NFL Vorschau 2014 – Dallas Cowboys

NFL preview fun edition! Die Dallas Cowboys – eine Mannschaft wie ein Vergnügungspark: das spaßige Kettenkarussel steht direkt neben der Geisterbahn – und beides steht im Schatten der großen Achterbahn. Zum dritten Mal in Folge beendeten die Cowboys die regular season mit einer Bilanz von 8-8 und verpaßten die Playoffs. Die Mannschaft war geprägt vom krassen Auseinanderklaffen der beiden Mannschaftsteile: Angriff – bockstark; Verteidigung – Bockmist. Alles deutet darauf hin, daß es 2014 noch extremer wird. Alles weitere nach dem Klick.

Defense Dallas Cowboys

Die Geisterbahn. Hergott, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Weil das alles so schlimm ist, machen wir’s am besten kurz. Die letzte Saison war eine Katastrophe aufgrund absurd vieler Verletzungen und mangelnder Kadertiefe (Dallas Cowboys = mangelnde Kadertiefe, immer). In dieser Offseason haben sie dann ihre drei besten Verteidiger verloren: Sean Lee, Kreuzbandriß; DeMarcus Ware, Denver Broncos; Jason Hatcher, Washington Redskins. Für Ware und Hatcher war kein Geld mehr da (Dallas Cowboys = salary cap hell, immer). Rod Marinelli wurde zum Defensive Coordinator befördert (Dallas Cowboys = in Offseason Trainer auswechseln, immer).

Das ist so im Groben die Ausgangslage und, tja, nun weiß ich auch nicht. Die Cornerbacks sind ganz gut. Brandon Carr ist ein brauchbarer Nr. 1 corner, Orlando Scandrick ist richtig gut im slot und wenn man Morris Claiborne nicht zu viel Verantwortung aufbürdet, ist er ordentlich.

Der Rest wäre als backups ganz gut. Als Stammspieler nicht. Mit viel Glück schlägt DT Henry Melton ein, der in Chicago dabei war, vielfacher Millionär zu werden, als er sich das Kreuzband zerstörte. Anthony Spencer hat auch Potential – wenn er sich von seiner Knieoperation richtig erholt. Noch so ein Lazarettfall ist ist Amobi Okoye. Okoye kam mit 19 Jahren in die NFL, konnte sich aber nie richtig durchsetzen und lag dann letztes Jahr mit einer ganz seltenen Krankheit wochenlang im Koma. Noch so ein grundsätzlich ganz talentierter Defensive Linemen ist Tyrone Crawford, seine jüngere Vergangenheit ist von einem Achillessehnenriß geprägt. Die einzigen beiden Linienspieler ohne größere Verletzungssorgen sind Jeremy Mincey und George Selvie. Die beiden sind brauchbar als backups, so wie Mincey letztes Jahr in Denver, aber sie können nunmal beim besten Willen keine Linie oder gar die gesamte Front Seven tragen.

Nach der Verletzung von Sean „er-wär-schon-längst-ein-Superstar-ohne-seine-Verletzungen“ Lee ist der einzige bekannte Linebacker Bruce Carter. Der ist übrigens auch öfter mal verletzt. Daneben, wie auch in der Defensive Line und bei den Safeties, jede Menge Rookies, JAGs und Leute von der Straße.

Die gesamte Verteidigung ist eine einzige große Baustelle, auf der jeder ohne Helm und ohne Gurt rumrennt. Das einzige, was sie retten könnte, ist die Offense der 2007 New England Patriots.

Offense Dallas Cowboys

Naja, das sind jetzt nicht direkt die 2007er Patriots, aber viele Vergleiche mit aktuellen Teams werden sie nicht scheuen müssen. Die eh schon starke Offensive Line wurde mit einem weiteren 1st-rd pick verstärkt (die Defense sieht man anscheinend als so hoffnungslos an, daß man lieber auf ein Wunder hofft, denn auf 1st-rd picks). Notre Dames Zach Martin soll wohl gleich als Right Guard starten und wenn er einschlägt, ist das die beste Angriffslinie der NFL.

Links entwickelt sich Tyrone Smith (immer noch erst 23 Jahre alt) besser als es die Optimisten erwartet hatten. In der Mitte steht mit Travis Frederick, 1st-rd pick 2013, ein Laufblockbulldozer wie man ihn bei der Kombination „Center & Wisconsin“ erwartet. Right Tackle ist Doug Free, der sich dort richtig wohlfühlt nachdem er links etwas überfordert war.

Dahinter macht es DeMarco Murray dann auch richtig Spaß zu laufen. Mehr als 5yds/carry und dazu mehr als 50 gefangene Pässe beweisen wieder einmal, daß starke Running Backs auch noch in der dritten Draftrunde zu haben sind. Nur einen richtigen backup hat man noch nicht identifiziert, aber brauchbare Ersatz-RB gibt´s in der NFL wie Rinder in Texas und mit dieser Linie muß sich da eh niemand Sorgen machen.

Diese Offensive Line – auch im Paßspiel: mit Tony Romo als Quarterback sind das fast schon Perlen vor die Säue. Romo kann sich wie kaum ein zweiter Zeit in der pocket erkaufen und dann trotzdem noch den freien Mann finden und ihn perfekt bedienen. Weil er ein, zwei mal bei NBCs Sunday Night Football eine Interception zuviel geworfen hat, hat er jetzt in vielen Kreisen das Prädikat „Romocoaster“, aber das tut ihm unrecht. Er ist nur eine Klasse unterhalb der Rodgers/Manning/Brees-Fraktion und ein echter Franchise Quarterback. Er hatte einfach das Pech, zu viele INTs in prime time games geworfen zu haben. Wirft er alle – „alle“ waren 2013 übrigens ganze 10 – Interceptions während der 1pm games, kräht kein Hahn danach. Was Dallas an Romo hat, wird man erst merken, wenn er weg ist. Anyhow…

Auch wegen Romo sieht Dez Bryant oftmals aus wie der talentierteste WR der NFL. Er war Fokus jeder gegnerischen Defense letztes Jahr und hat trotzdem fast 100 Bälle gefangen. Auf der anderen Seite wir der letztjährige 3rd-rd pick Terrance Williams spielen, der letzte Saison mit 700 yards gleich bewiesen hat, daß Miles Austin vor allem ein Produkt von Romo und OC/HC Jason Garrett war und damit überflüssig ist.

Das Gegenteil von überflüssig ist weiterhin Jason Witten. Er ist auch trotz seiner 32 Lenzen der weiterhin poster boy für alle Tight Ends: im Paßspiel nicht nur körperlich (1,96m), sondern auch technisch und in Sachen „football IQ“ auf der Höhe der Zeit, im Laufspiel effektiver als viele Fullbacks. Neben Witten erwartet sich Dallas viel von Gevin Escobar. Der 2-Meter-Mann soll jetzt den hohen Erwartungen und seinem status als 2nd-rd pick gerecht werden und langfristig in die Wittens Schuhe treten.

Die slot machine ist mit Colt Beasley der kleinste Wes Welker aller Zeiten, der wie schon Austin vor ihm ungedraftet in den Kader kam. In der fünften Runde wurde Devin Street gedraftet und weil Jerry Jones Humor hat, ist der backup-QB jetzt Brandon Weeden.

Weil Jones aber einen sehr seltsamen Humor hat, gibt es drei Offensive Coordinators. Jason Garrett war mal selbst OC und hat als Head Coach vielleicht immer noch das letzte Wort. Man weiß das nicht so genau. Auf jeden Fall hat Jones ihm 2013 Bill Callahan als Coordinator vor die Nase gesetzt. Und um das ganze noch eine lockere Schraube weiterzudrehen, soll jetzt Scott Linehan die Spielzüge ansagen, Callahan aber Coordinator bleiben und Garrett das letzte Wort behalten. Oder auch nicht.

Ausblick

Jedenfalls sind mit Linehan, Callahan, Rod Marinelli (pundits sagen gerne „der beste Defensive-Line-Coach diesseits des Amazonas“) und Monte Kiffin (als Assistant Head Coach) schonmal mindestens vier Typen im Trainerstab, die Interimschef werden können, wenn Jones nach wechselhaftem 4-4-Start einen neuen boost und die Playoffs erzwingen will. Es gab 2013 einige wilde shootouts wie das legendäre 48-51 gegen Denver und es spricht alles dafür, daß es diese Saison wieder genauso kommen wird. Die Offense ist gut genug, acht Spiele alleine zu gewinnen. Die Defense allerdings ist schlecht genug, acht Spiele alleine zu verlieren. Wahrscheinlich wird es die vierte 8-8-Saison in Folge mit der Chance, bis zum Schluß um den Divisionsieg mitzuspielen – in Woche 13 und 15 gibt es die beiden Spiele gegen den Favoriten aus Philadelphia, wohl bei NBC.

9 Kommentare zu “NFL Vorschau 2014 – Dallas Cowboys

  1. Launiger Roundup.

    Man hofft halt immer auf eine Saison wo die Defense übers Limit geht/funktioniert, aber die Vorbereitung lässt nichts gutes erwarten.

    Das D.Lawrence auch mind. die halbe Saison ausfällt, ist irgendwo das i-Tüpfelchen.

  2. ach da lohnt sich dochmal an fünfer für DAL als SB-Champion…
    die NFCE ist ja mehr ne lotterie als ne division…

  3. Man kann ja von den Cowboys denken was man will, aber irgendwie kann man sich nicht dem Eindruck erwehren, dass das alles die größte Sportsatire seit Jahrzehnten ist…

  4. und halt auch nicht ganz zu unrecht haben die cowboys ihren wert wieder gesteigert… wird ja nicht so sein, dass JJ damit nur verlust macht…

  5. Monetaer macht keiner der Owner Verlust, da braucht man sich keine Sorgen zu machen. Aber dass Jones kein Footballteam managen kann, das hat er nun bereits sehr konsequent ueber die Jahre hinweg bewiesen. Die Salary Cap Probleme kommen ja nicht per Zufall.

    Ansonsten volle Zustimmung, die Defense ist wohl das schlechteste was man aktuell in der NFL aufbieten kann. Das wird launig, aber wirklich zu gewinnen ist damit nix.

  6. Klar wirft Romo die entscheidende Interception, Weeden kommt ja gar nicht dazu die entscheidende zu werfen… -.-

    JJ konnte schon eine Franchise gut managen, nur hat er sich nie wirklich an die Gehaltsobergrenzen angepasst. Ich hoffe ja dass es sich langfristig auszahlt, das Stephen Jones das Kommando sukzessive übernimmt.

  7. Pingback: Was noch zum NFL-Start 2014 zu sagen war | Sideline Reporter

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