WM-Caipirinha 2014: Niederlande – Costa Rica | Viertelfinale

Niederlande – Costa Rica war ein Spiel, das trotz zweier eher verhalten (besser: defensiv) eingestellter Mannschaften durchaus seinen Charme entwickelte, und in den letzten Minuten der Verlängerung sogar zu einem fassungslosen Feuerwerk mit Chancen hüben wie drüben im Sekundentakt explodierte. Am Ende gewann Holland im Elfmeterschießen.

Können wie den „Geniestreich“ Van Gaals mit Torhüter Krul schnell abhandeln? Van Gaal gewann, also ist Van Gaal der King. Aber wehe, das geht schief… Krul selbst gehört ausgepfiffen. Wie auch der Schiri. Ich bin dafür, dass im Elfmeterschießen nicht lange verwarnt wird, sondern beim ersten Mal, bei dem der Tormann die Höhe der Fünferlinie überschreitet, gelbverwarnt wird. Beim zweiten Mal gelb-rot. Bei nur fünf Schützen überlegst du es dir. Dass ein Schiri aber trotz so offensichtlicher Anmache den Keeper nur einmal anspricht, ist unverständlich.

Natürlich war Holland die bessere Mannschaft, und natürlich war der Sieg verdient. Aber es ist weiter nicht begeisternd, was Van Gaals Mannschaft fabriziert. Es ist viel besser als Van Marwijk 2010, aber es ist nicht richtig ansehnlich.

Das orangene 5-2-3 ist für mich noch immer ein Schreckgespenst. Diesmal stellte Van Gaal die #21 Memphis Depay von Beginn an auf und beorderte ihn als eine Art linken Flügelstürmer, mit einer Mittelfeldzentrale Sneijder/Wijnaldum dahinter, die beide nicht viel für den Angriff taten. Eher offensiv im Vergleich zu den bisherigen Spielen eingestellt waren dafür die Linksverteidiger Blind/Kuyt, aber es wirkte nur zeitweise in der ersten Halbzeit wie ein 3-4-3, überwiegend war es das nicht.

Echte Mühe gab sich bei den Holländern sowieso nur Robben, der für mich einer von zwei, drei Kandidaten auf den Goldenen WM-Ball 2014 ist. Robben verheddert sich häufig, er ist oft wackelig auf den Beinen, aber er ist der einzige, der echte Gefahr ausstrahlt und mit seinen vielen Soli quasi der Alleinunterhalter in dieser sonst eher sterilen Elftal ist. Nur selten geht ein Ruck durch das Team, und es wird Brazil-like für fünf Minuten gepowert.

Ich weiß nicht. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwecken, dass bei Holland mehr drin wäre. Dass Holland – wie Argentinien – ein Pferd ist, das nur so hoch springt wie es springen muss. Von beiden wäre ich mittlerweile überrascht, wenn sie noch den Drive finden. Zu lange schlummern sie schon vor sich hin. Aber einer kommt ins Finale.

Costa Rica dagegen ist eine der guten Geschichten des Turniers. Sie sind wie Holland ein auf Abwehr bedachtes Team, aber man tut sich schwer, den Ticos das zum Vorwurf zu machen. Wer Costa Rica in der Offensive sieht, der sieht ein zu langsames, zu träges Team. Sie können nicht mehr. Sie haben einen international gebräuchlichen Stürmer in Campbell, aber selbst der wird maximal bei den 1B-Vereinen einen Platz finden. Mehr ist nicht.

Wo man perfekt eingestellt ist: Hinten. Diese Fünferkette rückt so perfekt synchron raus, dass man dem Trainerstab um Coach Pinto nur ein Kompliment machen muss, die Dinge, die man mit einer so durchschnittlich talentierten Mannschaft optimieren kann, optimiert bzw. perfektioniert hat. Die alte Abseitsfalle ist nicht ohne Risiko, und man kann sicher auch mal bei den holländischen Weltklassestürmern nachhaken, ob man in 100/100 Fällen im Abseits stehen muss, aber: Respekt.

Costa Rica spielte ein markantes 5-4-1 gegen den Ball, mit engsten Räumen zwischen Abwehr und Mittelfeld, mit zwei perfekten Ketten, mit einer so breiten Spielanlage, dass der Gegner darin abtauchte und keinen Halt mehr fand. Es ist sicher nicht einfach, gegen so eine Catenaccio-Mannschaft zu spielen, aber ich hatte mir von Holland mehr Dringlichkeit, mehr Power, mehr Kreativität erhofft.

Costa Rica scheidet ohne Niederlage aus. Sie haben viel mehr erreicht als man ihnen zugetraut hatte. Sie sind offensiv banal genug dass man ihnen nicht so böse ist wie den Holländern, nur wenige ehrliche Angriffsbemühungen zu zeigen. Costa Rica 2014: Gute Story. Wenn sie 2024 immer noch mit demselben Stil jahrein, jahraus ins Viertelfinale kommen, dann nerven sie… vielleicht.

Insofern: Unterhaltsames Spiel, gutes Ergebnis. Die klar bessere Mannschaft ist weiter, und damit haben wir heute und morgen zwei Final-Neuauflagen aus der WM-Geschichte: Brazil-Deutschland 2002, und Argentinien-Niederlande 1978, wobei Letzteres als eines der prägenden Momente der WM-Geschichte gilt.

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