College Football 2014/15 – Die Conferences

Wie aus den vergangenen Jahren gewohnt, wird auch die anstehende Saison im College-Football nicht ohne veränderte Zusammenstellung der Conferences über die Bühne gehen. Die letzten Auswirkungen der großen Conference-Umwälzungen der Jahre 2010-2013 werden nun offiziell, mit erneut über zehn Mitgliedswechseln zur anstehenden Saison. Eine Übersicht.

Big Ten Conference – die stolze Big Ten Conference aus der Region im US-Norden/Nordosten nimmt zwei Neulinge auf, und nützt die sich bietende Chance, um die aber die Einteilung ihrer Divisionen umzuverteilen.

Die beiden Neuen kommen aus ACC und The American: Maryland (ACC) und Rutgers (The American), zwei eher als graue Mäuse empfundene Programme, bei denen keiner so recht versteht, warum sie die Big Ten so unbedingt haben wollte, Stichwort Verwässerung. Rutgers deckt immerhin den (allerdings nur mäßig College-affinen) Großraum New York/New Jersey ab, aber die Uni hat sportlich nie Besonderes gerissen und wird von der American Athletic Conference (The American/AAC) nicht wirklich als schmerzhafter Abgang empfunden. Maryland hatte immer wieder ikonische Basketballteams und Basketballspieler, aber das Footballprodukt ist ebenso nur Durchschnitt.

Zur Divisions-Ausrichtung: Nach der Erweiterung der Liga und der Neuaufnahme von Nebraska zur Saison 2011 ging man in Big Ten Landen dazu über, zwei seelenlose Divisionen „Legends“ und „Leaders“ zu gründen, mit willkürlichen Einteilungen der Teams, nur um am Ende ein Endspiel der beiden Zugpferde Ohio State und Michigan zumindest theoretisch zu ermöglichen (es kam in drei Saisons natürlich nie dazu).

Nun hat man Klarheit verschafft und die beiden Divisionen in East und West eingeteilt. Das Plus der Umstrukturierung ist eine logischere Einteilung der Teams. Das Minus, sagen Kritiker, ist die ungleiche sportliche Verteilung: Der Osten beherbergt mit Indiana, Maryland und Rutgers zwar auch drei mittelmäßige Produkte, dafür aber mit Ohio State, Michigan, Michigan State und Penn State auch vier von sechs Schwergewichten der Conference.

Der Westen hat davon nur deren zwei: Wisconsin und Nebraska, und bei letzteren muss man nach Jahren des Dümpelns wohl auch bald ein Sternchen setzen. Das kleine Illinois, das dauermittelmäßige Iowa, Minnesota, Purdue und das elitäre Northwestern komplettieren den Westen der Big Ten Conference, die damit Heimat von 14 Footballmannschaften wird.


ACC – die zweitgrößte Conference, die von den Wechseln betroffen ist, ist die Atlantic Coast Conference, nach Meinung vieler nur noch die fünftstärkste Conference im Lande, aber immerhin dank der Florida State Seminoles die Conference, die den regierenden Landesmeister stellt. Sie sieht mit Maryland ein Programm ziehen, aber dafür wird mit den Louisville Cardinals (von The American) ein ambitionierter Neuling begrüßt. Bei Louisville muss man zwar abwarten, wohin die Richtung nach dem Abgang von Coach Charlie Strong (ging zu Texas) geht, aber allein geographisch und sportlich ist das ein kleiner Gewinn für die ACC.

Ein heimlicher Neuzugang ist die University of Notre Dame, die sich nun stärker an die ACC bindet und – obwohl kein offizielles Mitglied – jedes Jahr fünf Partien gegen ACC-Universitäten bestreiten wird. Das ist bei aller Wichtigkeit, die die Schedule-Stärke ja ab nun hat, für beide Seiten als Gewinn anzusehen.


The American – Rutgers geht wie geschrieben in die Big Ten, Louisville wie geschrieben in die ACC. Dafür zwackt die Conference von der kleineren Conference-USA drei Mitglieder ab: Den Publikumsmagneten East Carolina (hat über 50.000 Zuschauer im Schnitt), das kleine Tulane und das in periodischen Abständen wirbelnde Programm der Tulsa Golden Hurricane.

Insgesamt ist das natürlich ein Qualitätsverlust für die Conference. Louisville hätte man gern gehalten. Rutgers ist zwar kein wirklicher Wermutstropfen, aber immerhin war es eine Uni im Einzugsgebiet von vielen Millionen Einwohnern und es war eine Uni, deren Infrastruktur in den letzten Jahren aufgepeppt wurde.


Conference USA – diese Mid Major Conference lebt in der Zwicke zwischen den Großen, die ihr von oben herab die attraktivsten Unis wegfrisst und den Kleinen, denen man selbiges antut. So blutete man in den letzten Jahren heftig durch den Verlust der attraktivsten Märkte wie Houston oder Memphis – und nun East Carolina, Tulane und Tulsa. Dafür saugt man von unten die aufstrebenden Western Kentucky Hilltoppers (bisher Sunbelt Conference) an, plus den FBS-Neuling Old Dominion, der bisher nur in der zweiten Ebene des College Football gespielt hat. Old Dominion darf als Neuling in der obersten Ebene aber noch keine Bowl-Season bestreiten.


Sunbelt Conference – schließlich das Nesthäkchen der Football Bowl Subdivision, die kleinste Conference von allen, die Sunbelt Conference. Man verliert Western Kentucky, man addiert vier neue Teams. Appalachian State, die Uni, die durch einen Sensationssieg auswärts gegen die Michigan Wolverines vor ein paar Jahren berühmt wurde, kommt ebenso wie die Georgia Southern Eagles aus der FCS (Football Championship Subdivision), der zweiten Liga des College Football.

Zwei andere Neulinge kann man durchaus als Freaks ansehen: Die Liga, deren Kern im Bible-Belt im Südosten der Staaten liegt, addiert mit New Mexico State aus der Wüste und den Idaho Vandals (!) aus den Wäldern des Nordwestens zwei Universitäten, die vor dem Aus gestanden wären. Beide waren nach dem Zusammenbruch der Western Athletic Conference (WAC) vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit gestanden und fanden nun einen „Abnehmer“. Für die Sunbelt Conference ist es aber gleichzeitig der Verlust jeglicher regionaler Identität, und man hat noch immer „nur“ 11 Mitglieder, also eines zu wenig um ein Championship-Spiel austragen zu dürfen.

Die Conferences 2014/15

Und so sehen die Staffeln für die kommende Saison aus – insgesamt 128 Mannschaften bestreiten die FBS, die oberste Kategorie im College-Football:

Southeastern Conference (SEC)

  • East: Florida, Tennessee, Georgia, Missouri, Kentucky, Vanderbilt, South Carolina
  • West: Alabama, Auburn, Louisiana State, Texas A&M, Mississippi, Mississippi State, Arkansas

Pac-12 Conference

  • North: Oregon, Oregon State, Stanford, Cal, Washington, Washington State
  • South: USC, UCLA, Arizona, Arizona State, Arizona, Colorado, Utah

Big 12 Conference

  • Oklahoma, Oklahoma State, Texas, Texas Tech, Baylor, Kansas, Kansas State, West Virginia, TCU, Iowa State

Big Ten Conference

  • East: Ohio State, Michigan, Michigan State, Penn State, Indiana, Rutgers, Maryland
  • West: Wisconsin, Nebraska, Iowa, Minnesota, Purdue, Northwestern, Illinois

Atlantic Coast Conference (ACC)

  • Atlantic: Florida State, Clemson, North Carolina State, Boston College, Louisville, Syracuse, Wake Forest
  • Coastal: Miami/FL, UNC, Duke, Georgia Tech, Pitt, Virginia, Virginia Tech

Mountain West Conference (MWC)

  • Mountain: Boise State, Air Force, Colorado State, New Mexico, Utah State, Wyoming
  • West: Fresno State, Hawaii, San Diego State, San Jose State, UNLV, Nevada

American Athletic Conference (The American)

  • UCF, Cincinnati, Connecticut, East Carolina, Houston, Memphis, Southern Methodist, South Florida, Temple, Tulane, Tulsa

Conference USA (C-USA)

  • East: Florida Atlantic, Florida International, Marshall, Middle Tennessee State, Old Dominion, UAB, Western Kentucky
  • West: Louisiana Tech, Rice, North Texas, Texas-El Paso, Texas-San Antonio, Southern Miss

Mid-American Conference (MAC)

  • East: Akron, Bowling Green, Buffalo, Kent State, Miami/OH, Ohio, Massachusetts
  • West: Ball State, Central Michigan, Eastern Michigan, Northern Illinois, Toledo, Western Michigan

Sunbelt Conference

  • Arkansas State, Troy, Texas State, South Alabama, Louisiana-Lafayette, Louisiana Monroe, Georgia State, Georgia Southern, Appalachian State, Idaho, New Mexico State

2 Kommentare zu “College Football 2014/15 – Die Conferences

  1. Wann kann ein Programm eigentlich von der FCS in die FBS wechseln. Läuft dort eine Art Bewerbungsverfahren nach diversen Kriterien (Finanzen, Infrastruktur, Rekord etc..) oder kann man sich schlicht einkaufen?

    Gerade North Dakota State war auf FCS Ebene ja zuletzt recht dominant, und da in diesen strukturschwachen Regionen College Football immmer recht gut zieht, hätte ich gedacht dass dort schon Bestrebungen bestehen demnächt „aufzusteigen“.

  2. @Art Vanelay:

    Es hängt von mehreren Faktoren ab, vor allem vom Zuschauerschnitt (min 15000/Spiel über 2 Jahre), Bereitschaft, Scholarships zu vergeben (um die 200/Jahr über alle Sportarten), Bereitschaft, Sportmannschaften zu unterstützen (16 für FBS-Unis). Genauer aufgelistet sind die Basis-Kriterien hier.

    Zum „Aufsteigen“:
    Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass der „Aufstieg“ letztlich kein echter war. Die große Erfolgsgeschichte Boise State ist relativ allein auf weiter Flur. Spitzenteams in der FCS machen im Schnitt mehr Umsatz als wenn sie in den Niederugnen der FBS gurken, haben die niedrigeren Kosten, haben bessere Stimmung auf dem Campus (weil die Teams gewinnen), usw. Siehe hier.

    Gerade über North Dakota State gibt es einen längeren Artikel, der ausführlich schildert, weshalb die Bisons erstmal gar keine Lust haben, in die FBS zu wechseln.

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