Washington Huskies | Vorschau 2014/15

Der springende Punkt an den Washington Huskies in diesem Herbst wird der neue Head Coach Chris Petersen sein, der letzten Dezember von den Boise State Broncos abgeworben werden konnte. Petersen ist eine der Figuren im American Football, für die allein es sich lohnt, das Interesse mal einen Moment weg von der National Football League oder den großen Universitäten zu wenden, hin zu den kleinen Geschichten des College-Football.

Berühmt wurde Coach Pete mit den wahnwitzigen Trickspielzügen in der unübertroffenen Fiesta Bowl 2007, aber im Prinzip ist er der lebende Beweis, wie man mit limitierten Ressourcen und guten Strategien eine heile Welt auf den Kopf stellen kann. Es gab immer wieder Underdogs, die im College-Sport nach oben gekommen sind. Manche, wie die Miami Hurricanes, profitierten von gigantischem Spielermaterial. Andere, wie Penn State, hatten eine Lichtgestalt und eine große Region hinter sich.

Boise State und Chris Petersen hatten beides nicht. Die wenigen guten Spieler in den weiten Regionen des US-Nordwestens wurden von der Pac-10/Pac-12 Conference abgegriffen, und die junge Boise State University hatte weder Charme noch Tradition zu bieten. Petersen kam und machte aus einem ambitionierten Team einen Giganten, der der Elite fast ein halbes Jahrzehnt lang den kalten Angstschweiß über den Rücken jagte.

Petersen ist ein Offense-Genie. Aber bei Boise State schaffte er es vor allem, seine Teams zu einen, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen, eine Atmosphäre des Wir gegen die Großen, und so spielten seine Teams auch.

Nun wird zu beobachten sein, wie Petersen diesen seinen größten Verkaufsschlager an die University of Washington transferieren wird können. Washington liegt nicht in den Wäldern von Idaho, sondern mitten in der Großstadt Seattle. Washington hat ein ikonisches Footballstadion. Washington ist kein Underdog wie Boise State, sondern sieht sich nicht zuletzt wegen eines 1991 gewonnenen National Championships durchaus als legitimes Top-Programm landesweit.

Ein Top-Programm, das zwar in den letzten zehn Jahren eine schwere Zeit durchmachte (u.a. eine unerhörte 0-12 Saison 2008/09), das aber seit Jahren leichten Aufwärtstrend durchmacht. Man ist aber keine Elite-Adresse mehr: So wurde im Dezember der Head Coach Steve Sarkisian von der übermächtigen USC abgeworben, und man griff zu Petersen. Keine schlechte Wahl, sagen viele. Petersen sollte ein Upgrade gegenüber Sarkisian sein, sagen fast ebenso viele.

Wir sind gespannt.

2013/14 sah Washington eine in Ansätzen richtig, richtig gute Mannschaft. Man pulverisierte Boise State wie lange Zeit keine Mannschaft mehr Boise State pulverisiert hatte (ein 38-6 zum Season-Opener), man schlug gute Teams wie Arizona oder BYU, verlor aber knapp (Stanford) oder deutlicher (Oregon, Arizona State) gegen die Top-Teams der Pac-12 Conference. Trotzdem: Man ist „dran“ an den Großen, und es ist nicht auszuschließen, dass Petersen die Lücke weiter schließt.

Petersen ist meisterhaft darin, für sein vorhandenes Spielermaterial eine Offense zu zimmern, die den Individualtalenten entspricht. Tendenziell sucht er großgewachsene, kräftige Spielertypen, Physis, die gegen die besten Athleten des Landes mithalten können, aber wenn er die nicht hat, no problem. Wichsen wir eben sechshundert Kurzpässe das Spielfeld runter.

Die Offense muss sich sowieso erst finden: QB Keith Price hat sein Studium beendet und muss beerbt werden. Sein potenzieller Nachfolger Cyler Miles gilt als großes Talent, verpasste aber Teile der Vorbereitung aufgrund einer teaminternen Suspendierung. Wichtig für jeden Petersen-QB ist die Fähigkeit, den Ball schnell aus der Pocket zu bewegen – das kann Miles, hat er schon bewiesen.

Bei den Runningbacks ist Bishop Sankey mittlerweile NFL-Profi; sein wahrscheinlichster Nachfolger ist der kräftigen, aber nicht allzu schnelle Dwayne Washington (47 Carries/332yds, 4 TD). Bei den Receivern gibt es mehr als eine Handvoll guter Spieler wie den Senior-WR Kasen Williams oder den kleinen Slot-WR Jaydon Mickens, mit denen du operieren kannst. Petersen soll aber in der Vorbereitung schon weiter gedacht haben: Angeblich bekamen auch die athletischeren Abwehrspieler ihre Übungseinheiten in der Offense. Hier werden aktuell Adjustments gemacht, dass die Köpfe rauchen.

Die Defense von Washington lebt von einer quicken, aggressiven Front-Seven, die sich hie und da ganz gern überlaufen lässt, aber irre Wucht im Passrush ausüben kann. Der Goldjunge ist OLB Shaq Thompson, ein angehender NFL-Draftpick, einer von den Jungs, die auch als Teilzeit-Runningbacks eingesetzt werden sollen. DefCoord Pete Kwiatkowski, schon in Boise einer der stillen Helden, findet in seiner Abwehr besseres Spielermaterial vor als Kollege Peterson in der Offense.

Zählt man alle Faktoren zusammen, ist nicht auszuschließen, dass die Huskies in der hochklassig besetzten North-Division der Pac-12 Conference ein Wörtchen mitreden werden. Oregon und Stanford sind landesweite Kaliber, aber zumindest Stanford könnte in Schlagdistanz sein. Möglicherweise braucht Peterson ein oder zwei Jahre bis alle Stellschrauben richtig gedreht sind, aber auszuschließen ist ein Angriff auf die Spitze schon in diesem Jahr auch nicht.

2 Kommentare zu “Washington Huskies | Vorschau 2014/15

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