College Football Playoffs – Die Entscheidungsträger

Gestern habe ich einen Blick auf den neuen Modus im College-Football geworfen, auf die Auswirkungen in der Meisterschaftsermittlung, die Bowl-Season, die verteilten Gelder. Nur kurz angeschnitten habe ich die Leute, die die Entscheidungen in Zukunft treffen sollen.

Seit gut zwei Jahren wird die Öffentlichkeit langsam darauf vorbereitet, dass künftig keine bizarren Journalisten- oder Coaches-Polls mehr über Gut und Böse entscheiden, keine pseudoanalytischen Computerrankings, sondern ein Expertengremium. Das Gremium stellt sich im Fall des College-Football aus 13 Leuten zusammen, die man versuchte, möglichst heterogen zu besetzen. Werfen wir mal einen Blick auf diese Leute:

  • Jeff Long (Athletic Director University of Arkansas, SEC)
  • Barry Alvarez (Athletic Director, University of Wisconsin, Big Ten)
  • Michael Gould (früherer Air Force Academy Intendant)
  • Pat Haden (Athletic Director, USC, Pac-12)
  • Tom Jernstedt (früherer NCAA-Vizepräsident)
  • Oliver Luck (Athletic Director, West Virginia University, Big 12)
  • Archie Manning (früherer Quarterback, Ole Miss + New Orleans Saints)
  • Tom Osbourne (ex-Coach und Athletic Director, Nebraska, Big 8/Big Ten)
  • Dan Radakovich (Athletic Director, Clemson University, ACC)
  • Condoleezza Rice (ex-Außenministerin)
  • Mike Tranghese (früherer Commissioner Big East Conference)
  • Steve Wiedberg (Journalist, ehemals USA Today)
  • Tyrone Willingham (ex-Coach, Stanford, Notre Dame, Washington)

Wir haben hier fünfmal Athletic-Directors von Unis aus großen Conferences als Quasi-Vertreter ihrer Liga. Wir haben drei frühere Coaches, einen ehemaligen hochrangigen NCAA-Funktionär, einen ehemaligen Commissioner, einen Journalisten, einen ehemaligen Spieler und eine frühere US-Außenministerin und heutige Professorin bei Stanford.

Letztere – Condoleezza Rice – war natürlich als prominenteste Vertretung die Gestalt, die die meiste Kontroverse hervor rief: Eine Außenstehende, und dazu noch eine Frau! Rice ist uns zuallererst als einstige US-Außenministerin in der unsäglichen Ära Bush in Erinnerung, aber sie hat eine längere Laufbahn im College-Sport hinter sich als man denken würde. Die Frau war schon in den 80ern und 90ern an der Stanford University in Gremien vertreten, die Coaches einstellte, aber natürlich dürfte sie vor allem als politische Vertreterin im Selektions-Gremium sein, und als dessen größter Star.

Welche weiteren Vertreter haben wir? Oliver Luck zum Beispiel, Sportdirektor von West Virginia, als Vertreter der Big 12 Conference, der zufällig von einer Uni kommt, die bis vor kurzem noch in der Big East Conference eingeschrieben war – also der Vorgängerliga der American Athletic Conference – ein Vertreter, der durchaus für zwei Ligen gelten kann. Luck – Andrews Vater übrigens – dürfte als eine relativ neutrale Figur ins Rennen gehen.

Über viele Zweifel erhaben ist auch der uns bereits bekannte Tommy Osbourne, eine Legende in den Vereinigten Staaten nicht nur wegen seiner epischen Cornhuskers-Mannschaften in den Neunziger Jahren. Nebraska ist mittlerweile ein Mitglied der Big Ten Conference, aber weil Nebraska so viele Jahrzehnte in der Big 8 und Big 12 spielte, dürfte Osbourne auch noch als Stimme der Rednecks zu vernehmen sein.

Der wahre Vertreter des Nordostens dürfte Wisconsins Barry Alvarez sein, ein Multi, der nie um ein lautes Wort verlegen ist, aber auch einer, der dafür bekannt ist, neben all seinem Patriotismus auch über den Tellerrand hinausblicken zu können.

Wenig einschätzen kann ich Jeff Long als Vertreter der SEC: Long war nie ein lauter Vertreter, Arkansas gilt auch nach zwei Jahrzehnten Mitgliedschaft in der SEC nicht als echte Bastion der südländischen Werte. Nicht viel besser geht es mir mit dem „offiziellen“ Vertreter der Pac-12, USCs Sportdirektor Pat Haden. Haden ist der Mann, der USC durch den Recruiting-Skandal manövrierte, und dabei keine unumstrittene Figur abgab.

Tyrone Willingham dürfte von vielen mit Argusaugen betrachtet werden: Willingham ist der Mann, der in den letzten zwei Jahrzehnten bei mehreren großen Universitäten (u.a. Notre Dame) anheuerte und überall gefeiert wurde als echtes Energiebündel, und dazu noch Vertreter der schwarzen Minderheit. Willingham strahlte überall einen Optimismus aus, der selbst aus Cheese-Steaks genießbare Angelegenheiten werden ließ, aber seine Mannschaften wirtschafteten ziemlich übel ab: Unter anderem coachte er den einstigen Landesmeister Washington Huskies zu einer unfassbaren 0-12 Saison.

Schauen wir noch auf den Modus. Die wöchentlichen Rankings, die dieses Gremium nach außen dringen lassen wird, werden in mehreren Runden abgesprochen und diskutiert:

  1. Jedes Mitglied wird 25 würdige Teams alphabetisch listen. Alle Teams, die von drei oder mehr Jurymitgliedern eingebracht wurden, werden diskutiert. Die anderen fallen raus.
  2. Von den übrigen Mannschaften wird jeder seine Top-6 alphabetisch sortieren. Die sechs Teams, die dann noch übrig bleiben, werden in Runde drei diskutiert.
  3. Ab hier wird nach Stärke gerankt: Jedes Jury-Mitglied reiht die verbliebenen sechs Teams nach Qualität, von 1 bis 6 (1 = Top-Team). Die drei Mannschaften mit den wenigsten Punkten werden fix an #1, #2 und #3 Die übrigen drei Teams werden eine Runde weiter geschleust.
  4. Aus allen in der Wahl verbleibenden Teams wählt jedes Poll-Mitglied die besten verbleibenden sechs aus und rankt sie von #4 bis #9. Die drei Teams mit den wenigsten Punkten werden an #4, #5 und #6
  5. Step 3/4 werden wiederholt, bis die Top-25 gerankt sind.

Besonderes Augenmerk neben der Siegbilanz soll auf den Schedule gelegt werden. Wichtig, aber nicht allein entscheidend, ist die Frage, ob Mannschaft X ihre Conference gewonnen hat. Weitere Kriterien sollen direkte Duelle, Verletzungspech und Freak-Faktoren wie Wetterverhältnisse sein. Advanced-Stats werden von extern geliefert und sollen in der Entscheidungsfindung einen gewissen Wert bekommen, aber es versteht sich von allein, dass Advanced-Stats bei allem Wert nicht wichtiger genommen werden dürfen als die Siegbilanz.

2 Kommentare zu “College Football Playoffs – Die Entscheidungsträger

  1. Pingback: College Football 2014/15 am ersten Samstag | Sideline Reporter

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