WM-Caipirinha 2014: Uruguay – Costa Rica | Gruppe D

Wie gut eine Mannschaft ist, erkennt man dann, wenn sie Gegenwind spürt. Insofern hatte ich für Probleme bei Uruguay gerechnet, wenn sie gegen die Italiener oder Engländer antreten müssen. Insofern hab ich mich auch sehr gefreut, als Costa Rica per Doppelschlag die Partie drehte: 57te Minute, und Uruguay hat nun eine halbe Stunde, ja fast 40 Minuten, Zeit, zu zeigen was es wert ist.

Die Antwort: Null. Nada. Fürchterliche uruguayische Darbietung ohne Struktur, mit nur sehr wenigen Zuckungen. Es fehlte eine ordnende Hand in dieser Partie, in der Uruguay gegen den krassen Außenseiter Costa Rica nicht mal gescheit den Ball aus der eigenen Hälfte nach vorne gespielt bekam. Erbärmlich für ein Team, das von vielen so gehypt wurde.

Costa Rica lebte von drei Dingen: Haushohe Überlegenheit bei sämtlichen Standards quer durch das Spiel. Sehr, sehr gute Fernschüsse. Und ab der zweiten Halbzeit mehr Mut, mehr Dringlichkeit, mehr Leben. Costa Rica war für mich Zeit meines Lebens eine Art Mexiko für Arme gewesen: Immer ganz nett anzuschauen, aber nie die Leidenschaft für einen Sturmlauf aufbringend. Sturmlauf war’s auch heute nicht, aber es war sehr clever und mit sehr viel Einsatzbereitschaft gespielt.

Dieser Mittelstürmer Campbell ist eine Wucht. Das Tor ist eines, aber seine Schusstechnik und sein Traumpass zum 3:1, seine gute Spielübersicht – dieser von Arsenal in die halbe Welt verliehene Mann könnte früher oder später höhere Aufgaben sehen.

Auf der anderen Seite war Cavani zwar bemüht, aber aufgrund des desolaten Aufbauspiels weitgehend entrückte einsame Spitze. Forlan war ein Ausfall. Forlan hatte eine Handvoll missratener Freistöße und Weitschüsse, bei denen er den Ärger der Kollegen auf sich zog, und sonst nichts.

Uruguay (oder wenn wir es mit dem ORF halten, „Urugay“) wird nun aufpassen müssen. Sogar der mögliche Fake mit Suarez ging schief: Er kam heute nicht, und so weiß nun jeder, wie es um Suarez bestellt ist: Er wirklich nicht fit. Wird das in vier, fünf Tagen wirklich so anders sein?

22 Tore in sechs Spielen. Diese WM lässt sich sehr geil an. Im Vergleich zur Vorrunde von Südafrika ist das wie Himmel statt Hölle.

WM-Caipirinha 2014: Chile – Australien | Gruppe B

Wirbelwind von Chile in der ersten Halbzeit, die die bislang beste des Turniers war – allerdings nur gegen ein phlegmatisches Australien, das einen fast zufälligen Anschlusstreffer brauchte, um sich ins Spiel zu carven. Eine der Erkenntnisse des Spiels war: Chile kann verdammt überzeugend sein. Chile trat in einem nominell 4-3-3 ähnlichen System auf, mit einem Mittelfeld, das fast in zwei Kategorien einzuteilen ist: Den Ausputzer #21 Diaz, und die vorgeschalteten Aranguiz und #8 Vidal (der nur eine Stunde konnte). Im Sturm war es das von allen erwartete Bild: Von den Flügeln drangen #7 Alexis sowie #11 Vargas rein, während der zentrale #10 Valdivia weniger einen klassischen Mittelstürmer gab, dafür aber immer wieder aus der Tiefe reinstieß. Auf der anderen Seite waren die Außenverteidiger Isla und Mena so offensiv, dass man das System auch eine Art 2-1-4-1-2 taufen kann – Mena und Isla waren häufiger auf Augenhöhe mit einem Vidal als man es als Gegner haben möchte und drängten die australischen Flügelspieler immer ganz tief hinten rein.

Beeindruckend war die Kohärenz im Team in der ersten Halbzeit: Dank extrem hoher Laufbereitschaft und guter Antizipation gab es fast immer minimum zwei, drei Anspielstationen. Folgerichtig war das Spiel auch schnell „entschieden“: Wunderbare Kombination zum 1:0, toller Fernschuss zum 2:0.

Chile war bis zum Anschluss aus dem Nichts locker Herr der Sache, aber danach ließ das Pensum doch stark nach. Australien kämpfte sich ins Spiel rein, konnte natürlich nicht spielerisch überzeugen, dafür ist man zu limitiert, aber man kam zu Chancen und vor allem: Man zwang Chiles Trainerstab zu kleineren taktischen Spielereien um wieder Schwung in die Offense zu bringen. Ein Valdivia wurde zum Beispiel nicht positionsgetreu ausgewechselt.

Am Ende gewann Chile dank Treffer in der Nachspielzeit 3:1. Es hätte mit ein wenig besserer australischer Effizienz in der zweiten Halbzeit auch ein 2:2 werden können, aber das wäre ehrlicherweise nicht verdient gewesen. Australien schlug sich mit seinen Mitteln achtbar, aber Chile schlug sich großteils überzeugend. Ich freue mich wie weiland Weinhamster auf Chile vs Spanien am Mittwoch, 21h MESZ.

WM-Caipirinha 2014, Spanien vs Niederlande | Gruppe B

Warnung. Spanien wird nicht Weltmeister, das war meine Meinung, und bleibt meine Meinung. 1:5 gegen Holland, ein Ergebnis mit der Strahlkraft, als symbolisch für den Abgesang der mächtigen spanischen Dynastie zu stehen – wenn es denn der Abgesang wird.

Es war ein Freak-Ergebnis. 1:5 gegen eine eindimensionale holländische Mannschaft, deren Offensivspiel recht durchschaubar bleibt. Es war eines der Spiele, in der letztlich alles für eine Mannschaft läuft – alles, außer eines: Der Elfer. Es wirkte wie ein geschenkter Elfer. Den kannst du pfeifen, wenn du nicht weißt, wie Fußball in Südlanden funktioniert. Es war ein italienischer Schiri, also hätte er es wissen müssen. Es war ein Elfer, den du nicht pfeifen solltest. Costa rutschte aus, Costa fiel. Costa bekam den Elfer. Alonso verwandelte. Sollte Spanien – Gruppe B – die Gruppe gewinnen (Brasilien = Gruppe A)?

Holland kam zurück, aber es war nicht nur Holland. Es war die Mixtur aus Hollands Offensive, Spaniens Defensive und dem Faktor 100%: Es ging den Holländern alles auf. Langer tiefer Ball aus dem halblinken Feld, Fehler Casillas, Tor. Eine einfache Erfolgsregel, die für einen Abend gilt, die nicht zwingend für vier Playoffabende gelten wird.

Casillas ist eine Flasche. Ich stehe zu der Meinung, die ich schon offenbarte, Casillas verschuldete zumindest zwei, wenn ich meinen Compagnons glaubte, drei, Gegentore.

Ich bin auch der Meinung, das 3:1 muss zurecht zählen. Es ist das längst überfällige Stürmerfoul-Tor. Fußball 2014 = Stürmerfoul, wenn der Tormann den Angreifer überrennt. Eine Auslegung, die fast immer so gepfiffenwird, aber Bullshit ist, Bullshit hoch drei. Van Persie ging wuchtig in die Flanke. Der Tormann ging in die Flanke. Van Persie gewann, der folgende Treffer zählte. Für mich zurecht.

Der Rest war simpel. Spaniens vogelwilde Abwehr, Spaniens (erwartet) vogelwilder Goalie, killten die eigene Mannschaft minimum gleich wild wie Hollands lange tiefe Bälle nebst individuell gut besetzte Offense. Langer Ball, Stürmer umkurvt Abwehr und Goalie, Gol.

Holland spielte hart, aber nicht WM-2010 Finale hart. Holland hatte sogar südländische Momente. #4 Martins Indi gehört mit seiner Schauspieleinlage per sofort in eine Serie A. Aber das war überwiegend erste Halbzeit. Zweite Halbzeit war langer orangener Ball, Stürmer trickst, Tor.

Holland muss aufpassen. Holland muss auf dem Boden bleiben. Es war ein 5:1, aber es war nur gefühlt die Demontage. Es war mit hoher Wahrscheinlichkeit das symbolische Ende der spanischen Ära, aber es war nicht der Beginn der holländischen. Der Moment ist ein Genuss, aber er ist nicht mehr. Es wird kein Viertelfinale geben, in dem Italien mit langen Bällen und Robbens Zirkusnummern gekillt wird. (aber es wird wohl auch kein Achtelfinale geben, in dem man gegen Brazil anrennen muss)

Es war ein kleiner Schritt für Holland. Ein brutaler Schritt gegen Spanien. Ein Ergebnis, das man nicht vergessen wird. Aber wohl noch keines von epischen Ausmaßen.

(Ist einer der Verlierer des Abend Chile?)