Die Safetys im NFL-Draft 2014

Letzte Position der ausführlichen Vorschauserie auf den NFL-Draft 2014 mit den Männern der letzten Hoffnung in jeder Football-Defense, den Safetys. Safety ist eine Position, die in der heutigen NFL aber mehr bedeutet als das Aufstellen von zwei tiefen Spielern zum Tackeln des durchgebrochenen Mannes. Safety ist eine Position, die mit entsprechenden Spielern völlig neue schematisch Optionen für Defensive Coordinators bedeutet.

Klassischerweise unterscheidet man den kräftigen Strong Safety, der in Nähe der Anspiellinie postiert vor allem gegen das Laufspiel arbeiten soll, vom Free-Safety, der etwas tiefer steht und in erster Linie Aufgaben in der Passverteidigung hat. Idealerweise suchen Teams heute aber Spielertypen, die sowohl, als auch spielen können, sprich, die man für alle Arten von Aufgaben ins Feuer werfen kann.

Diese neu geforderte Flexibilität, die Anpassungsfähigkeit von Safetys an diverse schematische Kniffe sowie generell die Kreativität, mit der Freelance-Safetys spielen müssen, macht die Position nicht nur zu einer der härtesten für die Spieler, sondern auch zu einer knüppelharten für die Evaluatoren, sprich die Scouts. Es ist kein Zufall, dass viele Safety-Prospects in den letzten Jahren floppten bzw. viele ursprünglich als Cornerbacks gedachte Spieler erst auf Safety den Durchbruch schafften.

Free Safetys

Der höchst bewertete Mann im Draft 2014 ist bei vielen Experten Ha’Sean („Ha-Ha“) Clinton-Dix von der University of Alabama, der aber längst nicht in einer Klasse wie ein Earl Thomas mithalten kann. Clinton-Dix ist nicht explosiv genug um einem Thomas das Wasser zu reichen und auch sein Körperbau ist schmächtig genug, dass ihn manche Coaches erstmal in einem Steakhouse einsperren wollen.

Safetys 2014

Name                Rd
Ha Ha Clinton-Dix   1-2
Calvin Pryor        1-2
Deone Buchannon     2-3
Jimmy Ward          2-3
Lamarcus Joyner     2-3
Terrence Brooks     3-5
Ed Reynolds         3-5
Dezman Southward    3-5
Ahmad Dixon         4-7
Craig Loston        4-7
Tre Boston          4-7
Jonathan Dowling    4-7

Links

Mayocks Top-5

  1. Clinton-Dix
  2. Pryor
  3. Buchannon
  4. Ward
  5. Joyner

Clinton-Dix hat aber den Ruf, ein intelligenter, relativ fein geschliffener Verteidiger zu sein, das in der sehr profinahen Defense in Alabama viele NFL-ähnliche Spielzugdesigns gesehen hat. Er ist kein Abfangjäger im klassischen Sinne, aber schnell genug um die meisten Routen in der Pass-Deckung zu verteidigen.

Clinton-Dix gilt als relativ sicherer 1st-Rounder, weil er das kompletteste Paket ist, weil die Safety-Position wie eingangs erwähnt immer wichtiger wird, und weil die Prospects dahinter auch nicht viel mehr Sicherheit geben.

Ein Jonathan Dowling zum Beispiel gilt als viel zu schwach in der Run-Defense um ihn sofort ins kalte Wasser zu schmeißen; „Run-Defense“ ist zwar nicht des Free Safetys erste Aufgabe, aber sie muss zumindest ordentlich abgearbeitet werden. Dowling galt früher mal als großes Talent bei den Florida Gators, wurde dann aber suspendiert und verdingte sich in den letzten Jahren im kleinen College der Western Kentucky Hilltoppers in der Sunbelt Conference. Er ist gebaut wie ein Wide Receiver: Lang, dünn und rank. Die Frage ist, ob er jemals die Power entwickeln kann um zumindest durchschnittliche Runningbacks zu tackeln.

Ein Ed Reynolds von Stanford gilt als klassisches Mid-Round Prospect: Solide in fast allen Belangen, aber ohne den ganz großen Ausreißer in irgendeiner Kategorie. Ein Reynolds wird dir nie die Option geben, neue schematische Dinge einzuführen, aber er wird dir die notwendigen Tackles setzen, damit du nicht völlig schlecht schläfst.

Ein Brock Vereen gilt als Teilzeit-Safety mit eingeflanschter Cornerback-Option. Ein Terrence Brooks vom Landesmeister Florida State ist schon ein klassischer Free-Safety mit ausreichend Beweglichkeit, aber einer Spur zu wenig Physis. Ein Craig Loston von Louisiana State gilt als ähnlicher Spielertyp wie Brooks, aber mit Fragezeichen versehen: Loston soll sehr dynamisch sein, aber nie den Durchbruch geschafft haben, den man ihm schon lange prophezeihte. Schlampige Talente mag die NFL für gewöhnlich nicht.

Die Slot-Optionen

Ein Jimmy Ward von Northern Illinois zum Beispiel gilt zwar als flüssiger, schneller im Vergleich zu Clinton-Dix, aber mit nur 87kg Kampfgewicht ist Ward eine ganze Latte zu leichtgewichtig um ihm sofort eine Stammrolle zuzuschachern. Wards Langzeitperspektive könnte, glaubt man Experten, eher in einer Art Slot-Cornerback liegen. Er geht aber zuallererst mit dem Ziel, ein NFL-Safety zu werden, in den Draft.

Ein spannender Mann ist Wisconsins zotteliger Dezman Southward, bei dem man ähnlich wie bei Ward lange nicht wusste, was man mit ihm anfangen soll: Am College spielte er überwiegend einen von Aufgaben in der Laufdefense entbundenen Free-Safety, aber weil er eine Spur zu schmächtig war, durfte er in der Senior-Bowl im Jänner „nur“ Slot-Cornerback spielen, wo er überzeugen konnte. Im Verlauf des Scouting-Prozesses scheint sich Southward aber doch erstmal in seiner Bewerbungsausschreibung als Safety durchgesetzt zu haben.

Der Star unter den halben Slot-Cornerbacks ist Florida States göttlicher Free-Safety Lamarcus Joyner, der mit 1.71m wohl zu klein ist um einen klassischen Stamm-Safety zu spielen, bei dem man aber seit vielen Monaten nicht aufhört, die Vergleiche mit Tyrann Mathieu, dem Honey-Badger von den Arizona Cardinals, zu bemühen.

Auch Mathieu ging letztes Jahr als ehemaliger College-Superstar mit zu kleinem Körperbau in den Draft. Mathieu spielte eine Art Supporter-Rolle im Defensive Backfield, zwischen einem echten Safety und einem echten Cornerback. Er killte den Slot. Mathieu galt bis zu seinem Kreuzbandriss als Volltreffer, und alle von mir verfolgten Draft-Experten sehen die Vergleiche Mathieus mit Joyner als valide an. Joyner selbst sieht sich auch weniger als „Cornerback“ oder „Safety“, sondern in erster Linie als Defensive Back.

Ich liebte den College-Spieler Joyner: Ein kleines, quickes Männlein, das in jedem Spielzug so spielt als ginge es ums nackte Überleben. Joyner war immer dort, wohin sich gerade der Ball bewegte, ob via Lauf- oder Passspiel. Joyner war ein Mann, der unendliche Blitzes ausführte und minimum fünf, sechs Sacks jedes Jahr einfuhr. Er konnte gleichermaßen vorne agieren wie auch „hinten“ als Joker in der Passdeckung mithelfen.

Joyner ist nicht der allerschnellste Sprinter, er ist ein paar Zentimeter zu klein, aber er galt immer als absoluter Leadertyp und Führungsspieler in einer Seminoles-Umkleidekabine, in der es nie an künftigen NFL-Talenten mangelte. Man wird abwarten müssen, ob Joyner sich in der NFL durchsetzen kann oder ob er ein weiterer dieser ehemaligen Super-College Spieler ist, die aufgrund eines zu schmächtigen Körpers in der NFL kein Land sehen. Joyner gilt mittlerweile als relativ sicherer 2nd-Rounder.

Strong-Safetys

Calvin Pryor von Louisville spielte zwar am College viel Free-Safety, gilt aber in der NFL in erster Linie als Spieler, der tendenziell eher weiter vorne postiert sein wird um als Supporter gegen den Lauf zu agieren. Pryor ist ein kompromissloser Tackler, den es immer sofort nach vorne Richtung Ballträger zieht. Er wird auch in schwierigen Spielzügen erst aufgeben, wenn der Ballträger am Boden ist, und er ist sich auch nicht zu schade, mit der Schulter voran in einen Mann hinein zu rammen, wenn reine Tackling-Kunst nicht mehr hilft.

Pryor ist neben Clinton-Dix der einzige Safety, bei dem man mehrheitlich davon ausgeht, dass er in Runde 1 gedraftet werden wird.

Ein Deone Buchannon von Washington State gilt als ähnlicher Spielertyp wie Pryor. Buchannon ist etwas größer, schneller, beweglicher, hat mehr Erfahrung in der Rolle als tiefer Safety und mit 6 Interceptions auch ganz gute Hände als Abfangjäger, aber Buchannon ist nicht so geschliffen und hat nicht so viel Erfahrung wie Pryor. Ein Problem bei Buchannon ist sein ungestümes Tackling: Vor wenigen Jahren noch wäre er für seine big hits gefeiert worden, aber heute wirst du für manchen seiner Kopfnüsse mit Strafen belegt. Deone Buchannon kommt ein halbes Jahrzehnt zu spät.

Auch gilt Buchannon als zu langsam in der Coverage. Er gilt als besser „in traffic“ als im offenen Feld – und in der heutigen NFL siehst du oft ein offenes Feld („Spread Offense“). Man wirft im nach Tape-Studium vor, die meisten seiner Interceptions seien geschenkte Dinger der QBs gewesen. Manche glauben trotzdem, Buchannon sei ein besseres Prospect als Pryor und wird vor Pryor vom Tablett sein.

Die letzten beiden Strong-Safetys zum schnellen NFL-Aussichten sind Ahmad Dixon von Baylor und Tre Boston von UNC. Dixon gilt mit seinem bulligen Körper als halber Linebacker, aber als nicht gebräuchlich, schwierigere Routen gegen Tight Ends abzudecken. Boston ist eine schnellere, wendigere Ausgabe von Dixon, ein aggressiver Mann, den es sofort Richtung Pocket zieht, der aber aufgrund seines grünen Schnabels noch einiges Lehrgeld zahlen wird und daher kaum vor dem dritten Tag einberufen werden wird.

2 Kommentare zu “Die Safetys im NFL-Draft 2014

  1. vielen Dank für die ausführliche Vorbereitung :). Kann man den Draft im Gamepass eigentlich auch noch am Freitag as live anschauen? Ich möchte eigentlich nichts gespoilert bekommen und den Draft in Ruhe anschauen.

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