Frischzellenkur 2014: Jacksonville Jaguars

Die Jacksonville Jaguars haben im Draft 2014 ziemlich genau die Richtung eingeschlagen, die ich schon letzten Oktober im Zuge des Wembley-Spiels diskutiert hatte, allerdings damals mit einem anderen Quarterback im Zentrum.

Sie zogen QB Blake Bortles mit dem dritten Pick overall. Eine große Überraschung, galten die Jaguars doch längst aus dem Rennen um einen Quarterback, weil sie im Vorfeld des Drafts keinen Mucks von sich hören ließen. GM David Caldwell galt mit seiner Truppe als sehr entschlossen, den Advanced-Metrics zu folgen, und da hättest du alles erwartet, nur nicht den riskantesten Quarterback an einer Stelle, an der du noch zwei der „Big-Four“ (WR Sammy Watkins und Edge-Rusher Khalil Mack) hättest bekommen können.

Ein Team wie Jacksonville braucht händeringend Waffen. Es braucht die bestmöglichen Talente. Aber es brauchte eben auch einen QB. Caldwell zog Bortles, und hörte man sich hernach die Begründungen an, so geht es dabei durchaus um Advanced-Metrics: Bortles sei nicht nur der physisch begabteste Quarterback der Draftklasse gewesen, nein, er hätte alle anderen regelrecht pulverisiert, wenn es um seine Effizienz in Downs mit Druck auf die Pocket gab (mit 7.8 NY/A sei er in solchen Fällen fast ein Yard besser gewesen als der nächstbeste).

Der Bortles-Pick wirkt retrospektiv auch angesichts des lauen QB-Rennens in der ersten Runde eher unstet: Manziels Fall durch die Boards beschwor Quotenrekorde, aber fütterte nur die Unkenrufe von wegen schwache QB-Klasse an, Bridgewater ging gerade noch so in der ersten Runde. Bortles ging an #3, und somit an einem Platz, an dem man von ihm Großes erwartet.

Kann er liefern? Man darf spektisch sein. Er ist der Mann, der mehr aussieht wie ein guter QB als er schon einer ist. Er hat eine horrende Wurftechnik, die erstmal zurecht gebogen werden muss. Er wird hinter einer eher suspekten Offensive Line arbeiten müssen. Er wird in eine Mannschaft kommen, die noch immer gröbere Defensiv-Probleme hat. In solchen Situationen sind schon bessere Prospects verbrannt worden.

Immerhin: Jacksonville setzte bedingungslos auf Offense in diesem Draft. Weil das WR-Talent Justin Blackmon immer auf dem Sprung zur nächsten NFL-Sperre ist, holte Jacksonville in der zweiten Runde haufenweise Receiver: Zuerst den soliden, aber unspektakulären Marquise Lee, danach den wuchtigen Allen Robinson.

Bei Lee argumentierte das Front-Office der Jaguars wie folgt: 2012 wäre er ein Super-Prospect gewesen, aber er hatte ein mäßiges Jahr 2013, weil er verletzt war. Dadurch fiel sein Draft-Stock, aber das ist eigentlich ungerecht, denn die Verletzung die er hatte, war zwar eine Knieverletzung, aber keine, die seine mittelfristige Zukunft beeinträchtigen wird. Man ist sich sicher, einen fixen 1st-Rounder an #39 bekommen zu haben, der aus diversen Gründen zum Glück durch das Board fiel. Lee ist kein Burner, er ist kein Riese, aber er ist präzise und gilt als kompletter Spieler.

Bei Robinson soll es vor allem seine Fähigkeit, Kurzpässe zu guten Raumgewinnen zu transformieren, gewesen sein. OffCoord Jedd Fisch lässt in Jacksonville zwar nicht wirklich eine echte Kurzpass-Offense spielen, sondern bevorzugt durchaus auch mal den eher längeren Ball, aber eine Sicherheits-Option ist nie eine schlechte Idee.

Insofern haben die Jaguars ein Jahr nach dem OT Luke Joeckel erneut massiv in die Offense investiert. Wenn diese Jungs einschlagen, hat man vielleicht tatsächlich mal sowas wie einen echten Offense-Kern beisammen.

Man sollte nicht vergessen, dass man mit OG Brandon Linder (3. Runde) und RB Storm Johnson (Bortles-Teamkollege am College) aus der 6. Runde noch weitere Optionen zog, und hernach mit RB Blankenship einen durchaus interessanten Mann vom UDFA-Markt aufkaufte. Das ist neues Frischblut für eine zuletzt extrem leblose Offensive.

Entsprechend euphorisch war die Stimmung in Jacksonville dann auch dieser Tage bei den ersten Sichtungstrainings mit den neuen Jungstars: 6000-8000 Leute sollen zugeschaut haben. Das sind irre Zahlen, die z.B. eine deutsche Nationalmannschaft in den nächsten Tagen im Südtiroler WM-Trainingslager allerhöchstwahrscheinlich nicht annähernd wird erreichen können.

Vom Draft der Jaguars bin ich nicht begeistert, da ich einen Bortles nicht angerührt hätte, aber immerhin stimmt die Richtung: Offense, Offense, Offense. So baust du heute Interesse an einer Mannschaft, die seit minimum sieben Jahren kein Interesse mehr wecken konnte. Dass du mit einigen Routiniers und deinem Defensiv-Spezialisten auf Head Coach (Gus Bradley) versuchst, zumindest anständige Defense hinzubekommen um deinen jungen Angriff nicht zu überstrapazieren, kann nur unterstützt werden.

Jacksonville Jaguars 2014-2016: Ich bin gespannt.

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4 Kommentare zu “Frischzellenkur 2014: Jacksonville Jaguars

  1. 3 Jahre nach Gabbert wieder so ein hohes Risiko mit Bortles einzugehen halte ich für nicht besonders klug von den Jaguars. Klar muss mann was auf der Position machen doch das war die schlechtes Variante wie ich finde.

  2. Mir ist der Bortles pick auch etwas suspekt aber ich finde Gus Bradley großartig und hoffe schwer, dass das besser läuft als mit Gabbert…

  3. Bei Bortles hätte ich jetzt damit gerechnet, daß er bei einem Team landet, das ihn in den kommenden Jahren hinter einem erfahrenen QB aufbaut.
    Dass man natürlich an dritter Stelle der Draft nur wenig Welpenschutz erfährt, wird die Sache für Bortles nicht leichter machen.

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