NFL-Vorschau 2014: Minnesota Vikings

Die Minnesota Vikings haben das Arizona-Cardinals-Problem: sie sind ganz anständig aufgestellt, aber in ihren jeweiligen Divisions sind sie nur die netten Jungs zwischen vielen bullies. Die Cardinals müssen mir ihrer mäßigen Offense sechsmal gegen Willis/Bowman, Quinn/Long und die Legion of Boom ran. Die Vikings nun müssen sechsmal gegen Stafford/Megatron, Cutler/Jeffery/Marshall und Aaron Rodgers ran.

Die neuen Chefs unter Head Coach Mike Zimmer und Offensive Coordinator Norv Turner finden recht gute Voraussetzungen vor, aber richtige Kracher, die den Norden zum Erzittern bringen, fehlen. Die beste Idee wär es wahrscheinlich gewesen, letztes Jahr Adrian Peterson zu traden für ein paar zusätzliche hohe Draftpicks, da war aber die Angst vor einer Fanrevolte wohl größer.

Defense Minnesota Vikings

Die Vikings haben aber auch so einige recht vielversprechende Talente in der Verteidigung. In den letzten drei Jahre haben sie vier 1st-rd picks in Verteidiger investiert: Safety Harrison Smith, Defensive Tackle Sharrif Floyd, Cornerback Xavier Rhodes und dieses Jahr Outside Linebacker Anthony Barr. Dazu kommt noch Free Agent Linval Joseph, der seine Klasse bereits in der NFL unter Beweis gestellt hat und auch erst 25 Jahre alt ist.

Was ein wenig fehlt, ist der erfahrene Führungsspieler. Die beiden Williamse aus der Mitte sind weg; DE Brian Robison ist zwar schon 31, aber kein Führungsspieler und Linebacker Chad Greenway ist einfach spielerisch zu schlecht.

Bei allem angeblichen Talent mit CB Rhodes und Safety Smith – vom Hocker gerissen haben die beiden bisher noch nicht. Und hinter den beiden fehlen in der secondary auch einfach noch ein, zwei gute Spieler. CB Captain Munnerlyn kam aus Carolina, ist aber kein Heilsbringer; Jamarca Sanford, Derek Cox und Josh Robinson würden bei vielen anderen Teams auf der Bank sitzen.

Es wird sehr spannend sein zu sehen, was Mike Zimmer aus diesem Spielermaterial macht. In den letzten Jahren bei den Bengals und auch davor schon bei den Cowboys, war er regelmäßig ein Anwärter auf offene Cheftrainerposten. Nach vielen vergeblichen Versuchen hat er ihn jetzt – und damit er sich ganz auf die Defense konzentrieren kann, hat er dem ewigen Norv Turner die Offense übertragen.

Offense Minnesota Vikings

Turner ist bekannt für eine recht klassische Offense mit einem ausgeprägten vertikalen Anteil. „Klassisch“ heißt hier, daß nie mehr als drei WRs auf dem Feld stehen, dafür aber immer mindestens zwei RBs bzw. TEs – und daß das Laufspiel eine große Rolle spielt.

Da trifft es sich gut, daß Purple Jesus wahrscheinlich noch ein, zwei Jahre im work horse-modus mitmachen kann. Nur trägt ein Running Back im Jahre 2014 natürlich keine Offense mehr allein, das sollte sich aus leidiger Erfahrung mittlerweile auch bis an die kanadische Grenze rumgesprochen haben.

Daß Paßspiel beginnt bei Turner mit dem Tight End. Wenn 1,95m Mann Kyle Rudolph fit bleibt, kann er der nächste große Tight End der „Air Coryell-„/Turner-Linie werden, die von Kellen Winslow bis zu Antonio Gates reicht. Der andere Tight End Rhett Ellison soll als zweiter TE bzw. H-Back sehr vielseitig zu gebrauchen sein und wird damit bei Turner auch viele Spielanteile bekommen.

Das große Problem ist hier aber natürlich der Quarterback. Um von Tavaris Jackson wegzukommen wurde 2011 in einem Akt blinden Aktionismus Chris Ponder in der ersten Runde gedraftet. War keine so gute Idee, wie sich später herausstellte. Dann kam Matt Cassel und zu niemandes Überraschung ist auch er kein Franchise Quarterback. Nun also Teddy Bridgewater. Dieser ist erstmal noch hinter Cassel im depth chart, aber weil er sich schon ganz patent anstellt und die Langfristlösung sein soll, wird er wohl früher oder später der starter werden.

Ein Greg Jennings ist einem jungen oder/und mittelmäßigen QB immer eine Hilfe, selbst wenn er so natürlich nicht die stats bringt, die er mit einem Rodgers in Green Bay hatte. Ebenso wie Jennings stellt auch die Nr.2 Cordarrelle Patterson auf tiefen Routen eine Gefahr dar, auch wenn er noch das Prädikat „Rohdiamant“ hat. Diese tiefen Möglichkeiten werden sie mit Turner und einem gefährlichen Tight End in Rudolph bekommen – dann muß der Quarterback nur was daraus machen.

Sehr angenehm für den Quarterback wird auch die sichere Offensive Line sein. Mit Matt Kalil (LT), John Sullivan (C) und Phil Loadholt (RT) haben sie drei hohe Draftpicks lehrbuchmäßig investiert. Alle drei haben sich – und wurden auch – stark entwickelt; wir haben hier ein sehr schönes Beispiel dafür, wie wichtig player development ist, mangelnde Fähigkeiten im coaching sind für genauso viele verpaßte Talententwicklungen verantwortlich wie mangelnde Motivation, Einstellung oder Ähnliches. Dazwischen spielen zwei JAGs, wobei Brandon Fusco von PFF fast schon gehypt wird wie Evan Mathis.

Ausblick

Das ist kein Angriff, der baden gehen wird. Aber das ist auch kein Angriff, der Cutler/Stafford/Rodgers outscoren wird. Zimmer und Turner haben hier aber eine Mannschaft, in der sehr viel Potential steckt. Wenn die beiden da alles herausholen können, kann man mit großer Hoffnung in die Zukunft schauen.

3 Kommentare zu “NFL-Vorschau 2014: Minnesota Vikings

  1. Zwei Anmerkungen als Vikings Fan:

    Sullivan war kein hoher Draftpick sondern ein 6th rounder der dich toll entwickelt hat 🙂

    Einen kleine Kritik zu deiner Vorschau: S Harisson Smith als einen Spieler mit angeblichen Talent zu bezeichnen, ist schlicht und einfach nicht fair! Lt. PFF und so ziemlich allen anderen Rating Seiten zählt er in Lauf und Pass D zu den Top 5 der Liga! Das ist definitiv Talent!

  2. Pingback: NFL Vorschau 2014 – Dallas Cowboys | Sideline Reporter

  3. Pingback: Was noch zum NFL-Start 2014 zu sagen war | Sideline Reporter

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