Nachschub zu draften. WR Ginn aus Carolina ist bestenfalls Durchschnitt und verhindert, dass sich Superstar-CB Peterson weiter in sinnlosen Puntreturns aufreibt, aber Ginn ist keine echte verlässliche Receiver-Waffe.

Selbst wenn du an Ginn, den Wide Receiver, glaubst, ist es mit dem Fitzgerald-Vertrag im Hinterkopf fast ein Muss, hier mittelfristig zu denken und schon den Nachfolger einzulernen.

Aus dem Corp der Runningbacks kam Mendenhall abhanden, der seiner Gesundheit zuliebe mit nur knapp mehr als 27 Jahren zurücktrat. Das erlaubt den Cardinals, künftig stärker auf die Rookie-Sensation RB Andre Ellington zu bauen: Ellington wurde letztes Jahr extrem selten eingesetzt (117 Carries, machte aber als change of pace Back sensationelle 5.6yds/Carry und addierte dazu noch 39 Catches als Multiwaffe.

Ellington ist vielleicht in dieser Konstellation auch am effizientesten, weswegen RB Dwyer aus Pittsburgh geholt wurde. Dazu gibt es den Power-Back Taylor (ex-Stanford Cardinal) und Ryan Williams, zwei Backs, die in den letzten Jahren gedrafet wurden, als Entlastung. Ellington muss also keine 300 Carries sehen, aber no way, dass es wieder nur 117 sein sollten.

Summa summarum würde ich sagen: Tight End ist der große kurzfristige Need, den man angehen sollte. Mindestens ein Wide Receiver, und sei es als Absicherung gegen einen Abgang von Fitzgerald in einem Jahr. Und wenn der richtige Groschen fällt, kannst du schonmal auf Quarterback oder Center/RG denken.

Die Defense der Cardinals war zuletzt fast immer großartig, egal ob unter dem alten DefCoord Horton oder unter dem neuen Todd Bowles. Dieses druckvolle Spiel der 3-4 Cardinals ist immer eine Augenweide. Nun wurden viele Ergänzungsspieler bzw. Backups ziehen gelassen, weil der Kader ansonsten zu teuer geworden wäre, und sie wurden durch billiges Nachrückermaterial ersetzt.

Der Superstar der Front-Seven ist der DE/DT Calais Campbell, der 2013 mal wieder von einer unsympathischen Position aus 11 Sacks und fassungslose 67 Successes (Summe aus Tackles für EPA-Gewinn, Sacks, Fumbles, Interceptions) erzielte. Campbell ist J.J. Watt light, und zählt vorne für zwei. Dank seiner Arbeit können die Cards systemtechnisch die Linebacker etwas gen „andere“ Seite ziehen, wo der alternde Superbowl-Held von 2008, Darnell Dockett, nicht mehr zum Spitzenfeld gehört. Dockett ist nicht „schlecht“, aber er ist kein Campbell. Und Docket ist dank seines Vertrags ein heißer Kandidat, 2014 entlassen zu werden (zählt dann als 33jähriger 9.8 Mio. gegen die Cap, aber würde nur 3 Mio. dead-money anschreiben).

In der Mitte soll sich NT Dan Williams, ein ehemaliger 1st-Rounder, mittlerweile durchgesetzt haben. Als erste Backup-Option wurde Frostee Rucker gehalten; in Alameda Ta’amu gibt es noch einen weiteren jungen ehemaligen Draftpick zum Einlernen.

Die Linebacker hinter dieser sensationellen Anspiellinie verlieren in Brinkley und Dansby ihren beiden Inside-Starter des letzten Jahres. Hier ist die Frage, ob der famose Daryl Washington (einst TCU Horned Frogs) künftig wieder verstärkt Inside-Linebacker spielt. Washington brillierte schon früher häufig in einer Art Weakside-Linebacker Rolle.

Die andere ILB-Rolle ist zu besetzen (Draft?). Auf OLB gibt es John Abraham, eine der positiven Erscheinungen des letzten Jahres, aber Abraham wird mit 35 nicht jünger. Hier könnte für mein Empfinden versucht werden, eine Nachbesserung zu finden.

Man sollte allerdings nicht vergessen, welche Talente die Cards hier in der Hinterhand halten: Ein Kevin Minter, ein Alex Okafor, ein Sam Acho sind alles junge Linebacker, die vor nicht allzu langer Zeit als potenzielle hohe Draftpicks gehandelt wurden. Sie alle haben den Durchbruch noch nicht geschafft, aber mit nur 1-2 Jahren Erfahrung sind sie noch lernfähig. Ein Minter könnte durchaus Grund für die Cards gewesen sein, Dansby ziehen zu lassen. Ein Okafor galt schon oft als potenzieller Star-DE, könnte als OLB eingesetzt werden. Selbst ein Matt Shaughnessy (ehemals Oakland Raiders) konnte schon als Kurzzeit-Starter von der OLB-Position überzeugen und ist noch kein überalterter Routinier.

Es ist halt die Frage, wie viel Vertrauen das Trainerteam in diesen Schwall an noch ungeprüften Jungstars hat.

Das Defensive Backfield genügt durchaus höchsten Ansprüchen: CB Patrick Peterson kannst du nach drei Jahren des Einlernens mittlerweile auf jeden gegnerischen Top-Wideout loslassen, und er wird dir nur wenige Fehler begehen; Peterson ist ein echter Shutdown-Cornerback geworden. Der andere Stamm-CB ist mit Antonio Cromartie ein Neuzugang aus New York, berühmt geworden als Vater von tausend Kindern und Meister der Interceptions. Cromartie ist vielleicht kein Weltmeister mehr, aber als zweiter Mann im Tandem sicher ein massiver Gewinn – und er gibt dir die Chance, einen CB Powers in die Rotation zu schicken.

Als eine Art Freelancer zwischen Slot-CB und Free-Safety wird wieder Tyrann Mathieu agieren, der Honey-Badger, dessen Rookiesaison alle baff hinterließ. Mathieu, dieses wandelnde Drogenproblem, blieb als Rookie clean und glänzte als Playmaker der allerersten Güte. Er riss sich allerdings gegen Saisonende das Kreuzband. Wie fit er zurückkehren wird, bleibt abzuwarten, aber nehmen wir auch hier den guten Fall an, und wir haben einen sehr, sehr jungen Spieler für einen jungen Abwehrkern, der seine beste Zeit wohl erst noch vor sich hat.

Einzig bei der Safety-Combo Johnson/Jefferson würde ich meine Hand noch nicht ins Feuer legen, dass hier Großes kommt. Ich halte es durchaus nicht für ausgeschlossen, dass die Cards Safety als wichtigste Priorität sehen und entsprechend versuchen, schon in Runde 1 einen Safety zu draften.

Insgesamt dank verbesserter Offensive Line und QB Palmer gut aufgestellte Cards-Mannschaft. Sie wird dank Coopers Rückkehr und des eigenen 1st-Rounder im Prinzip durch zwei 1st-Rounder ersetzt. Wenn die größten kurzfristigen Lücken wie TE, OLB oder Safety zur Zufriedenheit gelöst werden, ist man vermutlich auch diesmal ein Spitzenteam. Aber man wird im Hinterkopf schon über 2014 hinaus denken müssen.

Es ist also überraschenderweise auch auf die Arizona Cardinals ein Auge zu werfen.

Pittsburgh Steelers in der Sezierstunde

Die Pittsburgh Steelers sind ein weiteres dieser Teams, das sich seit einigen Jahren in einem Übergangszustand befinden: Zu gut besetzt für einen echten Umbruch, aber zu durchschnittlich, zu alt, um mit den ganz Großen mitzuhalten. Eine der Ursachen war, dass GM Colbert über mehrere Jahre einen klassischen Managementfehler in der NFL beging und seinen Kern aus alten Superbowl-Recken auf Druck zusammenhalten wollte – auf Kosten von verzögerter Verjüngung und resultierend in teuren Verträgen und einer angespannten Cap-Situation.

Das engt die Spielräume der Steelers auf dem Transfermarkt ein, und zwang Colbert die letzten zwei, drei Jahren, vor allem die Defense langsam und unterschwellig zu verjüngen zu versuchen.

Eine der beißenden Fragen für die Steelers-Fans war in den letzten Jahren, wie weit es noch mit der Genialität von DefCoord Dick LeBeau her ist: „Blitzburgh“ war immer weniger zuletzt, und spätestens als man sich von Terrelle Pryor für einen 93yds-TD verarschen ließ, wunderte man sich, ob LeBeau denn überhaupt noch mitkriegt, welche Entwicklung die NFL-Offenses so genommen haben.

Überblick 2013

Record         8-8
Enge Spiele    2-5
Pythagorean    8.2    14
Power Ranking  0.557  12
Pass-Offense   6.4    12
Pass-Defense   5.9    10
Turnovers      -4

Management

Salary Cap 2014.

Die Frage kann man aber auch Richtung Spielermaterial drehen: Wie logisch ist es eigentlich, dass eine einst dominante Defense plötzlich eher mittelmäßig wird, wenn langjährige Recken, ja Superstars, wie NT Hampton, OLB Harrison, ILB Farrior oder OLB Woodley den Laden verlassen? Wenn vom einst besten Linebacker-Corp der Liga nur noch ein einziger Mann – der grundsolide ILB Lawrence Timmons – übrig bleibt?

Die Versuche, die Linebacker-Klasse zu halten, war ja durchaus da: 2013 draftete man zum Beispiel d von der University of Georgia, einen der dominanten Passrusher des Jahrgangs. Bei Jones hatte man aber Bedenken aufgrund seiner Gesundheit, aufgrund seines Körperbaus, aufgrund seiner Fähigkeit, gegen gut gesetzte Blocks zu bestehen. Jones konnte als Rookie keine dieser Bedenken widerlegen. Er hatte nur einen einzigen Sack – und der kam ungeblockt.

OLB Woodley wurde ziehen gelassen. Zumindest OLB Worilds konnte gehalten werden, aber so ganz überzeugend findet niemand eine Combo Jones/Worilds als Vollzeit-Tandem von den Flanken. Innen wurde LB Moats aus Buffalo geholt um Timmons zur Seite zu stehen, aber mit der Kadertiefe ist es bei den Linebackern nicht mehr weit her. Möglich, dass ein neuer Grünschnabel gedraftet wird, oder dass man dem nicht allen koscheren Sean Spence eine Chance gibt sich zu beweisen.

In der Defensive Line gab man das enttäuschende Talent Ziggy Hood endgültig auf. Man scheint auf den aufstrebenden DT/DE Cam Hayward zu bauen, der hervorragende Ansätze zeigte. Hinter Hayward gibt es jedoch kaum Alternativen. Die zweite End-Position in der 3-4 Defense von LeBeau ist noch komplett offen, und NT McLendon ist auch noch nicht annähernd an seinen Vorgänger Hampton hingekommen.

Der brauchbare DT Woods wurde abgegeben, während man mit Cam Thomas aus Pittsburgh immerhin einen mittelprächtigen Ersatz holen konnte. Echte Stützen dürften diese Männer nach aktuellem Kenntnisstand aber kaum werden. Es gilt als geritzt, dass Pittsburgh dort vorne nachbessern muss.

In der Secondary vermisst man prinzipiell ein wirklich starkes Cornerback-Tandem. Man hat zwar in SS Troy Polamalu immer noch eine Safety-Legende im Line-Up, aber Polamalu war zuletzt immer öfter verletzt, und nach mittlerweile elf Jahren im Getümmel der NFL könnte es schneller als erwartet soweit sein, dass sein Körper endgültig „Nope“ sagt. Es ist möglicherweise zu früh, ihn zu ersetzen, und möglicherweise sind die Lücken andernorts zu krass um seinen Nachfolger schon jetzt zu draften, aber man muss das nahende Karriereende bei Polamalu schon im Kopf halten.

Vielleicht steht der Nachfolger aber auch schon im Kader: Shamarko Thomas, gedraftet im letzten Jahr und bisher ohne nennenswerte Einsatzzeit geblieben. Man vertraut Thomas aber wenig genug um Mike Mitchell aus Carolina nicht doch einen 5yrs/25 Mio. Vertrag unterjegubelt zu haben – ein Wahnsinn angesichts der sonst so gezahlten Preise auf dem Markt. Mitchell ist der Mann, der einst von den Oakland Raiders in der zweiten Runde gedraftet wurde, floppte, und später in Carolina wenigstens ein annehmbarer Stammspieler wurde. Aber 5 Mio/Jahr in einem offenen Markt?

Alles in allem war Pittsburghs Defense aber zuletzt trotz des fraglichen Spielermaterials nicht „schlecht“: Sie gab z.B. 2011 nur 4.9 NY/A gegen den Pass auf – ein sensationeller Wert, besser als z.B. die Seahawks dieses Jahr. 2012 hatte man bockstarke 5.3 NY/A, was auch heuer eni Top-5 Wert gewesen wäre. 2013 mit 5.9 NY/A immer noch eine Top-10 Passdefense. Es fehlt halt ein bissl der letzte Punch zur absoluten Dominanz. Und: Seit Jahren werden erstaunlicherweise kaum mehr INTs gefangen – immer unter 2% INT-Quote, was unterirdisch ist, sich aber auch wieder schnell wenden kann.

Immerhin haben die Steelers nach Jahren des Schimpfens mittlerweile eine Offensive Line, die ihren Namen verdient: Es ist keine dominante Line, aber sie ist zumindest keine Sollbruchstelle mehr. LT Beachum kannst du immer upgraden, aber angesichts der notwendigen Blutauffrischung in der Defense wird ein Draften von Offense Tackles in den ersten Runden nur dann passieren, wenn tatsächlich zufällig das richtige Prospect auf dem Tablett liegt. Beachum ist für einen ehemaligen Siebtrundendraftpick (2012er Jahrgang) aber schon jetzt eine sehr gute Geschichte, und er verhindert vor allem, dass der gefloppte Mike Adams den Tackle geben muss.

Dahinter kannst du weiter auf QB Roethlisberger bauen: Ben wirft zwar kaum mehr tief (2013 nur noch 20% tiefe Pässe), aber seine Improvisationskünste sind weiterhin unerreicht. Er scheint sich auch mit OffCoord Haley mittlerweile so gut zu verstehen, dass die allwöchentlichen Clashes in den Lokalmedien rar geworden sind. In WR Antonio Brown hat er einen All-Pro würdigen Go-To Guy, der letztes Jahr sensationelle 29% der Steelers-Anspiele sah und diese zu 110 Catches für 1498yds und 8 TD verwertete – und das ohne echte komplementäre Waffe, die ihn entlasten hätte können.

Zwei seiner Receiver-Kollegen wurden ziehen gelassen: Emmanuel Sanders ging nach Denver, Jerrico Cotchery nach Carolina. Damit bleibt neben Brown nur noch der grundsolide TE Miller als bekannte Anspielstation.

Der sehr junge WR Markus Wheaton hatte als Rookie nur wenig Einsatzzeit, und konnte diese bisher nicht für Eigenwerbung nutzen. Wheaton wird vermutlich ab sofort mehr Spielzeit bekommen, aber nicht überrascht sein, sollte Pittsburgh noch einen jungen Wide Receiver draften. Die eingekauften Lance Moore aus New Orleans und Heyward-Bey aus Indianapolis stehen schließlich nicht für 100%ige Qualität, und beide müssen sich nach Jahren in Domes erst einmal an einen Acker von Spielfeld gewöhnen.

Breit aufgestellt ist Pittsburgh im Backfield, das zuletzt unterirdische Effizienz-Zahlen einfuhr, trotz optisch gar nicht so übler Runningbacks: Le’Veon Bell erwies sich als beweglicher als gedacht und steuerte vor allem auch 45 Catches bei. Bell hatte trotzdem recht maue Statistiken (3.5yds/Carry). Als eine Art neuer Power-Back wurde Blount aus New England geholt – Blount hatte dort ein paar wenige massive Spiele und viel Leerlauf, und wurde entsprechend von Belichick ziehen gelassen. Bell/Blount sollten in Summe aber ein recht wuchtiges Duo abgeben, das maximal noch durch einen Billig-Back ergänzt wird.

Sieht nicht unterirdisch aus für Pittsburgh. Als größte Baustellen sehe ich die Front-Seven: Ein 3-4 Defensive End fehlt, und dann dürfte es gerne noch ein Talent zum 3-4 OLB sein, wenn wir uns schon zwei Wunschspieler aussuchen dürfen.

Auf Cornerback ist man durchaus unterdurchschnittlich besetzt, aber zumindest die Historie zeigt, dass man in Pittsburgh stets eher auf den Passrush/Blitz vertraute und Cornerback maximal als „1B“-Priorität sah. Von zumindest einem neuen Cornerback bin ich aber überzeugt. Man könnte auch Ike Taylor auf seine alten Spielertage zum Safety umschulen und zwei neue Cornerbacks draften.

In der Offense würde ich zu einem Wide Receiver mit Speed tendieren, sofern man nicht voll von Wheaton überzeugt ist. Mit den Steelers ist es wie mit vielen guten, aber nicht hervorragenden Teams: Schlagen zwei oder drei Draftpicks sofort ein, ist das Team per Knopfdruck wieder ein AFC-Titelanwärter (immer durchschnittliches Spielglück angenommen). Aber selbst mit einem bloß durchschnittlichen Draft können die Steelers durchaus qualitativ mit den besseren Teams in der AFC mithalten.