NFL-Franchises im Kurzporträt, #23: Minnesota Vikings

Die Minnesota Vikings teilen sich mit den Bills einen ungeliebten NFL-Rekord: Sie haben vier Superbowls verloren, ohne einen jemals gewonnen zu haben. Und die beste Vikings-Mannschaft aller Zeiten schaffte es nicht mal bis ins Endspiel. Von einer der erfolgreichsten ringlosen Mannschaften überhaupt.

Die Gründerjahre

Aus der Taufe gehoben wurde die Franchise im Zuge der NFL-Expansion im Jahr 1960 und sie wurde „Vikings“ genannt, weil der gemeine Nordamerikaner nicht in der Lage ist zu differenzieren, sprich aufgrund der vielen skandinavisch-stämmigen Einwohner in der Region wohl annahm, dass sie in direkter Linie von den Wikingern abstammten. Anyway. Der Name ist populär geworden, die Mannschaft ebenso.

Das lag auch an den sich bald einstellenden Erfolgen. Nach nur neun Jahren holten die Vikings 1969 nicht nur die letzte „reine“ NFL-Meisterschaft überhaupt (NFL und AFL fusionierten erst nach Saisonende), sondern auch die längste Siegesserie seit Menschengedenken: 12 Wins en suite hatte es in der NFL seit 35 Jahren nicht mehr gegeben. Der Titel wird heute aber gerne vergessen, denn die Vikes verloren die letzte Super Bowl zwischen einem AFL-Team und einem NFL-Team (gegen die Chiefs).

Die silbernen 70er

Die Dekade begann mit der Rückholaktion des geliebten QB Fran Tarkenton, der einst in den 60ern den Quarterback gab, dann teuer an die Giants verscherbelt worden war und nun als verlorener Sohn von Daddy „Fans“ wiederaufgenommen wurde.

Tarkenton war Mitte der 60er von den Vikings gedraftet worden und im Jahre 1967 für mehrere Erst- und Zweitrundenpicks nach New York verkauft worden. Man muss diesen Move aber in den Kontext der damaligen Zeit setzen: Draftpicks galten damals als nicht besonders wertvoll. Die Washington Redskins zum Beispiel überlebten mal zwischendurch 10-15 Jahre ohne einen einzigen 1st-Rounder, und waren fast immer vorne dabei. Die Vikings spielten ein bissl out oft he box und hatten das Glück, mit den Tarkenton-Picks einige Ecksteine der später erfolgreichen Mannschaft der 70er Jahre zu draften.

Und natürlich kehrte Tarkenton 1971 nach vier Jahren im Exil nach Minnesota zurück. Tarkenton war manchem mit seinem wuseligen, Scrambler-artigen Spielstil ein Dorn im Auge, aber auf der anderen Seite haben sich diese tiefen Bomben des „Mad Fran“ ganz tief in die NFL-Annalen gebrannt.

Heimlicher Erfolgsgarant war aber eine andere Unit: Mit einer dominanten Defense („Purple People Eaters“) und den kaltern Wintern im eiskalten Freiluftspielplatz „Metropolitan Stadium“ im Rücken marschierten die Vikings nicht nur Jahr für Jahr in die Playoffs; sie nahmen noch dreimal den direkten Weg in die Super Bowl. Allein, gegen Miami, Pittsburgh und Oakland setzte es im warmen Süden der Staaten jeweils deutliche Niederlagen. Dazwischen noch eingebaut: Ein Playoff-Aus durch den ersten Hail Mary Pass der NFL-Geschichte.

Verlust des Heimvorteils

Es kamen die 1980er. Viele Städte hatten schöne Hallen für Footballmannschaften. Die Twin Cities bewiesen, dass benchmarking nicht immer das beste Mittel ist, stellten ihren Profiteams ebenso eine Halle, das Metrodome, zur Verfügung. Ergebnis: kuschelig warme Heimspiele, aber der große gefühlte Vorteil, die eiskalten Winter, waren für die Vikings damit dahin.

Kombiniert mit ein paar idiotischen Personalentscheidungen (RB Herschel Walker wurde für so viele Draftpicks aus Dallas eingekauft, dass sich die Cowboys quasi gratis das Dynastie-Team der 90er davon kaufen konnten) war der Verlust des Heimvorteils genügend Grund, dass die Vikings ab den 80ern ihre Vorherrschaft etwas verloren, und nicht mehr alljährliche Playoffs bestreiten konnten. Dieser Zustand hielt an bis fast ins neue Jahrtausend.

Das beste Team der letzten 25 Jahre

1998 war das Jahr der Vikings. Angeführt vom brillanten OffCoord Brian Billick, einem revitalisierten QB Randall Cunningham in seinem x-ten Frühling und die WRs Cris Carter und Randy Moss zerfetzten die Vikings mit ihrer ungeheuren Angriffswucht sämtliche Abwehrformationen und stellten mit 556 Punkten in der Regular Season einen Rekord auf, der fast eine Dekade lang hielt – und damals hatten es Offenses noch nicht so einfach, Punkte zu erzielen wie heute.

Nur eine einzige Saisonniederlage gab es, und erst im NFC-Endspiel gegen Underdog Atlanta war dann Endstation, weil man mit auslaufender Uhr einen eigenen, simplen Field Goal Kick nicht verwerten konnte. Vermutlich würde man die Vikes noch heute als als bestes Team der letzten 25 Jahre betrachten, hätten sie dieses Spiel und die folgende Super Bowl geholt.

Skandale, Skandale, Skandale

Cunninghams Stern sank allerdings wieder schnell und ebenso schnell wurde der junge QB Daunte Culpepper installiert, der einige Bombenjahre im Zusammenspiel mit Moss hatte. Culpepper ist heute komplett in Vergessenheit geraten, aber für ein paar Jahre nach seinem Einstieg bei den Profis machte Culpepper Stats, die auch heute noch gehobene Augenbrauen hervorrufen würden: An die 5000yds und an die 40 Touchdowns pro Jahr waren keine Seltenheit. Absurde Defense zog Minnesota aber nach unten.

Die Zeiten waren zudem überschattet von Moss‘ Zickereien und zahlreichen teaminternen Auseinandersetzungen. Nach Moss‘ Abgang und der Loveboat-Affäre lag Minnesotas Footballteam im Herbst 2005 mal wieder in Trümmern.

Der neue Brad Childress sorgte für Disziplin und eine defensivgewaltige Mannschaft, erwies sich aber mit seinem sehr introvertierten Stil als Typ, dem man Autismus nachsagte. 2009/10 war man mit dem ex-QB des Erzfeindes, Brett Favre, eine INT im NFC-Finale von der Superbowl entfernt, aber die eine Saison war eher der große Ausreiße. Favre ist mittlerweile zum fünfunddreißigsten Mal in den Ruhestand getreten und die Vikings stehen trotz junger Mannschaft seit Jahren mitten im Umbau, verschwendeten dabei wohl die besten Jahre des berühmten Runningbacks Adrian Peterson.

Das Heimatstadion

Die kommenden zwei Jahre wird das Stadion der University of Minnesota die Heimat der Vikings sein, die nach drei Jahrzehnten des Bettelns ihren Wunsch erfüllt bekommen und 2016 in eine neue Multifunktionalrena einziehen werden, inklusive verschließbarem Dach und allem zugehörigen Trara.

Über die letzten 25 Jahre war Metrodome (63.000 Plätze) Heimat des Teams – ein Stadion, das die Fans nicht mochten, weil viel zu eng und vor allem weil es eine Halle war. Berühmt wurde das Metrodome im Dezember 2011, als das Niederdruck-Dach unter dem Druck der Schneelast einfach zusammengefaltet wurde – dieses Video ging seinerzeit um die Welt:

Man darf gespannt sein, wie die Fans auf das neue Stadion reagieren werden. Viele wünschten sich ja eigentlich das als Freiluftstadion der 60er und 70er Jahre zurück, als man draußen im eiskalten Winter der Twin Cities spielte, als sich die Zuschauer sich bei -25°C 200m vom Spielfeld entfernt der Arsch abfroren.

Rivalitäten

Die NFC North ist eine der klassischen Divisionen und für die Vikings sind alle drei Gegner echte Rivalen. Die Auseinandersetzung mit den Green Bay Packers hat in den letzten Jahren dank Brett Favre eine zusätzlich Dimension bekommen. Chicago Bears und Detroit Lions sind dank mehr als 50jähriger Tradition historische Rivalen, aber so richtige klassische, intensive Rivalität pflegen die Vikings eigentlich mit keiner NFL-Mannschaft außerhalb ihrer Division.

Gesichter der Franchise

  • Fran Tarkenton – QB und außerordentlich populäre Gestalt in den 60ern, nach kurzem Intermezzo Anfang der 70er zurückgeholt und dreimal mit den Vikings in der Super Bowl gescheitert.
  • Cris Carter – WR, fast Hall of Famer und einer der besten Spieler in den 90ern, die niemals den Titel gewannen. Führungsfigur und Sympath, heute im TV aktiv.
  • Randy Moss – WR und Exzentriker. So exzentrisch, dass man ihn rauswarf, obwohl er der integrale Bestandteil einer grandiosen Offense war und vielleicht der beste Spieler der Clubgeschichte.
  • Dennis Green – Head Coach in den 90ern und 1998 Stratege hinter einer der besten Offenses jemals.

Eckdaten

Gegründet: 1961
Besitzer: Zygi Wilf
Division: NFC North
Erfolge: NFL-Champ 1969, Superbowl-Verlierer 1973, 1974, 1976, 27x Playoffs (19-27) – Stand: Sommer 2014.

16 Kommentare zu “NFL-Franchises im Kurzporträt, #23: Minnesota Vikings

  1. kann nochmal jdm bitte was zur loveboat-affaire schreiben?
    mir sagt das nix und hab auf die schnelle nix im www gefunden…
    thx

  2. Sagt mal Freunde.
    Seit einigen Tagen versuche ich nun schon, den NFL GamePass mit dem üblichen Proxy-Trick zu öffnen. Die letzten 3 Jahre hat das einwandfrei funktioniert, aber jetzt muckt es irgendwie rum 😦 !!!

    Weder Argentinien, noch Niederlande oder Neuseeland funktionieren.
    Oder investiert ihr alle das Geld und ich bin der einzige der sich mit dem Problem rumschlagen muss 😀 ?!
    Würde nur wirklich ungern auf das super Angebot verzichten müssen 😀 !!!

  3. Passt vielleicht ganz gut hierher: Sidney Rice hat seine Karriere mit 27 beendet. Rice war der beste Receiver in der NFL 2009, damals noch für die Vikings, und alles sah danach aus als wenn er der nächste Weltklasse WR auf Jahre werden konnte. Leider verletzte sich Sidney zu oft und zu schwer, und nach dem Super Bowl Ring 2014 (auch wenn er nur die erste Saisonhälfte spielte) war wohl genug.

  4. @Zillasch: Niederlande, Neuseeland etc. haben inzwischen auch Fernsehverträge, daher ist es nicht mehr möglich über deren Proxies „for free“ zu schauen. Wenn man weiterhin alle Spiele haben will, bleibt nichts anderes übrig als den Gamepass zu kaufen..in Deutschland sind die Preise allerdings höher als in vielen anderen europäischen Ländern.

  5. @equalizer Ich konnte mir schon sowas denken :/ !!!
    Es lädt zwar ganz normal, wenn man den „Trick“ anwendet und man sieht auch die Maske und kann navigieren, aber just wenn man das Jahr ändert um alte Spiele zu bestaunen, wird das ganze Fenster grau 😦 !!! Und dann kann man den GamePass ausschalten 😦 !!!

    Du meintest das es in anderen Ländern billiger ist 🙂 !!! Habe schon versucht raus zubekommen, wo es am billigsten ist. Kann mir jemand von euch eine Empfehlung aussprechen, in welchen Land man den GamePass am günstigsten bekommt. Habe sowieso nur vor, den Team GamePass zu kaufen, da ich eh nur die Spiele meiner Lions gucken möchte. Die anderen reichen mir in einer Zusammenfassung auf NFL.com

    Oder gibt es noch eine ganz andere Möglichkeit sich komplette Spiele im Re-Live anzugucken 🙂 ?! Falls man eins verpassen sollte 🙂 !!!

    Grüüüüüße 🙂

  6. Ich hatte auch kurz überlegt, nur den Teampass für meine Broncos zu kaufen, ABER: Seit diesem Jahr gibt es im Teampass keinen Red-Zone Channel mehr..für mich die Football-Sendung schlechthin und absolut unverzichtbar.

    Daher habe ich mich für den Season Pass entschieden, der nur 20 Euro teurer ist. In D kostet er derzeit 145€, Season Plus 195€. Das Upgrade für Playoffs kostet also 50 Euro…wenn man allerdings wartet bis kurz vor den Playoffs, also i.d.R. Dezember, dann wird das Playoff-Upgrade normalerweise reduziert auf ca. 15 Euro 😉

    Für 95 Euro bekommt man den Season Pass derzeit auf jeden Fall in Spanien. Ich habe aber auch schon von Portugal, Luxemburg, Polen, Rumänien u.a. gehört, wo dieser Preis gilt..ziemlich undurchsichtig die Preisstruktur der NFL, wir in D bezahlen aber den Toppreis, sogar mehr als in UK.

  7. Okay Danke 🙂 !!!
    Dann werde ich die 95€ mal dieses Jahr investieren 🙂 !!!

    Ist in dem „Folge deinem Team“ Packet auch NFL RedZone dabei 🙂 ?!

  8. @Meiklson Danke 🙂 !!! Ich hatte auch schon diese Tabelle gesehen, aber letztes mal wurden mir nicht die Häkchen angezeigt, deshalb war ich da ein bisschen verwirrt, aber jetzt macht alles Sinn 🙂 !!!

    Ich bedanke mich bei allen, die mir in der Entscheidungsfindung weitergeholfen haben 🙂 !!! Freue mich schon auf die Saison mit euch weiter zu philosophieren 😉 !!!

  9. 95,– Euro wär cool – hab aber keine Lust auf das Proxy Gewichse und was mach ich da am iPad? 195,– ist mir definitiv zu teuer aber eine NFL-Saison ohne Game Pass auch schwer vorstellbar… Seufz…

  10. Pingback: NFL 2014/15 in TV und Internet: Alle Infos zur Saison und Super Bowl 2015 | Sideline Reporter

  11. Pingback: NFL 2015/16 in TV und Internet: Alle Infos zur Saison und Super Bowl 2016 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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