NFL Vorschau 2014 – Arizona Cardinals

Die Arizona Cardinals haben 2013 eine ganz starke Saison gespielt – leider in der NFC West. Sie waren zwar die einzige Mannschaft, die in Seattle gewinnen konnten, waren aber am Ende mit 10 Siegen nur Dritter der toughest division in football. Weil für die Playoffs auch außerhalb der NFC West mindestens 11 Siege nötig waren, reichte es nichmal für eine Wild Card.

Selbst für die sechs Niederlagen muß sich niemand in der Wüste schämen: New Orleans, Seattle, San Francisco, Philadelphia, St. Louis – vier der fünf Teams waren in den Playoffs, Hawks und Niners sogar im Championship Game. Blöd ist nun, daß Arizona auch 2014 wieder in der NFC West spielt.

Defense Arizona Cardinals

Blöd ist auch, daß mit den Linebackers Daryl Washington und Karlos Dansby zwei der besten Verteidiger die Biege gemacht haben. Dansby hat für eine große Handvoll Cash in Cleveland unterschrieben; Washington derweil hat mit seinen Händen Frau verprügelt und zum 84. Mal Gras geraucht – gesperrt für die komplette Saison.

Ersetzen sollen die beiden Larry Foote und Kevin Minter. Foote ist steinalt und war 2013 wegen einer Verletzung außer Gefecht. Minter ist blutjung und hat 2013 wegen Washington und Dansby nur einen einzigen snap in der Verteidigung gespielt. Immerhin ist Minter ein 2nd-rd pick, kommt aus der SEC (LSU) und bekommt kräftig Lob vom Trainerstab.

Vor den beiden ILB in Defensive Coordinator Todd Bowles 34-D spielen Calais Campbell, Darnell Dockett und Dan Williams. Für Campbell gehen mir so langsam die Superlative aus. Plump ausgedrückt, ist er in etwa so wie Richard Seymour in seinen besten Jahren: beste physische Voraussetzungen (2,04m) und alles im Arsenal, was ein Defensive Lineman so alles im Arsenal habe kann. Neben Campbell mausert sich der junge Dan Williams zu einem richtig guten Nose Tackle. Der dritte vorne drin ist Darnell Docket. Dieser kann seinem guten Ruf alter Tage (und seinem wilden Social-Media-Gehabe) immer weniger gerecht werden und wird wohl einige snaps an 3rd-rd pick Kareem Martin verlieren.

Ein weiteres Problem dürfte der pass rush sein. Matt Shaugnessy ist bestenfalls mittelmaß und John Abraham ist 36 Jahre alt. Wenn weder der diesjährige 5th-rd pick Ed Stinson oder der letztjährige 4rh-rd pick Alex Okafor einschlagen, hat die Front-Seven einen Schritt zurück gemacht.

Keine Sorgen machen muß man sich indes um die secondary. CB Patrick Peterson muß sich vor niemandem verstecken und verteidigt regelmäßig den gegnerischen NR.1 WR über den ganzen Platz. Die andere Seite beackert Neuzugang Antonio Cromartie, der als Nr.2 corner sehr gut aufgehoben ist. Die letztjährige Rookiesensation Tyrann Mathieu sichert dahinter erstklassig ab. Der Honey Badger spielt in Nickel- und Dime-D meistens im slot und kann jedem Welker das Leben zur Qual machen. Mit dem diesjährigen 1st-rd pick holte Arizona SS Deone Buchanon, der vor allem durch seine physische Spielweise überzeugen soll. Überhaupt sind alle DBs überaus physische und harte Typen und geben der secondary damit eine seahawksmäßige Handschrift.

Letztes Jahr war in Arizonas Verteidigung alles rosa Wolken und Einhörner, trotzdem schafften sie es nicht, den Angriff mit in die Playoffs zu schleppen. Dieses Jahr sind sie eher schwächer aufgestellt – Dansby, Washington raus; Dockett noch älter; wo ist der pass rush? – da müßte die Offense also zwei Schippen drauflegen, wollen die Cards in der mörderischen NFC West nicht unter die Räder geraten.

Offense Arizona Cardinals

Wo die Offense diese zwei Schippen hernehmen soll, ist nur schwer erkennbar. Ja: da ist Larry Fitzgerald und da ist auch ein starker Michael Floyd als WR. An Fitzgerald denken macht immer ein wenig traurig. Er ist die wandelnde griechische Tragödie. Als talentiertester Receiver seiner Generation verschwendet er Jahr um Jahr in der Wüste. Er wird immer wieder enttäuscht von Mannschaft und Management – aber nie so sehr, daß er gehen würde. Mal ist das übrige WR-Corps Schrott; mal die Quarterbacks; mal die Offensive; und immer das Laufspiel. Zur Tragödie wird das alles, weil es nie gleichzeitig ist, sondern immer nacheinander, sodaß das kleine bißchen false sense of hope ihn in Arizona hält. Da kommt ein Kurt Warner und sie haben keine anderen Waffen; dann kommen andere Waffen, aber dann ist der QB Schrott; dann kommt ein Carson Palmer und die Offensive Line ist kaputt. Jetzt ist die Offensive Line vielleicht besser, aber Palmer auf dem absteigenden Ast…

In den letzten Jahren haben die Cards mit einer beeindruckenden Penetranz ihre Offensive Line vernachlässigt, und das obwohl sie entweder auf ein vertikales Paßspiel gesetzt haben, das also viel Zeit benötigt; oder irgendwelche schlechten Grünschnäbel at the helm waren, die also besonders viel Schutz benötigen.

Letztes Jahr wurde endlich mal ein 1st-rd pick für einen OLiner verwendet. RG Jonathan Cooper hat sich dann aber dummerweise schon während des Trainingscamps auf IR verabschiedet. Der sollte helfen dieses Jahr, hat allerdings im Trainings Camp schon von HC Bruce Arians auf’n Deckel bekommen. Dieses Jahr wurde endlich mal Geld in die Hand genommen für einen Left Tackle. Jared Veldheer kommt aus Oakland und soll zumindest „gut mit Potential nach oben“ sein. Center spielt immer noch, wie seit gefühlt 20 Jahren, Lyle Sendlein, der immerhin konstant durchschnittlich ist. Right Tackle spielt Bobby Massie, der vor zwei Jahren als 4th-rd pick völlig überfordert starter wurde, aber sich durchaus entwickelt. Die andere Guard-Position wird wohl Earl Watford spielen, den der coaching staff derzeit anpreist als wär er der neue Logan Mankins. Komisch nur, daß das letztes Jahr noch niemand gesehen hat. Insgesamt könnte das die beste Linie seit 100 Jahren in Arizona sein, das heißt bei der Vergangenheit erstmal nicht viel, ist aber ein Fortschritt.

Hinter dieser Linie vertraut man weiter auf QB Carson Palmer. Der ist lange nicht mehr so gut wie früher in Cincy, aber mit besserem Schutz und Fitz/Floyd eingesetzt von einem sehr klugen HC/OC Arians kann man in den meisten Spielen mithalten. Die Schwachstelle Tight End soll vom 2nd-rd pick Troy Niklas ausgebessert werden. Daneben hofft man immer noch auf John Carlson, der 2009 mal eine gute Saison hatte und Rob Housler, der manchmal ganz kurz so tut, als könnte er ein guter Tight End sein.

Zu dem vertikalen Paßspiel Arians, das durch die Combo Erfahrung/Arm Palmer + Talent Fitz/Floyd zeitweise auch in Arizona ganz gut funktioniert, kommt noch RB Juke Ellington. Ellington war letztes Jahr eine der großen Entdeckungen. Zumsammengenommen mehr als 1000 yards from scrimmage bei 5,5 yds/rush und 9,5yds/catch. Ungemein explosiv und instinktsicher wirkt er als Spielertyp wie eine Mischung aus Shady McCoy und Darren Sproles. In der letzten Saison hat noch Pferdefuß Rashard Mendenhall die meisten carries bekommen, 2014 sollte Ellington allein schon aufgrund der suspekten Konkurrenz Stapfan Taylor/Jonathan Dwyer die Hauptarbeit machen.

In der Gesamtschau sieht es etwas besser aus als 2013: OLine sollte sicherer sein (Veldheer, Cooper); Laufspiel sollte besser sein (Ellington), TEs Nicklas/Carlson können gar nicht schlechter sein als Housler; alle zusammen haben das System Arians jetzt vollständig verinnerlicht…also wenn man sich das so schön redet, könnte man glatt optimistisch werden und sich für Fitzgerald freuen.

Ausblick

Aber dann fallen dir wieder die Hawks, Niners und Rams ein, die nicht nur in derselben Conference spielen, sondern in derselbe Division. Schade. In ein, zwei anderen Division könnten diese Arizona Cardinals um die Divisionskrone mitspielen. Die Defense ist etwas schlechter als letztes Jahr, aber immer noch mit Top-10-Potential; die Offense etwas besser und durchaus gutes Mittelmaß.

Die Cardinals werden sicher einige gute Teams schlagen und sehr lange in den Fernsehgrafiken unter „in the hunt“ subsummiert werden, am Ende wäre eine Playoffteilnahme aber überraschend.

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4 Kommentare zu “NFL Vorschau 2014 – Arizona Cardinals

  1. Wow, genausowas habe ich vor den neuen NFL-Saison gesucht. Ich bin Football-Fan, wette gerne bisschen (klein), habe aber schlichtweg null Ahnung. Wenn Ihr nun noch viel viel mehr NFL Teams durchchecken könntet vor Saisonstart…..DAS WÄRE SO KLASSE

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