Brasilien in der furchtlosen WM-Vorschau 2014

Die brasilianische Nationalmannschaft gilt als einer der zwei, drei größten Turnierfavoriten vor dieser WM. Dabei ist die Selecao von Coach Felipe Scolari ja gar nicht personell so besetzt, dass du per se von einem kommenden Weltmeister ausgehen würdest. Der Favoritenstatus bei den Brasilianern rührt neben dem Heimvorteil vor allem von dem, was sie diesmal im Vergleich zu anderen Mitfavoriten nicht haben: Eine echte Schwachstelle.

Scolari hat die Mannschaft erst vor 18 Monaten übernommen, aber er hat es geschafft, dem Team ein Gesicht zu geben, das mit jenem der seelenlosen Copa-America 2011 nicht mehr zu vergleichen ist. Brasilien spielt sehr zielstrebig. Schlüssel sind eine wuchtige Defensive und ein völlig unspektakulärer Mittelstürmer Fred, der vorne als Ballbouncer funktioniert, damit die beiden offensiven Außenverteidiger und die beiden Flügelstürmer aus der zweiten Reihe heraus operieren können.

Scolari war nie der ganz große Taktiker. Seine Stärke ist, dass er eine Mannschaft zusammenschweißen kann. Er gilt als player’s coach, dessen oberste Priorität es ist, das Team zu einen. Entsprechend fallen bei Scolari auch Individualisten mit großen Namen durch das Beuteraster und wurden aussortiert. Eine Besonderheit bei Scolari ist, dass er sich relativ schnell auf seinen Kern eingeschossen hat, und nie Diskussionen über Nominierungen und Nichtnominierungen aufkommen ließ. Die Stammelf steht seit gut zwölf Monaten mehr oder weniger in Stein gemeißelt. So wird bei dieser WM ein Team auftreten, das mit dem Siegerteam vom Confed-Cup 2013 nahezu identisch ist.

Mögliche Stammformation von Brasilien im 4-2-3-1

Mögliche Stammformation von Brasilien im 4-2-3-1

Wichtig bei den Brasilianern unter Scolari ist die Stabilität in der Spielfeldmitte: Das künftige Verteidigerpärchen vom PSG, #4 Tingeltangel Luiz / #3 Thiago Silva, dürfte zu den besten im Turnier gehören. Ihnen vorgeschaltet sind mit #17 Luis Gustavo und dem etwas blässlichen, aber fleißigen #18 Paulinho zwei Abräumer, die immer defense first denken.

Für den Angriff sind andere zuständig. Die Flankenläufer #6 Marcelo (links) und #2 Dani Alves (rechts) stoßen immer wieder sehr weit nach vorne und sorgen dafür, dass die nominellen Flügelstürmer #10 Neymar und #19 Hulk immer wieder nach innen ziehen.

Hulk war letztes Jahr beim Confed-Cup nicht wirklich in Form, scheint aber trotzdem gesetzt. Er soll mit seiner physischen Präsenz auch eine Art Absicherung geben, wenn Alves mal wieder zu offensivtrunken wird und seine defensiven Aufgaben vergisst. Der zentrale Mann hinter dem Mittelstürmer dürfte #11 Oscar sein, der einen Schuss Kreativität ins Spiel bringen soll.

Marcelo, Alves, Hulk, Oscar, Neymar: Sie alle suchen immer wieder den Mittelstürmer #9 Fred, der nach gefühlt zehn Jahren als Ergänzungsspieler mit einem Mal der zentrale Offensivspieler ist. Fred spielt mittlerweile bei Fluminense, musste erst letztes Jahr einen Abstieg aus der brasilianischen Liga verkraften und hatte zuletzt recht viele Wehwehchen, aber für Scolari ist er als Abpraller der entscheidende Mann.

Im Confed-Cup fiel bei den Brasilianern auf, wie überfallartig sie ihre Spiele zu beginnen pflegten. Das wahnsinnige Offensivpressing in den ersten Minuten im Endspiel gegen die Spanier steht nur stellvertretend für eine Mannschaft, die in jedem Spiel auf den schnellen Treffer ging. Jeder druckvollen Anfangsphase folgte dann allerdings alsbald auch wieder der Rückzug nach der ersten Viertelstunde oder so. Hatte man den Treffer erzielt – wie gegen Spanien oder gegen Mexiko – gut, wenn nicht, entwickelten sich schon auch eher zähe Angelegenheiten.

Die Mannschaft wirkt kohärent, sie arbeitet vor allem gegen den Ball als eine Einheit. Selbst scheinbar egomanische Künstler wie Neymar leisten Defensivarbeit (Neymar war im Confed-Cup nicht nur der meistgefoulte Spieler; er beging auch die meisten Fouls).

Probleme wird Brasilien vor allem dann bekommen, wenn das schnelle Gegenpressing nicht in frühe Tore umgemünzt werden kann; das Brasilien 2014 ist ein Team, das insbesondere von seiner Qualität, mit einer Führung im Rücken spielen zu können, lebt. Probleme wird Brasilien bekommen, wenn ein Gegner wirklich hochklassig über die rechte Abwehrseite kommt (zum Beispiel Argentinien). Dazu gesellt sich ein guter, aber nicht mehr herausragender Torwart Julio Cesar.

Die Erwartungen sind klar: Der Titel muss es sein. Und der Titel ist nicht unrealistisch. Brasilien stellt keine Zaubermannschaft, aber in den Druckphasen ist das doch ein sehr sehenswertes Team, das ruhig ein paar Runden weit kommen darf.

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2 Kommentare zu “Brasilien in der furchtlosen WM-Vorschau 2014

  1. Super Vorschau, hab mir gestern mal 10 Gruppenspiele rausgesucht, die ich gerne sehen möchte, da ist natürlich auch Brasilien dabei, die zu meinen Favoriten zählen…

  2. ich freue mich auf die wm ,vor allem die nacht spiele werden lustig wann sieht man schon fussball spiele bei uns in europa nachts.hab 200€ auf Argentinien als weltmeister gesetzt.

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