WM-Caipirinha 2014: Das war Gruppe A

Brasilien ging wie erwartet durch, aber alles rosig ist bei der Selecao bei weitem nicht. Gegen Kroatien musste der Schiri nachhelfen, von den Mexikanern bekam man einen epischen Kampf geliefert, der fast in einer Niederlage geendet wäre (und gefühlt eine war), und Kamerun war kein Prüfstein.

Brasilien wirkt wie ein ziemliches one trick pony, was auch an der immergleichen Aufstellung liegt. In der Abwehr ist man trotz Tingeltangel eine recht stabile Unit, das zentrale Mittelfeld mit Paulinho und Gustavo funktioniert auch – bisher – ausreichend, aber vorne ist das nicht immer überzeugend. Man ist relativ abhängig von den Genieblitzen von Neymar, hat ansonsten nicht viel anzubieten: Fred ist bisher ein Ausfall, Oscar hatte auch nur gegen Kroatien wirkliche Spielfreude versprüht, und auf dem rechten Flügel sieht das bisher überhaupt nicht gut aus: Hulk wich in Spiel 1 stark nach links aus. Gegen Mexiko brachte Scolari dann Ramires, was komplett schief ging und schon nach einer Halbzeit mit dem Wechsel endete; Bernard ist keine Idealbesetzung, kann aber immerhin als Joker neue Aggregatszustände bringen; tja, und ganz vorne wäre Jo ein gefühltes Upgrade über Fred, aber so wirklich überzeugend ist ein Jo halt auch nicht.

Jetzt also Chile. Brasilien war bisher immer ein Team, das naive Teams locker schlagen konnte, und man putzte auch vor vier Jahren das abschlussschwache Chile locker 3:0 im Achtelfinale. Diese Chilenen 2014 sind aber dann doch eine furchteinflößende Erscheinung, nicht bloß, weil Ganzkörpertätowierung erstes Nominierungskriterium ist: Es würde mich nicht überraschen, wenn Coach Sampaoli einen Manndecker auf Neymar hetzt und somit die brasilianische Offense hinreichend lahm legt um ein historisches Upset in Angriff zu nehmen…

Platz zwei in der Gruppe: Mexiko! Das freut mich als altem Mexiko-Fan natürlich ganz besonders, umso mehr, weil kein Mensch der Tri was zugetraut hatte. Die Mexikaner spielen ihren alten Stiefel runter: Ganz nett anzuschauen, aber nicht kalt genug und nicht schnell genug im Umschaltspiel, aber: Als Gesamtes ist das schwer überzeugend. Man spielt ein trockenes 5-3-2 mit zwei eher offensiven Außenverteidigern, und man ist vor allem darauf bedacht, die Zentrale stabil zu halten und gleichzeitig das eigene Spiel brutal breit anzulegen.

Die Mexikaner sind eher keine Kandidaten, einen Gegner mit einer Orgie an Torchancen 4:0 an die Wand zu nageln, aber sie können Mehltau: Sich auf den Gegner drüberlegen, ihn langsam einzuschläfern und danach zu ersticken. Sie können fantastisch aus der zweiten Reihe schießen und gegnerisches Aufbauspiel abfangen. Ich frage mich allerdings, wie die eher langsame mexikanische Defensive gegen die holländischen Sprinter um Robben auftreten wird.

Kroatien ist Dritter. Kroatien hatte ich mehr zugetraut. Das Auftaktspiel gegen Brasilien war noch tendenziell sehr gut, ehe man durch einen krassen Schiedsrichterfehler das Spiel verlor und sich hernach weinend in sein Schicksal stürzte ohne noch einmal echte aufbäumende Reaktion zu zeigen. Ja, Kamerun wurde klar geschlagen, aber das war schon keine richtig überzeugende Leistung. Man bekam nie echte Dominanz in ein Mittelfeld, in dem mit Rakitic, Modric und Kovacic internationale Superspieler auftraten, aber sie konnten als Trio nicht gegenhalten, und die zweite Reihe hinter dem Mittelstürmer hatte keinen Punch.

Kamerun war die befürchtete Katastrophe. Ich hätte fast geschrieben, die „erwartete“ Katastrophe, nachdem ich sie im Testspiel gegen Paraguay als komplett inhomogene Mannschaft erlebt hatte, aber dann berappelte man sich in der Vorbereitung doch noch und sah wie ein potenzielles, wenn auch unwahrscheinliches dark horse aus. Nada.

Da war nichts. Es gerüchtelte von Streitereien, einem entmachteten Coach, einem bocklosen Stürmerstar Eto’o (welch Überraschung…) und einem Kurzzeitcoach auf Urlaubstrip. Kamerun zeigte nur phasenweise den Willen, sich gegen das Unheil zu stemmen, fiel aber dann spätestens nach dem ersten groben Patzer, der zu Rückstand führte, in sich zusammen, bei der zweiten WM en suite. Kamerun ist als afrikanisches Team immer eins meiner Favoriten, aber so blind kann niemand sein, noch länger „Credit“ für diese Mannschaften aufzubringen. Schade, aber irgendwann muss man es einsehen.

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