NFL Vorschau 2014 – Carolina Panthers

Letztes Jahr hat plötzlich alles geklickt in Carolina. Die Front-7 hatte die beste Zeit ihre Lebens; das power running game war erhofft powerful; und aus dem stockkonservativen Head Coach wurde über Nacht Riverboat Ron; auch deswegen gewannen die Panthers erstmals in der Ära Newton viele knappe Spiele.

Die Cardiac Cats gewannen einigermaßen überraschend die NFC South, scheiterten aber nach der bye week an ihrem Ebenbild aus der NFC West, den San Francisco 49ers. Spielerisch sind sich beide erstaunlich ähnlich: power running game mit dual threat quarterback plus eine aggressive Defense, die von der Front-7 getragen wird. Auf der Managementseite allerdings trennen die beiden Welten. Während San Frans GM Trent Baalke gerade die Lehrbücher für erfolgreiche Kaderplanung neu schreibt, hat Carolinas GM David Gettleman bei seinem Amtsantritt 2013 eine fürchterliche Situation vorgefunden, so stehen auch dieses Jahr noch $20M an dead money in den Büchern.

Offense Carolina Panthers

Zuerstmal der Lichtblick: Cam Newton. Newton ist zwar immer noch überschätzt, aber dafür schneidert ihm OC Mike Shula eine Offense, die immer besser auf ihn zugeschnitten ist. Newton hatte so wenig Paßversuche und Läufe wie noch nie in seiner NFL-Karriere und nicht ein einziges 300yds-Spiel. Man bringt Newton nicht mehr in die Situation, das Team alleine tragen zu müssen.

Stattdessen läßt Shula laufen wie nie zuvor, was zu sehr langen Ballbesitzzeiten, aber nur wenig Punkten führt. DeAngelo Williams, der in der letzten Saison mit 201 die meisten carries bekam, ist jetzt ein 31 Jahre alter Running Back. Jonathan Stewart hat in den letzten beiden Jahren ganze 15 Spiele mit insgesamt 140 carries gemacht. Und der dicke Mike Tolbert ist zwar immer ganz witzig anzuschauen, aber mehr als 4yds/carry hat er auch noch nie gemacht. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf dem Kenjon Barner, der letztes Jahr in 6ten Runden gedraftet wurde, aber erhebliche Schwierigkeiten hatte, sich in der NFL zurechtzufinden.

Richtig problematisch wird es dann in der Offensive Line. Center Ryan Kalil ist die einzig sichere Nummer. Neben ihm stehen Amini Silatolu und Garry Williams, die beiden 2013 fast gar nicht gespielt haben. Neben Guard Travelle Wharton müssen die Panthers mit Left Tackle Jordan Gross  (Karriereende) einen noch viel größeren Verlust verkraften. Byron Bell und Nate Chandler werden sich als Tackles versuchen, in der Hoffnung, daß man während der Saison dann nicht lieber mal einen UDFA oder irgenjemanden von der Straße ausprobieren muß.

Die drei Wide Receivers der letzten Saison – Steve Smith, Brandon LaFell und Ted Ginn – hat man ziehen lassen und durch ebensolches Mittelmaß ersetzt: Jericho Cotchery, Jason Avant, Hightop Tiquan Underwood und 1st-rd pick Kelvin Benjamin. Gettleman ist hier volles Risiko gegangen: im besten Falle schlägt der 1,96m große Benjamin gleich ein, ist Cotchery die erfahrene und sichere Notfalloption für Newton und Avant eine gute Nr.3 wie in Philadelphia. Im schlimmsten Falle paßt da gar nichts zusammen: ist Cotchery zu alt; Benjamin überfordert als Rookie und Avant hilflos ohne die besseren WRs neben sich, die er bei den Eagles hatte. Höchstes Risiko also, aber Gettleman hatte auch keine Wahl.

Die größte Hilfe für Newton dürfte TE Greg Olsen sein, immerhin auf den kann Carolinas Angriff sicher bauen. Als backup kam Ed Dickson aus Baltimore, auf den sollte man lieber nicht bauen. Insgesamt sieht das schon alles ziemlich mies aus – da es bis auf die Rookies Guard/Tackle Trai Turner (3te Runde) und RB Tyler Gaffney (6te Runde) auch überhaupt keine Tiefe gibt, gibt es hier großes trainwreck potential.

Defense Carolina Panthers

Aber naja, was solls?! Die Carolina Panthers leben eh von ihrer Verteidigung. Hier gibts kaum schlechte Nachrichten. Vier ihrer besten Defensive Backs haben sie ziehen lassen: Captain Munnerlyn, Mike Mitchell, Quintin Mikell und Drayton Florence. Die sind aber allesamt kein großer Verlust und man kann es Gettleman schon hoch anrechnen, daß er für keinen dieser JAGs („Just another guy“, Bill Parcells) das Portemonnaie aufgemacht hat.

Geblieben sind die drei letztjährigen Rookies Melvin White, Josh Norman und Josh Thomas – die sind immerhin billig und auch nicht völlig talentfrei. Verstärkt werden sie von einem neuen Schwung JAGs: CB Antoine Cason kommt aus Arizona; die Safetys Thomas DeCoud aus Atlanta und Roman Harper aus New Orleans; und Charles Godfrey kommt von IR zurück.

Schlechter als die Truppe letztes Jahr sollten sie nicht sein. Zumal es den Defensive Backs unter DC Sean McDermott relativ einfach gemacht wird. Vorne gibt es unglaublich viel Druck auf die gegnerische Linie und den Quarterback, während die DBs selber dann nur die Aufgabe haben, keine Dummheiten zu machen.

Den Druck gibt es auf zwei Arten. Einmal von den bärenstarken Defensive Ends Greg Hardy und Charles Johnson. Ein besseres Pärchen edge rushers hat wahrscheinlich nur St. Louis. Allerdings schwebt Hardy wegen Prügelvorwürfen und einigen gefundenen Waffen in Gefahr, für längere Zeit gesperrt zu werden. Dafür wurde in der zweiten Runde Kony Ealy gedraftet, der wahrscheinlich auch langfristig Hardy ersetzen soll, der diese Saison mit dem Franchise Tag spielt.

Die andere Art Druck zu machen, ist der „a-gap blitz“, den McDermott noch vom alten Jim Johnson persönlich gelernt hat. Dabei stehen zwei Linebackers zwischen den beiden Defensive Tackles und haben damit den potentiell kürzesten Weg zum Quarterback. Das führt zu großem Kommunikationsaufwand und großer Angst in der Mitte der Offensive Line. Die beiden Linebackers müssen gar nicht tatsächlich blitzen; weil aber die Mitte der Linie die Gefahr respektieren müssen, stehen die Offensive Tackles meist alleine im 1-gegen-1 Hardy und Johnson gegenüber.

Besonders gefährlich ist das Ganze, weil die beiden Linebackers Thomas Davis und Luke Kuechly sind. Beide können sowohl mit 180 den Quarterback aufscheuchen als auch schnell genug wieder zurück auf ihre eigentlichen Positionen zurück kommen. Wobei Kuechly dabei immer noch Probleme hat und im Paßspiel gerne mal einen Angreifer „in seinem Rücken verliert“. Das macht Davis viel besser; dafür verteidigt Kuechly gegen den Lauf wie eine Eins.

Komplettiert wird die Front-7 von den beiden letztjährigen Rookies Star Lotulelei und Kawann Short, die beide eingeschlagen haben wie erhofft. Es spricht nichts dagegen, den Erfolg der Vorsaison zu wiederholen.

Ausblick

Das gilt allerdings nur für die defensive Seite. Selbst wenn es die Verteidigung schafft, das Niveau von 2013 zu halten, wird es ganz schwer, diesen Angriff mit in die Playoffs zu schleppen. Wenn nicht ein Wunder passiert und Newton plötzlich so paßt wie die Divisionskollegen Ryan und Brees, wird das ein ganz langes Jahr für die Offense und die Playoffs wären eine Überraschung. Immerhin sind sie dann recht gut aufgestellt für 2015, wenn die letzten Altlasten von GM Hurney endlich abgeschrieben sind.

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4 Kommentare zu “NFL Vorschau 2014 – Carolina Panthers

  1. Danke für diese Analyse.

    Im Großen und Ganzen sehe ich es ähnlich wie der Autor. Die Probleme mit dem Salary Cap musste nun mal irgendwann kommen und so wirken die Panthers wie der große Verlierer der Off Season, aber sie konnten ja nichts anderes machen. Sobald die Engpässe beseitigt sind, wird es wieder besser.

    Die Front 7 ist einfach nur fantastisch und es macht großen Spaß zuzusehen. Die Defense wird sie wohl in der Saison halten, aber insgesamt ist die NFC South viel zu stark, um mit den gigantischen Problemen der Offensive zurecht zu kommen.

    Mit der O-Line und den WR-Corps wird nicht viel gehen können.

    Widersprechen möchte ich aber bei den Lobpreisungen für das Offensivsystem. IMO haben sie da letztes Jahr einen Rückschritt gemacht. Der Kollege Barnwell hatte das auch mal angesprochen, dass Newtons Stärke zu Fuß kaum noch genutzt wird. Er wird immer mehr irgendwo rein gezwängt, wo nicht seine Stärken liegen.

    Wenn man auch mal auf die NY/A Werte schaut, sieht man auch, dass die Panthers einen klaren Rückschritt gemacht haben letztes Jahr im Vergleich zu 2012/2013. Newton war unheimlich effizient, einer der besten in dem Jahr.

  2. Ich glaube, ich habe das schon ein paarmal geschrieben: Ich bin auch nicht überzeugt vom Strategiewechsel in der Offense.

    Scott Kacsmar (jetzt Football Outsiders) hat letzten Sommer bei CHFF erörtert, wieso möglicherweise die „neue“ Panthers-Offense in Charlotte zu viel Ansehen genießt: Schedule. Im Freak-Herbst 2012 spielte man zufällig den einfachsten Teil seines Schedules mit reduzierter Read-Option Offense – und gewann die Spiele. In Carolina schloss man aber wohl daraus, dass vor allem der Offense-Wandel ausschlaggeben war. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Trugschluss.

    Alle Effizienz-Stats 2013 wiesen drauf hin, dass Carolinas Offense einen Rückschritt gemacht hat, aber dafür die Defense etwas besser wurde. Das meiste zur Explosion an Siegen ist sowieso durch Riveras Riverboat zu verdanken. Ich fürchte also, man kastriert sich im Angriff selbst.

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