Penn State Nittany Lions | Bestandsaufnahme 2014/15

Zweieinhalb Jahre sind ein viel zu kurzer Zeitraum, um beim Schreiben über die Pennsylvania State University sofort auf den sportlichen Teil zu kommen. Das Innenleben der Community bleibt als Außenstehender weiterhin nicht greifbar, und ich habe manchmal das Gefühl, die Community weiß selbst nicht, wie sie mit Sandusky und Paterno und überhaupt mit sich selbst umgehen soll. Dieses Gefühl bestärkte sich bei einem längeren Gespräch mit einem jungen PhD aus State College, den ich heuer im Frühjahr auf einem Besuch an der TU Delft kennen lernte. Die beste Quelle bleibt weiterhin ein Mann, der auf diesem Blog nicht zum ersten Mal verlinkt wird, und dessen Weltanschauung man ganz gut teilen kann – Michael Weinreb:

The Paterno mythos is a complex and perhaps entirely illusory concept at this point; even so, it still feels relevant at Penn State. It still hearkens back to the „Grand Experiment,“ to the melding of athletics and academics under the guise of a football program, which feels less and less like a feasible equation in the modern world. Paterno, of course, wanted to win as terribly as James Franklin does — he could be ruthless and exacting when he wished, and anyone who believes otherwise is hopelessly naïve — but Paterno managed to couch that competitiveness in an anachronistic professorial outlook that made his tenure at Penn State, for a very long time, feel like something different.

That is not the case with James Franklin, because James Franklin feels very much like a modern football coach. He is a walking TED talk. His is the language of a pitchman rather than a professor. He readily admits to being a perfectionist, and he says things like this about coaches, according to Blue-White Illustrated’s Nate Bauer: „They’re control freaks, they’re maniacs, and I’m one of them.“

And that’s the issue: I have no idea if, given the contours of this system, it is possible to be all these things and still maintain one’s ethical framework. I have no idea if a college football coach can be both a control freak and a model citizen, and I don’t think anyone else knows, either. This is, after all, the subtext of the debate Penn State people been waging amongst themselves for the past three years: Was the Paterno mythos inherently flawed? (Hell, you might say that this is the central question inherent to the existence of college football itself.) And this is the same question that lingers now, as the James Franklin era takes hold.

Aus: Michael Weinreb | In the Spotlight – Can James Franklin keep Penn State out of Trouble?

Der komplizierte Umgang mit dem legendären Joe Paterno lässt sich an kleinen Gesten wie der Spende diverser Booster für eine neue Paterno-Statue ablesen: Sie darf nicht auf dem Campus aufgestellt werden. Sie muss zwei Kilometer außerhalb vor einer Bar platziert werden. Paterno ist zweieinhalb Jahre nach seinem Tod ein Zombie geworden, von denen einen verehrt als Ehrenmann und Opfer, von den anderen verabscheut als schizophrener Verräter an einem von ihm selbst geschaffenen (Schein?)-Weltbild.

Nach zwei Jahren unter dem mittlerweile in die NFL abgewanderten Bill O’Brien übernimmt nun ein Einheimischer das Ruder in State College: Der energische James Franklin, der zuletzt die elitären Vanderbilt Commodores aus der SEC, einen ewigen Zwerg, groß machte, aber selbst nicht unbedingt moralisch über alle Zweifel erhaben ist.

Franklin nutzte die Gunst der Stunde und die leicht reduzierten Scholarship-Strafen um eine fassungslose Recruiting-Klasse für 2015 zu fabrizieren. Franklin gilt als Workaholic, als Mann, der sich in alle Details einmischt (und sich dabei nicht viel von Paterno unterscheidet), er gilt als Führungsfigur, die lieber mit F-Bomben operiert als mit gepflegtem Salut Missieu!, immer darauf bedacht, das Maximum aus der Situation herauszukitzeln.

Er übernimmt ein Team, das noch zwei Spielzeiten von der Bowl Season ausgeschlossen sein wird, das sich auf sportlichem Wege durchaus dafür qualifizieren würde: Letztes Jahr zeigten sich bei den Nittany Lions zwar schon deutliche Löcher im durch die Sanktionen ausgedünnten Kader, aber der Kader ist im Vergleich zu damals mittlerweile aufgepeppt.

Superstar ist der junge QB Christian Hackenberg, ein Sophomore. Hackenberg schleppte letztes Jahr als kompletter Grünschnabel eine eindimensionale Offense durch, der jegliches Big-Play Element abging. Hackenberg hatte natürlich Grottenspiele dabei – welch Wunder in einer Mannschaft bestehend aus Third-Stringern – aber da waren auch dominante Dinger drunter, wie zum Beispiel gegen Wisconsins bockstarke Defense, gegen die er 21/30 für 339yds versenkte.

Auf Hackenbergs Schultern wird der Angriff auch heuer liegen – umso mehr, nachdem die beiden besten Receiver zu den Profis gewechselt sind, und es noch immer keine Waffe im Laufspiel gibt, die zumindest eine glaubwürdige Bedrohung darstellt. Die Freshmen, die zum Kader stoßen, sollen alles flinke Leute sein, teilweise sogar Medaillenkandidaten bei den Staatsmeisterschaften im Sprint, aber sie sind… eben Freshmen. Wie Hackenberg letztes Jahr… Kann gut gehen. Muss nicht.

Wo die einstige Linebacker-Uni Penn State zuletzt auftrumpfte: Run-Defense. Das kam allerdings zum Preis einer oftmals zu aggressiven, outgecoachten Pass-Defense mit einer Myriade an einkassierten Big-Plays. Franklin und sein Stab wollen eine konservativere Defense spielen: Mehr Zonen-Konzepte, mehr Zurückhaltung. Yards aufgeben, ja, aber bitteschön keine Punkte – die alte bend but don’t break Leier.

In DaQuan Jones ist der beste Defense Liner in die NFL gegangen, aber Penn State fährt immer noch eine Handvoll Talente auf, die möglicherweise irgendwann selbst Profis werden. Einen DE C.J. Olaniyan kann man sich schon einmal vormerken.

Der Schedule in der Big Ten Conference ist nicht ganz einfach, aber prinzipiell ist man höchstens gegen Ohio State und Michigan State als Außenseiter anzusehen – und beide bekommt man zuhause serviert. Von einem Team, das in der Tiefe noch immer ausgedünnt ist, darf man nicht erwarten, dass es alle anderen Partien, in die man wohl als leichte Favoriten geht, gewinnen kann, aber wenn es wieder sieben, acht oder gar neun Siege werden, flippen die Fans schon wieder aus in Gedanken an eine ruhmreiche Zukunft.

Ob das so gut wäre… jetzt schon… hm. Naja. Na.

3 Kommentare zu “Penn State Nittany Lions | Bestandsaufnahme 2014/15

  1. Sehr geschätzter Hr. Korsakoff,

    bin seit längerer Zeit eifriger Leser ihrer Beiträge und habe ihren Newletter selbstverständlich abonniert. Vielen Dank für tolles Wissen und aktuelle News.

    Eine Frage hätte ich zum College Football. Ich lese häufig von der Bewertung (?) von Spielern in z.B. 4-star etc. Auf welcher Basis erfolgt diese Einteilung (durch wen/für wen) und welche Auswirkung hat sie für den Spieler/das Team?

    Wäre toll wenn Sie mir das erklären könnten.

    Beste Grüße Georg Jakob

    z.B. aus einem Bericht des Bleacherreport: ….. That normally would free up Williams, a 4-star defensive end out of high school, to build off of his freshman-year reserve duties, but he’s out indefinitely, too. The talent is still there, though, to be a dominant group even without the trio. Allen joins Robinson as a rising sophomore who saw regular playing time as a freshman. D.J. Pettway is back after a year in junior college. Dalvin Tomlinson and Dee Liner were both 4-star recruits coming out of high school and will be sophomores in the fall. ……

    Date: Tue, 5 Aug 2014 04:53:53 +0000 To: jakob2013@hotmail.de

  2. Die Sterne werden im Recruiting für die Highschool-Athleten vergeben.

    Dabei geltende Grundsätze:
    1. Der Spieler wählt das College. Die Uni umwirbt die Highschool-Athleten, denen sie ein Sportstipendium geben möchte, aber der Spieler entscheidet.
    2. Portale wie Rivals.com udgl. vergeben mit ihren Scouts Sterne für die Talente der Highschool-Athleten.

    * / ** gelten als gewöhnliche Athleten
    *** gelten als gute Athleten
    **** gelten als sehr, sehr gute Athleten
    ***** kriegen nur wenige pro Jahrgang, gelten als Ausnahmetalente angesehene Athleten

    Die Sternchen-Vergabe kann sich von Portal zu Portal unterscheiden, aber meistens nicht gravierend. Besagtes Rivals.com ist für gewöhnlich das meistzitierte Recruiting-Portal.

  3. Pingback: College Football 2014/15 am ersten Samstag | Sideline Reporter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.