Belgien – Algerien | Gruppe H

Die Algerier kann man schnell abhaken: Das war eine sehr clevere Defensivleistung aus einem recht klaren 4-4-2. Algerien presste nicht grundsätzlich, ging aber lange Zeit extrem bissig drauf, wenn der ballführende Spieler in der Nähe war – und hatte lange Zeit gegen ein geistig nicht präsentes Belgien Erfolg damit. Weil man vom Gegner quasi einen Elfer geschenkt bekam – der algerische Stürmer hätte große Schwierigkeiten gehabt, den Ball vor dem Foul überhaupt noch zu erlaufen – führte man aber lange 1:0.

Zum allseits gelobten Geheimfavoriten Belgien: In etwa mit sowas wie der 1. Halbzeit hatte ich gerechnet. Bei aller Liebe für dieses Team, in jedem Tippspiel habe ich ein müdes 1:0 für das Auftaktspiel eingetragen. Ich hatte mit minimum einer Viertelstunde Eingewöhnungsproblemen gerechnet – schließlich ist es das erste Turnier dieser jungen Mannschaft, die kulturell so vielschichtig ist, und die dann gleich noch als monstermäßiges dark horse ins Turnier gehen muss.

Die Lethargie dauerte länger als die erwartete Viertelstunde. Es war sogar zwischendurch soweit, dass sich Belgier gegenseitig anpflaumten (z.B. bei einem „vergessenen“ Querpass von Hazard auf einen freistehenden Lukaku). Probleme machte der inexistente De Bruyne, und der sichtlich genervte Hazard, aber auch Lukaku fand überhaupt keine Bindung.

Nach der Pause reagierte Wilmots. Belgien kam nach der Kampfschweinrede erstmal motivierter aus der Kabine. Bald ersetzte der blutjunge Origi von ManUnited Lukaku, und es wurde bei den Belgiern immer flüssiger. Sie schraubten lange, bohrten, versuchten, diese nicht einfach zu bespielenden Algerier zu durchbrechen. Der wahre Champ-Wechsel kam nach etwa einer Stunde, als der wuschige Fellaini reinkam und gleich mal mit seiner Präsenz als Kopfballspieler auffiel, immer wieder in den Strafraum ging und schließlich auch den Ausgleich setzte.

Der Siegtreffer fiel sogar aus einem verkappten Gegenstoß, einem Mini-Konter der Belgier in einer sehr feinen Aktion. Es war letztlich ein verdienter Sieg, mal wieder ein gedrehtes Spiel, ein Spiel, aus dem die Belgier trotz der insgesamt blassen Leistung vieles mitnehmen können. Die drei Punkte natürlich. Aber auch die Gewissheit, im Turnier angekommen zu sein. Die Gewissheit, dass man zwar wohl nicht die homogenste Truppe hat, dass man sich aber eingrooven kann. Dass man Geduld gezeigt hat, Stellschrauben gedreht hat.

Insofern ist für diese Mannschaft glaube ich schon wichtig, dass man nicht nur eine Reaktion gezeigt hat, sondern dass man die Reaktion auch im Ergebnis sieht und dass man gewonnen hat. Die Belgier haben insofern einen guten Auftakt mit Sternchen abgeliefert.

WM-Caipirinha 2014: Ghana – USA |Gruppe G

Die USA gewannen, aber deswegen in eine Lobeshymne verfallen würde ich nicht: Es war eine insgesamt maue Vorstellung der Amerikaner, die weniger zu einem insgesamt attraktiven Spiel beitrugen als die unterlegenen Ghanaer. Beide amerikanischen Tore waren vom restlichen US-Spiel losgelöst: Ein früher Treffer nach 31sek nach einer der wenigen Kombinationen, dazu ein Kopfstoß nach Ecke in der 85. Minute.

Die USA legten sich nach dem schnellen Treffer zwar nicht auf die faule Haut, sondern kämpften weiter, aber sie versuchten nur mehr sporadisch, wirklich nach vorn zu spielen. In der Vorwärtsbewegung ließ Klinsmann dabei eine Art 4-1-3-2 spielen, mit dem Abräumer Beckerman vor der Viererkette und einem Sturmtandem Dempsey / Altidore. Der Ballbouncer Altidore musste dabei schon in der ersten Halbzeit mit Muskelproblemen raus.

Nach hinten sah das US-Spiel wie ein klassisches 4-4-2 aus, wobei sie vor allem über ihre linke Seite anfällig waren: Dort agierte Damarcus Beasley als Linksverteidiger. Beasley hab ich glaube ich seit zirka zehn Jahren vom Schirm verloren, aber damals war er noch ein Stürmer. So sah das auch gegen Ghana aus: Ein defensiv überforderter Beasley sah ungefähr 20 Flankenläufe über seine Seite, und er wurde größtenteils von Opare und Atsu verspeist. Auch der nominell als zweite Spitze neben Gyan aufgestellte Jordan Ayew zog immer und immer wieder rechts raus, aber trotz dieses Scheunentors kam von Ghana ehrlicherweise zu wenig.

Ghana war die dominante, klar bessere Mannschaft, aber sie erwies sich als nicht abgezockt genug in der Offensive. Man schoss viel zu oft zu früh und traf in gefühlt 20 Schüssen nur eine Handvoll Male überhaupt das Tor – Tim Howard musste selten wirklich eingreifen. Trotzdem langte es zum Ausgleich wenige Minuten vor Schluss, und es fühlte sich dann wie ein angehender Sieg an, ehe eine US-Ecke (die von Ghana selbst verschuldet wurde) den Spielverlauf auf den Kopf stellte.

Die USA haben nicht überzeugt. Sie sind trotz des Auftaktsiegs keine g’mahnte Wiesn. Sie sind spielerisch fürchterlich limitiert, mit einem „Spielgestalter“ Michael Bradley, der eigentlich nix kann, mit dem man ihn in den Rang eines oberklassigen Spielmachers im Weltfußball heben könnte. Nicht ausgeschlossen, dass die Klinsis da ihre einzigen Punkte geholt haben. Für Ghana wird es am Samstag schon eng gegen Deutschland. Schlimmstenfalls ist in dieser Gruppe auch nicht auszuschließen, dass ein einziger Sieg zum Weiterkommen reicht – und gegen Portugal ist Ghana zumindest auf Augenhöhe.