WM-Caipirinha 2014: Mexiko – Kamerun | Gruppe A

Haken wir den Schiri gleich ab: Yup, zwei reguläre Tore gegen die Mexikaner aberkannt. Aber zumindest der zweite war nicht einfach zu sehen, und ich sagte auch intuitiv gleich „Abseits“. Solche Dinge könnte man eventuell mittels Instant-Replay lösen, aber längst nicht alle Abseits-zu-Tor-Entscheidungen sind für einen Videobeweis so „geeignet“. Wo ziehst du die Grenze.

Zum Spiel: Typisches Mexiko im strömenden Regen in Natal: Funktionierendes Kombinationsspiel mit gutem Punch drin, die grobschlächtigen Kameruner immer wieder aussteigen gelassen. Das alte mexikanische Spiel: Viel Fummelei, immer wieder mal ein lichter Moment eingestreut, aber ein bissl umständlich im Strafraum. Ein perfekt ausgedachter flacher tiefer Ball, aber ein bissl zu hart. Ein Dribblingversuch im falschen Moment. Ein Schuss, zu spät genommen. Allein vor dem Tormann landesligamäßig gerade draufgehalten und den Tormann abgeschossen. Sogar vor dem 1:0 kam Giovani nicht am – allerdings sehr gut reagierenden – Keeper vorbei; erst im Nachschuss versenkte Peralte.

Zweite Erkenntnis: Mexiko kann noch immer kein Konterspiel. Auch hier: Alte Leier bei der Tri. Zwei, drei gute Anbahnungen zum Konter wurden zum Fremdschämen weggeschmissen. Trotzdem ein Auftritt der Mexikaner, der offensiv besser war als vor dem Turnier befürchtet.

Kamerun bot nach vorne wenig, nutzte aber die absurden mexikanischen Abwehrflügel aus. Mit diesem einzigen Mittel allein kam Kamerun zu seinen zwei, drei Chancen, und hätte einmal via Eto’o in Führung gehen können. In der zweiten Halbzeit ein ähnliches Bild: Gut eine Handvoll Gelegenheiten mit viel Platz für Kamerun, aber stümperhaft versemmelt.

Kamerun wird sich massiv steigern müssen, wenn man noch eine kleine Chance haben will. Für die Mexikaner könnte die Abwehrschwäche links und rechts hinten zur Sollbruchstelle ni der Gruppenphase werden.

Caipirinha zum WM-Auftakspiel 2014: Brasilien vs Kroaten | Gruppe A

Merkwürdiges Auftaktspiel. Die erste Halbzeit fand ich eigentlich recht ansehnlich, aber nach der Pause war das schon eine zähe Angelegenheit. Die Brasilianer kamen im Gegensatz zum Confed-Cup nicht zweimal mit viel Pressing aus der Pause, sondern groovten sich jeweils langsam ins Spiel rein. In der Offensive gab es vergleichweise vertauschte Rollen mit einem Neymar, der doch mehr Freiheiten genoss als bisher üblich, einem Hulk, der sehr viel über die linke Flügelseite kam, und einem komplett abgeschnittenen Mittelstürmer Fred. Das brasilianische Ausgleichstor war auch eher vom sonstigen Spiel losgekoppelt: Ballgewinn in der Mittelfeldzentrale, 3-4 Schritte von Neymar, und dann geht ein nicht besonders hart getroffener Ball halt zufällig haargenau ins lange Eck, wo der wie ein Sack umfallende Pletikosa nicht mehr ganz rankommt.

Die Kroaten kontrollierten eigentlich weitgehend das Spiel, und auch ihr Tor war „logischer“ als der der Brasilianer: Es war nicht so lange gespielt, aber man war schon zum dritten Mal über einen der Flügel frei zum Flanken gekommen (einmal über rechts, mit Olic-Kopfball, zweimal über links), und folgerichtig fummelte sich der Ball zweimal abgefälscht zum Eigentor Marcelo rein – ein erstes WM-Tor 2014, bei dem keiner der 7 Milliarden Erdbewohner den Schützen korrekt getippt hat.

Die zweite Halbzeit war dann schwach von den Brasilianern. Da kam ja gar nichts mehr. Ich schilderte schon, wie substanzlos diese Mannschaft sein kann, wenn sie nicht mit Führung im Nacken spielt, aber das war erschreckend. Scolari versuchte, sich mit positionsgetreuen Wechseln noch einmal ins Spiel zurückzubringen. Geschafft hat es dann keiner seiner Spieler, sondern der japanische Schiedsrichter.

Der Schiri war nicht „schlecht“ in dem Spiel. Wir fanden in der Stube, er pfiff überraschend neutral. Aber die Schwalbe vom Fred war schon so klar, dass da zwangsläufig die Unkenrufe vom Heim-Schiri auftreten. Es war ein geschenkter Sieg für die Brasilianer, aber ich habe Hoffnung, dass mit diesem Elfergeschenk der ganz große Bonus für die Brasilianer schon verschenkt ist. Wird man sich nochmal trauen, den Brasilianern ein solches Präsent zu überreichen – dann, wenn es vielleicht wirklich notwendig ist, in einem Viertelfinale in der 72ten Minute?

Auch das sensationelle 3:1 von Oscar, das Erinnerungen an das Wundertor von Ronaldo 2002 gegen die Türken weckte, kam nach einem mehr als grenzwertigen Foul im Mittelfeld zustande. Schiri-Diskussion, Fortsetzung folgt?

Ansonsten: Stabile brasilianische Abwehrvorstellung nach den ersten 20 Minuten. Torwart Julio Cesar ist aber ein Unsicherheitsfaktor. Gegen den brauchst du nur sechsmal, siebenmal draufhalten, und wenn er dir die Kugel nicht im ersten Mal reinlässt, prallt er dir irgendwann den Ball direkt vor die Füße ab.

Ein Wort zum Publikum: Im italienischen Fernsehen sind die Ränge meistens eh zurückgedreht, aber so leise wie es im Stadion in Sao Paulo war, herrschte schon fast Geisterstimmung zwischendurch. Die Lästereien vom Eventpublikum werden nicht nachlassen. Auffällig an dem Publikum war für meinen Geschmack auch dessen „helle“ Färbung. Da waren 70.000 Brasilianer aus der oberen Mittelschicht im Stadion…