WM-Caipirinha 2014: Schweiz – Ekuador | Gruppe E

Verrücktes Spiel, das am Ende mehr von seiner Spannung lebte als von der spielerischen Qualität auf dem Feld. Die Schweiz gewann am Ende 2:1, was angesichts des zuvor aberkannten regulären Treffers für Drnic gerecht ist, aber andererseits auch locker hätte eine Pleite werden können – dann nämlich, wenn die Ekuadorianer Sekunden vor dem späten Siegtreffer ihre eigene Megachance nicht so verstümpert hätten.

Crazy Schlussphase. Valencia rennt auf dem rechten Flügel plötzlich völlig frei gen Benaglio und der einzige Schweizer Verteidiger im Umkreis von 30m kommt erst nach zweimal drüber nachdenken auf die Idee, doch endlich drauf zu gehen. Valencia muss somit quer spielen, wo ein beherztes Einsteigen des Schweizer Innenverteidigers den Worst-Case verhindert. Möglichkeit zum Konter, Behrami wird gefoult, steht aber sofort auf und läuft weiter. Schiri gibt zurecht Vorteil. Pass rechts raus, langer Pass links raus, Rodriguez verlängert sein linkes Bein um einen halben Meter um den Ball im Spiel zu halten, schiebt flach in den Strafraum, wo der eingewechselte Seferovic von hinten crossend kommt und ins kurze Eck einschiebt – eine verrückte Sequenz zum Sieg.

Der Sieg war dringend notwendig. Willst du wirklich mit einem Remis gegen Ekuador starten, dich drauf verlassen, dass du gegen Frankreich und Honduras bessere Torverhältnisse als der Gegner holst? Willst du das als Schweiz, mit der Erinnerung an Honduras 2010?

Trotz der zwei, oder besser: drei, erzielten regulären Tore der Schweizer war es keine überzeugende Schweizer Vorstellung. Das 4-2-3-1 war lange Zeit sehr statisch. Man versuchte zwar richtigerweise, über die Flügel zu kommen, aber es fehlte an letzter Konsequenz. Ein Stocker, der nicht wirklich im Spiel war. Ein Shaqiri mit gestrichen vollen Hosen; statt des gewohnten Shaqiri mit Drang nach vorne gab es viele Quer- und Rückpässe, die den Spielfluss hemmten. Es gab nur wenige echte gute Spielzüge der Schweizer.

Auf der anderen Seite hielt der Defensivverbund ganz gut gegen, ließ kaum ekuadorianische Konter zu. Der Schweizer Ausgleich war ähnlich dem ekuadorianischen Tor einer nicht überzeugenden Torwart-Aktion geschuldet: Wäre #22 Dominguez bei der sehr zentral geschossenen Ecke einfach in den Schützen Mehmedi plus seinen Deckungsspieler rein gegangen, er hätte 100%ig ein Stürmerfoul gepfiffen bekommen – die Regel, die ich immer kritisiere, aber Dominguez hätte den Treffer allein dadurch verhindern können, und er hätte dabei auch am Ball vorbeispringen können.

Nach dem Ausgleich war die Schweiz besser. Ekuador schien konditionell in den Seilen zu hängen, die Eidgenossen wirkten etwas fitter, körperlich und geistig. Es war wie gesagt nicht gut, und nach dem zu Unrecht aberkannten vermeintlichen 2:1 ließen sich die Schweizer fast eine Viertelstunde lang zu sehr hängen. Am Ende gab es aber Gerechtigkeit, und wie ist es so oft im Fußball: Wenn das Ergebnis, zum Schluss stimmt, fragt keiner mehr, wie es zustande gekommen ist. Next Up: France, am Freitag, 21h MESZ.

7 Kommentare zu “WM-Caipirinha 2014: Schweiz – Ekuador | Gruppe E

  1. Der Poschmann sprach so oft von dem lange-dauernden gespraye bei Freistößen. Ich persönlich bin großer Fan davon, weil mir das viele Lamentieren im Fußball eh aufn Sack geht. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass das Zeit kostet. Ich nehme an Statistiken wirst du dazu nicht spontan ausm Hut zaubern können. Als recht klar denkender Mensch, wie schätzt du das ein? Dauert das länger oder spart das Zeit?

  2. Die erste Hälfte war gekennzeichnet von Nervosität und Abstimmungsproblemen der Schweizer. Nach der Umstellung haben sie aber Herz gezeigt und über den Willen den Sieg verdient.
    Lustig an der Schweizer National Mannschaft,…fast nur Secondos im Team. Habe glaub nur 3 Spieler mit echt eidgenössischer Wurzeln gelesen.

  3. @Reds: Wenn man sich nur kurz die elendigen Diskussionen um das Placement der Mauer ohne Spray erinnert, gibt es eigentlich keinen rationalen Grund, auf den Spray zu verzichten. Es ist effizient, kostet 3sek und bringt locker eine halbe Minute – im Schnitt. Keine Ahnung, durch welche Gedankengänge Poschmann zu seiner Meinung kommt.

  4. Find den Spray auch super, die Mauer wird quasi festgenagelt… Manchmal auch die Schuhspitzen… 😁 Spart letztendlich definitiv Zeit…

  5. Ich bin auch ein Fan des Sprays, allerdings scheinen einige Spieler die Bedeutung des Sprays etwas zu hoch zu bewerten. Vor dem Tor der Ecuadorianer hat der Schütze den Ball nicht mal einen halben Meter nach rechts aus der Markierung gelegt und die Schweizer waren sofort wieder am jammern, was aus meiner Sicht mit zum Tor beigetragen hat. Sobald die Leute verstehen, dass das Spray zwar eine Richtlinie, aber kein Gesetz ist, kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Spray flächendeckend verwendet wird, die Zeitersparnis ist einfach erheblich. Außerdem wird so auch ein großer Reibungspunkt zwischen den Spielern entschärft: Wie oft sind schon Angreifer und Verteidiger aneinander geraten, weil man vom jeweils anderen glaubte, dass er sich einen unerlaubten Vorteil verschafft hat?

  6. @cashman: Ich hätte den Ekuadorianer verwarnt. Gerade, weil er es in der zweiten Halbzeit noch einmal machte. Niemand hat etwas von seinem Ballverschieben. Nicht er, nicht die Schweiz. Er macht es nur um sich nicht an die Regeln zu halten. Das ist für mich eine gelbe Karte.

  7. „Valencia muss somit quer spielen, wo ein beherztes Einsteigen des Schweizer Innenverteidigers den Worst-Case verhindert.“

    Es war sogar Valon Behrami selbst, der das Tackle im eigenen Strafraum machte und anschließend diese unglaubliche Energieleistung vollbrachte die schlussendlich den Siegtreffer einleitete.

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