Die Cornerbacks im NFL-Draft 2014

Das Defensive Backfield fehlt uns noch in der großen Draftvorschauserie 2014. Heute sind die Cornerbacks dran, die in einer immer passlastiger werdenden NFL entsprechend immer mehr an Bedeutung gewinnen. Es gibt mittlerweile auch in der NFL Mansnchaften, die fast schon standardmäßig mit fünf Defensive Backs spielen, ergo mit drei Cornerbacks und zwei Safetys. Das Wesen des Slot-Cornerbacks ist zum Beispiel fast schon eine Stammposition geworden. Zudem ziehen viele Teams in den letzten Jahren eher größere, nicht so bewegliche Cornerbacks, deren Stärke dafür das schnelle Stören des Timings an der Anspiellinie ist („press corner“) – dem Erfolg von Seattles Richard Sherman sei Dank.

Kleinere Cornerbacks müssen im Vergleich beweglicher und intelligenter spielen können. Was für fast alle Cornerbacks fast gleichermaßen gilt: Hier zählt der Speed. Cornerback ist eine der Positionen, wo du die 40yds-Sprintzeit wirklich ernst nehmen musst, denn kein Verteidiger kann es sich leisten, entlang einer tiefen Route überlaufen zu werden.

Die großen Press-Corner

Als komplettestes Paket in diesem Draft gilt Michigan States Darqueze Dennard, ein Mann, der am College sehr viel Spielzeit auf der Insel draußen nahe der Seitenlinien sah. Dennard ist ein großer, bulliger Spielertyp, der seinen Körper mit Leidenschaft einsetzt, der schnell genug ist um zu blitzen und kräftig genug um auch in der Lauf-Defense mitzuhelfen. Dennard hat alle Tools drauf, gilt aber als zu ungestümer Spieler, der in der NFL am Anfang zu viele Strafen gegen sich gepfiffen kriegt wenn er seinen Spielstil nicht ändert. Ein Problem, das bei Dennard auffällt, das aber bei Gott nicht nur „sein“ Problem ist, sondern stellvertretend für viele College-CBs steht: Er guckt oft zu lange auf seinen Gegenspieler, anstelle dem Quarterback in die Augen zu schauen. Da riskierst du, verbrannt zu werden.

Ohio States Bradley Roby gilt auch als einer der höheren Draftpicks, aber viele Scouts prügeln auf Roby ein, weil er sein großes Potenzial nicht ansatzweise zu nutzen imstande war. Roby wurde von guten, aber nicht überragenden College-Receivern wie Abbrederis aus Wisconsin richtiggehend in Grund und Boden gespielt, was bei vielen ernsthafte Fragezeichen hinterließ. Man wirft ihm vor, sich letztes Jahr zurückentwickelt zu haben und man wirft ihm mangelndes Spielverständnis vor. Roby kann durchaus schlampig mit seinen Füßen werden, aber er kann Wide Receiver an der Anspiellinie pressen und notfalls mit ihnen 40yds tief laufen. Er wird wohl spätestens in der zweiten Runde vom Tablett gehen, und nach einem oder zwei Jahren des Lehrgelds soll er eine gute Chance haben, zumindest ein grundsolider #2-Corner zu werden.

Cornerbacks 2014

Name                  Rd
Justin Gilbert        1
Darqueze Dennard      1
Jason Verrett         1-2
Kyle Fuller           1-2
Bradley Roby          2-3
Jaylen Watkins        2-3
Bashaun Breeland      2-3
Marcus Roberson       2-3
Lamarcus Joyner       2-4
Stanley Jean-Bapt.    3-5
Louchiez Purifoy      4-7
Keith McGill          4-7
Dontae Johnson        4-7
Aaron Colvin          4-7
...und viele weitere

Links

Mayocks Top-5

  1. Fuller
  2. Dennard
  3. Gilbert
  4. Roby
  5. Verrett

Kyle Fuller von Virginia Tech ist wie Roby einer, dem man noch beibringen muss, wie man sich mit sauberer Beinarbeit stets den physikalischen Vorteil (Stichwort Winkel beim Pressen) zu sichern. Fuller ist der jüngere Bruder vom Lions-Receiver Corey, und er ist wie Corey ein fantastischer Athlet, dem der letzte Feinschliff abgeht. Fuller läuft die 40yds in 4.49sek, eine sehr gute, aber nicht überragende Sprintzeit. Diese Zeit gewinn aber dann an Wert, wenn man Fullers großen, wuchtigen Körper mit in die Gleichung einbezieht. Fuller ist trotz einer guten press technique oft zu lange zu passiv an der Anspiellinie und wird zum Beginn seiner Laufbahn einige dumme Completions kassieren, aber weil er kräftig genug ist um auch gegen den Lauf zu verteidigen (wurde bei den Hokies zwischendurch als verkappter Linebacker eingesetzt), ist Fuller fast sicher zumindest ein 2nd-Rounder.

Noch größere, um die 1.90m gewachsene Corner-Bolzen, sind Stanley Jean-Baptiste von der University of Nebraska und Keith McGill von Utah. Beide sind schon reiferen Alters (Baptiste ist 24, McGill ist 25) und somit nicht mehr die jüngsten Prospects, beide gehören zu den schwereren Jungs. McGill hat eine schwierige Zeit hinter sich: Er kam als Basketballspieler über ein kleines community college überhaupt erst zu Utah, hatte dann lange Jahre mit hartnäckigen Schulterverletzungen zu beißen, die ihn zum Beispiel die komplette 2012er-Saison kosteten. McGill gilt aber als reifer Mensch und Familienvater.

McGill kriegt offiziell wenig Presse, soll aber durchaus Bieter haben, die bereit sind, einen relativ hohen Draftpick in ihn zu investieren. McGill kommt allerdings fast ausschließlich über seine Größe; er ist nicht beweglich genug um auf engstem Raum, zum Beispiel im Slot, zu operieren. Jean-Baptiste gilt mit seinem Speed und seiner besseren Beweglichkeit als besseres Prospect im Vergleich zu McGill, könnte in der zweiten oder dritten Runde gehen.

Bei diesen klassischen Press-Cornerbacks gibt es dahinter etliche Rohdiamanten, denen man keine Chance auf die hohen Runden gibt, die aber mit etwas Einlernzeit durchaus ihren Platz in der Liga finden könnten. Ein Walt Aikens von Liberty zum Beispiel ist ein Mann, der viel Erfahrung in Zonenverteidigungen hat und mit seiner angriffigen Spielweise viele Fans haben wird. Aikens‘ Problem ist seine kleine Uni. Er war früher mal bei Illinois in der obersten Ebene des College-Football, wurde dort aber rausgeschmissen, nachdem man ihn beim Computerstehlen erwischt hatte.

Ein Bashaud Breeland von Clemson ist ein ähnlicher, physischer Spieler wie ein Dennard. Breeland soll wie Dennard mit seiner zeckigen Spielweise stets am Rande einer DPI (Defensive Pass Interference) wandeln – die Strafe, die Coaches zur Weißglut treibt. Breeland ist nur 1.81m groß, soll aber mit seiner Aggressivität wie ein viel größerer Mann auf seine Gegenspieler wirken. Breeland ist ein begeisterter Gunner in den Special-Teams, der immer dort mittendrin ist wo es gleich den nächsten Bumms setzt, aber er gilt nicht als der Schnellste down the field – der Hauptgrund, wieso ihn viele erst am zweiten oder dritten Tag gedraftet haben wollen.

Bei so offensiven Cornerbacks ist man auch nie weit weg von Philip Gaines, einem Mann von der Luftfahrtuni Rice, oder von Travis Carey (Ohio University). Carey gilt als Topspieler, aber er plagt sich seit Monaten mit hartnäckigen Verletzungen und konnte seine Klasse in keinem Workout in der Offseason so richtig unter Beweis stellen.

Für den dritten Tag im Draft gelten auch Jungs wie Demetrius Goodson von Baylor, ein Mann, den Coaches laut Scouts noch formen können. Bei Goodson fallen seine flinken Beine auf: Er ist nicht in erster Linie ein Klassesprinter, dafür aber brutal beweglich – etwas, das ihn in der NFL auch in den Slot verschlagen könnte. Donte Johnson von NC State ist weniger flüssig in seiner Spielweise, aber mit 1.88m ein großer Mann, der am College gleichermaßen als Corner wie als Safety auflaufen durfte. Damit ist Johnson so ein Beispiel von value: Ist er phyisch genug um an der Anspiellinie gegen die starken Wide Receivers zu halten, stellst du ihn dorthin, weil Manndeckung die wichtigste Eigenschaft ist. Ist er darin nicht so 100%ig drauf, wird er eher einen auf Safety machen – dort kannst du mit ein bissl Freelancen überleben.

Die Off-Cornerbacks

Die Off-Technik habe ich schon im Sommer versucht zu beschreiben. Es handelt sich hierbei um eine etwas abwartendere Technik. Der Cornerback stellt sich ein paar Schritte von der Line of Scrimmage auf und liest erstmal, was die Offense so vor hat um dann schnell genug zu reagieren. Justin Gilbert von der Oklahoma State University hat am College Berichten zur Folge in sage und schreibe 77% seiner Snaps off coverage gespielt, also den Anti-Sherman. Trotzdem glauben viele, dass ein Gilbert auch richtig gut press coverage spielen kann, allein, es fehlt aktuell an richtig beweiskräftigem Material.

Gilbert gilt trotzdem als insgesamt wohl bestes CB-Paket im Draft 2014. Er ist größer und schneller als Gilbert, er ist ein besserer Ballfänger wenn es zu 50/50 Situationen, sprich: Interception-Alarm, kommen kann. Gilbert ist kein unglaublich explosiver Mann und wenn die Receiver an der Anspiellinie erst einmal quer laufen, kommt Gilbert gerne aus dem Konzept. Weil Gilbert dann gerne etwas zögert und weil er seine Fußarbeit noch nicht voll unter Kontrolle hat, wird er in seinen ersten Jahren auf kurzen Routen ordentlich auf die Fresse kriegen.

Am besten ist Gilbert, wenn der Receiver versucht, tief zu gehen: Mit 4.37sek auf 40yds ist er ein sehr flotter Mann, der jede lange Route mitlaufen kann. Er ist kein fertiger Spieler, sondern hat noch ordentlich Platz nach oben – bei vielen Experten gilt er als Favorit, als erster CB gedraftet zu werden, vielleicht an #10 von den Detroit Lions, die jede Hilfe im Defensive Backfield gebrauchen können.

Aaron Colvin von Oklahoma gilt als Allrounder, der alles spielen kann, aber am liebsten das Spiel klassisch als off corner liest. Colvin hat allerdings den Nachteil, dass er aktuell eine Kreuzbandverletzung auskurieren muss.

Und dann gibt es das Trio der Florida Gators, die gleich drei Deckungsspieler mit Ambitionen in den Draft entsenden. Florida war 2013/14 eine Katastrophe, aber es lag nur in zum Teil an der Abwehr. 2012, als man sensationell 11-2 ging, waren die folgenden Jungs neben uns schon bekannten Leuten wie DL Easley wichtige Schlüsselspieler:

  • Marcus Roberson.
  • Louichez Purifoy, der Mann mit dem klingenden Namen. Purifoy galt noch vor einem Jahr als aussichtsreiches Supertalent, aber dann kaum ein schwacher Herbst, und plötzlich sieht er wie ein zu langsamer, athletisch zu nachlässiger Spieler aus. Purifoy als Mensch gilt als schwer zu kontrollierender Charakter, der am College mehrfach suspendiert wurde und in Drogengeschichten involviert war. Purifoy, der Spieler, soll exzellentes Tape haben, aber weil das „Ceiling“ nicht so hoch sein soll wie angenommen und er eben ein Risiko-Charakter ist, könnte er ungedraftet bleiben.
  • Jalen Watkins gilt als mittlerweile bester der Florida-Jungs. Er war bezeichnenderweise bislang auch der am wenigsten bekannte. Watkins war lange Jahre ein Rollenspieler, der überall aushalf wo Not am Mann war, damit die Stars wie Purifoy oder Roberson glänzen konnten. Watkins könnte nun als lachender Dritter in den Draft gehen: Er kann Safety gleichermaßen spielen wie Manndecker, und ist schnell, explosiv und wendig genug um schlimmstenfalls eine Springerrolle oder Rolle als Nickelback einzunehmen.

Slot-Cornerback

Der prototypische Slot-Cornerback 2014 ist der Rastamann Jason Verrett von der Texas Christian University (TCU), dem viele bescheinigen, rein spielerisch der beste, reifste Cornerback in diesem Draft zu sein. Verrett hat aber genau den einen großen Nachteil, gegen den er nichts machen kann: Er ist ganze 1.72m klein und somit chancenlos auf die Rolle als Outside-CB. Was willst du mit einem spielstarken Verrett, wenn er draußen von Calvin Johnson um 30cm überragt wird?

Verrett fiel am College in der pfeilschnellen TCU-Defense immer wieder auf als Mann, der die Blitzes aus der zweiten Reihe setzte und ganze gegnerische Receiver-Trupps pulverisierte. Als Blitzer hätte ein Verrett im Slot sogar eine noch bessere Chance, Wirbel zu machen, kann er doch noch näher an der Pocket operieren. Verrett ist angriffig an der Anspiellinie und ein furchtloser Tackler gegen den Lauf. Er hat hohes Spielverständnis und macht instinktiv oft das richtige. Er ist mit 4.38sek über 40yds richtig schnell und hat die Körperbeherrschung, auch mal einen schwierigen Ball zu Boden zu schlagen oder ihn gar abzufangen und ist als ehemaliger Kickreturner dann auch flink genug um abgefangene Bälle gefährlich zurückzutragen.

Verrett gilt trotz seines extremen Größen-Nachteils als relativ sichere Kiste und dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit spätestens Anfang der zweiten Runde vom Tablett sein (eher aber in der ersten).

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s