Die Linebackers im NFL-Draft 2014

Die klassischen Linebacker-Positionen in der heutigen NFL sind die Inside-Linebacker in einer 3-4 Defense sowie Outisde Linebacker und Middle Linebacker in einer 4-3 Defense. Im Detail sind diese Positionen sehr vielfältig auslegbar, was schon damit beginnt, dass sich eine Defense nach Geographie (Left Side / Right Side) aufstellen lässt, oder aber sich nach der Offense richtet (Strong Side / Weak Side). All diese Details sind im Scouting nützlich, da man in der Draft-Vorbereitung schauen muss, welcher Spielertyp in welches Abwehrschema passt, aber für eine kurze Rundschau würde das den Rahmen sprengen.

Daher sei an dieser Stelle nur die von Cosell vorgeschlagene Aufteilung in die run and chase Linebackers (grob: die kleineren, wendigeren Linebacker) und die klassischeren Inside-Linebackers vorgenommen.

Die Experten sind sich einig: Keine überragende Linebacker-Klasse, aber es gibt durchaus Material, mit dem man arbeiten kann, und Spieler, die situativ sehr schnell ins kalte Wasser geworfen werden können.

Räuber und Gendarm Linebacker

Ryan Shazier ist ein extrem flinker Linebacker mit sprintartigen 40yds-Zeiten. Shazier kommt von der Ohio State University in den Draft, und obwohl er auch schon dort Linebacker spielte, gilt er prinzipiell als verkappter Safety. Er wiegt keine 105kg und wird nicht per sofort als Linebacker für alle drei Downs einsetzbar sein, sondern langsam eingelernt werden. Shazier ist der Spielertyp, der schaut wo sich was bewegt, und wenn sich was bewegt, rennt er los und reißt den Ballträger zu Boden.

So einer ist auch der FSU-Linebacker Telvin Smith, der etwas größer, noch etwas schlanker als Shazier ist, aber ansonsten ein ähnlicher Spielertyp. Smith wie Shazier sind Leute, bei denen du als Coach nicht willst, dass sie sich an der Strongside oder in der Mitte (als MLB) aufstellen um sich in 1-vs-1 gegen Offensive Guards aufzureiben, sondern du willst sie als echte 4-3 Weakside Linebacker aufstellen, damit sie Tackles en masse setzen können. Einige behaupten, ein Telvin Smith müsse noch Gewicht zulegen um für die NFL ein ernsthaftes Prospect zu werden, aber mehr Gewicht heißt halt auch weniger Speed – und wenn in einer heutigen NFL eines wichtig ist, dann ist es der Speed. Nur mit Geschwindigkeit hast du als Linebacker die Chance, ein echter three down linebacker zu werden.

Ein Weakside Linebacker ist auch Chris Borland von der University of Wisconsin, ein Mann, der keine 1,80m groß ist, aber vom Naturell her ein echter Footballer sein soll: Instinktiv, immer drauf auf den Mann, sieht schon mit dem Snap, wohin sich der Spielzug entwickeln wird. Borland ist schnell genug um einen großen Raum am Spielfeld abzudecken, aber die Frage ist, ob seine Statur nicht zu gedrückt ist für einen hohen Pick. Es gilt auch hier: Ja, hat schon sehr, sehr gute kleine Linebacker gegeben, aber du kannst die fast an einer Hand abzählen.

Prospects 2014

Name              Rd
C.J. Moseley      1
Ryan Shazier      1-2
Telvin Smith      2-3
Christian Jones   2-3
Christian Kirksey 3-4
Chris Borland     3-4
Jordan Zumwalt    3-4
Boseko Lokombo    4-7
Preston Brown     4-7
Jordan Tripp      4-7
Avery Williamson  4-

Mayocks Top-5

  1. Donald
  2. Hageman
  3. Jernigan
  4. Nix III
  5. Easley

Shazier gilt als potenzieller 1st-Rounder. Smith und Borland sind möglicherweise zweite oder dritte Runde. Alle anderen dieser flinken ‘Backer sind Material für die hinteren Runden. Ein Jordan Tripp von der kleinen University of Montana ist mit 1.90m groß und ein sehr guter Läufer, aber Tripp gilt als zu wenig physisch um dauerhaft Blocks aufnehmen zu können, und somit ist er erstmal noch eindimensionaler als die drei Erstgenannten auf die Weakside-Rolle beschränkt.

Ein Christian Kirksey von Iowa spielte am College zum Beispiel fast immer Strongside, aber in der NFL wird er das nicht machen, weil ihm die Physis abgeht. Bei einem Bosenko Lokombo von Oregon ist man sich sogar sicher, dass er nie mehr als ein role player sein wird: Lokombo ist extrem schnell, extrem wendig und kann im offenen Feld Plays machen, aber sein Körperbau gibt nicht mehr her als Einsätze für spezielle Packages; wenn Lokombo gegen die schweren Jungs angesetzt wird, wird er zerpflückt.

Die Middle Linebacker

C.J. Moseley von der University of Alabama kriegt nur wenig Presse, aber klammheimlich ist er in der Meinung vieler einschlägig bekannter Draftboards weit nach oben gerauscht und ist für Cosell sogar einer der zehn besten Prospects im kompletten Draft. Ihn macht seine Vielseitigkeit stark. Moseley ist ein kompletter Spieler, der sich in seinem letzten College-Jahr 2013 extrem gut entwickelt hat. Früher war Moseley stets eine Art Rollenspieler hinter den Alabama-Giganten wie Upshaw oder Hightower, aber als er letztes Jahr richtig viel Verantwortung reingedrückt bekam, soll Moseley es mit sensationellen Leistungen zurückgezahlt haben.

Moseley kennt alle erdenklichen Linebacker-Positionen, da er seit Jahren überall einsprang. Er ist ein extrem physischer Spieler, der keine Probleme hat, auch schwierige Blocks aufzunehmen und den dahinter laufenden Ballträger zu attackieren. Moseley ist schnell genug um viele Tightend-Routen abzudecken und aggressiv genug um schnell kompromisslos den Weg Richtung Pocket zu suchen. Er ist allerdings kein herausragender Passrusher, weswegen er möglicherweise „nur“ in der ersten Runde vom Tablett gehen wird, und nicht schon in den Top-10.

Moseley stelle ich mir als tollen 4-3 OLB vor, der bei Not auch in die Mitte wechseln kann. Eine Mannschaft, die ein klares 4-3 spielt wie zum Beispiel Detroit (draftet an #10), könnte durchaus Interesse an so einem Spieler haben und ihn ziehen, auch wenn 4-3 OLB keine Premium-Position in der heutigen NFL mehr ist.

Als ähnlich kompletter Spieler gilt Christian Jones vom Landesmeister Florida State, der wie Moseley alles spielen kann. Jones ist gebaut wie der Linebacker-Prototyp, ist schnell, kennt vom College fast alle Positionen en detail. Es gibt viel Tape, in dem Jones als eine Art klassischer Defensive End mit den Händen im Matsch spielte, was nur zeigt, dass er auch ein guter Passrusher sein kann. Jones geht allerdings die letzte Physis ab, weswegen er kaum vor der zweiten Runde vom Tablett gehen wird. In einer halbwegs funktionierenden Mannschaft soll Jones recht schnell einlernbar sein.

Shane Skov kommt von Stanford und ist wie fast alle Stanford-Abgänger der letzten Jahre in erster Linie ein physischer Spielertyp, hart, kompromisslos. Skov soll allerdings von der Spielanlage her ein ziemliches Zwitterdings sein: Für die Weakside zu langsam, für die Strongside zu wenig physisch. Skov gilt als intelligenter Spieler, und intelligente Spieler werden immer einen Platz zumindest als brauchbare Backups in der NFL finden, aber er wird eher nicht zu einem three down linebacker zu formen sein, und deswegen kaum vor dem dritten Tag (also nicht in den ersten drei Runden) einberufen werden.

Ein Jordan Zumwalt von UCLA gilt da als flexibler wie Skov, aber auch als viel unerfahrener, viel weniger fein geschliffen. Zumwalt ist ein brauchbarer, aber kein wirklich explosiver Passrusher. Avery Williamson von Kentucky gilt als komplett festgenagelt auf die Position des Middle Linebackers. Williamson ist ein Bröckerl mit guter Beweglichkeit, aber er ist nicht schnell genug um mehr zu spielen als MLB – wobei: Wenn du dort deine Aufgaben souverän erledigst und es soweit bringst, dass alle Teamkollegen wissen, welcher Spielzug durchgesagt ist, hast du immer einen Platz in der NFL.

4 Kommentare zu “Die Linebackers im NFL-Draft 2014

  1. Borland hat mir schon sehr gut gefallen bei den Badgers. Ich hoff er kann dann gleich in Wisconsin bleiben und verstärkt die Packers… 🙂

  2. Mich wundert, dass OLB Anthony Barr in der Aufzählung fehlt. Oder wird der Spieler Deiner Meinung nach überschätzt?

  3. Barr fällt wohl eher in die Kategorie Edge Rusher…also die 4-3 Ends bzw 3-4 OLB…siehe Eintrag von vorgestern (glaub ich mal)

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