NFL Vorschau 2014 – Atlanta Falcons

2008 haben die Atlanta Falcons nach vielen Jahren Mittelmäßigkeit einen radikalen Schnitt gemacht. Owner Arthur Blank holte sich einen neuen GM (Thomas Dimitroff), einen neuen Head Coach (Mike Smith) und einen neuen Quarterback (Matt Ryan). Selten läuft in der NFL ein Neuanfang vom Start weg so rund wie in Atlanta: in den ersten fünf Jahren gewannen sie 56 Spiele in der regular season und erreichten vier Mal die Playoffs.

 

Man wähnte sich nur einen difference maker vom großen splash entfernt – und dieser sollte WR Julio Jones werden. Das nahm sich auch ganz gut aus, schließlich endete die Saison 2012 nur einen 4th down vom Super Bowl entfernt. Unter der Oberfläche wurde das Eis aber immer dünner. Nicht nur hatte Atlanta in den Drafts 2011 und 2012 nur insgesamt vier picks in den jeweils ersten vier Runden; sondern diese picks und die späteren wurden auch noch reihenweise in den Sand gesetzt.

Von den 12 gedrafteten Spielern 2011 und 2012 hat einzig Jones eingeschlagen. Daneben spielten nur RB Jacquizz Rodgers und LB Akeem Dent regelmäßig. Die anderen neun waren entweder nutzlos (haben gar nichtsgespielt) oder katastrophal: haben leider gespielt wie die beiden Offensive Linemen Peter Konz und Lamar Holmes.

Die Offense

Diese Offensive Line um Center Konz, Tackle Holmes und den ehemaligen 1st-rd pick Sam Baker war zwar unterirdisch, aber so richtig deutlich wurde das erst mit der Verletzung von Jones in Week 5 (kam nicht zurück) und der Verletzung von WR Roddy White (kam zurück, spielte verletzt, sah oft aus wie ein lahmender Esel). Mit fitten Jones, White und einem drei Jahre jüngeren TE Tony Gonzalez hätte Matt Ryan durchaus was reißen können.

 

Ryan ist ein einschläfernd unscheinbarer Typ, aber er ist fraglos einer der besten Quarterbacks der Liga. Was Ryan Jahr für Jahr abliefert, ist ganz großes Kino und gäbe es da nicht Aaron Rodgers, dann wäre Ryan der beste QB seiner Generation.
Auch der dritte WR Harry Douglas ist mehr als vorzeigbar. Bleiben Jones, White und Douglas fit, gibt es nur wenige Trios in der NFL, die besser sind. Ein ganz großes Fragezeichen hinterläßt allerdings Gonzalez. Atlanta hofft hier auf den 22-jährigen Levine Toilolo. Vorzüge: 2,04m; hat von Gonzalez gelernt. Nachteile: hat noch keine 200 snaps in der NFL gespielt. Devin Hester ist jetzt auch noch mit dabei, aber wer von dem irgendwas als WR erwartet, denkt auch, der Nahostkonflikt ist bis morgen früh gelöst.

 

Und da wir gerade bei den Schwachstellen sind: schlägt Toilolo nicht ein, gibt es keinen Plan B. Allzweckbär Pascoe, kam von den Giants, wird H-Back und Fullback spielen. Große Lücken wird der nicht reißen, durch die RBs Steven Jackson (31 Jahre alt; in RB-Jahren 93); Jacquizz Rodgers (wiegt ungefähr 60kg) und Rookie Devonta Freeman (vierte Runde) laufen könnten. Immerhin ist Rodgers als Paßempfänger und space player ganz brauchbar. Die neu zusammenzubauende OLine wird wahrscheinlich auch keine große Hilfe sein, aber hey: wir haben 2014: hast Du’n Paßspiel, dann hast Du auch ’nen Angriff.

 

Bei dem Talent – Ryan/Jones/White/Douglas/Rodgers – muß die Offense Line nur mittelmäßig sein, das reicht schon aus. Aber da steht auch ein Fragezeichen. Immerhin wurde das Problem direkt angegangen: mit dem 6th overall pick kam OT Jake Matthews, Sohn von Hall-of-Famer Bruce Matthews. Damit kann immerhin Sam Baker auf rechts und Holmes wieder auf die Bank geschickt werden. Auf den Guard-Position steht links der brauchbare Justin Blalock und rechts Neuzugang Jon Asamoah, der auf jeden Fall eine große Verbesserung sein sollte. Center spielt der sehr bärtige Joe Hawley, der immerhin nicht Peter Konz ist.

 

Stabilisiert die Linie sich und setzt OC Dirk Koetter volles Rohr aufs Paßspiel, haben die Falcons durchaus einen der besseren Angriffe der NFL. Schlechter als letztes Jahr kann es gar nicht werden bei dem Talent, und selbst letztes Jahr war Atlanta statistisch im Mittelfeld der Liga.

Defense

Defensive Coordinator Mike Nolan ist immer noch Bord. Der ehemalige Head Coach der 49ers ist einer der besten und erfahrensten Coaches, die man sich für seine Defense nur wünschen kann. Glaubt man den pundits, wird Nolan weggehen von der 4-3-Front und wieder auf eine 34-base umstellen, mit der in seiner Zeit vor Atlanta meistens gearbeitet hat.

 

Aber nicht nur deswegen ist die Front Seven the definition of patchwork. Als Neulinge hätten wir 5-tech Tyson Jackson, der in Kansas City letztes Jahr richtig anständig war; Ex-Dolphin (und wohl Ex-43-DT) Paul Soliai, einer der am meisten unterschätzten linemen ligaweit; 2nd-rd pick Ra’Shede Hageman; den grundsoliden Jonathan Babineaux; den hochtalentierten Überallspieler Kroy Biermann, der allerdings sein Talent gerne versteckt wenn er nicht gerade verletzt ist; Osi-ja-der-von-den-Giants-früher-Umenyiora; und der immer noch junge Corey Peters, der sich im Dezember die Achillessehne gerissen hat und jetzt auf einem 1-Jahres-Vertrag um seine NFL-Zukunft spielt.

 

Genügend Spieler mit – rechnet man alles zusammen – genügend Talent sind durchaus vorhanden. Die schwierige Arbeit besteht hier darin, aus diesem wildwüchsigen Haufen einen stringente Einheit zu formen, in der jeder die für ihn passende Rolle bekommt. Schafft Nolan das, könnte er nächstes Jahr schon der neue Mike Zimmer sein und zu etlichen Head-Coaching-Interviews im Januar reisen. Und schafft er das, könnte diese Linie eine der großen Überraschungen dieser Saison werden.

 

Komplettiert wird die Front-7 dahinter von Ulf Unbekannt und Klaus Kenntkeiner. Leider hat sich der einzig vorzeigbare LB, Sean Weatherspoon, während der OTAs die Achillessehne gerissen und kommt erst 2015 zurück. Paul Worrilow and Joplo Bartu haben die glorreiche Aufgabe, besser auszusehen als ihr Draftstatus. Beide wurde 2013 nicht gedraftet, mußten aber aufgrund der grotesken Verletzungsepidemie ständig spielen. Ich kann die beiden gar nicht einschätzen, weil ich ab November und damit dem Einstieg der beiden, als die Falcons schon 2-6 oder 2-7 waren, keine ihrer Spiele mehr gesehen habe. PFF behauptet, daß zumindest Herr Bartu ganz solide gewesen sein soll. Es scheint nicht ganz hoffnungslos zu sein.

 

Richtig viel Hoffnung setzt man in Georgia dagegen auf die beiden jungen Cornerbacks Robert Alford und Desmond Trufant. Trufant, 1st-rd pick 2013, und Alford, 2nd-rd pick 2013, haben beide für Rookies überraschend gut gespielt; vor allem Trufant preisen die pundits als das next big thing an. Mit Robert McClain hat man auch noch einen kräftigen Typen für den slot.

 

Nolans Liebling William Moore wird einen Safetyspot sicher haben. Nach dem Rauswurf von Thomas DeCoud kämpfen um den anderen Platz 3rd-rd pick Dezmon Southwood und Dwight Lowery, einer dieser Typen, die scheinbar jedes Jahr bei einem anderen Team Stammspieler sind.

 

tl;dr: Neues System, viele junge Spieler, viele veterans auf neuen Positionen, viel Potential – nach oben wie nach unten. Nach der Saison wird DC Nolan also entweder ein ganz heißer Aspirant auf einen Cheftrainerjob sein – oder irgendwo in der Pampa zwei Jahre überwintern müssen.

Ausblick

Sie sollten auf jeden Fall um die Playoffs mitspielen. Wenn alles gut läuft, sind 10, 11 Siege drin. Wenn alles gut läuft heißt auf der offensive Seite: die Linie ist zumindest mittelmäßig und Ryan mit Jones/White/Douglas rockt das Haus. Auf der defensive Seite: die jungen Cornerbacks Trufant/Alford machen noch einen Schritt und sind besser als der Ligadurchschnitt; während die Defensive Line um Soliai/Jackson/Biermann/Umenyiora den jungen Linebacks das Gröbste schon vorne abräumt. Läuft es schlecht winkt eine 6-Siege-Saison und mindestens GM Dimitroff kann sich einen Job suchen. Er wird am Ende der Sündenbock sein, weil der Kader zu dünn ist und in der Defense die blue chippers fehlen.
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7 Kommentare zu “NFL Vorschau 2014 – Atlanta Falcons

  1. Hier bin ich auch sehr gespannt , was man da bei Hardknocks alles sehen kann, weil die Falcons dieses Jahr schon ziemlich Interessant sind in der Hinsicht, wo geht’s dieses Jahr hin

  2. Was die Linebacker betrifft, haben sie eininge junge Spieler auf die ich in der Preseason achten würde. Der 4th Rounder Shemebo ist klar, hat letztes Jahr wie fast alle Spieler der Irish Defense sehr inkonstant gespielt, vom Talent Level aber mindestens ein 2nd Rounder.
    #49 Tyler Starr war ein kleines Combine Wunder, guter Athlet
    Mein Liebling in der Gruppe ist aber zweifelsohne #54 Yawin Smallwood. Klassischer ILB, wenig Pass Rush sehr gute Instinkte, sehr guter Tackler. Könnte physischer spielen sollte aber ne Chance auf die 53 haben.

    Ansonsten bin ich gespannt wie sie es mit Matthews machen. Momentan steht der als RT drin. Ich hoffe sie lassen ihn links spielen. Man hat bei Eric Fisher letztes Jahr gesehen, dass er lange brauchte um sich in der NFL zurecht zu finden. Am Ende hat er links gespielt und (sicher auch mit mehr Erfahrung) zunehmend besser ausgesehen.

  3. Ich kann mir vorstellen, dass die Falcons es mit Matthews so machen wollen, wie die Cowboys es mit Tyron Smith getan haben. Ihn erstmal auf der rechten Seite einsetzen, ihn sich an die NFL gewöhnen lassen und dann im zweiten Jahr die Tackles wechseln. In der ersten Hard Knocks Folge hat er sich, wenn ich mich richtig erinnere, sich auch immer auf der rechten Seite aufgestellt – und da von Kroy Biermann auf die Fresse bekommen… ^^

  4. Pingback: NFL Vorschau 2014 – Dallas Cowboys | Sideline Reporter

  5. Mittlerweile ist Matthews schon auf LT gewandert, Baker ist out for the season, wie die Hard Knocks Zuschauer wohl schon gesehen haben.

    Btw. Hard Knocks: J.J. Watt ist ein Monster.

  6. Pingback: Was noch zum NFL-Start 2014 zu sagen war | Sideline Reporter

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